Pirats Bestiarium: Türkisblauer Zwergtaggecko (Lygodactylus williamsi)

Türkisblauer Zwergtaggecko (Lygodactylus williamsi Loveridge, 1952)

 

 

Namensbedeutung. Der Gattungsname wurde bereits 1864 von dem namhaften britischen Zoologen John Edward Gray geprägt und bedeutet übersetzt etwa soviel wie „dunkler Finger“ oder „schattiger Finger“. Was genau Gray damit hat ausdrücken wollen, habe ich nicht herausfinden können – in der Originalbeschreibung des Genus hat Gray keine Begründung angegeben, was zu jener Zeit leider durchaus üblich war. Geckogattungen mit der Endung dactylus für „Finger“ zu benennen hat allerdings eine gewisse Tradition (wegen der oft besonderen Eigenschaften der Füße dieser Tiere). Möglicherweise bezieht sich der Verweis auf Dunkelheit auf eine gewisse Vorliebe der Tiere für eine versteckte Lebensweise in schattigen Lebensräumen. Aber wie gesagt – Gray gab keine nachvollziehbare Begründung.

 

 

Der Artname ehrt den Naturforscher und begeisterten Ornithologen John George Williams (1913-1997), der das Typusexemplar des Türkisblauen Zwergtaggeckos einfing, und nicht, wie oft fälschlich angegeben, den Herpetologen Ernest Edward Williams (1914-1998), der ein bekannter Spezialist vor allem für die Echsenfamilie der Dactyloidae war. Dieser Irrtum findet sich nicht nur im englischen Wikipedia, sondern sogar auf eigentlich so guten Seiten wie eol.org. Anscheinend geht der Fehler auf einen französischen Wikipedia-Artikel zurück, der sich wiederum auf „The Eponym Dictionary of Reptiles“ aus dem Jahr 2009 beruft. Hier empfiehlt es sich aber, folgenden Grundsatz zu befolgen: RTFS, wie es Dr. Heinrich Mallison aus Berlin in seinem Blog einmal nannte. Read the fucking source! In diesem Fall ist die „verdammte Quelle“ die Erstbeschreibung durch Loveridge aus dem Jahr 1952 – die sich ganz eindeutig auf John G. Williams bezieht, wie ich mich selbst überzeugt habe.

 

 

Synonyme. Lygodactylus picturatus williamsi.

 

 

Verwandtschaftsbeziehungen. Animalia; Eumetazoa; Bilateria; Deuterostomia; Chordata; Craniota; Vertebrata; Gnathostomata; Eugnathostomata; Osteichthyes; Sarcopterygii; Rhipidistia; Elpistostegalia; Stegocephali; Tetrapoda; Reptiliomorpha; Amniota; Reptilia; Eureptilia; Romeriida; Diapsida; Neodiapsida; Sauria; Lepidosauromorpha; Lepidosauria; Squamata; Gekkota; Gekkomorpha; Gekkonidae; Lygodactylus.

 

 

Die Gekkota sind nach derzeitigem Kenntnisstand eine Gruppe, die sich frühzeitig von der Hauptlinie der anderen Echsen und Schlangen (Squamata) abgespalten hat und ihren eigenen Weg ging. In der Folge entwickelten sie eine Anzahl Spezialisierungen, die zum Teil bei anderen Echsen nicht vorkommen, zum Teil bei anderen Echsen unabhängig davon ebenfalls entstanden. Zu den genauen Verwandtschaftsverhältnissen innerhalb der Familie der Echten Geckos (Gekkonidae) gibt es derzeit aber im Detail widersprüchliche Auffassungen. Manchen Studien zufolge ist die Gattung Lygodactylus innerhalb der Gekkonidae ein relativ basaler Zweig. Andere Studien haben dies aber nicht unbedingt bestätigt.

 

 

Der nächste Verwandte des Türkisblauen Zwergtaggeckos unter den bisher hier vorgestellten Tierarten ist der Helmbasilisk (Basiliscus basiliscus), als bisher einziger anderer Vertreter der Squamaten in dieser Artikelreihe.

 

 

Verbreitung. Der Türkisblaue Zwergtaggecko besiedelt nur ein extrem begrenztes Verbreitungsgebiet. Er bewohnt nur ein Gebiet von etwa 20 km² Ausdehnung in und um den tansanischen Kimboza-Forest und den benachbarten Ruvu-Forest, die zugleich Naturschutzreservate sind. Das Gebiet liegt in Tansania etwa 150 km westlich der bedeutenden Hafenstadt Daressalam, die auch der Regierungssitz des Landes ist.

 

 

Verbreitungskarte1

Bild 1: Diese Karte zeigt die Lage des Kimboza-und des Ruvu-Forest in Tansania. Man beachte außerdem die erkennbare starke Fragmentierung des Lebensraums Wald. Quelle: Weinsheimer et al. 2010.

 

 

Verbreitungskarte2

Bild 2: Diese Karte zeigt das Gebiet noch einmal mehr in Detail. Neben dem Kimboza Forest Reserve (A) und dem Ruvu Forest Reserve (B) sind außerdem die beiden kleineren Vorkommen Muhalama (C) und Mbagalala (D) markiert. Die schwarzen Punkte markieren Schraubenbäume, von denen für die Forschung vermessene Türkisblaue Zwergtaggeckos stammen. Quelle: Flecks et al. 2012.

 

 

 

Entdeckung. Der Türkisblaue Zwergtaggecko (oft auch Himmelblauer Zwerggecko genannt) wurde Anfang der 50er Jahre für die Wissenschaft entdeckt. Der walisische Naturforscher John George Williams arbeitete damals für das Coryndon Memorial Museum in Nairobi im damaligen Britisch-Ostafrika (heute: Kenia). Williams war eigentlich mehr Spezialist für Vögel (Ornithologe), sammelte bei seinen Geländeexkursionen im damals britisch beherrschten Osten Afrikas aber auch Exemplare anderer Tierarten, um zu deren Dokumentation beizutragen. 1950 bereiste Williams den Osten Tanganyikas, wie das heute Tansania damals unter britischer Ägide hieß. Eines seiner Ziele war das Uluguru-Gebirge, eine etwa 50 km löange Bergkette im Osten des Landes, etwa 150 km westlich von Daressalam. Die Gebirgskette erhebt sich hier bis zu mehr als 2600 m und besitzen ein eigenes lokales Mikroklima: Von der Küste herantreibende Wolken werden von den Bergen quasi abgefangen und regnen dort dann ab. Durch die hohen Niederschläge existieren hier dichte tropische Bergwälder, die eine ganz andere Tierwelt aufweisen als die Savanne in der weiteren Umgebung – darunter eine ganz Reihe endemischer (nur dort vorkommender) Tierarten.

 

 

Auf eine solche Art stieß Williams am 23. November 1950 mitten im dichten Wald bei Kimboza in einer Höhe von etwa 300 m am Südwesthang der Gebirgskette. Es war ein kleiner, auffällig blauer Gecko. Williams gelang es, dass Tier zu fangen, um es zu konservieren. Nun war Williams als Ornithologe in Sachen Echsen nicht bewandert, dennoch hatte er das Gefühl, etwas Neues entdeckt zu haben. Er schickte das Exemplar einem Kollegen, der in Echsendingen wesentlich besser bewandert war – dem Herpetologen Arthur Loveridge. Arthur Loveridge ist uns bereits beim St.-Helena-Riesenohrwurm (Labidura herculeana) begegnet, da er seinen Ruhestand auf St. Helena verbrachte – aber 10 Jahre zuvor befasste er sich nun mit dem Türkisblauen Zwergtaggecko.

 

 

 

Auch Loveridge erkannte etwas Neues in dem von Williams gefangenen Exemplar, welches sich als ein Männchen herausstellte. Allerdings glaubte er zunächst, es handele sich lediglich um eine neue Unterart einer bereits bekannten Art, des Gelbkopf-Zwerggeckos (Lygodactylus picturatus). Diese Art ist über weite Teile des östlichen Afrika verbreitet. Und auch bei ihr besitzen die Männchen eine auffallende blaue Färbung – allerdings nur am Körper. Der Kopf ist tatsächlich von grünlich-gelber Grundfärbung mit dunkleren Längsstreifen und Flecken. Beim Türkisblauen Zwergtaggecko hingegen sind die Männchen gänzlich blau. Loveridge beschrieb ihn als Unterart Lygodactylus picturatus williamsi – zu Ehren des Fängers.

 

 

Seit etwa den frühen 1990er Jahren wird der Türkisblaue Zwergtaggecko als eigene Art betrachtet. In phylogenetischen Analysen wird er durchaus meist als naher Verwandter des Gelbkopf-Zwerggeckos erkannt, aber nicht immer als direkte Schwesterart.

 

 

MundW

Bild 3: Links ein Männchen, rechts ein Weibchen des Türkisblauen Zwergtaggeckos. Quelle: Weinsheimer et al. 2010.

 

 

 

Bunte Burschen. Schauen wir uns den Türkisblauen Zwergtaggecko doch mal genauer an. Als kurze Einführung sei zunächst auf einige typische Geckomerkmale verwiesen, die eine kurze Betrachtung verdienen.

 

 

Wie die meisten Geckos besitzt der Türkisblaue Zwergtaggecko zum Beispiel keine beweglichen Augenlider. Diese sind vielmehr zu einer durchsichtigen unbeweglichen Maske, der sogenannten Brille, über dem eigentlichen Auge verwachsen. Diese Brille hat eine Schutzfunktion, denn die Tiere besitzen sehr gute Augen, die sie für die Jagd und das Erkennen von Feinden und Artgenossen brauchen. Die Geckos reinigen die Brille regelmäßig mit Hilfe ihrer großen Zunge.

 

 

Wesentlich faszinierender noch ist ein Merkmal, dass die meisten Geckos besitzen und welches auch beim Türkisblauen Zwergtaggecko vorkommt: Haftlamellen. Diese Haftlamellen bestehen in ihrer Mikrostruktur aus Milliarden kleinster Härchen (Setae), die dünner als ein Menschenhaar sind und aus Hunderten nur 0,2 Mikrometer großen sogenannten Spatulae bestehen – so genannt wegen ihrer an einen Spatel erinnernden Form. Diese Spatulae sind kleiner als die Wellenlänge (für uns) sichtbaren Lichtes. Die Setae sind in langen Leisten angeordnet, dadurch entsteht der Eindruck von Lamellen. Durch den besonderen Bau dieser Haftlamellen entsteht eine bemerkenswerte Haftwirkung – sie basiert auf den Van-der-Waals-Kräften, einer Wechselwirkung, die nur auf molekularer und atomarer Ebene stattfindet. Ihre Reichweite ist auch sehr begrenzt, aber durch die hohe Zahl der möglichen Kontaktpunkte in einer Lamelle (aufgrund der hohen Zahl an Setae und damit Spatulae) wird eine Summe an Kräften aufgebaut, die groß genug ist, um dem Gecko effektiv beim Klettern zu helfen – bekanntlich sogar auf Glasscheiben.

 

 

Bild 4: Ein Fuß des Türkisblauen Zwergtaggeckos von unten, während das Tier an einer Glasscheibe sitzt. Deutlich sind die Haftlamellen an den verbreiterten Zehenspitzen zu erkennen. Quelle: http://www.zwerggecko-williamsi.de (Inhaber: U. und F. Träger).

 

 

Der Türkisblaue Zwergtaggecko besitzt diese Haftlamellen nicht nur an seinen Zehen, sondern auch an der Schwanzspitze. Letztere sind beim Klettern sicherlich eine zusätzliche Hilfe – da das Tier den Schwanz aber bei einem Angriff durch Fressfeinde auch abwerfen kann, wohl nicht von so existenzieller Bedeutung wie die Haftlamellen der Zehen. Der Schwanz wächst wieder nach, bildet dann allerdings nicht mehr eine Doppelreihe von Haftlamellen aus, sondern nur noch eine Reihe. Der neugebildete Schwanz setzt sich durch eine Naht deutlich ab und ist besonders zu Beginn noch farblich gut vom restlichen Körper zu unterscheiden. Erst später gleicht sich hier doch noch die Farbe wieder an.

 

 

Und damit kommen wir zum auffälligsten Merkmal des Türkisblauen Zwergtaggeckos. Nämlich der Färbung. Sie ist nicht nur sehr typisch für die Art, sondern auch innerhalb der Art das sicherste Merkmal zu Unterscheiden der Geschlechter. Beiden Geschlechtern gemeinsam ist eine auffällige schwarze Zeichnung: Ein schwarzer Streifen zieht sich von der Schnauzenspitze über die Augen nach hinten und endet am Hals. Eine dünnere schwarze, V-förmige Linie verläuft auf der Kopfoberseite nach hinten und eine dritte dünne schwarze Linie findet sich unterhalb des breiten Bandes hinter den Mundwinkeln. Die Kehle besitzt ebenfalls eine Musterung aus dunklen vorne zusammenlaufenden Bändern, die bei den Männchen aber deutlich stärker ausgeprägt und eher schwarz als grau ist. Weiter hinten befinden sich mehrere dicht zusammenstehende schwarze Punkte direkt oberhalb der Vorderbeine. Diese Punkte können auch zu einem größeren Fleck verschmelzen. Zu bemerken ist, dass diese Musterung sich auch deutlich von der der Art Lygodactylus picturatus unterscheidet.

 

 

 

Besonders auffällig ist natürlich die Grundfärbung der Männchen. Dieses kann im Idealfall leuchtend türkisblau sein. Unter weniger idealen Bedingungen geht die Färbung eher ins grünliche – dies ist deutlich von der sozialen Position eines Männchens abhängig. Die prächtigste Färbung haben die Männchen, die ein eigenes Revier besetzt haben und gegen andere Männchen erfolgreich verteidigen können – weniger dominante Männchen dagegen bleiben unauffälliger. Der Bauch der Männchen ist stets orange, mit weißen Flecken im zwischen den Hinterbeinen. Die Weibchen dagegen sind goldbraun bis olivgrün gefärbt, mit einem leichten Stich ins blau-grüne an den Seiten. Die Unterseite ist hellgelb. Jungtiere beider Geschlechter sind ähnlich gefärbt wie die Weibchen.

 

 

Aber nicht nur an der Färbung kann man die Geschlechter unterscheiden. Die Schwanzwurzel der Männchen ist üblicherweise deutlich verdickt. Außerdem besitzen die Männchen kurz vor der Kloake (dem gemeinsamen Ausgang für die Afteröffnung, die Harnröhre und die Geschlechtsöffnungen) eine Reihe aus sieben sehr deutlich ausgeprägten Präanalporen. Sie bilden eine deutliche Struktur in Form eines nach vorn gerichteten „Dachs“, die normalerweise deutlich weiß gefärbt ist. Es handelt sich dabei um Duftdrüsen, mit denen die Männchen ihr Revier markieren. Abgesehen davon sind die Männchen mit einer Länge von bis zu 8,5 cm etwas größer als die Weibchen.

 

 

Bild 5: Die Unterseite eines Männchens. Deutlich zu sehen sind die dunkle Kehlzeichnung und die hellen Flecken zwischen den Hinterbeinen. Quelle: http://www.zwerggecko-williamsi.de (Inhaber: U. und F. Träger).

 

 

Extrem selten. Leider ist der Türkisblaue Zwergtaggecko extrem selten. Das fängt schon mit seinen anscheinend relativ speziellen Vorstellungen davon an, was er als geeigneten Lebensraum ansieht. Bis 2001 dachte man, die Art käme nur im Kimboza-Forest vor. Dann wurde sein Vorkommen auch für den nahegelegenen, deutlich größeren Ruvu-Forest bestätigt. Diese Wälder besitzen ähnliche Umweltbedingungen aufgrund ihrer geographischen Nähe: Die durchschnittliche Kronenhöhe der dortigen Bäume beträgt etwa 20 m und die Niederschläge sind fast ganzjährig hoch, sieht man von einer kurzen Trockenphase von Juni bis August ab. Die Temperaturen sind im Dezember mit bis zu 28 Grad Celsius am höchsten, sinken aber nie unter 23 Grad Celsius. In beiden Wäldern ist das Vorkommen der Art jedoch nicht flächendeckend, sondern eng an das lokale Vorkommen von Schraubenbäumen der Art Pandanus rabaiensis gebunden. Es handelt sich dabei um bis zu über 3 m hohe wenig verzweigte Bäume mit langen, spitz zulaufenden Blättern. Sie bilden innerhalb der lokalen Wälder zum Teil geschlossene kleine Haine, kommen aber auch als isolierte Bäume vor. Soweit bekannt verlassen die Türkisblauen Zwergtaggeckos diese Bäume nur zur Futtersuche – ansonsten spielt sich ihr ganzes Leben auf diesen Bäumen ab.

 

 

Erst in den letzten 10 Jahren wurden, etwas nördlich vom Kimboza-Forest, zwei weitere kleine Vorkommen der Art entdeckt. Sowohl bei Muhalama wie bei Mbagalala handelt es sich um isolierte kleine P.rabaiensis-Haine, die irgendwie eine örtliche Rodung zur Gründung einer Bananenplantage überstanden haben. Nun daraus aber zu schlussfolgern, der Türkisblaue Zwergtaggecko käme überall vor, wo diese Bäume vorkommen, ist verfehlt: Anderenorts gibt es durchaus auch diese Bäume, aber der Gecko konnte nicht nachgewiesen werden. Möglicherweise spielt hier auch noch die Geländehöhe rein – die Art wurde bisher stets nur in Höhen zwischen 170 und 480 m über dem Meer festgestellt. In jedem Fall ist das Verbreitungsgebiet extrem klein, zusammengenommen bewohnt der Türkisblaue Zwergtaggecko vielleicht gerade mal 20 Quadratkilometer.

 

 

Schon die geringe Ausdehnung des Verbreitungsgebietes stellt ein Risiko dar für das Fortbestehen einer Art. Es ist damit sehr anfällig für jegliche Einmischung des Menschen. Und in der Tat kommt es sowohl im Kimboza-Forest wie im Ruvu-Forest immer wieder zu illegalen Brandrodungen, zu illegaler Jagd, Abbau von Dolomitmarmor und ähnlichen Eingriffen. Diese Aktivitäten bedrohen das dortige Ökosystem als Ganzes und damit auch den Türkisblauen Zwergtaggecko. Dabei ist der Verlust an Waldfläche aufgrund des Hungers nach neuem Farmland am größten und ein im gesamten Uluguru-Gebirge auftretendes Problem. Bisher konnte die tansanische Regierung dieses Problem nicht gänzlich lösen. Das größte Problem jedoch für den Türkisblauen Zwergtaggecko ist ein ganz anderes: Aufgrund der sehr hübschen Färbung der Männchen ist diese Art seit etwa 2004 sehr beliebt im Terraristik-Handel, nachdem die Art durch eine Abbildung in einem Feldführer zu den Reptilien Ostafrikas interessierten Laien bekannter wurde. Nicht zuletzt in Europa erfreut sich die Art einer großen Beliebtheit bei Terrarienbesitzern, was nicht zuletzt zahlreiche entsprechende Websites zeigen, die über die korrekten Haltungsbedingungen informieren und deren Inhaber den Gecko oft selber halten und daher auch eine Vielzahl eigener Bilder beisteuern können. Inzwischen ist aber auch in diesen Kreisen die bedenkliche Seite der Haltung des Türkisblauen Zwergtaggeckos angekommen: Die Tiere im Handel sind fast immer Lebendfänge aus der Wildnis, die unter falscher Etikettierung aus Tansania herausgeschmuggelt wurden. Da diese Lebendfänge bereits den Wildbestand existenziell bedrohen, wird geraten, sich Tiere aus Nachzuchten in Gefangenschaft anzuschaffen – wenn es denn schon diese Geckoart sein muss.

 

 

MännchenSchwanzreg

Bild 6: Dieses Männchen hat vor einiger Zeit seinen Schwanz bei Gefahr abgeworfen. Die Regeneration ist noch nicht abgeschlossen, wie an der dunklen Schwanzspitze ersichtlich ist. Quelle: Flecks et al. 2012.

 

 

Eine deutsch-tansanische Forschungsgruppe, darunter auch die beiden Bonner Herpetologen Frank Weinsheimer und Dennis Rödder vom Museum Koenig, hat es auf sich genommen, in den letzten 10 Jahren die Populationsstruktur des Türkisblauen Zwergtaggeckos näher unter die Lupe zu nehmen, um zu erkunden wie gefährdet die Art wirklich ist. Dabei kam zu Tage wie ernst die Lage wirklich ist. Im Kimboza-Forest zum Beispiel bedecken die für den Gecko wichtigen Schraubenbäume nur 17,6 % der Fläche – und davon werden nur 52 % von dem Tier besiedelt, aus welchem Grund auch immer (offensichtlich bevorzugen die Geckos zum Beispiel Bäume mit einer Blattlänge von mehr als einem Meter). Andere Zahlen sind nicht weniger alarmierend. Die Forscher versuchten zum Beispiel ungefähr die Populationsgröße des Türkisblauen Zwergtaggeckos zu schätzen. Da es kaum möglich war, jeden Gecko in dem betreffenden Gebiet zu zählen, wurden Stichproben genommen, um herauszufinden wie viele Geckos auf einen Schraubenbaum kommen und dann hochzurechnen. Wirklich halbwegs gute Zahlen kamen dabei aber nur für den Kimboza-Forest heraus, da dort die Datenlage am besten war. Aber mal im Detail:

 

 

 

Der geringste Beitrag zur Gesamtpopulation kommt von den beiden neuen Vorkommen Muhalama und Mbagalala. In ersterem fand man auf 4 Schraubenbäumen gerade einmal 5 Türkisblaue Zwergtaggeckos, in letzteren immerhin 11 Geckos auf 3 Bäumen. Die Hauptbestände liegen aber eindeutig im Kimboza-und im Ruvu-Forest. Obwohl letzterer flächenmäßig etwas größer ist, scheint er eine geringere Populationsdichte des Geckos aufzuweisen. Hier kamen auf 18 Bäume nur 50 Geckos, allerdings konnten hier nicht so viele Daten erhoben werden wie im Kimboza-Forest. Dort fand man auf 132 Schraubenbäumen 216 Geckos (interessant ist hierbei, dass im Ruvu-Forest einige Bäume mehr Türkisblaue Zwergtaggeckos aufwiesen als im Kimboza-Forest – und dennoch scheint die Population geringer zu sein).

 

 

 

Letzten Endes errechneten die Forscher aus den erhobenen Daten eine Bestandsschätzung für den Kimboza-Forest: Basierend auf einer Populationsdichte von 353 Individuen pro Hektar und einer Schätzung von 93374 Schraubenbaumkronen, die als Siedlungsraum für die Tiere geeignet sind, käme man auf eine Bestandsschätzung von rund 148684 +/- 112365 Geckos im Kimboza-Forest. Nimmt man eine höhere Populationsdichte an von 557 Exemplaren pro Hektar, so käme man sogar auf 234921 +/-103376 Geckos. Auf den ersten Blick erscheint das viel, aber ein wichtiger Faktor kommt nun noch hinzu: Die hohe Anzahl von Geckos, die eingefangen werden. Diese ist selbstredend schwer zu quantifizieren. Allerdings gibt es beunruhigende Anzeichen. Die Forscher interviewten 2009 und 2010 nur die Mitglieder einer lokalen Gruppe, die für den internationalen Zoohandel Türkisblaue Zwergtaggeckos einfing. Aus den Interviews ergab sich bereits für den Zeitraum von Dezember 2004 bis Juli 2009 eine geschätzte Gesamtzahl von 32310 bis 42610 gesammelten Geckos. Das wären – je nachdem welche Schätzzahlen man zugrunde legt – bis zu 40 % der gesamten Population im Kimboza-Forest. Und das nur von einer Sammlergruppe, davon gibt es aber ja noch mehr! Gesammelt werden die Geckos das ganze Jahr über, lediglich im Januar und Februar praktisch gar nicht – die Sammler begründen das damit, dass dann keine Exemplare in die Empfängerländer in Europa und den USA verschickt würden, weil es dann zu kalt dort sei. Inwieweit das stimmt sei dahingestellt. Die häufigste Sammlungsmethode schädigt leider auch den Lebensraum der Geckos – sie besteht darin, die Schraubenbaumkronen abzuschneiden und zu zerlegen. Der schädigende Effekt auf die Geckopopulation ist also ein zweifacher: Die Zerstörung des Lebensraums der Tiere und die direkte Entnahme von Tieren aus dem Bestand. Die Folgen kann man sich leicht ausmalen. In der Tat haben auch schon die Einheimischen, nicht zuletzt die Sammlergruppen, bemerkt, dass die Tiere seltener werden. Die Ausbeute an eingefangenen Geckos ging auch nach einigen sehr ergiebigen Jahren ersichtlich zurück – um mehr als zwei Drittel zwischen 2005 und 2009. Inzwischen werden monatlich nicht mehr tausende, sondern allenfalls noch hunderte Türkisblaue Zwergtaggeckos gefangen.

 

 

Bild 7: Auf diesem Bild eines Weibchens sieht man gut die unregelmäßigen Flecken über der Schulter. Quelle: http://www.zwerggeckos.com

 

 

Nicht ganz klar ist, inwieweit die Türkisblauen Zwergtaggeckos einen Teil der Populationsverluste durch Fortpflanzung abpuffern können. So oder so durften sie stark unter Druck stehen und entsprechend hat die International Union for Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN) die Art auf ihrer Roten Liste als vom Aussterben bedroht eingestuft. Wenn die Art gerettet werden soll, so wird man in Zukunft Maßnahmen ergreifen müssen, die den illegalen Export aus Tansania ebenso unterbinden wie die Zerstörung des Lebensraums. Ironischerweise könnte ausgerechnet die Ursache der Bedrohung auch zum Überleben des Türkisblauen Zwergtaggeckos als Art beitragen: Wenn die Art in freier Wildbahn zu selten wird, wird man vermutlich auf Nachzuchten in Gefangenschaft zurückgreifen müssen, die man dann wieder auswildert – und dazu gibt es, zumindest in der Theorie, inzwischen einen ganz guten Grundstock in Gefangenschaft. In der Praxis wird die Frage auch sein, ob auch private Halter mithelfen würden.

 

 

Verhalten. Werfen wir einen Blick darauf, was wir über die Lebensweise und das Verhalten des Türkisblauen Zwergtaggeckos wissen. Vieles davon beruht in der Tat eher auf Beobachtungen an in Gefangenschaft lebenden Tieren aus den letzten 10 Jahren.

 

 

Zunächst einmal sind die männlichen Türkisblauen Zwergtaggeckos ausgesprochen territorial – sie stecken mit Duftmarken ein Revier auf ihrem Schraubenbaum ab, das sie sorgfältig gegen Konkurrenten verteidigen. Zumindest in Gefangenschaft zeigen auch die Weibchen ein gewisses territoriales Verhalten gegenüber anderen Weibchen und selbst zwischen Jungtieren bildet sich so etwas wie eine Rangordnung heraus. Allerdings ist fraglich wie weit sich dieses Verhalten in freier Wildbahn zeigt, wo die Tiere mehr Freiraum haben. Bei innerartlichen Konfrontationen kommt es zu markantem Droh-und Imponierverhalten: Die Kehle wird aufgebläht und der Kopf ruckartig hin und her bewegt. Wenn das alles nichts hilft, bilden die Geckos sogar einen Buckel, um größer zu erscheinen. Das dominantere Tier setzt sich dabei durch. Zumindest in Gefangenschaft sind die bei solchen Auseinandersetzungen unterlegenen Männchen stets schwächer gefärbt oder können gar fast wie Weibchen aussehen. In freier Wildbahn können sie sich wahrscheinlich einfacher in ein neues eigenes Revier zurückziehen und wieder ihre strahlend blaue Färbung annehmen.

 

 

Türkisblaue Zwergtaggeckos sind tagaktive Jäger. Sie streifen umher und lauern ihrer Beute dann auf, die aus Insekten und anderen kleinen Wirbellosen besteht. Blitzschnell schlagen sie dann zu. Bei der Jagd verlassen sie dann auch gelegentlich ihren Schraubenbaum. Dies durfte für die Ausbreitung der Art von Baum zu Baum eine wichtige Rolle spielen. Eine zusätzliche Nährstoffquelle erschließen sich die Geckos auch noch – in Form ihrer Haut. Um zu wachsen müssen die Tiere sich häuten. Kurz vor der Häutung werden die Tiere blasser und es bilden sich weißliche Stellen, wo die alte Haut sich bereits ablöst. Um sie dann abzustreifen, reiben die Tiere ihre Körper an rauen Oberflächen wie Baumrinde. Anschließend fressen sie ihre eigene Haut. Zumindest in Gefangenschaft wurde beobachtet, wie andere Geckos dem gerade gehäuteten Tier Stücke der Haut wegschnappten.

 

 

ErfurterZoo

Bild 8: Auch wenn die Auflösung nicht ganz so genial ist, erkennt man doch sehr gut die markante V-förmige Zeichnung auf dem Kopf dieses Männchens. Das Bild wurde im Erfurter Zoo aufgenommen. Quelle: Edelweisspirat (eigenes Bild).

 

 

Fortpflanzung. Auch die meisten Kenntnisse über die Fortpflanzung stammen aus Beobachtungen in Gefangenschaft. Nach den dortigen Beobachtungen gehen Paarungsinitiativen normalerweise vom Männchen aus. Es nähert sich dem Weibchen mit ruckartigen Bewegungen und wiederholtem Nicken mit dem Kopf. Es liegt dann am Weibchen, dass Männchen an sich heranzulassen oder nicht. Manchmal laufen die Weibchen auch nur zum Schein eine kurze Strecke vor dem Männchen weg, um dieses hinter sich her zu locken. Wenn es mehr auf Tuchfühlung geht, signalisieren die weiblichen Geckos ihre Bereitschaft indem sie Buckel machen und mit dem Schwanz wedeln. Dieses Verhalten und Besteigungsversuche des Männchens wechseln sich dann über eine ganze Weile hinweg ab. Das Männchen sichert sich einen guten Halt auf dem Weibchen schließlich mit einem Nackenbiss. Dann schiebt es seinen Schwanz unter ihren, um sein Geschlechtsorgan in ihre Kloake einzuführen. Wie bei allen Schuppenkriechtieren (Squamata) besitzt das Männchen sogenannte Hemipenes als Begattungsorgan – paarige Einstülpungen der Kloakenwand, die für die Paarung nach außen gestülpt werden. In die Kloake des Weibchens wird aber immer nur ein Hemipenis eingeführt – der, der am nächsten liegt. Über eine Rinne auf dem Hemipenis wird das Sperma in die Geschlechtsöffnung des Weibchens geleitet. So eine Paarung kann relativ lange dauern – es gibt Berichte von bis zu 45 Minuten Dauer. Dabei kann das Weibchen auch noch herumlaufen und schleppt das Männchen einfach mit. Überhaupt sind die Weibchen meistens relativ unbeteiligt, bis sie die Paarung manchmal dadurch beenden, dass sie das Männchen wieder abschütteln. Die Männchen dagegen sind wesentlich mehr bei der Sache – sie verfärben sich sogar dunkel, angeblich in einigen Fällen fast schwarz.

 

 

Wie oft sich die Tiere in freier Wildbahn paaren und befruchtete Eier ablegen ist unklar. In Gefangenschaft legen die Weibchen manchmal alle drei Wochen Eier, wahrscheinlich nicht immer befruchtete. Ein Gelege besteht aus zwei Eiern, die mit ihren weichen ledrigen Schalen aneinanderkleben. Die Eier werden anscheinend relativ versteckt abgelegt – in Spalten und Ritzen zum Beispiel. Dieses Verhalten durfte auch in freier Wildbahn der Normalfall sein. Die Entwicklungsdauer für die Eier hängt stark von der Temperatur ab. Terrarienbesitzer berichten von sehr verschiedenen Zeiten, zwischen 60 und 90 Tagen scheint alles drin zu sein. Interessanterweise scheint die Temperatur – wie bei vielen anderen Reptilien auch – die Temperatur während der Brutzeit auch beeinflusst, welches Geschlecht die Jungen haben. Laut Beobachtungen in Gefangenschaft schlüpfen bei 27° Celsius oder mehr vor allem Männchen. Bei etwa 24° Celsius schlüpfen mehr Weibchen. Die Junggeckos schlüpfen auch nicht gleichzeitig, normalerweise schlüpfen sie mit etwas zeitlichem Abstand, wie es scheint. Sie sind winzig – kaum größer als ein menschlicher Daumennagel. Allerdings sind sie sofort sehr flink und bereits sehr selbständig. Das müssen sie auch sein, denn eine Brutpflege findet nicht statt und die jungen Türkisblauen Zwergtaggeckos müssen direkt alleine zurechtkommen und sich ihre Beute aus kleinen Insekten selber erjagen.

 

 

Bild 9: Ein nur wenige Stunden altes Jungtier des Türkisblauen Zwergtaggeckos. Zum Größenvergleich daneben ein Cent-Stück. Man bedenke: Die Eier der Tiere haben etwa die Größe der Weltkugel auf dem Cent-Stück! Quelle: http://www.zwerggecko-williamsi.de (Inhaber: U. und F. Träger).

 

 

 

Und sie entwickeln sich schnell. Anfangs sehen sie aus wie die Weibchen. Mit etwa 4 bis 5 Monaten dann erfolgt die Auseinanderentwicklung der Geschlechter. Zunächst verfärben sich beide Geschlechter leicht bläulich, dann schlägt die Färbung bei den Männchen in ein kräftiges Blau um und wird bei den Weibchen zum bekannten grün und braun. Die Männchen entwickeln dann außerdem ihre Präanalporen. Bei den Weibchen kommt es überdies bald darauf zum Ablegen von sogenannten Wachseiern – so werden unbefruchtete, relativ unförmige Eier mit feuchter wachsartiger Schale und kaum ausdifferenzierten Innenstrukturen genannt. Sie sind wichtig, um die Eierstöcke für die weitere Produktion von richtigen Eiern anzuregen und dienen den Weibchen auch dazu, das Legen der Eier zu üben. Die Wachseier frisst das Weibchen anschließend wieder auf, um keine Nährstoffe zu verschwenden. Die vollständige Geschlechtsreife wird mit 10 bis 12 Monaten erreicht.

 

 

Was lässt sich über die Fortpflanzungsstrategie des Türkisblauen Zwergtaggeckos sagen? Er legt zwar scheinbar nur wenige Eier pro Gelege. Dafür scheinen die Weibchen in relativ kurzen Zeitabständen Gelege zu produzieren. Dies könnte durchaus eine relativ hohe Vermehrungsrate bedingen. Allerdings durfte diese dann in freier Wildbahn auch nötig sein, wo die Tiere allerhand Gefahren ausgesetzt sind. Ob die Vermehrungsrate unter Umständen ausreicht, den Bestand dieser Art auf Dauer auch gegen menschliche Eingriffe abzusichern, ist eine noch unbeantwortete Frage. Ein Faktor ist auch die Geschlechtermischung in der Population. Mutmaßlich legen die Weibchen das ganze Jahr über Eier. Die Temperaturen, bei denen überwiegend Männchen schlüpfen, sind die meiste Zeit des Jahres in der tansanischen Heimat der Geckos jedoch üblich. Lediglich zwischen Mai und August, wenn die Trockenzeit herrscht, ist es etwas kühler – dann dürften vermutlich mehr Weibchen schlüpfen.

 

 

Schraubenbaum

Bild 10: Die Teilabbildungen C und D zeigen jeweils Schraubenbäume der Art Pandanus rabaiensis, auf denen die Türkisblauen Zwergtaggeckos leben. Im Terrarium ist dieser Lebensraum so natürlich nicht reproduzierbar, die Tiere sind aber auch mit Korkbaumästen und Bambus zufriedenzustellen. Quelle: Flecks et al. 2012.

 

 

 

Haltungsbedingungen. Diesem kurzen Abriss empfohlener Haltungsbedingungen sei die Anmerkung vorangestellt: Wer den Türkisblauen Zwergtaggecko unbedingt halten möchte, der sollte unbedingt darauf achten, sich keinen Wildfang, sondern eine Nachzucht zuzulegen. Ist man sich da nicht absolut sicher, sollte man besser darauf verzichten, sich das Tier zuzulegen.

 

 

Die Haltung an sich scheint relativ problemlos zu sein. Da die Tiere sehr klein sind, reicht eine Terrariengröße von zum Beispiel 25x40x40 cm. Das Terrarien sollte man mit tropischer Bepflanzung einrichten – zum Beispiel kleinere Orchideen. Der Boden sollte mit einem Sand-Kokoshumus-Gemisch bedeckt sein, für zumindest einen Teil der Wände empfiehlt sich eine Verkleidung aus Naturkorkplatten. Auch Korkeichenäste haben sich besonders als Klettergelegenheiten bewährt, viele verwenden aber auch Bambus. Zur weiteren Ausstattung gehören zum einen Wärmespots, zum anderen UV-Beleuchtung, die das gesamte Terrarium wärmt. Die allgemeine Temperatur sollte tagsüber bei 26° Celsius liegen (unter den Spots bei deutlich über 30° Celsius), lediglich von Mai bis August sollte man eine leicht niedrigere Temperatur anstreben, die etwa der etwas kühleren Trockenzeit in der Heimat der Geckos entspricht. Auch nachts kann die Temperatur niedriger sein, wenn man die Lampen ausgeschaltet hat. Die Luftfeuchtigkeit sollte über Zerstäuber reguliert und relativ hoch bei etwa 80 % angepeilt werden.

 

 

Es können durchaus mehrere Individuen gehalten werden. Allerdings sollte man es bei nur einem Männchen belasten. Füttern sollte man die Geckos zwei bis drei Mal die Woche mit kleinen Insekten. Wenn sich die sehr neugierigen und oft zutraulichen Tiere wohl fühlen durfte sich auch rasch Nachwuchs einstellen. Es empfiehlt sich, im Terrarium aufgefundene Eier in einem Inkubator zu bebrüten. Die Nachzucht sollte sogar das ausdrückliche Ziel der Haltung von Türkisblauen Zwergtaggeckos sein. Da die Art vom Aussterben bedroht ist und möglicherweise schon in einigen Jahren die Wildpopulation endgültig zusammenbrechen könnte, kann damit jeder Terrarienfreund, wenn er sich schon zum Halten dieser Art entschließt, zu deren Erhaltung beitragen: Zum einen würde ein großer Pool an Nachzuchten möglicherweise dazu führen, dass weniger Wildfänge für die Versorgung der hiesigen Nachfrage erforderlich sind. Inzwischen gibt es auch schon etliche Terrarienfreunde, die nachzüchten und von denen man Nachzuchten erwerben kann. Es ist anders als vor 10 Jahren nicht mehr zwingend erforderlich, Wildfänge zu erwerben. Zum andern könnte die Art in Form einer Population in Gefangenschaft überleben – und solange sie überlebt bestehen Chancen, sie vielleicht wieder auszuwildern.

 

 

So schön und pflegeleicht diese Geckoart also ist und so attraktiv daher für Terrarienfreunde – ihre Haltung ist mit einer enormen Verantwortung verbunden, da es beim Türkisblauen Zwergtaggecko grundsätzlich darum geht, ob man seine Ausrottung in freier Wildbahn mitbefördert oder nicht.

 

 

Warum eigentlich blau? Zum Schluss sei noch kurz die Frage gestreift: Warum eigentlich blau? Warum so verdammt auffällig blau? Die meisten Geckos sind eher für tarnenden Färbungen bekannt, selbst die knallgrünen Taggeckos, die mit ihrer Farbe aber durchaus noch vor der umgebenden Vegetation einen gewissen Tarneffekt erzielen können.

 

 

Aber Blau? Das grelle Blau des Türkisblauen Zwergtaggeckos macht auf uns Menschen doch einen relativ auffälligen Eindruck. Unwillkürlich drängt sich der Gedanke auf, dass ein so auffälliges Tier, dessen einzige Verteidigung schnelle Flucht und die Ablenkung durch einen abgeworfenen Schwanz ist, seinen Fressfeinden förmlich ins Auge springen muss. Das jedoch ist eine sehr menschliche Sicht. Schon allein die Existenz des Türkisblauen Zwergtaggeckos beweist, dass die Nachteile der blauen Farbe nicht die Vorteile überwiegen (bzw. überwogen haben, bis die Tiere es mit der modernen Nachfrage seitens der Terrarienbesitzer und Geckofans zu tun bekamen).

 

 

Zunächst einmal ist festzuhalten, dass das Blau in den Schatten des Waldes nicht so auffällig ist, wie es einem im Terrarium erscheint. Dann muss man sich vergegenwärtigen, dass andere Arten – auch potentielle Feinde der Türkisblauen Zwergtaggeckos – eine andere Farbwahrnehmung als wir Menschen haben. Unter Umständen nehmen sie das Blau gar nicht wahr. Halten wir also fest: Die für uns Menschen sehr auffällige Färbung stellt offenkundig keinen zwingenden Überlebensnachteil dar.

 

 

 

Jüngere Untersuchungen haben ergeben, dass intensiv blaue Färbungen bei Echsen, auch bei Geckos, anscheinend fast immer mit einem anderen optischen Effekt einhergehen: Diese Farben reflektieren besonders stark UV-Strahlen! Für ein anderes Tier, das ultraviolettes Licht wahrnehmen kann, sind Türkisblaue Zwergtaggeckos dann in der Tat wie ein Leuchtfeuer (wir Menschen können das ultraviolette Spektrum übrigens nicht wahrnehmen). Zum Beispiel auch für Artgenossen – und die sind der eigentliche Adressat der Blaufärbung. Dafür spricht auch, dass beim Türkisblauen Zwergtaggecko nur die Männchen die auffällige Färbung besitzen. Die Färbung ist wahrscheinlich ein Signal an potentielle Rivalen um das besetzte Revier und den Zugang zu den Weibchen. Und natürlich auch ein Signal an die Weibchen, welches ihnen zeigt wie gesund und was für ein guter Fang das Männchen ist (mal ganz salopp gesagt). Je kräftiger die Blaufärbung, umso besser ist das Männchen in Form, gesünder und mutmaßlich potenter. Es kann sich besser gegen andere Rivalen durchsetzen – und hat damit die mutmaßlich besten Gene für den Nachwuchs. Kurz gesagt: Die Blaufärbung dient der innerartlichen Kommunikation.

 

 

Bild 11: Wir verabschieden uns mit dieser schönen Porträtaufnahme eines Männchens. Quelle: http://www.zwerggeckos.com/

 

 

Literatur.

 

 

 

Burgess, N., Doggart, N. & Lovett, J.C. 2002. The Uluguru Mountains of eastern Tanzania: the effect of forest loss on biodiversity. – Oryx 36: 140-152.

 

 

Flecks, M., Weinsheimer, F., Böhme, W., Chenga, J., Lötters, S. & Rödder, D. 2012. Watching extinction happen: the dramatic population decline of the critically endangered Tanzanian Turquoise Dwarf Gecko, Lygodactylus williamsi. – Salamandra 48: 12-20.

 

 

Gray, J.E. 1864. Notes on some new lizards from south-eastern Africa, with the descriptions of several new species. – The Annals and Magazine of Natural History, 3rd Series 14: 380-384.

 

 

Han, D., Zhou, K. & Bauer, A.M. 2004. Phylogenetic relationships among gekkotan lizards inferred from C-mos nuclear DNA sequences and a new classification of the Gekkota. – Biological Journal of the Linnean Society 83: 353-368.

 

 

Loveridge, A. 1952. A startlingly turquoise-blue Gecko from Tanganyika. – Journal of the East African Natural History Society 20: 446.

 

 

Pérez i de Lanuza, G. & Font, E. 2010. Lizard blues: blue body colouration and ultraviolet polychromatism in lacertids. – Revista Española de Herpetología 24: 67-84.

 

 

Weinsheimer, F., Flecks, M., Böhme, W. & Rödder, D. 2010. Die Herpetofauna des Kimboza Forest in Tansania mit dem Türkis-Zwerggecko. – elaphe 2010, 1: 17-20.

 

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Lygodactylus_williamsi

http://en.wikipedia.org/wiki/Lygodactylus_williamsi

http://eol.org/pages/791609/overview

http://www.iucnredlist.org/details/14665363/0

http://www.zwerggeckos.com/lygodactylus/l_w/lygodactylus_williamsi.php

http://www.zwerggeckos.info/lygodactylus-williamsi/

http://www.zwerggeckos.net/lygodactylus-williamsi.html