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"Vor ihren Augen" von Mary Louise Kelly

 

vor ihren Augen

 

Titel: Vor ihren Augen

Autor: Mary Louise Kelly

 

VÖ: Januar 2016

Einband: Softcover

Verlag: Goldmann

Seitenzahl: 416

Genre: Thriller

ISBN: 978-3442483860

 

 

 


"Falls ich angenommen hatte, in Atlanta meiner Vergangenheit hinter mich zu lassen, so hatte ich mich getäuscht." (S.96)



Caroline ist Ende dreißig, als sie erfährt, dass in ihrer Kindheit auf sie geschossen wurde und die Kugel noch immer in ihr steckt. Bisher hatte sie dadurch keine gesundtheitlichen Beeinträchtigungen gehabt, daher war es auch nie aufgefallen, dass da ein Stückchen Metall in ihr steckt. Doch durch das Wissen fängt es nun an in ihr zu jucken. Nicht nur körperlich, sondern auch seelisch. Sie will wissen woher dieses fremde Objekt kommt und warum man ihr nie davon erzählt hat. Ein Punkt den wohl jeder nachvollziehen kann und somit steht man als Leser direkt hinter Caroline und stärkt ihr gedanklich den Rücken, als sie ihre Eltern damit konfrontiert. Wie vermutet drucksen sie eine Weile herum, bis sie mit der Wahrheit ans Licht kommen. Aber das wirklich die komplette Geschichte oder verschweigen sie ihr etwas? Caroline beschließt auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen.

Wenn man die erste Seite aufschlägt, springt einem direkt ins Auge, dass die Hauptfigur, sprich Caroline Cashion einen direkt anspricht. Das ist im ersten Moment etwas ungewohnt. Mit der Zeit stellt man allerdings fest, dass diese Perspektive gut gewählt wurde, denn so bekommt man viel mehr mit, wie sich die Frau fühlt, der die Wahrheit vorenthalten wurde. Nicht nur die Sache mit der Kugel, sie ist adoptiert und man war nicht in der Lage, ihr dies früher zu sagen. Ab diesem Zeitpunkt sortiert man die Eltern direkt bei "unfähig" ein. Egal wie liebevoll sie mit ihren leiblichen und ihrem Adoptivkind umgehen. So etwas sollte man ansprechen können. Also begleitet man Caroline neugierig auf ihrem Weg nach Atlanta. Dahin, wo sie einst aufgewachsen ist, bis ein tragisches Unglück ihr die leiblichen Eltern nahm und sie zurückließ.

Man erwartet nun, dass sie die Nachbarn befragt, Freunde aufsucht, eventuell die Polizeistation kontaktiert und so ähnlich passiert es dann auch. Man freut sich auf eine spannende und zugleich interessante Aufklärung und haftet sich an ihre Fersen. Doch schnell muss man feststellen, dass das anfängliche Tempo extrem nachlässt. Statt neuer Informationen dreht man sich im Kreis. Es kommen neue Einflüsse und Charaktere hinzu, die mit ihrer Vergangenheit in Verbindung stehen. Doch auch diese sorgen nur für wenig Aufschwung. Ganz im Gegenteil, sie bremsen ihn durch ihre Einwürfe eher aus. Entsprechend fing ich rasch an mich zu langweilen. Als Leser möchte man immer mal wieder ein Häppchen bekommen. Die berühmte Möhre vor der Nase. Wenn der Rest passt, lässt man das Gemüse auch gerne längere Zeit herumbaumeln und sorgt sich nicht, sie erst recht spät zum knabbern zu bekommen. Hier war das leider nicht der Fall.

Die größten Schwierigkeiten hatte ich wirklich mit vier Charakteren, die Caroline in Atlanta kennenlernt. Ich bin nicht im geringsten mit ihnen warm geworden. Auch wenn sie total unterschiedliche Rollen einnehmen und eigentlich die Handlung ordentlich vorantreiben müssten. Alle haben so etwas schwermütiges an sich, was mich innerlich gähnen lies. Da half es auch nicht, dass ich Carolines geschwisterliches Verhältnis zu ihrem Bruder liebend gern verfolgt habe oder die junge quirlige Reporterin, die ihr bei der Recherche hilft, gerne reden gehört habe. Der negative Einfluss war einfach zu groß. Als ich später dann auch meine erste Vermutung immer mehr bestätigt sah und manche Personen sich einfach zu abstrus verhalten, war mein Leseeifer dahin.

Sehr schade, um die grandiose Idee und die perfekte Erzählperspektive. Die meisten Charaktere konnten mich einfach in ihrer Art nicht überzeugen. Entsprechend führte eins zum anderen und ich habe mich eher durch die Seiten gequält, als sie munter in mich aufzusaugen.

 

 

Punkte 4 von 10