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Pirats Bestiarium: Schopfhirsch (Elaphodus cephalophus)

 

Schopfhirsch (Elaphodus cephalophus Milne-Edwards, 1872)

 

 

Namensbedeutung. Der Schopfhirsch wurde von dem französischen Arzt und Zoologen Alphonse Milne-Edwards (1835-1900) beschrieben, der uns bereits beim Blaufußtölpel (Sula nebouxii) begegnet ist. Beim Schopfhirsch wählte Milne-Edwards rein beschreibende Elemente für die Benennung von Gattung und Art. Elaphodus leitet sich von den griechischen Wörtern „elaphus“ für „Hirsch“ und „odous“ für „Zahn“ oder „bezahnt“ ab. Dies verweist darauf, dass dieser Hirsch deutlich sichtbare Fangzähne besitzt. Der Artname cephalophus kommt ebenfalls von zwei griechischen Wörtern, „kephale“ für „Kopf“ und „lophos“ für Kamm. Dies bezieht sich auf den buschigen Haarschopf, der wie ein kleiner Kamm auf der Kopfoberseite der Tiere sitzt.

 

Synonyme. Cervus cephalophus, Elaphodus cepholiphus, Elaphodus cepholophus, Elaphodus ichangensis, Elaphodus michianus, Lophotragus michianus.

 

Verwandtschaftsbeziehungen. Animalia; Eumetazoa; Bilateria; Deuterostomia; Chordata; Craniota; Vertebrata; Gnathostomata; Eugnathostomata; Osteichthyes; Sarcopterygii; Rhipidistia; Elpistostegalia; Stegocephali; Tetrapoda; Reptiliomorpha; Amniota; Synapsida; Eupelycosauria; Sphenacodontia; Therapsida; Eutherapsida; Neotherapsida; Theriodontia; Cynodontia; Mammaliamorpha; Probainognathia; Mammaliformes; Mammalia; Theriimorpha; Theriiformes; Trenchotheria; Cladotheria; Theria; Eutheria; Placentalia; Boreoeutheria; Laurasiatheria; Scrotifera; Ferungulata; Cetartiodactyla; Cetruminantia; Ruminantia; Pecora; Cervidae; Cervinae; Muntiacini; Elaphodus.

 

Der Schopfhirsch ist der zweite Vertreter der Wiederkäuer (Ruminantia), der uns nach dem Bongo (Tragelaphus eurycerus) begegnet. Allerdings ist der Schopfhirsch kein Vertreter der Rinderartigen, sondern er gehört zur zweiten besonders artenreichen Familie der Wiederkäuer, den Hirschen (Cervidae). Traditionell fasste man diese zusammen mit einigen weiteren mutmaßlichen Verwandten als Cervoidea zusammen. Dies musste man korrigieren; zwar blieben jüngste molekulargenetische und morphologische Analysen uneindeutig in vielen Punkten hinsichtlich der Verwandtschaftsverhältnisse innerhalb der Wiederkäuer. Doch es kristallisierte sich heraus, dass die Cervoidea nicht monophyletisch sind. Die derzeit wahrscheinlichste Hypothese ist die, dass die Hirsche die Schwestergruppe zu einer Linie bilden, die sich aus den Moschustieren (Moschidae) und den Rinderartigen (Bovidae) zusammensetzt.

 

Innerhalb der Hirsche ist der Schopfhirsch am engsten mit den Muntjakhirschen der Gattung Muntiacus verwandt, zumindest deuten genetische Untersuchungen darauf hin.

 

Verbreitung. Der Schopfhirsch ist weit verbreitet in großen Teilen Südchinas, vom südöstlichen Tibet im Westen bis zur Küste zwischen Hangzhou (im Norden) und der Provinz Guangdong (im Süden) im Osten. Wie weit das Verbreitungsgebiet dazwischen nach Norden und Süden reicht, dazu gibt es unterschiedliche Angaben; wahrscheinlich unterliegen die genauen Verbreitungsgrenzen im Laufe der Zeit auch deutlichen Schwankungen. Sicher findet man den Schopfhirsch am Ober-und Mittellauf des Jangtse im Norden und im Süden etwa im Bereich des Einzugsgebietes des Xun-Flusses. Zumindest 1990 noch soll der Schopfhirsch im Nordwesten seines Verbreitungsgebietes bis an den südlichsten Rand der Provinzen Shaanxi und Gansu und im Südosten der Provinz Qinghai vorgekommen sein. Sicher kommt er in Sichuan, Hubei und im Süden von Anhui vor. Im Südwesten des Verbreitungsgebietes findet sich der Schopfhirsch im nördlichen Yunnan vor. Zumindest historisch belegt sind Vorkommen des Schopfhirsches im nordöstlichsten Myanmar (Burma), im Grenzgebiet zu China. Jüngere Versuche, die Tiere dort nachzuweisen, sind durchweg gescheitert – ob die Schopfhirsche dort nur besonderes versteckt leben, sehr selten sind oder dort tatsächlich als lokal ausgestorben betrachtet werden müssen, bleibt unklar. Archäologische und sogar fossile Funde des Schopfhirsches stammen durchweg aus dem Bereich der heutigen Verbreitung. Zu nennen sind hier die Funde von Schopfhirschresten bei Yenchingkou (auch: Yanjinggou) nahe Chengdu in der Provinz Sichuan, die inzwischen ins frühe Pleistozän datiert werden und damit rund 2 Millionen Jahre alt sein dürften.

 

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Bild 1: Die Karte zeigt die ungefähre Verbreitung des Schopfhirsches in China, soweit diese derzeit bekannt ist. Zu beachten ist, dass er im Osten sicherlich bis an die Küste vordringt. Im Westen kommt er möglicherweise auch noch in Myanmar vor. Quelle: Sun et al. 2016.

 

 

Ein Bellen in den Bergen. In den südchinesischen Bergwäldern, oberhalb einer Höhe von 300 m und selbst im Bereich der Baumgrenze bei mehr als 4000 m kann man gelegentlich ein Bellen hören. Aber nicht von Hunden – es sind die Rufe eines versteckt lebenden kleinen Hirsches, den man nicht oft zu Gesicht kriegt. Wegen dieser vergleichsweise versteckten Lebensweise dauerte es bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts, bis Felle, Geweihe und ganze Exemplare dieser Art ihren Weg in die Hände europäischer Naturforscher fanden, in diesem Falle der Franzosen. So nahm die Wissenschaft erstmals Kenntnis vom Schopfhirsch.

 

Der Schopfhirsch erscheint einem Europäer so anders als europäische Hirsche. Zunächst einmal sind Schopfhirsche deutlich kleiner. Sie erreichen nur eine Kopf-Rumpf-Länge von maximal 120 cm bei einer Schulterhöhe von maximal 70 cm. Der kurze Schwanz ist lediglich 7 bis 15 cm lang. Gut genährte erwachsene Schopfhirsche wiegen rund 30 kg, selten mehr, oft ist das Gewicht jedoch niedriger. Das farbliche Erscheinungsbild ist eher unauffällig, die Tiere sind dunkelbraun bis dunkelgrau gefärbt. Das kurze Fell ist sehr rau. An den Lippen, der Schwanzunterseite, den Ohren und am Auge finden sich kleinere weiße Markierungen, die in einem auffallenden Kontrast zur sonstigen Färbung stehen. Die Ohren sind groß und beweglich und verschaffen dem Schopfhirsch ein gutes Gehör. Die kräftigen Beine enden in je einem Paar kräftiger Hufe, die das Gewicht tragen, und einem Paar Seitenhufe, reduzierte Zehen, die den Boden nicht berühren. Schopfhirsche besitzen eine Reihe von Duftdrüsen direkt vor den Augen, am Mittelfuß und zwischen den Hufen der Hinterbeine. Besonders auffällig ist bei beiden Geschlechtern auch ein dunkelbrauner bis fast schwarzer Haarschopf, der sich auf der Kopfoberseite von oberhalb der Augen bis zum Hinterkopf erstreckt. Männchen und Weibchen unterscheiden sich beim Schopfhirsch weder wirklich in der Größe noch in der Fellfarbe. Die beiden einzigen äußerlich erkennbaren Unterschiede betreffen das Geweih und die Eckzähne. Nur die Männchen besitzen ein Geweih. Das Geweih ist allerdings nur sehr klein. Es sitzt am hinteren Ende von zwei längs verlaufenden Knochenleisten auf der Schädeloberseite und besteht lediglich aus zwei kurzen, unverzweigten Stangen. Diese werden maximal 2,5 bis 5 cm lang und jedes Jahr aufs Neue gebildet und wieder abgeworfen (mehr dazu später). Die Stangen sind nach hinten und nur leicht nach oben gerichtet, dabei ein wenig nach innen gebogen. Bemerkenswerterweise werden die beiden Geweihstangen jedoch vom Haarschopf praktisch völlig verdeckt und sind daher nur selten ein wenig sichtbar. Wesentlich sichtbarer sind dagegen die großen Eckzähne, die wie Fangzähne hervorstehen. Weibchen besitzen diese zwar auch, aber deutlich kleiner, wodurch sie bei diesen nicht immer sichtbar sind.

 


Bild 2: Ein männlicher Schopfhirsch. Man erkennt unter dem Haarschopf ansatzweise das Geweih. Gut zu sehen sind die Fangzähne. Quelle: Wikipedia.

 

Noch ein Wiederkäuer. Schopfhirsche besitzen als eine der Wiederkäuer ein ähnlich spezialisiertes Verdauungssystem wie wir es beim Bongo bereits näher kennengelernt haben: Eine Abfolge von mehreren Magenabschnitten mit unterschiedlicher Anpassung bereitet die Nahrung auf, die portionsweise zu bestimmten Fressphasen wieder hochgewürgt und erneut durchgekaut wird.

 

Auch das Gebiss ist hier wieder entsprechend spezialisiert. Wie meistens bei Säugetieren werfen wir hier einen näheren Blick darauf. Zunächst einmal ein Blick auf die Zahnformel: Im Oberkiefer finden sich auf jeder Seite 0 Schneidezähne (Inzisiven), 1 Eckzahn (Caninus), 3 Vorbackenzähne (Prämolaren) und 3 Backenzähne (Molaren). Im Unterkiefer sind es auf jeder Seite 3 Schneidezähne, 1 Eckzahn, 3 Prämolaren und 3 Molaren. Die Schneidezähne und Eckzähne im Unterkiefer haben eine ähnliche stift-bis meißelartige Form und stehen dicht gedrängt ganz vorne im Kiefer. Im Oberkiefer dient eine hornige Platte als Gegenlager. Mit diesen Zähnen beißt der Schopfhirsch Nahrungsteile ab. Die Schneidezähne im Oberkiefer dagegen sind als deutlich gebogene und zugespitzte Fangzähne ausgebildet – vor allem bei den Männchen. Bei diesen stehen sie auch bei geschlossenem Maul gut sichtbar hervor, dank einer Länge von bis zu 5 cm. Sie besitzen keine direkte Funktion bei der Ernährung, sondern haben eine Rolle als Signal im Sozialverhalten. Die restlichen Zähne liegen weit hinten im Kiefer, von den Schneide-und Eckzähnen durch eine deutliche, Diastema genannte Lücke getrennt. Die Prämolaren sind den Molaren zwar relativ angeglichen, aber dennoch deutlich kleiner und kürzer als diese, außerdem auch etwas niedriger. Aber auch die Molaren sind nicht so hochkronig, wie wir das etwa beim Bongo gesehen haben. Allerdings sind sie ebenfalls selenodont: Die Kauflächen sind durch längs verlaufende von Schmelz überzogene Grate gekennzeichnet, die durch die bei Kaubewegungen entstehende Abrasion abgetragen werden, wodurch ein halbmondförmiges Muster aus freigelegtem weicherem Dentin und einrahmenden harten Schmelzkanten entsteht. Diese Doppelkanten eignen sich bestens zum Zerkleinern von Pflanzenpartikeln.

 

Die relativ niedrigkronigen Zähne sind dennoch ein Hinweis darauf, dass der Schopfhirsch anders als die Bewohner offener Graslandschaften weniger Gras, sondern mehr Blätter von Sträuchern und niedrigen Bäumen und krautige Pflanzen frisst. Diese haben üblicherweise eine weniger abreibende Wirkung auf die Zähne als das ziemlich harte Gras.

 

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Bild 3: Der Schädel mit Unterkiefer eines Schopfhirsch-Männchens, aufbewahrt im Natural History Museum in London mit der Indexnummer 11.9.8.44. Ansichten von oben nach unten: Unterseite des Schädels, Oberseite des Schädels, Seitenansicht von Schädel und Unterkiefer. Man beachte die Bezahnung und die Geweihstangen. Das Schädelfenster vor den Augenhöhlen gibt Raum für die Duftdrüsen. Die Länge des Schädels beträgt 19,6 cm. Quelle: Leslie et al. 2013.

 

 

Feine Unterschiede. Das durchaus weitläufige Verbreitungsgebiet des Schopfhirsches, noch dazu durch Flüsse und Bergzüge stark untergliedert, hat anscheinend zu gewissen kleinen Variationen zwischen verschiedenen Teilpopulationen der Art geführt. Daher gab es schon früh Versuche, verschiedene Teilpopulationen als eigene Arten zu beschreiben. Inzwischen wertet man diese eher als Unterarten. Es gab jedoch lange recht unterschiedliche Ansichten darüber, von wie vielen Unterarten man sprechen sollte. Noch 2005 unterschied eine Studie wenigstens vier Unterarten; inzwischen ist es eher Konsens, von drei Unterarten zu sprechen. Die Unterschiede sind aber wirklich geringfügig, manche Bearbeiter lehnen es daher ab, von Unterarten zu sprechen – es geht hier zum Teil nur um geringfügige Variationen des Schädels – etwa die Breite der Nasenknochen - und um geringfügige Größenunterschiede. Letztere lassen sich im Grunde damit zusammenfassen, dass die Schopfhirsche aus dem westlichen Teil des Verbreitungsgebietes am größten und jene aus dem östlichen Teil am kleinsten sind. Unterschieden werden danach meistens zumindest folgende drei Unterarten:

 

Elaphodus cephalophus cephalophus ist die Nominatform. Sie lebt in den westlichen Teilen des Verbreitungsgebietes und scheint am größten zu sein. Sie kann Schädellängen von um die 200 mm (20 cm) erreichen.

 

E.c.ichangensis bewohnt die zentralen Teile des Verbreitungsgebietes. Sie ist nicht ganz so groß wie die Nominatform, die Schädellänge beträgt kaum 19,5 cm. 1904 wurde diese Unterart sogar als eine eigene Art beschrieben, aber schon 1915 als Unterart des Schopfhirsches neu eingeordnet. Die Unterschiede in den Feinheiten des Schädels zur Nominatform sind jedoch sehr geringfügig.

 

E.c.michianus stammt aus den küstennahen Gebieten im Osten der Verbreitung des Schopfhirsches. Zuerst 1874 als eigenständige Art beschrieb, wurde diese Form erst 1910 als Unterart des Schopfhirsches eingestuft. Die Form ist kleiner als die anderen Schopfhirsche, erkennbar auch an der Schädellänge, welche nur bei rund 18,5 cm liegt. Außerdem gibt es deutlichere Unterschiede zwischen Schädeln von E.c.michianus und denen der beiden anderen Unterarten. Eine einst als weitere Unterart beschriebene Form E.c.fociensis beruhte nur auf einem Exemplar und wird inzwischen als mit E.c.michianus identisch angesehen.

 

Eine andere Unterart ist nur von Knochenfunden bekannt, die bis zu 2 Millionen Jahre alt sind. Sie wurde in den 1950er Jahren als E.c.megalodon beschrieben. Grundlage waren Schädel-und Zahnreste, die bei Ausgrabungen nahe Yenchingkou in der Provinz Sichuan gefunden wurden. Sie deuten auf ein Tier hin, dass noch etwas größer wurde als heutige Schopfhirsche. Außerdem besaß es zum Beispiel auch breitere Nasenknochen. Vor allem aber besaß E.c.megalodon besonders große Fangzähne. Diese waren nicht nur größer als bei heutigen Schopfhirschen, weil das Tier als solches größer war, sie waren auch im Verhältnis zu Kiefern und Schädel deutlich größer als bei heutigen Schopfhirschen. Viel ist über diese ausgestorbene Unterart leider nicht bekannt. Zwar tauchen in jüngeren Schichten archäologischer Fundstellen in Südchina immer wieder auch Schopfhirschknochen auf, vermutlich Reste von durch Menschen gejagten Tieren. Doch sie stammen ausschließlich bereits von Schopfhirschen, die eher den heute lebenden Artgenossen gleichen.

 

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Bild 4: Das Typus-Exemplar der ausgestorbenen Unterart Elaphodus cephalophus megalodon, mit der Indexnummer AMNH 18828, aufbewahrt im American Museum of Natural History. Es handelt sich um den mittleren Schädelteil eines Weibchens, hier in linker Seitenansicht. Markant sind die großen Zähne des Oberkieferknochens (Maxillare). Es darf gerne mit dem oben gezeigten Schädel verglichen werden. Quelle: Colbert & Hooijer 1953.

 

Lebensraum. Die Habitatansprüche des Schopfhirsches wurden verschiedentlich untersucht, meistens indem man die Anwesenheit und Häufigkeit dieser Art in einem bestimmten Gebiet über Dungspuren und Kamerafallen abschätzte. Grundsätzlich ist er ein Bewohner von Bergwäldern, aber eine Studie zeigte zum Beispiel, dass Schopfhirsche zumindest im Baima Xueshan Nature Reserve, einem Naturschutzgebiet im südwestlichen China nahe der Grenze zu Myanmar, Eichenwaldungen eher meiden. Offensichtlich haben diese Tiere bei aller doch vorhandenen Flexibilität auch Ansprüche. So bevorzugen Schopfhirsche feuchte Wälder und halten sich meistens nahe am Wasser auf. Die Wälder sollten dichtes Unterholz und viele Bäume mit breiten Blättern besitzen. Bereiche mit viel Bambus-Bewuchs scheint der Schopfhirsch dagegen zu meiden. Allgemein bevorzugt er anscheinend kühlere Klimate und hat daher auch kein Problem mit den kühleren Temperaturen in großen Höhen, in der Nähe der Wald-und Baumgrenze. Meistens bewegen sich die Tiere dabei aber auf den Berghängen, die der Sonne zugewandt sind und damit noch am meisten Wärme abbekommen. Als scheue Tiere bevorzugen sie außerdem Gebiete, die möglichst wenige Störungen durch den Menschen erfahren. Erstaunlich ist, dass Schopfhirsche in den höchsten Höhen auch in Bereichen mit felsigerem Untergrund gut klarkommen, obwohl sie keinerlei spezielle Anpassungen an das unwegsamere Gelände in 4000 m Höhe besitzen.

 

Die Wahl des Lebensraums wird für Schopfhirsche vermutlich durch zwei Parameter besonders bestimmt: Zum einen durch genügend Deckung, um Schutz zu finden. Dies finden die Tiere am ehesten in Wäldern mit viel Unterholz. Zum anderen durch das Nahrungsangebot. Untersuchungen von Mageninhalten haben eine breite Palette von Pflanzenarten, die als Büsche, niedrige Bäume oder auch krautig wachsen ergeben, die der Schopfhirsch als Nahrung zu sich nimmt. Gerade immergrüne Büsche benötigt er zum Überleben. Er bevorzugt dabei anscheinend Pflanzen mit großen Blättern, aber auch Gras, Früchte und Samen werden gegessen. Früchte und Samen machen einer Studie zufolge nicht ganz 11 % des Speiseplans aus, wobei dies vielleicht nicht in jedem Bereich des Verbreitungsgebietes repräsentativ ist. Es wurde beobachtet, dass sich die Tiere auch auf die Hinterbeine aufrichten können, um an etwas höheres Laub zu kommen. Bemerkenswert sind auch Beobachtungen, die bei Zoos an Schopfhirschen gemacht wurden: Dort wurde gelegentlich beobachtet, dass sich die Tiere den Speiseplan durch den Verzehr von Schnecken oder Aas erweiterten. Allerdings ist unklar, ob und wie häufig dieses Verhalten in freier Wildbahn vorkommt.

 


Bild 5: Ein weiblicher Schopfhirsch, von vorne. Quelle: Wikipedia.

 

Sozialverhalten. Das scheue und versteckte Leben des Schopfhirsches hat dazu geführt, dass über sein Sozialverhalten in freier Wildbahn nur vergleichsweise wenig bekannt ist. Die Forscher können sich hier bisher vor allem nur auf gelegentliche Einzelbeobachtungen und auf Erfahrungen aus der Haltung von Schopfhirschen in Zoos berufen.

 

Darauf basierend geht man ganz allgemein davon aus, dass Schopfhirsche einzelgängerisch leben und dabei sehr territorial sind. Ihr Revier durchstreifen sie auf festen Pfaden und markieren die Grenzen an bestimmten Punkten mit Duftmarken aus den Duftdrüsen und mit hinterlassenem Kot. Vermutlich dienen bestimmte Stellen im Wald als „Latrinen“, an denen Schopfhirsche aus angrenzenden Revieren ihre Kotmarken hinterlassen, deren Geruch den Nachbarn Auskunft über Anwesenheit und Verfassung des jeweiligen Urhebers geben. Ähnliches kennt man auch von anderen einzelgängerischen und territorialen Huftieren. Überschneidungen von Schopfhirsch-Revieren gibt es vermutlich vor allem zwischen denen von Männchen und Weibchen. Während es zumindest im Zoo Beobachtungen gibt, dass die Weibchen sich bei Begegnungen auch gegenseitig das Fell putzen, scheinen die Männchen eher sehr deutlich gegeneinander die Grenzen ihrer Reviere zu verteidigen. Dabei zeigt sich bei Aufeinandertreffen meist recht schnell, welches Männchen dominanter und welches unterlegen ist. Letzteres wird von dem dominanten Männchen am Hinterteil beschnüffelt und durch das Dickicht verfolgt – solange, bis es sich durch entsprechende Wimmerlaute und Demutshaltungen, etwa indem es sich hinlegt, als unterlegen zeigt. Zumindest als Teil des Imponiergehabes spielen die langen Fangzähne dabei eine wichtige Rolle. Sowohl Männchen wie Weibchen ziehen die Lippen hoch, um die Fangzähne als optisches Signal zu zeigen. Es ist allerdings unklar, ob sie auch als direkte Waffe genutzt werden. Gegen Fressfeinde ohnehin nicht: Schopfhirsche sind reine Fluchttiere, die bei Gefahr zunächst erstarren und dann schließlich mit raschen, hohen Sprüngen davoneilen.

 

Sicher ist, dass Schopfhirsche ein breites Repertoire an Lauten besitzen. Laute bellende Rufe setzen sie vor allem als Alarmruf ein und während des Balzverhaltens. Daneben äußern Schopfhirsche aber auch klickende und wimmernde Laute von sich, je nach Situation. Gerade die Wimmerlaute spielen eine wichtige Rolle beim Demutsverhalten gegenüber Konkurrenten.

 

 


Bild 6: Ein Schopfhirsch beim Koten. Kotmarken, gerne an bestimmten Plätzen, dienen einerseits der Reviermarkierung (zusammen mit Duftmarken), andererseits bieten sie Artgenossen auch Informationen über die Verfassung des Urhebers. Quelle: Simon J. Tonge/ Calphotos.berkeley.edu

 

 

Partnerfindung und Fortpflanzung. Schopfhirsche besitzen wie alle Hirsche ein stark saisonales Paarungsverhalten. Dies äußert sich bei den Weibchen darin, dass sie nur zu einer bestimmten Zeit im Jahr in Hitze, also empfängnisbereit, sind. Bei den Männchen macht sich dies über die Geweihbildung bemerkbar. Wie auch bei den meisten anderen Hirschen wird das Geweih erst unter einer schützenden Schicht durchbluteter Haut, dem sogenannten Bast, gebildet. Der Bast wird schließlich abgestreift und das Geweih hat dann seine Funktion im Imponierverhalten gegenüber anderen Schopfhirsch-Männchen. Schließlich wird es wieder abgeworfen – und im nächsten Jahr neu gebildet. Details zu diesem Rhythmus kennt man eigentlich nur von in Zoos gehaltenen Schopfhirschen. Im Berliner Zoo wurde in den 1980er Jahren beobachtet, dass die Männchen zur Monatswende Juli/August den Bast von den Geweihen abstreiften. Das Geweih selber warfen sie demnach zur Monatswende April/Mai des Folgejahres ab. Die Brunft-und Paarungszeit ist daher im Herbst anzusiedeln, ähnlich wie bei vielen anderen eurasischen Hirscharten. Dabei fällt die Paarung eher in den Übergang zum Winter. Da die Tiere gerade in dieser Zeit ihre Reviergrenzen besonders stark mit Duftmarkierungen versehen, die die Männchen auch auf die Spur von paarungsbereiten Weibchen bringen, kann vermutet werden, dass sie so zueinander finden.

 

Nach der Paarung ist alles Weitere im Grunde der Job des Weibchens. Die Tragezeit beträgt etwa 180 bis 210 Tage. Dadurch kommt das üblicherweise einzige Jungtier (nur ganz selten gibt es Zwillinge) im Sommer zur Welt. Es gibt allerdings kaum Daten zu Größe und Gewicht der Jungen bei der Geburt. Anscheinend sind die Neugeborenen im Verhältnis zur Mutter relativ groß und wiegen um die 2 kg. Die Jungtiere unterscheiden sich deutlich von den ausgewachsenen Tieren durch Reihen von hellen Flecken auf dem Rücken – eine für die Jungen von waldbewohnenden Säugetieren typische Tarnmusterung. Wie bei allen Hirschen sind die Jungen relativ schnell sicher auf den Beinen. Bei der Mutter bleiben sie etwa ein halbes Jahr, dann werden sie entwöhnt und müssen sich bald darauf alleine durchschlagen. Frühestens mit 18 Monaten werden die jungen Schopfhirsch-Männchen geschlechtsreif und müssen sich dann eigene Reviere suchen. Die Weibchen können schon deutlich früher geschlechtsreif werden und mit anderthalb Jahren das erste Kalb austragen. Kann sich der junge Schopfhirsch erfolgreich ein Refugium sichern, hat er eine gute Chance bis zu 12 Jahre alt zu werden.

 


Bild 7: Dieser kleine Schopfhirsch ist Samantha, ein im Juli 2015 im Tierpark Berlin geborenes Weibchen. Samantha war 2015 schon die zweite Geburt in der dortigen Zuchtgruppe. Quelle: www.tierpark-berlin.de

 

In Gefangenschaft. In Zoos außerhalb Chinas sind Schopfhirsche eher selten, zum ersten Mal kam eines der Tiere in den 1980ern außerhalb Chinas in einem Tierpark unter. 2012 lebten in nicht-chinesischen Tiergärten 87 Schopfhirsche. Die Haltung an sich scheint unproblematisch zu sein, auch wenn es gelegentlich – so in einem englischen Zoo – Reibereien zwischen männlichen Tieren aufgrund des starken Territorialverhaltens gab. Auf jeden Fall lassen sich die Tiere auch in Gefangenschaft relativ gut zur Fortpflanzung bringen. Vor allem chinesische Tiergärten sind recht erfolgreich darin. Im Zoo von Chengdu zum Beispiel konnten die Schopfhirsche dadurch erfolgreich zur Fortpflanzung animiert werden, dass man das Gehege mit heimischen Pflanzen möglichst naturgetreu herrichtete und auch die Ernährung der Tiere möglichst nahe an die vermutete Zusammensetzung in freier Wildbahn heranführte.

 

Bei guter Haltung können Schopfhirsche in Zoos fast 23 Jahre alt werden. Es wird empfohlen sie entsprechend ihrer Lebensweise in freier Wildbahn einzeln oder maximal paarweise zu halten. In Deutschland werden Schopfhirsche in Berlin, Heidelberg, Magdeburg und Osnabrück gehalten. In Berlin wurde 1985 der erste Schopfhirsch außerhalb Chinas geboren und der dortige Tierpark hat bis heute die größte Zuchtgruppe in Europa.

 

Ein Blick auf die Gene. Erstaunlich ausführlich wurde das Genom des Schopfhirsches untersucht, zumindest wenn man bedenkt, dass sonst zum Teil wenig über diese scheue Art bekannt ist. Ein Grund dafür ist die Entdeckung, dass der Schopfhirsch keine einheitliche Chromosomenzahl besitzt. 1991 fanden wissenschaftliche Genetiker heraus, dass die Weibchen 46 bis 47 Chromosomen besitzen und die Männchen 47 bis 48. Dabei war der Chromosomensatz zwar wie bei Säugetieren üblich diploid, jedes Chromosom findet sich also in doppelter Ausfertigung im Zellkern. Doch die uneinheitliche Zahl der Chromosomen ist für Säugetiere dafür umso ungewöhnlicher. Dies kannte man innerhalb der Säugetiere bis dahin fast nur von einigen Nagetieren – bei jenen beruhte dies auf sogenannten B-Chromosomen, überzähligen Chromosomen, die vorkommen können, aber nicht müssen. Offensichtlich gibt es diese B-Chromosomen auch beim Schopfhirsch. Die Bedeutung hinter dem Phänomen beim Schopfhirsch ist noch nicht wirklich verstanden. Die Männchen besitzen besonders große Geschlechtschromosomen, die – ähnlich wie beim Menschen – sehr unterschiedlich gestaltet sind, als X-und Y-Chromosom. Ebenfalls eine Auffälligkeit, deren Bedeutung für den Organismus nur mangelhaft verstanden ist.

 

Inzwischen ist die umfassende Untersuchung des Genoms des Schopfhirsches bei der Isolierung einzelner Gene angelangt. Außerdem hat man die DNA der Mitochondrien des Schopfhirsches in den 2000er Jahren genauer untersucht. Diese Forschungen haben es immerhin ermöglicht, den Schopfhirsch auch aufgrund kleiner DNA-Proben von anderen asiatischen Hirscharten zu unterscheiden. Dadurch lässt sich bereits anhand kleiner Kotproben das Vorkommen der Tiere in einer Region bestätigen, was wichtig für Schutzmaßnahmen seitens der Behörden ist und im besten Fall noch durch Schnappschüsse durch Kamerafallen ergänzt werden kann. Außerdem konnten diese Untersuchungen die wahrscheinlichen Verwandtschaftsbeziehungen zu anderen Arten erhellen – daher ist man sich auch mit der engen Verwandtschaft zu den Muntjakhirschen so sicher.

 


Bild 8: Ein weiteres Männchen des Schopfhirsches, erkennbar an den Fangzähnen. Quelle: arkive.org / Daniel Heuclin/photoshot.com

 

An den Ufern des Yangtse. Im Jahre 2016 zeigte außerdem eine neue Studie, welche weiteren Schlaglichter ein Verständnis der Genetik einer Art auf deren Beeinflussung durch die Umwelt werfen kann. In diesem Falle geht es um die Rolle von geographischen Barrieren für den Austausch zwischen Teilpopulationen des Schopfhirsches. Berge und Flüsse sind im Grunde klassische Beispiele solcher Barrieren – und es ist daher im Einzelfall leicht, ihnen eine solche Wirkung zu unterstellen. Es ist aber eine ganz andere Frage, die Wirkung im Einzelfall auch tatsächlich nachzuweisen. Ein Forscherteam hat dies daher am Beispiel des Schopfhirsches für den großen Fluss Yangtse getestet. Der Yangtse gehört zu den größten Flüssen der Welt – ein solches Gewässer muss doch eine gewisse Wirkung haben, oder? Nun, das chinesische Forscherteam um Zhonglou Sun untersuchten sowohl die mitochrondriale DNA als auch bestimmte genetische Marker im Erbgut des Zellkerns. Die Proben stammten von Schopfhirschen aus zwei Populationen, der Dabashan-Population und der Wulingshan-Population. Erstere lebt in den Dabashan-Bergen am Nordufer des mittleren Yangtse, letztere in den Wulingshan-Bergen auf dem Südufer. Die Ergebnisse sind überraschend.

 

Zum einen wiesen beiden Populationen eine hohe genetische Diversität auf, höher als bei anderen Hirscharten. Dies wird dahin interpretiert, dass der Schopfhirsch auf eine ausgesprochen große Ursprungspopulation zurückgeht und danach niemals so sehr dezimiert wurde, dass es zu einem genetischen Flaschenhals, also einer Verringerung der genetischen Vielfalt durch einen Populationsrückgang, gekommen wäre. Doch zugleich fanden sich keine besonderen Unterschiede zwischen den beiden untersuchten Populationen. Keinerlei genetischen Marker kamen nur nördlich oder südlich des Yangtse vor. Stattdessen legt deren Verteilung einen regelmäßigen Austausch zwischen beiden Populationen nahe – der Yangtse wirkt für den Schopfhirsch also anscheinend nicht als geographische Barriere. Das ist umso erstaunlicher, weil der Schopfhirsch kein sehr guter Schwimmer ist. Die Erklärung der Forscher: Der entsprechende Austausch fand in den letzten Jahrtausenden statt. Während der letzten Eiszeit lag der Wasserstand des Yangtse deutlich niedriger und der Fluss war für Schopfhirsche leichter zu überqueren. Und auch in historischer Zeit gab es Perioden trockeneren Klimas, in denen der Fluss so wenig Wasser führte, dass die Hirschpopulationen sich austauschen konnten.

 

Eine genauere Analyse der Muster der genetischen Variationen in beiden Populationen ergibt gleichwohl Hinweise auf Bestandsfluktuationen in der Vergangenheit. Die Forscher konnten sogar schätzen, wann welche genetische Varianten entstanden und dies in Bezug zu diesen Fluktuationen setzen – kurz: Sie konnten abschätzen, wann Bestandsverluste auftraten oder sich die Bestände erholten und dies mit externen Ereignissen korrelieren. So konnte festgestellt werden, dass die untersuchten Schopfhirschpopulationen vor etwa 300000 bis 100000 Jahren einen deutlichen Bestandsrückgang erlitten. Dies deckt sich etwa mit einer eiszeitlichen Kaltphase, die in dieser Region als Guxiang-Vereisung bekannt ist und für die Region am mittleren Yangtse ein deutlich harshceres Klima mit sich brachte. Offensichtlich waren die Bedingungen weniger ideal für Schopfhirsche. In der folgenden Warmzeit erholte sich deren Bestand anscheinend deutlich. Ein weiterer Bestandsrückgang in jüngster Vergangenheit lässt sich ebenfalls bereits in den DNA-Proben nachweisen. Interessanterweise scheint er bereits vor einigen Jahrhunderten bis Jahrtausenden eingesetzt zu haben. Die Forscher denken, dass dieser Bestandsrückgang auf den Einfluss des Menschen – Umweltveränderungen und Jagd – zurückgeht.

 


Bild 9: Diese Nahaufnahme eines männlichen Schopfhirsches der Unterart E.c.michianus lässt gut die Duftdrüse vor den Augen erkennen. Aufgenommen im Magdeburger Zoo im Jahre 2012. Quelle: Wikipedia.

 

Koexistenz mit Menschen. China ist ein großes, aber auch ein dicht besiedeltes Land. Dies gilt erst recht auch für große Teile des südlichen China, in denen der Schopfhirsch lebt. Das Einflussgebet des Jangtse gehört zu den großen Industriegebieten des Landes, ebenso sind die Küstenregionen dicht besiedelt und industrialisiert. In anderen Gebieten, etwa den südwestlichen Provinzen an der Grenze zu Myanmar, leben zahllose Bauern und die Bergwälder sind immer stärker von landwirtschaftlichen Flächen umgeben. Es geht hier nicht um einige Zehnmillionen Menschen, die im Verbreitungsgebiet des Schopfhirsches leben. Sondern um hunderte Millionen. Für ein scheues Geschöpf wie den Schopfhirsch stellt dies durchaus eine Herausforderung dar. Sein Lebensraum wird zunehmend vom Menschen verändert und immer mehr eingeengt. Zugleich werden die Tiere vielerorts gelegentlich gejagt oder von Autos erwischt. 1982 wurde geschätzt, dass seit Mitte der 70er Jahre 100000 Schopfhirsche der Jagd zum Opfer fielen. Die Größenordnung dürfte sich seitdem kaum geändert haben. Es ist eigentlich nicht denkbar, dass die Population des Schopfhirsches nicht von alldem beeinflusst wird.

 

Das eher scheue Verhalten des Schopfhirsches macht es aber zugleich sehr schwierig, seine Populationsgröße sicher zu schätzen. Man behilft sich mit Kamerafallen und der Analyse von Kotmarkierungen, um in einzelnen Gebieten – vor allem in Naturreservaten – die Population zu ermitteln und von diesen Näherungswerten auf das gesamte Verbreitungsgebiet hochzurechnen. Präzise ist das jedoch nicht. Die International Union for Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN), die die internationale Rote Liste gefährdeter Arten führt, tut sich entsprechend bis heute damit schwer, den Schopfhirsch entsprechend einzustufen. Noch 1996 vermerkte die IUCN einen Mangel an Daten für diese Art. Seit 2008 wird der Schopfhirsch als potentiell gefährdet eingestuft, wobei die IUCN ein hohes Risiko sieht, dass die Art innerhalb der nächsten zwei Jahrzehnte definitiv bedroht oder gefährdet ist. Die bisherigen Schätzungen des Gesamtbestandes des Schopfhirsches sind nur sehr grob. Eine Studie von 1998 kam zu dem Schluss, dass es zwischen 300000 und 500000 Schopfhirsche geben könnte. Unter internationalem Schutz steht die Art leider bislang nicht. Es könnte dem Schopfhirsch daher vielleicht so ergehen, wie schon vielen anderen chinesischen Wildtierarten – dass man hoffen und bangen muss, ob er beim wirtschaftlichen Aufstieg Chinas auf der Strecke bleibt oder nicht.

 

 

Literatur.

 

Cao, X., Jiang, H. & Zhang, X. 2005. Polymorphic karyotypes and sex chromosomes in the tufted deer (Elaphodus cephalophus): cytogenetic studies and analyses of sex chromosome-linked genes. – Cytogenetic and Genome Research 109: 512-518.

 

Cao, X., Shu, F., Zhang, X., Bi, C., Li, C., Hu, J. & Fang, J. 2002. Phylogenetic relationships of Elaphodus cephalophus and three Muntiacus species revealed by mitochondrial cytochrome B nucleotide sequence. – Acta Zoologica Sinica 48: 44-49.

 

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Colbert, E.H. & Hooijer, D.A. 1953. Pleistocene mammals from the limestone fissures of Szechwan, China. – Bulletin of the American Museum of Natural History 102: 1-134.

 

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