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London Has Fallen

London Has Fallen - Poster 03Regie: BABAK NAJAFI
Drehbuch: KATRIN BENEDIKT, CREIGHTON ROTHENBERGER, CHAD ST. JOHN und CHRISTIAN GUDEGAST
Medium: Kino
Spielzeit: 99 Minuten
FSK: ab 16 Jahren
Start: 10. März 2016

 

„Über 40 Staatsoberhäupter, alle an einem Ort. Mit einer Planungsphase von nur wenigen Stunden, was sonst Wochen dauert. Das wird eine logistische Katstrophe und von überall kann Gefahr lauern. Ich halte das für keine gute Idee.“

„Es ist ein Staatsbegräbnis, Lynn. Und England ist unser ältester Verbündeter. Außerdem haben wir schon Schlimmeres durchgestanden. Wir kriegen das hin. Richtig, Mike?“

„Natürlich Sir. So, wie immer.“

 

London Has Fallen 07Es war im Jahr 2013 ein interessantes Rennen an unseren Kinokassen, als die beiden Actionthriller White House Down und Olympus Has Fallen in unseren Kinos anliefen. Beide Filme präsentierten uns eine fast identische Stirb Langsam Variante, wo es Terroristen auf den US-Präsidenten im Weißen Haus abgesehen hatten. Bei den „Buchmachern“ lag schon früh White House Down vorn, der als massenkompatibler, großbudgierter PG13-Blockbuster gedreht wurde. Olympus Has Fallen ist jedoch an für sich ein klassischer und recht brutaler Actionfilm mit einem traditionellen R-Rating, den man heutzutage nicht mehr oft im Kino zu sehen bekommt. Nach moderner Logik hätte der 150 Millionen Dollar teure White House Down ein echter Hit werden müssen, doch stattdessen kam es völlig anders. Der polierte Blockbuster blieb trotz dicker Patrioteneier weit hinter den finanziellen Erwartungen zurück und konnte nur dank dem internationalen Markt seine Kosten wieder einspielen. Der klassisch-harte Olympus Has Fallen erwies sich wiederum als großzügiger Hit in den USA, wo der Actionthriller ganze 100 Millionen Dollar am Box Office erreichte. International war Olympus Has Fallen nicht so ganz der Hit, obwohl die Kritiker und Zuschauermeinungen auch hier wohlwollend ausfielen. Als Ursache kann die Konkurrenz von White House Down vermutet werden sowie das allzu offensichtliche Lecken der amerikanischen Patrioteneier, worauf das weltweite Publikum kaum noch Lust hat. Doch da klassische Actionfilme nun einmal rar, sind, so sind sie genau deswegen beim Publikum begehrt, was sich nach all den ganzen PG13-Comic-Verfilmungen nach hartem Stoff sehnt. Die Produktionsfirmen Millenium Films, LHF Film und G-BASE hatten genau diese Marktlücke richtig erkannt und rasch einen zweiten Teil in Auftrag gegeben, der darüber hinaus gleich den internationalen Mark fokussiert, wobei man fast auf das gleiche Team setzte.
London Has Fallen 01So stützte sich die Produktion abermals auf ein Drehbuch von KATRIN BENEDIKT & CREIGHTON ROTHENBERGER, was offenbar schon vorher der offiziellen Bestellung eines zweiten Teiles fertig war. Nicht umsonst hätte man so schnell die Produktion eines Sequels starten können. Jedoch sollte Olympus Has Fallen 2 auf internationalem Gebiet spielen, weshalb die die Produzenten – darunter auch Hauptdarsteller GERARD BUTLER (Gesetz der Rache, Gods Of Egypt, 300) – auf London als Handlungsspielort und den Titel London Has Fallen einigten. ROTHENBERGER & BENEDIKT arbeiteten jedoch bereits an anderen Projekten, weshalb sie das Drehbuch nicht überarbeiten konnten. Stattdessen wurde diese Aufgabe CHAD ST. JOHN und CHRISTIAN GUDEGAST  (Extreme Rage, Krieg der Götter) anvertraut, der daraufhin selbst einige Monate nach London zog. Regisseur ANTOINE FUQUA konnte jedoch wegen den Arbeiten an der Suicide Squad nicht wieder zurückkehren und sollte zunächst durch den Schweden FREDRIK BOND (Lang lebe Charlie Countryman) ersetzt werden, der das Projekt wegen kreativer Differenzen jedoch wieder verließ. In Schweden fand man allerdings auch BABAK NAJAFI (Easy Money 2), der nun die Regie von London Has Fallen übernahm. Beim Cast blieb jedoch Alles beim Alten. Die Hauptrollen übernahmen abermals AARON ECKHART (I, Frankenstein, The Dark Knight, Thank You For Smoking) und GERARD BUTLER, der selbst lange Jahre in London lebte. In den Nebenrollen werden darum auch MORGAN FREEMAN (Oblivion, Dreamcatcher, Sieben), MELISSA LEO (Snowden, Prisoners, Wayward Pines), RADHA MITCHELL (Pitch Black, Silent Hill, The Darkness) und ANGELA BASSETT (Survivor, American Horror Story) zu sehen sein; gefolgt von CHARLOTTE RILEY (Edge Of Tomorrow) und JACKIE EARLE HALEY (Watchmen, Human Target), die neu im Cast sind.
Als Starttermin von London Has Fallen wurde der 4. März 2016 auserkoren, der genau zwischen den beiden hochgehandelten Blockbustern Deadpool und Batman V Superman anlaufen wird. Übrigens auch in Deutschland, wo der Actionthriller schon am 10. März 2016 anlaufen wird. Damit unterstreicht man auch gleich das Ziel des internationalen Marktes, der im Sequel nun endlich vollends bedient werden soll. Doch ob und wie dieses Vorhaben dem Team von London Has Fallen geglückt ist, das werden nun die folgenden Zeilen offenbaren.
 
London Has Fallen 09Drei Jahre sind seit dem verheerenden Angriff auf das Weiße Haus vergangen. Präsident Asher befindet sich in seiner zweiten Amtszeit und auch das freundschaftliche Verhältnis zu seinem Bodyguard Mike Banning hat sich normalisiert, der gerade seinem ersten Kind entgegenfiebert. Tatsächlich ist der Urlaub schon abgesegnet, da macht ihm das Schicksal einen Strich durch die Rechnung. Der britische Premierminister stirbt überraschend nach einem Krankenhausbesuch und soll zeitnah bestattet werden. In aller Eile wird das Begräbnis organisiert, bei dem über 40 Staatsoberhäupter aus aller Welt teilnehmen sollen. So auch US-Präsident Asher, der unbedingt daran teilnehmen will. Sehr zum Missfallen von Mike und seiner Chefin Lynn Jacobs, die ihm dringend von der Reise abrät. Doch Asher lässt sich nicht beirren und vertraut auf die Fähigkeiten seines Bodyguards, der jedes Detail bis in Kleinste geplant hat und sich bei der Ausführung ungeheuer vorsichtig verhält. Doch nicht einmal Banning kann den extrem umfangreichen Terrorangriff vorhersehen, der sie noch auf der Schwelle der St. Pauls Kathedrale kalt erwischt und ganz London ins Verderben reißt. Die Terroristen nehmen keine Rücksicht auf Zivilisten und töten zahlreiche Polizisten und Ersthelfer, zerbomben und zerstören die großen Bauwerke Londons und bringen dabei tatsächlich einige Staatsoberhäupter um. Auch Asher fällt ihnen beinahe zum Opfer, doch etliche Kollegen von Banning kommen dabei ums Leben. Der erfahrene Bodyguard schießt sich den Weg frei und versucht verzweifelt seinen Präsidenten in Sicherheit zu bringen, während ihnen Vizepräsident Trumbull versucht mittels Geheimdienst und Satellitenbildern zu helfen. Doch egal welchen Fluchtweg sich Banning und Asher suchen, die Terroristen haben an Alles gedacht und sind ihnen immer dicht auf den Fersen.

London Has Fallen - Banner 02

Also sofern man auf Actionfilme steht, besonders klassische Actionthriller, dann kann man mit London Has Fallen richtig viel Spaß haben, denn wie schon der Vorgänger liefert das Sequel fabelhafte Schauwerte mit ziemlich viel Blutvergießen, wobei der Streifen teilweise sogar noch besser geraten ist. Teilweise aber auch nicht frei von typischen Schwächen des US-Kinos.
London Has Fallen 08London Has Fallen versteht sich nämlich wie bereits der Vorgänger als klassischer Actionfilm und setzt darum vollends auf seine spannende Inszenierung mit umfassenden Actionszenen, einer kleinen Portion Humor und seinem R-Rating. Besonders die Action und der Gewaltfaktor kommen in London Has Fallen sehr stark zur Geltung, was heutzutage ja leider nicht mehr selbstverständlich ist. Dabei macht London Has Fallen als Fortsetzung Vieles richtig und fällt teilweise sogar besser aus als Olympus Has Fallen, da er den Vorgänger in jedem seiner offenen Schauwerte übertreffen kann. Zum Einen sind die Computereffekte nun wesentlich realistischer, weshalb die verheerende Vernichtung Londons lange nicht so künstlich wirkt, wie 2013 das Weiße Haus, und zum anderen kann sich der zweite Teil in seiner Action wesentlich vielseitiger präsentieren. Die Stadt London bietet als Weltmetropole nämlich wesentlich mehr Spielraum und das haben die Filmemacher auch außerordentlich ausgenutzt. Spielte sich als der erste Teil also noch als simple Stirb-Langsam-Version ab, bei denen es weitgehend große PC-Explosionen, Schießereien und Faustkämpfe zu sehen gab, so erleben wir hier im Grunde eine atemlose Hetzjagd quer durch London, wo scheinbar in jeder Ecke Gefahr lauert. Da sind zwar auch wiederum brutalste Zweikämpfe mit drin ebenso wie heftige Shootouts und fette Explosionen, doch zusätzlich erleben wie hier äußerst rasante Verfolgungsjagden zu Lande und auch in der Luft. Da werden Autos und Motorräder zu Schrott gefahren, Flugzeuge und Hubschrauber zerfetzt und Denkmäler zu Staub zerbombt, wobei es natürlich ziemlich hart zur Sache geht. Der ohnehin schon derbe Gewaltgrad des Vorgängers wurde in London Has Fallen noch einmal angezogen und der Bodycount weiter aufgestockt. Da werden zig Zivilisten zu Matsch geballert, es gibt etliche Kopfschüsse mit blutriefenden Details und die meisten Bad Guys werden von Mike Banning regelrecht durchlöchert; wenn er ihnen nicht das Genick bricht oder sie grausamst mit einem Messer foltert, was man auch in aller Deutlichkeit zeigt.

London Has Fallen 12Die Gewalt ist in London Has Fallen in der Tat also ziemlich derbe und kommt dank klassischer Blutpakete auch wohltuend altmodisch rüber, wodurch der Actionfilm gleich noch eine Stufe härter wirkt. Da passt es doch gut, dass Mike Banning manche seiner Gewalttaten mit einem trockenen Spruch kommentiert, der den Zynismus in den Actionszenen vollends zur Schau stellt. Dabei darf in manchen Momenten ruhig gelächelt werden. Unter anderem besonders, wenn London Has Fallen sich über die Gepflogenheiten und Skandale mancher ausländischer Kollegen von US-Präsident Asher lustig macht. Da hat der Italiener natürlich eine 30 Jahre jüngere Freundin und die Franzosen lassen keine Gelegenheit aus die Briten zu piesacken. Aber diese Szenen werden eben nicht bösartig präsentiert, sondern charmant und dezent. Denn – man möchte es eigentlich kaum glauben – London Has Fallen legt als Actionthriller dennoch Wert auf seine Dialoge. In den Gesprächen zwischen den Figuren gibt es weder sinnloses Geschwafel, überflüssige Erklärungen oder längst totgeschlagene Phrasen. Weniger ist in diesem Falle mehr, denn sowohl Banning als auch Asher wissen genau in welcher Lage sie sich befinden und das muss man dem Zuschauer nicht hundert Mal um die Ohren schlagen. Die Autoren von London Has Fallen haben dies völlig richtig erkannt und verzichten auf jegliche Standardtexte.

 

London Has Fallen 11Frei von zweifelhaften Attributen ist dieser Actionfilm aber dennoch nicht, so sehr die Actionszenen, die Brutalität und die vernünftigen Dialoge auch unterhalten mögen. Kritisch wird es mit den Bösewichtern, denn dort finden sich mit pakistanischen Terroristen abermals momentane Erzfeinde der US-And-A-Kultur, die sich auch exakt so verhalten, wie es der furchtsame US-Bürger von islamischen Gotteskriegern erwartet. Sie sind extrem kaltblütig, hasserfüllt, gut vorbereitet, noch besser organisiert, bestens bewaffnet und sie haben nicht das geringste Problem Tausende von Zivilisten zu erschießen. Auf der anderen Seite trifft man in London Has Fallen auf die typisch-amerikanische Biedermann-Familie, die uns leider viel zu sehr mit Erzkonservatismus auf den Sack geht. Inklusive der braven, aber starken Ehefrau, die natürlich schwanger ist und den Opfer-Irrsinn des Ehemannes voller Stolz zur Kenntnis nimmt. Quasi als direkten Gegensatz zu den Terroristen, die dieses Idyll aus nichtigen Gründen vernichten wollen. Garniert wird diese Opferbereitschaft natürlich auch mit ein wenig Patriotismus und Pathos, damit man auch wirklich kein einziges Klischee auslassen kann. Und das ist wirklich schade, denn ein etwas differenzierteres Bild hätte die Atmosphäre wunderbar abrunden können. Auf diese Weise bekommt London Has Fallen leider einen etwas fahlen Beigeschmack, der besonders am Anfang und am Ende des Films negativ auffällt.
London Has Fallen 03Dabei macht London Has Fallen schon in den ersten Minuten deutlich, dass es sich bei dem Terrorangriff auf London um Nichts weiter als einen etwas ausführlicheren Racheakt handelt. Das hätte man so schön als Ausgangslage nutzen können, um sich kritisch mit dem IS-Terrorproblem auseinandersetzen zu können. Aber Nein, ausgerechnet hier präsentiert sich London Has Fallen als unnötig flach. Außerdem werden bei den Bildern von zahlreichen erschossenen Zivilisten unangenehme Erinnerungen an die Terroranschläge von Paris wach, obwohl diese zum Teil erst nach der Produktion von London Has Fallen stattfanden. Wie im Januar 2015 sind die Schützen als Polizisten verkleidet, wie im November 2015 wird wild auf Menschenmassen geschossen, um möglichst viele Menschen umzubringen. Doch wo man in der Realität noch um den heißen Brei herumredet, da ist dieser Actionfilm mit einer Lösung schon weiter, die in jedem Fall militärisch aussieht. Zum Ende hin wird das eigentliche Problem doch wieder mit einer Drone gelöst, obwohl genau ein solcher Angriff für den katastrophalen Terrorakt in London Has Fallen verantwortlich ist. Das könnte man zwischen den Zeilen noch als bitteres Resümee interpretieren, dass sich die US-Amerikaner trotz allen Blutvergießens als vollkommen lern- und Diplomatie-unfähig erweisen, aber leider wird uns dieses Schlussbild nicht mit der leisesten Kritik präsentiert, ohne die Geschichte des Films zu berücksichtigen, was nicht nur merkwürdig unlogisch rüberkommt, sondern leider auch noch äußerst flach. Und ganz nebenbei beraubt es London Has Fallen die Möglichkeit ein Sequel aufzubauen, was aus dem bisherigen Schema ausbrechen könnte.

London Has Fallen - Banner 01

London Has Fallen 04Denn die einseitige Geschichte ist eigentlich das größere Problem von London Has Fallen. Wie im ersten Teil geht es um böse Terroristen, die es auf den sowas von guten US-Präsidenten und dessen Bodyguard abgesehen haben; und leider haben BENEDIKT und ROTHENBERGER diese Prämisse zunächst einfach nur kopiert. Man sieht Präsident Asher und Mike beim gemeinsamen Sport, anschließend werfen wir einen Blick in die Familiensituation von Mike, bevor man die Terroristen bei der Umsetzung ihrer finsteren Pläne beobachtet und mit einem Mal die Hölle losbricht. Was nämlich fehlt, sind die subtilen Hinweise und Andeutungen des ersten Teiles, bei dem man als Zuschauer gleich auf einen Angriff hingewiesen wurde. Das ist einerseits schlecht, weil auf diese Weise gerade in den ersten Minuten etwas Spannung fehlt, andererseits wirkt die plötzliche Attacke der Terroristen nur umso intensiver. Erst recht mit der fantastischen Inszenierung von BABAK NAJAFI, der die Schauwerte umso stärker ins Licht rückt. Ab diesem Zeitpunkt zeigt sich auch die Handlung von London Has Fallen etwas vielseitiger und spannender, denn aus dem Einer-Gegen-Alle-Szenario des ersten Teiles wird nun eine waschechte und ziemlich rasante Verfolgungsjagd durch ganz London mit dem Auto, mit dem Heli und letztendlich auch zu Fuß, wobei es kaum Zeit zum Durchatmen gibt. Kleinere Logiklöcher sollte man dabei jedoch in Kauf nehmen, wie zum Beispiel wie Terroristen die Polizei von London derart unterwandern konnten, woher der Krisenstab in den USA sich sofort unglaublich wichtige Satellitenbilder aus dem Hintern ziehen können, wie es zwei Männer schaffen sich dem Zugriff der Terroristen so lange zu entziehen und woher der US-Stab plötzlich weiß, in welchem verlassenen Wüstenkaff sich ein lange totgeglaubter Terrorist aufhält. Wir erinnern uns: bei Osama Bin Laden hat es fast 10 Jahre gedauert, bis der entscheidende Tipp kam.

 

London Has Fallen 06Klar, wenn man in London Has Fallen schon die Weltstadt London zerlegt, dann wurde der Actionfilm natürlich auch weitgehend dort gedreht, wofür auch umfangreiche Panoramaszenen entstanden sind. Teilweise aber auch in Bulgarien, wo man auf einem großen Set die Kulisse der St. Pauls Kathedrale 1:1 nachbaute, um das historische Bauwerk während der heftigen Actionszenen nicht zu gefährden. Die Actionszenen bestehen wie schon in Olympus Has Fallen zum Teil aus Computereffekten, die vor zwei Jahren aber noch mehr schlecht als recht ausgefallen sind. Bei Olympus Has Fallen musste aus Sicherheitsgründen auf Modelle verzichtet werden, die man eigentlich schon seit über 10 Jahren bei hochwertigen Großproduktionen einsetzt. Gleichwohl scheint man bei dem Actionfilm auch wenig Geld für die Effekte ausgegeben zu haben, was man Olmypus Has Fallen leider auch ansieht. Das hat sich aber nun bei London Has Fallen radikal geändert, weil man das Budget auf insgesamt 105 Millionen Dollar aufgestockt hat und deswegen etwas mehr Zaster in die Effekte geflossen ist. Nun hat man endlich nahezu perfekte Effekte, die ein realistisches Bild vermitteln. Hier gelingt die Illusion der gesprengten Tower-Bridge oder die rasante Flucht mit dem Helikopter , wo man im ersten Teil die Computereffekte noch überdeutlich erkennen konnte. Anders als in den Postern angedeutet, fliegt Big Ben allerdings nicht in die Luft – dafür aber die ehrwürdige Kathedrale von Westminster, was nicht minder großartig gelungen ist. Ebenfalls Laune macht der Stil von BABAK NAJAFI, der sich sowohl bei den Faustkämpfen als auch den epischen Bombenanschlägen sehr stilsicher zeigt und somit einen vollauf gelungenen Einstand in Hollywood gibt.

 

London Has Fallen 10Konnte Olympus Has Fallen allerdings noch jedem Schauspieler etwas abgewinnen, so konzentriert sich London Has Fallen nun fast ausschließlich auf das führende Duo GERARD BUTLER und AARON ECKHART, die zwar zweifelsohne zu den besten Akteuren in Hollywood gehören, hier jedoch über ihren Standard nicht hinauskommen können. BUTLER gibt den grimmigen Einzelkämpfer wie gewohnt brutal und unablässig, ECKART den pflichtbewussten Präsidenten mit Hang zum Heroismus. Gut, das stört uns bei so einem fetzigen Actionkracher wie London Has Fallen natürlich überhaupt nicht, denn hier stehen eindeutig die Schauwerte im Fokus. So weit, so gut. Doch leider kommen die anderen Schauspieler dagegen zu kurz; teilweise viel zu kurz. MORGAN FREEMANs Funktion als Vizepräsident Trumbull war im Vorgänger deutlich und sinnvoll, hier hat es den Anschein als diene er nur dazu die Lücken zwischen den Actionszenen zu überbrücken, da er – anstatt zu verhandeln – lediglich versucht etwas Hilfe von Washington aus zu organisieren. In diesem Sinne sollten sich Fans von MELISSA LEO und JACKIE EARLE HALEY endgültig von einem soliden Gastspiel verabschieden, denn ihre Auftritte erreichen maximal den Umfang eines Cameos, wie auch RADHA MITCHELL als Mikes Ehefrau. Was aber ehrlich gesagt auch im ersten Teil schon so war. Ausführlicher und einprägsamer ist dagegen der Auftritt von ANGELA BASSETT als Lynn Jacobs, die in sturer Art und Weise versucht Präsident Asher von ihrer Meinung zu überzeugen, obwohl sie die Antwort schon kennt. CHARLOTTE RILEY spielt eine übercoole, abweisende MI6-Agentin, die eine gemeinsame Vergangenheit mit Mike Banning besitzt. Ein etwas krampfhafter Joker, über den nicht viel verraten wird, aber ohne CHARLOTTE RILEY hätte es auch schlimmer kommen können.

 

Fazit: Trotz diverser Schwächen wie die Parallelen zur Handlung des Vorgängers sowie dem Hochhalten amerikanischer Familienklischees und einem naiven politischen Panorama, so kommt man bei London Has Fallen als Actionfan dennoch voll auf seine Kosten, denn der Actionthriller kann den ersten Teil Olympus Has Fallen problemlos übertreffen. Die Actionszenen sind ungemein besser inszeniert und auch wesentlich vielseitiger ausgeführt, was sich besonders in den gelungenen Special Effects bemerkbar macht. Dabei überzeugt London Has Fallen besonders durch den Umfang seiner brachialen Schauwerte und die heftige Brutalität. Auf diese Weise ist London Has Fallen ein nahezu traditioneller, um nicht zu sagen gar klassischer Actionthriller mit dem BABAK NAJAFI ein wirklich sehr gelungenes Debüt auf der internationalen Bühne geben kann. Wir vergeben 7 von 10 Punkten.