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Der Deutsche Bauernkrieg I-3: Joß Fritz

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Bundschuh (Teil 2): Joß Fritz

 

Joß Fritz. Das Wiederaufleben der Bundschuh-Idee ist eng mit einer Person verbunden: Joß Fritz. Dieser wusste nur allzu gut, wogegen er auf den Plan trat. Geboren war er um 1470 in Untergrombach (nach anderen Quellen: Untergrumbach) bei Bruchsal als Sohn von Leibeigenen. Einigen Berichten zufolge ging Joß als Landsknecht auf Reisen und lernten dabei Lesen und Schreiben. Ob er aber wirklich als Soldat unterwegs war, ist ungewiss. Auf jeden Fall kehrte er in seine Heimat zurück und war fest entschlossen, gegen die Ungerechtigkeit, die dem Bauernstand wiederfuhr, anzukämpfen. Aber auch dies kam nicht von ungefähr.

Bruchsal und Umgebung nordöstlich von Karlsruhe gehörten damals zum Bistum Speyer. Seit 1478 war hier Ludwig von Helmstatt Bischof, der seine Bischofsweihe im Alter von etwa 43 Jahren in Bruchsal erhielt. Ludwig von Helmstatt stammte aus einer Familie, die bereits mehrere Speyrer Bischöfe hervorgebracht hatte. Er hatte leider einen Hang zu kostspieligen Prachtbauten, deren Finanzierung immer schwieriger wurde. Anstatt die Bauvorhaben zu vermindern, halste Bischof Ludwig von Helmstatt die Kosten seinen Untertanen auf. Er tat dies auf zweierlei Weise: Er erhöhte tatsächlich die Abgaben und schränkte zugleich, wie es auch andernorts ja üblich war, die Forst-, Weide-und Fischereirechte der Bauern ein. Ein typisches Beispiel für den Konflikt um Abgaben und Allmenden-Nutzung also. Der Konflikt wurde 1501 verschärft durch eine Missernte (was vor allem in Schwaben zu einer Hungersnot führte) und ein Aufflackern der Pest.

Joß Fritz fand in Untergrombach und Umgebung 1501 erste Mitstreiter, um einen neuen Bundschuh zu gründen. Auch hier war es am Anfang vor allem eine Verschwörung, gesponnen in aller Heimlichkeit. Zu den Forderungen gehörten Abschaffung des Zehnten und der Zölle sowie der Steuern, die Allmenden sollten wieder frei genutzt werden können und die Kirchengüter sollten bis auf wenige Klöster eingezogen und ans Volk verteilt werden. Ähnlich wie im Elsass traf man sich an geheimen Treffpunkten und gab sich durch Losungen zu erkennen. Trafen am Treffpunkt zwei Verschwörer auf einander, wurde aufgefordert: „Loset! Was ist nun für ein Wesen?“ Die korrekte Antwort dann: „Wir mögen vor Pfaffen und Adel nit genesen!“ Das Einführungsritual in den Bundschuh bestand aus dem knienden Gebet von fünf Vaterunser und fünf Ave-Maria. Jeder neue Mitverschwörer sollte den Bundschuh durch Anwerbung neuer Mitglieder, natürlich bei aller Vorsicht, stärken und verbreiten. Eine Bundesfahne wurde auch hier geschaffen. Sie zeigte den gekreuzigten Jesus, vor dem ein Bauersmann kniete, daneben war ein großer Bundschuh abgebildet. Eine Inschrift zog sich darum: „Nichts denn die Gerechtigkeit Gottes!“ Erstmals trat damit eine Idee auf, die sich später in der Reformation und auch im Bauernkrieg wiederfinden sollte – Gottes Recht sollte die Dinge regeln, nicht menschliches Recht.




Bild 1: Dieser Holzschnitt zeigt Joß Fritz wie Albrecht Dürer ihn sich vorstellte. Quelle: Wikipedia.


Die Sache ließ sich anscheinend gut an. Binnen eines halben Jahres hatten sich mehr als 7000 Männer und 400 Frauen dem Bundschuh angeschlossen, im gesamten Gebiet längs des Rheins zwischen Main und Neckar. Der Plan war mit der Besetzung von Untergrombach und Bruchsal zu beginnen und dann nach Süden in die Markgrafschaft Baden zu ziehen und die dortige Herrschaft zu stürzen. Doch wieder einmal wurde die Sache verraten. Im April 1502 verriet der badische Söldner Lukas Rapp, der sich dem Bundschuh angeschlossen hatte, den Plan während einer Beichte einem Geistlichen. Dieser hielt sich nicht an das Beichtgeheimnis und gab die Informationen nach oben weiter. Die Angelegenheit wurde nun quasi zur Chefsache. Abordnungen der geistlichen und weltlichen Fürsten der Region trafen sich in Schlettstadt zur Beratung, wobei auch der Schwäbische Bund in Erscheinung trat. Der Schwäbische Bund war ein Zusammenschluss schwäbischer Fürstentümer und Herrschaften, der in Streits vermitteln, den Frieden bewahren und zur gemeinsamen Verteidigung beitragen sollte. Gegründet wurde er 1488 im Zuge der Bemühungen, das Heilige Römische Reich zu modernisieren. Er sollte vor allem den wenig später auf Druck der Reichsstände vom Deutschen König erlassenen Ewigen Landfrieden gewährleisten. Im Krieg gegen die Schweizer 1499 war der Schwäbische Bund aber nicht sehr erfolgreich gewesen. Nun sahen vor allem die Mitglieder des Schwäbischen Bundes in der aufgedeckten Verschwörung einen Zusammenhang mit den Umtrieben der Schweizer. Der Schwäbische Bund und die anderen Fürsten waren sich einig, nun musste etwas getan werden. Den letztendlichen Ausschlag gab ein Befehl von Maximilian I.: Hart durchgreifen, die aufrührerischen Bauern überall verfolgen und auch ihre Familien durch Einziehung des Besitzes und Vertreibung strafen! Diesmal ging die Verfolgung aber ins Leere. Viele Führer der Verschwörung, darunter Joß Fritz, konnten flüchten und untertauchen. Andere Bundschuh-Mitglieder wurden zwar aufgegriffen, teilweise verhört und gefoltert, aber nur wenige hingerichtet. Vielen Herren wurde klar, dass sie bei korrekter Umsetzung der Befehle Maximilians mancher ihrer Dörfer ganz entvölkern und sich damit selbst schaden würden. So beschränkte man sich oft darauf, die Verurteilten zu verstümmeln, indem man etwa einen oder mehrere Finger abschlug. Nur 10 Bauern traf es besonders hart: Sie wurden geköpft, gevierteilt und dann wurden ihre Überreste an den Landstraßen als Warnung aufgehängt.

Die Warnung war lokal wohl für eine Weile wirksam. Aber an den Verhältnissen als solchen änderte sich nichts und so waren die Gründe für den Unmut beim gemeinen Mann auch nicht verschwunden. Zumal Joß Fritz davongekommen war und seine Ansichten nicht im Geringsten änderte. 10 Jahre sollte es brauchen, da erschien er wieder auf der Bühne der Geschichte.



Bild 2: In Untergrombach wurde Joß Fritz ein Brunnen gewidmet, der diese Brunnenfigur trägt. Quelle: Wikipedia.


Als Bannwart in Lehen. 10 Jahre lang wanderte Joß Fritz viel umher im Südwesten Deutschlands, war im Schwarzwald und am Bodensee unterwegs. Nahe dem Bodensee fand er auch eine Frau, Else Schmid, die er heiratete. 1512 ließ er sich im Breisgau nieder, unweit der Stadt Freiburg, im Dorf Lehen. Das Dorf unterstand im Wesentlichen dem Edelmann Balthasar von Blumeneck. Dieser vertraute Joß Fritz so sehr, dass er diesen zum Bannwart ernannte – damit war Joß Fritz (ausgerechnet!) dafür zuständig, die Einhaltung der Gebote und Verbote des Grundherrn zu überwachen. Wer aber jetzt denkt, Joß Fritz wäre sesshaft geworden, der irrt. Der Mann wartete nur auf eine gute Gelegenheit, sein altes Vorhaben wieder aufleben zu lassen.

Schon bald, als die Einheimischen ihn als neuen Bannwart akzeptiert hatten und er in den lokalen Wirtshäusern bekannt war, begann er zu agitieren. Heute würde man von Stammtischreden sprechen. Fritz war ja schon vormals sehr eloquent gewesen und wusste genau, wie er mit den verschiedenen Leuten reden musste – je nach ihrem Bildungsstand, ihrer Herkunft, ihren Interessenlagen. Er begann damit, die allgegenwärtigen Klagen über den moralischen Verfall der Welt in geschickte Worte zu fassen, denen fast jeder in seiner Umgebung zustimmen konnte: Das Nachlassen der Gottesfurcht, die zunehmende Gotteslästerei, der Mangel an Rechtschaffenheit, der allgegenwärtige Wucher, die Ehebrüche und so weiter. Gefühlt waren dies die Themen, die seit geraumer Zeit immer mehr einfache Leute umtrieben und aufbrachten. Mit der Zeit ließ Joß Fritz dann weitere Dinge bei den Stammtischdebatten einfließen: Die Ungerechtigkeiten der Obrigkeit gegenüber den Untertanen, die drückende Last der Leibeigenschaft und so fort. Jedes Mal wenn Joß Fritz im Wirtshaus oder andernorts mit den anderen Bauern aus dem Dorf über diese Themen sprach, konnte er sehen, wer wie reagierte und seinen Ansichten offensichtlich zugeneigt war. Als er sich sicher war, mit wem er näher darüber reden konnte, ging er zum nächsten Schritt: In vertraulichen Einzelgesprächen, mal in einer Ecke der Kneipe, dann bei den anderen Bauern daheim oder indem er jemanden zu sich nach Hause bestellte, eröffnete er den Bauern und anderen gemeinen Leuten in seiner Umgebung, er könne ihnen einen Weg zur Besserung ihrer Lage und ihrer Lasten zeigen. Nachdem seine Gegenüber jeweils geloben mussten, zu schweigen, versprach er ihnen Freiheit und göttliche Gerechtigkeit, sofern sie nur bereit wären gegen das Unrecht aufzustehen. Nicht alle reagierten sofort positiv darauf. Manche zögerten, manche waren reserviert. Andere mussten erst einmal darüber nachdenken und kamen später nochmal zu Joß zurück. Auch diese Reaktionen gaben dem alten Rebellen viel Aufschluss. Als er sich sicher war, wem er vertrauen konnte und wer mit machen würde, nannte er ihnen einen Ort und eine Zeit zum Treffen. Erst da würde man sich versammeln und zusammen alles besprechen.

Die Hartmatte. Wenn man sich von Lehen aus westwärts begibt, Richtung Rhein, kam man damals nach Mundenhofen (heute Mundenhof). Zwischen beiden Ortschaften erstreckte sich ausgedehnter Wald, mit einem damals relativ abgelegenen Wiesenstück dazwischen gestreut. Dieses Wiesenstück nannte man damals die Hartmatte. Noch heute verläuft dort durch Felder und Wald der Hardackerweg. Dorthin bestellte Joß Fritz die anderen – Bauern, Leibeigene, Tagelöhner und andere, die mit der Obrigkeit unzufrieden waren. Sie sollten dort zur späten Abendstunde kommen, wenn die Sonne untergegangen ist. Als sie sich versammelt hatten, begann Joß Fritz zu sprechen, so offen und frei wie schon lange nicht mehr. Ein beständiger Friede der Christenheit müsste errichtet werden, die geistlichen Gerichte seien einzuschränken, die Allmenden müssten wieder freigegeben werden, die Zölle aufgehoben werden. Mit dem Überfluss der Klöster und Stifte solle den Armen geholfen werden. Und überhaupt: Es dürfe keinen anderen Herren außer Gott, dem Papst und dem Kaiser mehr geben. Zustimmende Rufe und Nicken rundherum zeigten Fritz an, dass er jetzt den letzten Schritt tun musste. Also erklärte er den Anwesenden: Es gibt einen Weg, sich aus der Unfreiheit zu befreien und die Änderungen zu bewirken, die notwendig seien. Aber nur einen Weg – einen neuen Bundschuh.

Hier wurde die Zustimmung dann etwas vorsichtiger. Einige bekamen wohl Angst vor der eigenen Courage. So sagten viele, sie müssten erst mit Pfarrer Johannes Schwarz, der für Lehen zuständig war, reden – für den durchaus frommen Menschen jener Zeit waren solche Fragen auch eine Frage des Seelenheils. Als Kind seiner Zeit wusste das natürlich auch Joß Fritz, der daher bereits mit Pfarrer Johannes gesprochen hatte. Fast schon entgegen der Erwartungen erwies sich Pfarrer Johannes als Parteigänge von Joß Fritz. Als nun die anderen Gemeindemitglieder zu Johannes kamen, erklärte er ihnen über den neuen Bundschuh, es handele sich um ein „göttlich Ding“, denn dadurch werde die Gerechtigkeit endlich ihren Fortgang finden und daher sei es von Gott gewollt. Das beruhigte die meisten und so schlossen sie sich Joß Fritz zum neuen Bundschuh an. Unter den ersten, die sich Joß Fritz anschlossen waren etliche Aufständische, die der Geschichte mit Namen überliefert wurden:

Hans Enderlin, seines Zeichens Altvogt, sowie der Bauer Augustin Enderlin, die Bauern Kilian Mayer, Hans und Karius Heitz, Jakob Hauser und andere. Hans Hummel war dabei, ein Schneider aus dem Württembergischen, der seit einigen Jahren im Breisgau ansässig war. Ein Bäckerknecht aus der Mühle zu Lehen, überliefert nur mit dem Namen Hieronymus, erwies sich als eine der begabtesten Redner für den neuen Bundschuh – er stammte eigentlich aus Tirol und war ebenso wie Joß Fritz viel herumgereist. Nachdem der Bundschuh beschlossen war, schwärmten die Verschwörer aus, damit jeder in seinem Bekanntenkreise weitere Anhänger gewinnen konnte. Einige reisten auch auf die andere Seite des Rheins, ins Elsass, wo sie Bekannte hatten, Joß Fritz selber reaktivierte Kontakte (sofern er dies nicht schon längst getan hatte) von seiner Heimat bis hinunter an den Bodensee. Ein gewisser Stoffel von Freiburg, über den wenig bekannt ist, der aber von Auftreten und teurer Kleidung her möglicherweise aus dem unteren Adel kam, ritt in Fritz‘ Namen mit einem eigenen weißen Pferd über den Schwarzwald, den Rhein entlang, nach Schwaben und die Donau entlang und warb dabei neue Anhänger. Auch andere Edelleute des unteren oder mittleren Adels, die selber unter Verarmung und Machtverlust litten, schlossen sich der Verschwörung an, außerdem ehemalige Landsknechte und andere mit Kriegserfahrung. Ein Beispiel ist Thomas Wirth zu Egentzschweiler, der als Hauptmann in Frankreich gedient hatte.

Die Verschwörer und ihre Anhänger trafen sich in abgelegenen Wirtshäusern, auf Märkten und Kirchweihen. Ein zentraler Treffpunkt der Bundschuh-Führer blieb dabei die Hartmatte. Als Erkennungszeichen dienten ein schwarzes H auf rotem Tuch, das Joß Fritz entworfen hatte, oder aber drei kreuzweise Schnitte auf dem rechten Ärmel der Kleidung. Auch eine Wortlosung gab es, darauf bestand Joß Fritz. So könne man sich zuverlässig erkennen. Verschiedene Wortzeichen wurden bei Treffen auf der Hartmatte diskutiert, einige davon sehr ähnlich dem, welches schon 10 Jahre zuvor beim Bundschuh verwendet worden war. Man fand schließlich eines. Allerdings muss hier der Historiker kapitulieren: Es wurde niemals verraten und der Nachwelt überliefert. Eine andere Sicherheitsmaßnahme, die die Verschwörer versuchten bestand darin, für jeden Ort einen kleinen Zirkel an Bundesmitgliedern zu bilden, die sich nur untereinander kannten, aber nicht die Bundesmitglieder in anderen Ortschaften. Dadurch sollte es bei einer Gefangennahme schwieriger für die Häscher der Obrigkeit sein, bei der Folter gleich die ganze Verschwörung aus dem Gefangenen herauszupressen. Außerdem setzte man als Nachrichtenträger häufig Bettler ein. Bettler waren so alltäglich und wurden so wenig beachtet, dass sie dazu ideal geeignet waren. Die Bettler konnten ungehindert umherziehen. Sie waren damals sogar organisiert, besaßen eigene Obere und Hauptleute. Joß Fritz und Stoffel von Freiburg handelten mit diesen Hauptleuten ein Hilfsabkommen aus.

Die 14 Artikel. Auf der Hartmatte wurde in langen Besprechungen auch ein Programm der neuen Bewegung niedergeschrieben, das die Forderungen zusammenfassen und klar benennen sollte. Die Verschwörer fassten alles in 14 Artikeln zusammen:

„Erstens: solle niemand mehr einen anderen Herrn als Gott, den Kaiser und den Papst anerkennen; zweitens: niemand anderswo, als an dem Ende, da er gewesen sei, vor Gericht stehen; das rottweilische Gericht solle ab, die geistlichen Gerichte sollten auf das Geistliche beschränkt sein; drittens: alle Zinse, die so lang genossen wären, dass sie dem Kapital gleichkämen, sollten ab sein und die Zins-und Schuldbriefe vernichtet werden; viertens: bei Zinsen, da ein Gulden Geld unter 20 Gulden Kapital stände, solle so gehandelt werden, wie das göttliche Recht anzeige und unterweise; fünftens: Fisch-und Vogelfang, Holz, Wald und Weide sollten frei, Armen und Reichen gemein sein; sechstens: jeder Geistliche solle auf eine Pfründe beschränkt sein; siebentes: die Klöster und Stifter sollten an Zahl beschränkt, ihre überflüssigen Güter zuhanden genommen und daraus eine Kriegskasse des Bundes gebildet werden; achtens: alle unbilligen Steuern und Zölle sollen ab sein; neuntens: in der Christenzeit solle ein beständiger Friede gemacht, wer sich dawider setze, totgestochen, wer aber durchaus kriegen wolle, mit Handgeld wider die Türken und Ungläubigen geschickt werden; zehntens: wer dem Bunde anhänge, solle seines Leibes und Gutes gesichert sein; wer sich dawidersetze, gestraft werden; elftens: solle eine gute Stadt oder Feste zuhanden des Bundes genommen werden als Mittelpunkt und Halt des Unternehmens; zwölftens: jedes Bundesmitglied solle das Seinige zu den Mitteln der Ausführung beisteuern; dreizehntens: sobald die Haufen des Bundes sich vereinigt haben, solle kaiserliche Majestät das Vornehmen geschrieben und vierzehntens: wenn des Kaisers Majestät sie nicht annähme, die Eidgenossenschaft um Bündnis und Beistand angerufen werden.“

Bei der Abfertigung des Programms musste Joß Fritz den anderen Rede und Antwort stehen, dass alle Forderungen aus der Heiligen Schrift abzuleiten sind. Dies war den Verschwörern wichtig, die sich um ihr Seelenheil sorgten. Ein ähnliches Bemühen, die Forderungen aus der Heiligen Schrift abzuleiten sollte auch im Bauernkrieg wieder zutage treten. Als diese Angelegenheit geklärt war, gelobten die Versammelten auf der Hartmatte in die Hand von Kilian Mayer den Bundeseid. Es waren vielleicht alles in allem etwa 40 Männer.

Die Fahne. Auch diesmal wollte Joß Fritz für die Bewegung eine Fahne schaffen. Das erwies sich als schwieriger als gedacht. Die Verschwörer brauchte eine gewisse Zeit, bis sie das Geld für eine Fahne zusammen hatten. Als man endlich genügend Geld zusammengekratzt hatte, gab Joß Fritz einem Bauern, der Bundesmitglied war, aber nicht aus der Gegend stammte und daher relativ unbekannt war, den Auftrag, in Freiburg bei einem Maler ein Fähnlein in Auftrag zu geben. Die Fahne sollte den Bundschuh zeigen. Das Motiv erregte die Aufmerksamkeit des Malers und dieser meldete noch zur selben Stunde die Sache dem Stadtrat. Doch bevor man des Bauern habhaft werden konnte, war dieser bereits verschwunden. Der Stadtrat konnte erst einmal nichts weiter tun, als die umliegenden Herrschaften zu warnen, dass etwas im Schwange sei.

Joß Fritz nahm sich nun selbst der Sache an. Er versuchte es diesmal vor der Haustür: Der Freiburger Maler Theodosius arbeitete gerade an den Bildern in der Kirche zu Lehen. Was lag näher als diesen Künstler zu fragen? Eines Abends setzten sich Joß Fritz, Hans Enderlin und Kilian Mayer im Wirtshaus zu Theodosius und tranken mit diesem zusammen Wein. Als die Stimmung derart aufgelockert war, kam Fritz zur Sache. Ein fremder Geselle im Ort wolle sich eine Fahne malen lassen. Was denn Theodosius dafür nehmen würde? Theodosius wollte erst einmal wissen, was denn auf die Fahne gemalt werden solle. Die Antwort: Ein Bundschuh. Das lehnte Theodosius ab. Um nichts in der Welt wolle er ein solches Fähnlein malen. Das war natürlich eine schwere Schlappe. Die drei Verschwörer redeten nun auf Theodosius ein, dass er ein Schweigegelübde über dieses Gespräch ablegte und machten ihm klar: Sollte er hiervon berichten, würde es ihm schlecht ergehen. Theodosius hielt vorerst tatsächlich seinen Mund.

Inzwischen hatten die Verschwörer bereits die Seide für die Fahne gekauft und zusammengenäht. Sie war jetzt blau mit einem weißen Kreuz in der Mitte. Was fehlte waren noch weitere Motive darauf, aber woher einen fähigen Maler nehmen? Offensichtlich war es zu gefährlich in der näheren Umgebung zu suchen. Und die Zeit eilte. Es war inzwischen Herbst des Jahres 1513, seit Frühjahr bereitete man den Aufstand vor, dieser sollte am besten kurz nach Einbringung der Ernte erfolgen. Da Fritz sowieso auf eine erneute Werbungsreise nach Schwaben gehen wollte, beschloss er, auf dieser Reise einen Maler zu finden für die Fahne. Außerdem sollte nach seiner Rückkehr sofort der Aufstand losbrechen. Als Tag der Aktion setzte Joß Fritz die Kirchweihe zu Biengen, 14 km südwestlich von Freiburg im Breisgau, fest. Dann würde man sich wieder versammeln und entscheiden, welche Stadt man als erstes im Handstreich nehmen würde. Zur Auswahl standen Freiburg, Breisach und Endingen. Die Bundesmitglieder im Elsass sollten sich erheben und bei Burkheim über den Rhein gehen, sobald sie auf dem Ostufer die Bundschuhfahne wehen sehen würden. In Fritz‘ Abwesenheit sollten die anderen Verschwörer noch weitere Anhänger werben, vor allem in Freiburg, wo man die Zünfte auf die Seite des Bundschuhs ziehen wollte. Auf jeden Fall mussten mehr Anhänger gefunden werden, die Kopfstärke der Bundschuhbewegung zu jenem Zeitpunkt wird nämlich auf gerade einmal etwa 200 Männer geschätzt, die auch noch weit gestreut aktiv waren, mit Schwerpunkt in Lehen. Sollte die Sache vorzeitig verraten werden, würde er die Fahne hinter dem Haus des Altvogts vergraben, bis bessere Zeiten angebrochen seien.

Nach diesen Planungen begab sich Joß Fritz auf seine Reise. In Heilbronn am Neckar (nach anderen Angaben in Metz, was aber keinen Sinn macht, da Joß Fritz durch Schwaben reiste) fand er einen Maler, den er zur Bemalung des Fähnleins bequatschen konnte. Bequatschen trifft es. Fritz täuschte einen Schweizer Akzent vor und erzählte die reinste Räuberpistole: Er habe eine schwere Schlacht überstanden durch Gottes Hilfe und habe deshalb geschworen, nach Aachen zu pilgern und dort unserer Lieben Frau, also der Mutter Gottes, ein Fähnlein zu bringen. Daher solle der Maler ein Kruzifix, Maria und Johannes den Täufer darauf malen. Unter dem Kreuze sollten der Papst, der Kaiser und ein Bauersmann knien. Ringsherum sollten die Worte stehen: „Herr, steh deiner göttlichen Gerechtigkeit bei!“ Soweit hatte der Maler kein Problem damit. Doch als Joß Fritz in einer Ecke auch noch einen Bundschuh verlangte. Der Maler wurde stutzig. Doch Fritz wusste sich auch hier herauszureden: Sein Vater sei ein Schuhmacher in der Schweiz, der in seinem Schilde einen Bundschuh führe – und deshalb solle dieses Zeichen auf das Fähnlein, um anzuzeigen, wessen Sohn dieses gebracht habe. Der Maler schluckte diese Erklärung.

So besaß die Bewegung endlich eine Fahne. Joß Fritz machte sich frohen Mutes auf den Rückweg nach Lehen. Doch mitten auf der Rückreise erreichte ihn eine bestürzende Nachricht: Der Bundschuh war aufgeflogen. Die Obrigkeit ging bereits zur Verfolgung über.

Scheitern. Joß Fritz war mit seiner Erfahrung, seinem Charisma und seiner Führungskunst einfach zu wichtig für die Bewegung gewesen. Er und Stoffel von Freiburg waren viel zwischen den einzelnen Verschwörerzellen herumgereist und hatten Musterungen abgehalten. Sie hatten Mut zugesprochen, die Leute bei der Stange gehalten und auf Kurs gebracht. Vor allem in Sachen Geheimhaltung auch. Als Joß nicht da war, waren die anderen Führer inklusive Stoffel jedoch offenbar überfordert. Jedenfalls zeigte sich die Bewegung jetzt von der eher schlechter organisierten Seite. So flog dann auch die ganze Sache auf, da die unteren Ränge der Verschwörer die nötige Vorsicht fahren ließen. So wird berichtet, dass drei Bundesmitglieder nur wenige hundert Meter von den Stadttoren Freiburgs entfernt auf offener Waldstraße einen reisenden Bauern anhielten und drängten sich dem Bundschuh anzuschließen. Man werde bald die Macht in Freiburg übernehmen, dabei solle er ihnen helfen. Dieser Bauer jedoch konnte dies nicht bei seiner Ehre verantworten und lehnte das Ansinnen ab. Da wurden seine drei Widersacher aggressiv: Sie versuchten ihn niederzuschlagen und einer zückte schon das Messer. Nur die Annäherung von Pferden veranlasste die drei Angreifer zur Flucht und rettete dem Bauern das Leben. Dieser Bauer nun sah sich vor seelischen Nöten. In der Bedrängnis hatte er geschworen zu schweigen, doch war dies ein bindender Eid? Er ging zu seinem Priester, um sich Beistand zu holen und erzählte diesem alles. Der Priester beruhigte den Bauern, wusste aber sofort, was hier im Schwange war. Er leitete die Angelegenheit sofort an den Stadtrat weiter, der nach der erst wenige Wochen zuvor erfolgten Meldung über einen Bauern, der eine Bundschuhfahne gemalt bekommen wollte, ja bereits wachsam war. Der Stadtrat wusste sich nun sicherer im Bilde: Etwas ging vor und das war nicht gut. Also alarmierte man den Markgrafen von Baden, Christoph I., der einer der lokal bedeutendsten Herrscher war.

Die Ereignisse überschlugen sich, da fast gleichzeitig zwei Verräter des Bundschuhs den Beamten des Markgrafen Meldung machten – einer wohl, weil er kalte Füße bekam, ein anderer, weil er hoffte im Gegenzug in einem Todschlagfall begnadigt zu werden. Während jedoch der eine Verräter nur wenige Mitverschwörer kannte, wusste der andere wesentlich mehr – er kannte auch die Ausläufer der Bewegung im Schwarzwald und im Elsass. So besaß der Markgraf also genügend Informationen, um den Aufstand bereits im Keim zu ersticken. Er informierte den Rat von Freiburg über die näheren Details, damit sich der Stadtrat für die kommenden Tage rüsten konnte. Es war bereits die Nacht des 4. Oktober 1513, die Gefahr war ja bereits nahe. Boten wurden in die umliegenden Städte und in den Schwarzwald geschickt, außerdem zwei Boten auf die andere Rheinseite, wo sie die im Elsass gelegene Stadt Ensisheim alarmieren sollten. In Ensisheim hatte die Regierung für die habsburgischen Besitzungen im Südwesten des Reiches ihren Sitz und damit die direkte Vertretung von Kaiser Maximilian. Markgraf Christoph wusste, dass es darauf ankam, den richtigen Zeitpunkt abzupassen. Würde man zu früh und zu unkoordiniert mit der Verhaftungswelle beginnen, würden zu viele Verschwörer noch gewarnt und könnten abtauchen. Doch sein Vorhaben, zum rechten Zeitpunkt zuzuschlagen, klappte auch nicht so ganz.

Dazwischen kam das Handeln der Behörden in Neuenburg am Rhein, zu jener Zeit Teil des habsburgischen Territoriums. Kaum einen Tag nachdem die Warnung aus Freiburg eingetrudelt war, hatte man dort ein Bundschuhmitglied gefangengenommen. Dieses sagte aus, dass am folgenden Tage, dem 6. Oktober, ein Donnerstag, oder vielleicht auch erst in der Nacht darauf, viele Bauern in Biengen und anderen Orten versammeln und losschlagen wollten. Als der Freiburger Stadtrat davon hörte, ging er lieber auf Nummer sicher: Die Wachen an den Toren und auf den Mauern wurden verstärkt und die Bürger zu den Waffen gerufen. Es befanden sich aber auch Zuträger des Bundschuhs in der Stadt und so erfuhren die Bundeshauptleute in Lehen von diesen Vorgängen. Sie zogen den richtigen Schluss: Der Plan war aufgeflogen. Allerdings war Joß Fritz immer noch nicht zurück, auch Hieronymus der Tiroler war nicht zugegen, sondern auf Werbungstour. Kilian Mayer war die noch vor Ort direkt greifbare Führungsfigur. Er ließ alle Verschwörer aus der Nähe zur Abenddämmerung auf die Hartmatte kommen, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Bei dieser Versammlung schlug Kilian Mayer Mutlosigkeit und Verängstigung entgegen. Die Mehrheit war dafür, die Aufstandspläne fallen zu lassen. Auch sollten alle anderen Bundschuhmitglieder gewarnt werden, dass die ganze Sache abgeblasen worden sei. Alle gelobten dem Kilian Mayer dann, Stillschweigen über dieses Treffen und natürlich den ganzen Bundschuh zu wahren. Dann zerstreuten sie sich wieder – einige zogen los, die anderen warnen, andere tauchten direkt unter.

Jetzt, nur wenige Tage nach dem Verrat, schlugen auch die Häscher der Obrigkeit zu. In einem nächtlichen Überfall marschierten 200 Bewaffnete aus Freiburg in Lehen ein und nahmen bei der Razzia mehrere Verdächtige fest. Darunter war der Altvogt, Hans Enderlin, und sein Sohn sowie Joß Fritz‘ Frau Else. Die Gefangenen wurden zur Befragung nach Freiburg gebracht. Auch in anderen Orten gab es Razzien und Verhaftungen. Die wichtigsten Drahtzieher der Verschwörung waren aber bereits auf der Flucht, die meisten in Richtung Süden, um in die Schweiz flüchten zu können. Stoffel von Freiburg verschwindet gänzlich von der Bildfläche. Joß Fritz fand auf seiner Flucht zuerst Hieronymus, zusammen flüchteten sie erst Richtung Schweiz, dann über den Rhein. In Sewen, schon an den Hängen der Vogesen, fanden sie Unterschlupf. Hier stießen noch einige Mitstreiter zu ihnen, die zuvor Richtung Baden geflüchtet waren: Augustin Enderlin, Kilian Mayer, Jakob Hauser und Thomas Müller. Hier zeigte Joß Fritz den anderen zum ersten Mal das nur wenige Tage zuvor endlich fertig gestellte Fähnlein. Er legte es sich selber um die Brust, um es sicher versteckt transportieren zu können. Ganz hatte Joß Fritz noch nicht aufgegeben. Sie machten einen neuen Plan: Sie wollten sich nach Zürich begeben, in der Hoffnung auf Hilfe aus der Schweiz.

Doch die Räder der Verfolgung mahlten unablässig. Der Maler Theodosius hatte dem Rat der Stadt Freiburg inzwischen von der Sache mit dem Fähnlein berichtet, ermutigt durch die Razzien in Lehen, dass ihm nun keine Gefahr mehr drohe. Die bereits gefangengenommenen Bundesmitglieder wurden gefoltert und gemartert, um weitere Informationen über den Bundschuh zu erlangen. Doch die Gefolterten gaben nur wenig preis – sie hielten geradezu eisern durch. Die habsburgische Regierung in Ensisheim hatte inzwischen auch die Obrigkeit in Basel alarmiert. Zwar gehörte Basel zur Schweizer Eidgenossenschaft, welche traditionell kein gutes Verhältnis mit den Habsburgern hatte, doch sahen die Baseler keinen Grund, nicht beim Aufgreifen besonders aufmüpfiger Aufrührer zu helfen. Berittene Patrouillen aus Basel griffen die Reisegruppe rund um Joß Fritz auf und konnten die meisten festnehmen. Nur Fritz selber, Augustin Enderlin und Thomas Müller konnten entkommen. In Freiburg nahm man die aus Basel eintreffende Nachricht der Festnahme von Kilian Mayer und Jakob Hauser besonders zufrieden auf. Zugleich überstellte man nun den Dorfpfarrer Johannes Schwarz an den Bischof von Konstanz, der eine kirchliche Untersuchung der Vorgänge in Lehen führen wollte. Inzwischen hatte sich Fritz mit Enderlin und Müller zusammen auf Schaffhausener Gebiet gerettet. Doch auch hier hatte die Schaffhausener Obrigkeit längst beschlossen dem Ansuchen der vom Bundschuh betroffenen Herrschaften stattzugeben und nach den Flüchtigen zu fahnden. Wieder entkam Joß Fritz den Patrouillen, die aber Enderlin und Müller am 22. Oktober festnahmen.




Bild 3: Heute ist in Lehen die Erinnerung an den Bundschuh von 1513 noch sehr lebendig. Es gibt eine Jos-Fritz-Straße, eine Bundschuhstraße – und den Bundschuhplatz. Quelle: Wikipedia.


Aburteilung. Viele hochrangige Verschwörer konnten die Herren nicht festnehmen – auch weil zum Beispiel auch Kilian Mayer selbst unter härtester Folter das Losungswort nicht herausgab und nichts verriet, das irgendeinem Bundschuhmitglied schaden konnte. Dafür trafen die Strafen diejenigen, derer man habhaft wurde umso härter. Bereits im Oktober 1513 wurde ein Mitglied der Bewegung in Badenweiler gevierteilt. In Freiburg traf die gleiche Strafe den Altvogt Enderlin und seinen Sohn, im nahebei liegenden Ort Betzenhausen (heute ein Stadtteil von Freiburg) wurden zwei weitere Verschwörer gevierteilt. Andere im Gewahrsam des Markgrafen wurden enthauptet. Die, die man für weniger schuldig hielt, wurden verstümmelt, indem man ihnen die vordersten Glieder der einstmals zum Bundschuhschwur erhobenen Finger abhackte. In Basel wurden Kilian Mayer und Jakob Hauser zum Tode durch die Axt verurteilt, doch gab man ihrem „Gnadengesuch“ statt, stattdessen durch das Schwert hingerichtet zu werden. Augustin Enderlin und Thomas Müller wurden ebenfalls hingerichtet, in Schaffhausen. Versuche aus ihnen Hinweise auf Fritz‘ Verbleib durch Folter herauszupressen war nicht sehr hilfreich gewesen.

Die Ehefrau von Fritz, Else, wurde von den Freiburgern am 26. Oktober 1513 wieder auf freien Fuß gesetzt – nachdem sie in eine Urfehde eingewilligt hatte, dass sie Freiburg verließ, nie zurückkehren würde und die Hand nicht gegen Freiburger Bürger erheben würde. Außerdem musste sie eine hohe Strafzahlung leisten. In späteren Jahren hofften Adel und Klerus immer mal wieder, über Else des Joß Fritz habhaften werden zu können, doch es konnte kein Kontakt zwischen ihr und ihm mehr nachgewiesen werden.

Ein letztes Aufbäumen. Joß Fritz tauchte unter – und etwa vier Jahre später am Oberrhein wieder auf. Er soll sich unter das fahrende Volk gemischt haben, unter die Spielleute, im Gewande eines Landsknechts freilich. Seine Frau soll im Breisgau geblieben sein und dort ihre Zeit mit anderen Männern zugebracht haben – mit mutmaßlich Joß‘ Erlaubnis, da sie so in seinem Sinne Kontakte für einen neuen Bundschuh knüpfen konnte. Die Grundlage für einen neuen Bundschuh war nach wie vor günstig. Seit den Ereignissen von 1513 hielten die Herren ihre Untertanen noch mehr unter der Knute, wurde die Leibeigenschaft gefühlt noch strenger gehandhabt. Die Reichsreformen, die Kaiser Maximillian einstmals anstoßen wollte und in die viele gemeine Leute ihre Hoffnungen gesetzt hatten, waren Totgeburten gewesen, die mehr den Herrschenden denn den Untertanen brachten. Der Schwäbische Bund, der für den Landesfrieden sorgen sollte im Südwesten des Reiches, war ein Instrument der Herrscher geworden. Lokale Fehden gingen nach wie vor weiter und lasteten auf den einfachen Menschen. Missernten kamen mal wieder hinzu: 1515 war ein besonders nasser Sommer, der Ernteeinbußen zur Folge hatte, was zu immensen Teuerungen für Lebensmittel und Saatgut führte. Im Frühjahr 1517 war es dann eine späte Frostperiode, die überraschend zuschlug und unter anderem die Reben der Winzer am Oberrhein erfrieren ließ.

In jenem Jahr wollte Joß Fritz es nochmal versuchen, seine geknüpften Kontakte aktivieren und einen neuen Bundschuh endlich zur Ausführung bringen. Im Juli 1517 berief er eine Versammlung von Verschwörern in ein Wirtshaus in Bretten im Elsass ein. Hier entwickelte man wieder Pläne. Es wurde wieder ein Programm aufgestellt, allerdings wesentlich lockerer formuliert als die 14 Artikel von der Hartmatte. In vielen Punkten war es ähnlich, in anderen gemäßigter, in einigen jedoch eindeutig schärfer. Der direkte antiklerikale Ansatz fehlte diesmal, dafür sollte diesmal der Adel gestürzt und totgeschlagen werden. Fritz drängte auch darauf, dass man über den Sommer möglichst schnell neue Mitstreiter gewann, gerade in den Städten und auf beiden Rheinseiten. Da er seinen Mitstreitern für jedes neu angeworbene Bundschuhmitglied ein Drittel Gulden als Belohnung versprach, gingen alle mit dem nötigen Elan ans Werk. Angeblich umfasste die Bewegung diesmal in kurzer Zeit mehrere hundert Anhänger. Auch die Kontakte zu den Bettlern und Tagelöhnern reaktivierte Joß Fritz wieder. Die Bettler sollten nicht nur Nachrichten überbringen, sondern auch andere Hilfsdienste leisten: Sie sollten bei Beginn des Aufstands überall im Badischen, im Breisgau und im Elsass Aufruhr verursachen und Brände legen, außerdem 2000 Bettler zur vorherbestimmten Stunde in die Stadt Rosheim einziehen lassen, damit diese im Handstreich genommen werden konnte. Als Lohn dafür würden die Bettler 2000 Gulden erhalten. In Rosheim selber sollten andere Mitverschwörer das Kommando übernehmen: Einer der Wirte in der äußeren Stadt mit seinem Sohn und seinem Knecht, Georg Schneider, der als Hauptmann in Frankreich gedient hatte, Wülflen Sälzer und Paul Springer. Man wollte dazu einen Tag Anfang September auswählen, wenn in Zabern im Elsass Kirchweih und Jahrmarkt wäre, dann würden viele Einwohner Rosheims sich dorthin begeben.

Doch wieder kam es nicht dazu. Wieder wurde die Sache vorab verraten, sie sprach sich zu schnell in Straßburg und Freiburg herum. Die habsburgische Regierung in Ensisheim ging diesmal mit besonderer Schärfe im ganzen Elsass gegen die Bundschuhbewegung vor, es gab etliche Gerichtsverfahren und Hinrichtungen. Joß Fritz musste wieder untertauchen – diesmal was die gesicherte Historie angeht für immer. Der Bundschuh vom Oberrhein im Jahre 1517 war der letzte Aufstandsversuch der Bauern unter diesem Banner, auch wenn spätere Aufstände immer wieder für den Vergleich mit dem Bundschuh herhalten mussten.

Niemand kann sagen wie die Sache ausgegangen wäre, wenn eine der Bundschuh-Bewegungen von Joß Fritz tatsächlich hätte losschlagen können. Hätten sich wirklich die breiten Massen des gemeinen Mannes angeschlossen? Hätte die Sache Erfolg haben können? Zumindest letzteres darf bezweifelt werden. Die Bewegung war sehr ländlich, hätte aber mehr des Rückhalts in den Städten bedürft. Rätselhaft ist, woher Joß Fritz 1517 auf einmal das Geld hatte, um seine Anhänger mit Lohn für die Anwerbungen zu besolden und den Bettlern 2000 Gulden zu bieten. Noch vier Jahre zuvor bekam er kaum das Geld für eine Fahne zusammen und nun gab er es mit vollen Händen aus. Hatte er diesmal Hintermänner? Gab es wohlhabende Förderer der Sache? Man weiß es nicht.


Zusätzliche Quellen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Joß_Fritz

Google-Maps und allgemein Wikipedia für Recherchen nach in der Überlieferung genannten geografischen Standorten