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Der Amerikanische Bürgerkrieg (1861-1865): Ein Vorwort

 

Vorwort

 

Der Amerikanische Bürgerkrieg ist in Europa eher wenig bekannt. In Europa sind die großen prägenden Kriege die beiden Weltkriege gewesen, in einigen Ländern gab es eigene Bürgerkriege, die früheren Kolonialmächte blicken auch auf eine lange Reihe Kolonialkriege zurück. Aber den größten amerikanischen Krieg, der bisher geführt wurde, wird selbst in der historischen Rückschau nur selten mehr als oberflächlich oder gar nicht wahrgenommen. Für die Amerikaner ist dies aus naheliegenden Gründen anders. Ähnlich wie der Unabhängigkeitskrieg gehört der Bürgerkrieg bzw. Sezessionskrieg für die Amerikaner zu den grundlegenden, prägenden Ereignissen in der Geschichte ihrer Nation. Viele sagen, dass dieser Krieg aus den Vereinigten Staaten von Amerika überhaupt erst zu wirklich vereinigten Staaten gemacht hat. In der Tat schloss der Krieg die größte bestehende Kluft, die die Bevölkerung der USA in zwei Gesellschaften teilte. Die Sklaverei. Es ging anfänglich nicht zuvorderst um die Sklaverei in diesem Krieg, sie war eher nur ein Sinnbild für die grundlegende Frage. Aber der Krieg sorgte dann letztlich doch für ihre Beendigung. Erst dadurch konnten sich die Gesellschaft der Südstaaten und die Gesellschaft der Nordstaaten soweit einander angleichen, dass man von vereinigten Staaten reden konnte.

Wieso sollten einen Europäer also an diesem Krieg interessieren? Zum einen kann es für die transatlantischen Beziehungen zwischen den USA und den Europäern, die gerade auch im 21. Jahrhundert schicksalhaft für die Europäer sein werden, nicht schaden, besser zu verstehen wie die USA wurden wie und was sie sind. Diese Geschichte beginnt nicht erst mit dem 2. Weltkrieg. Zum andern offenbart der Amerikanische Bürgerkrieg auch Einblicke in die Gesetzmäßigkeiten vieler Kriege: Wie die Charaktere der Kommandeure das Geschehen bestimmen, wie irrationale Ängste überhaupt erst zum Krieg führten, wie langsam aufgestaute Spannungen in Gewalt eskalieren können. Wichtig ist auch die Erkenntnis, wie verhärtet die Positionen auch während des Krieges waren, dass erst die völlige militärische Niederlage der einen Seite den Krieg beendete. Darin finden sich Parallelen zu heutigen Bürgerkriegen, die wegen verhärteter Positionen scheinbare Ewigkeiten dauern. Zugleich ist der Amerikanische Bürgerkrieg eines der wenigen Beispiele für einen großen, verheerenden Krieg, der in einem durch und durch demokratisch verfassten Gemeinwesen ausbrach. Wenn es daher eine grundlegende Mahnung aus diesem Krieg gibt, dann die, dass man selbst in vermeintlich stabilen Demokratien auf den Ton in den Debatten und Konflikten achten sollte, da auch eine Demokratie nicht völlig vor einem Bürgerkrieg gefeit ist. Und allein deswegen ist er es wert, näher betrachtet und seine Geschichte nachvollzogen zu werden.

Ich möchte die größeren und die kleineren Linien dieses Krieges nachzeichnen, der scheinbar so wenig mit den Bürgerkriegen von heute zu tun hat und doch so viel. Diese Geschichte soll packend erzählt werden, ohne zu verherrlichen. Ich werde sie in drei großen Teilen erzählen:

Der erste Teil ist der Entstehung dieses Krieges gewidmet. Er ist nicht so lang wie der zweite Teil, aber nicht minder wichtig.

Der zweite Teil ist der längste und umfasst den gesamten Krieg.

Der dritte Teil wird sich mit dem Frieden befassen, der aus diesem Krieg hervorging. Der vielleicht kürzeste, aber nicht zwingend unwichtigste Teil.

Denn zu jedem Krieg gehören der Krieg selbst ebenso wie sein Ursprung und der Friede danach.




Bild 1: Dieses Bild des Soldatenfriedhofs in Alexandria (Virginia) lässt das Leid erahnen, welches der Bürgerkrieg über die USA brachte. Das Bild entstand gegen Ende des Krieges. Quelle: http://usslave.blogspot.de/2011/06/memorial-day-forgetting-why-we-remember.html


Die Quellenlage des Amerikanischen Bürgerkriegs gehört zum Glück zu den vermutlich besten in der Kriegsgeschichte. Eine ausgedehnte Tradition des Erinnerns in den USA trug dazu bei. Nicht nur amtliche Dokumente aus der Kriegszeit blieben erhalten, auch zahllose Briefe und Tagebücher der Beteiligten, von den Präsidenten bis zum einfachen Soldaten. Und als einer der ersten Kriege wurde er durch tausende Fotografien dokumentiert. Als grundlegende Literatur habe ich folgende Quellen zur Verfügung:

John Keegan: Der Amerikanische Bürgerkrieg. Rowohlt Verlag, Berlin 2010 (deutsche Ausgabe; Originalausgabe: 2009). Anmerkung: Eine schlüssige und gute Gesamtanalyse des Konflikts von Anfang bis Ende. Zeichnet die großen Linien mit gelegentlichen Ausflügen in die Details.

Bernd G. Längin: Der Amerikanische Bürgerkrieg. Eine Chronik in Bildern Tag für Tag. Bechtermünz Verlag 1998. Anmerkung: Weniger ein erzählerisches und analytisches Buch, dafür eine chronologische Darstellung praktisch jeder erwähnenswerten Schießerei in diesem Konflikt. Außerdem Kurzbiographien jedes wichtigeren Kommandeurs. Und als Sahnehäubchen obendrauf unzählige Fotos.

James M. McPherson: Für die Freiheit sterben. Die Geschichte des amerikanischen Bürgerkriegs. List Verlag, 7. deutsche Auflage 1997 (amerikanisches Original von 1988). Anmerkung: Das Standardwerk schlechthin! Umfassend, geht auch in die Details und liefert ein beeindruckendes Bild des gesamten Konflikts. Vor allem ist nirgends die Darstellung der Vorgeschichte des Konflikts so umfassend wie in diesem Werk.

Brian Holden Reid: Der Amerikanische Bürgerkrieg und die europäischen Einigungskriege. Brandenburgisches Verlagshaus, 2000 (deutsche Ausgabe, Original von 1999). Anmerkung: In diesem Buch nimmt der Amerikanische Bürgerkrieg etwa zwei Drittel ein. Es ist mehr eine Übersichtsdarstellung mit ein wenig strategischer Analyse. Optisch ansprechendes Kartenmaterial, das das Verständnis der Schlachtverläufe vereinfacht.

Bei diesen Büchern kann man bei allen folgenden Artikeln davon ausgehen, dass ich sie genutzt habe. Wenn ich zusätzliche Quellen verwende, wird dies vermerkt.