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Gods Of Egypt

Gods Of Egypt - Poster 01Regie: ALEX PROYAS
Drehbuch: MATT SAZAMA & BURKE SHARPLESS
Medium: Kino
Spielzeit: 127 Minuten
FSK: ab 12 Jahren
Start: 21. April 2016

 

„Ägypten war einst ein Paradies, doch nun herrscht das Chaos. Es liegt an Horus, Gott des Windes, die Menschen zu beschützen und die Ordnung wiederherzustellen.“

 

ALEX PROYAS hat zwar bislang nur wenige Filme gemacht, aber dafür allesamt moderne Klassiker! Allen voran The Crow - Die Krähe, I, Robot und Dark City. Nach Know1ng wurde es jedoch ungewollt ruhig um den griechischen Regisseur. PROYAS wollte zunächst Das verlorene Paradies von JOHN MILTON verfilmen, doch das Projekt scheiterte nach einigen Jahren an Finanzierungsstreitigkeiten, und Dracula Untold lehnte er wegen kreativer Differenzen ab. Anschließend widmete er sich dem Sci-Fi-Thriller Das Implantat von DANIEL H. WILSON, was sich derzeit ebenfalls im Sande verläuft. Nachdem nun also auch der dritte geplante Dreh nicht voran kommt, entschied sich PROYAS für ein völlig anderes Projekt und widmete sich Gods Of Egypt.
Gods Of Egypt 13Im Gegensatz zu sämtlichen realisierten und geplatzten Projekten von PROYAS handelt es sich hierbei nicht um einen düsteren, hintersinnigen Stoff, sondern einen farbenprächtigen, großbudgierten Popcorn-Film für die breite Masse. Einen humorvollen, actionreichen PG13-Blockbuster, der von dem Duo MATT SAZAMA & BURKE SHARPLESS verfasst worden ist; jenen Autoren der beiden seichten Flops Witch Hunter und Dracula Untold, den PROYAS ja zuvor abgelehnt hatte. Nun sollte er also der ägyptischen Götterwelt neues cineastisches Leben einhauchen. Die beiden Produktionsstudios Thunder Road Pictures und Mystery Clock Cinema wollten dennoch auf Nummer Sicher gehen und setzten auf eine ausnahmslos westliche Besetzung mit zahlreichen Stars bestehend aus GERARD BUTLER (Gesetz der Rache, 300, London Has Fallen), NIKOLAJ COSTER-WALDAU (Game Of Thrones, Mama, Headhunters), ÉLODIE YUNG (Daredevil, District 13, Home Sweet Home), BRENTON THWAITES (Oculus, The Signal, Son Of A Gun) und ABBEY LEE (Mad Max: Fury Road) in den Hauptrollen. In den Nebenrollen werden unter anderen GEOFFREY RUSH (Fluch der Karibik, Shakespeare In Love, Haunted Hill), RUFUS SEWELL (Ritter aus Leidenschaft, The Devil`s Hand, Abraham Lincoln: Vampirjäger), CHADWICK BOSEMAN (Get On Up, The Kill Hole), COURTNEY EATON (Mad Max: Fury Road), EMMA BOOTH und GORAN D. KLEUT zu sehen sein. Mit anderen Worten: eine ganz und gar rassistische Besetzung, in der kein einziger Nordafrikaner zu sehen ist. Gut, das mag momentan auch arg schwierig sein, doch im Endeffekt wirkt es schon vorab befremdlich fast gänzlich weiße Gesichter zu sehen.
Gods Of Egypt 04Das führte schon lange vor dem Kinostart in den USA im Februar zu heftigen Diskussionen und letztendlich entschuldigte sich ALEX PROYAS offiziell im Namen des gesamten Teams für die kaukasische Besetzung, verteidigte jedoch auch Gods Of Egypt mit den Worten, es würde sich bei seinem Film um Fantasy und nicht um Historie handeln. Nur genutzt hat es wenig, denn bei einem Budget von 140 Millionen Dollar spielte der Blockbuster in den USA gerade einmal 30 Millionen Dollar ein, was nur den zusätzlichen Werbekosten entspricht. International kommt Gods Of Egypt auch auf nicht gerade göttliche 132 Millionen Dollar, wodurch der Film eindeutig ein finanzieller Flop ist. In einigen gewinnbringenden Regionen wie Deutschland kommt der Fantasyfilm jedoch nun erst am 21. April 2016 in die Kinos, im Vereinten Königreich gar erst im Sommer, wodurch sich die Götter von Ägypten noch aus den roten Zahlen hieven könnten. Unsere Filmkritik wird euch nun aber aufzeigen, wie die reellen Chancen für Gods Of Egypt stehen euch auch angemessen zu unterhalten.
 
Gods Of Egypt 02Das alte Ägypten ist ein Ort des Friedens und der Blüte. Während der oberste Gott Ra jede Nacht die große Bestie Apophis davon abhält die Welt zu vernichten, bestieg sein Sohn Osiris den Thron über Ägypten und erschuf eine traumhafte Welt in der Gerechtigkeit, Wohlstand und Freiheit herrschen. Doch Osiris ist des Herrschens müde und will sein Reich nun seinem Sohn Horus anvertrauen. Doch noch auf der Krönungsfeier werden die Götter von Set überrascht; dem Bruder von Osiris. Einst wurde er in die Wüste verbannt und von Ra dazu gezwungen über die trostlose Weite zu herrschen. Er war schon immer eifersüchtig auf seinen Bruder und als dieser dem nichtsnutzigen Horus die Krone über Ägypten anvertrauen will, beschließt er sich das Reich mit Gewalt zu nehmen. Er überwältigt die anderen Götter, tötet Osiris und reißt Horus die Augen aus, bevor er ihn in die Wüste verbannt. Von nun an beginnt eine üble Zeit für die Ägypter, die nun Sklavenarbeit leisten müssen und zwischen die Fronten der Götter geraten. Nicht einmal das Jenseits ist sicher, da man sich seinen Eintritt mit Reichtümern erkaufen muss. Das Herz eines Menschen zählt nicht mehr. Auch der junge Dieb Bek und dessen große Liebe Zaya wurden versklavt und müssen beim Bau von Sets Monument dienen. Doch Zaya denkt nicht daran in Gefangenschaft zu sterben. Sie findet in den Plänen ihres Meisters Urshu einen Tempel, der zumindest ein Auge von Horus enthält. Sie überredet Bek das Auge zu stehlen und es dem gefallenen Gott zu bringen, damit sie gemeinsam den Kampf gegen Set aufnehmen können.

Gods Of Egypt - Banner 01

Jedem Kinobesucher sollte klar sein, dass Gods Of Egypt als reines Popcorn-Kino konzipiert worden ist und man jeden noch so kleinen Anspruch vergessen sollte, geht es doch vorrangig um Action und Humor. Und genau Das liefert auch ALEX PROYAS seinen Zuschauern, doch es gibt auch manche Dinge, die man wesentlich besser hätte machen können – und zwar nur durch ein wenig mehr Raffinesse.
Gods Of Egypt 05Natürlich wollen wir in einem Streifen wie Gods Of Egypt in erster Linie Action sehen, die uns PROYAS auch nicht verwehrt. Grundsätzlich stützen sich die Actionszenen dabei auf diverse Zweikämpfe zwischen den Göttern und die Auseinandersetzung mit verschiedenen fantastischen Figuren, die teils sogar recht fetzig und rasant inszeniert sind, andererseits auch ziemlich episch. Gerade der Kampf zwischen Horus und Set am Beginn des Films, die Auseinandersetzung mit zwei riesigen Schlangen sowie die drohende Apokalypse durch Apophis sind durch ausladende Kamerafahrten und der exzellenten Tricktechnik fabelhaft in Szene gesetzt, die uns auch keinen Zweifel daran lassen, dass wir uns in einer durch und durch fantastischen Welt befinden. Unter anderem treffen wir hier auf den Großteil der ägyptischen Götterwelt – inklusive einem gut gelungenen Anubis - zahlreiche Minotauren und gar einer Sphinx. Wer also auf Fantasy steht, wird hier zumindest nicht so enttäuscht, wie es auf charakterlicher Seite der Fall ist. Die Eigenheiten und der Charaktere der Götter sind zwar einigermaßen gut getroffen worden, doch bei allen menschlichen Figuren handelt es sich leider um absolut austauschbare Klischeefiguren, wodurch auch der bemühte Humor nicht zünden kann. Das weiß ALEX PROYAS auch und lenkt die Aufmerksamkeit lieber auf die volle Pixelpracht seiner Rechner. Man besucht die antiken Städte Ägyptens, wandert durch zahlreiche traumhafte Paläste, durchquert die karge Wüste, bestaunt die grünen Nil-Täler und als Krönung zeigt uns Gods Of Egypt auch noch den ehrwürdigen Ra auf seiner Sonnenbarke, wie er unsterblichen Kampf mit Apophis fortführt. Übrigens zeigt der Film diese Darstellung auch stilecht mit der Erde als flacher Scheibe, womit er die Vorstellungen der alten Ägypter wiederspiegelt.

 

Gods Of Egypt 11Diese übertrieben differenzierte Architektur und bildgewaltige Farbenpracht erinnern in ihrem Stil schon ganz extrem an die Konsolenreihe God Of War, wo es der Antiheld Kratos mit der griechischen Götterwelt aufnimmt. Auch dort finden wir umfassende Actionszenen rund um eine antike Götterwelt, eingebettet in epischen Panorama-Szenen mit einer atemberaubend schönen sowie detailreichen Umsetzung. Und tatsächlich erinnern die Optik und das Feeling erheblich an die Videospiel-Reihe und de facto wurden sogar ganze Szenen übernommen. Der Luftkampf auf dem Weg zum Olymp aus God Of War III wurde fast 1:1 nachgeahmt und ich verweise an dieser Stelle auch an den Besuch in der Unterwelt, das Gefecht mit den Minotauren sowie der Tatsache, dass ein Gott nach dem anderen gekillt wird. Jedoch ging es in dem Konsolenkracher wesentlich blutiger und brutaler zu. Weil Gods Of Egypt nämlich als PG13 realisiert worden ist, muss man auf harte Action- und Gewaltszenen verzichten, obwohl sich PROYAS auf raffinierte Weise Mühe gibt die Cineastenburka zu lüften. So wird bei sämtlichen toten Sterblichen weitgehend auf Blut verzichtet, während alle göttlichen Wesen golden bluten dürfen, womit die PG13 wegen vereinzelter Szenen kaum in Gefahr ist. Und das Goldblut sieht nebenbei auch ganz nett aus, wenn die Filmemacher etwas mehr davon verspritzen. Dennoch kann ich mir in ein einigen Szenen etwaige Zweifel nicht verkneifen, ob man die Brutalität darin kaschieren wollte. Die Enthauptung eines Minotaurus sieht beispielsweise arg gezoomt aus, womit man nicht mehr direkt erkennen kann, was vor sich geht, und bei dem Mord an Nephthys sind eindeutige Gewaltschnitte erkennbar, da man nur den ersten Gewaltmoment deutlich zeigt und gleich durch einen Szenenwechsel unterbrochen wird. Ob das nun wirklich nötig war, kann man an dieser Stelle natürlich nicht beurteilen, doch die Studios wollten vermutlich die PG13 für Gods Of Egypt von Anfang an nicht gefährden.

 

Gods Of Egypt 08So weit, handelt es sich bei Gods Of Egypt um einen handelsüblichen und ganz normalen Popcorn-Film, der – wie man es erwarten kann - auch lockere Unterhaltung bietet. Dummerweise hat der Streifen ein ganz gravierendes Problem, was etliche andere Probleme nach sich zieht. Nämlich, dass sich Gods Of Egypt auch ausgerechnet an der ägyptischen Götterwelt orientieren muss. So wirkt die Optik sogar für die enorme Tatkraft der alten Ägypter viel zu prächtig, üppig und teilweise völlig weltfremd. Beispielsweise hat die kleine Hütte, die Bek und Zaya anfangs bewohnen, kleine bunte Glasfenster und sieht generell viel mehr aus, wie ein Hobbit-Häuschen zur Biedermeier-Zeit. Die altägyptischen Städte erinnern leider weit mehr an das europäische Mittelalter und die übergroßen Paläste in ihrer Farbgebung viel eher an ein Videospiel; wie eben stark an God Of War und eventuell auch an Final Fantasy! In diesem Sinne fällt es außerdem negativ auf, dass die ägyptische Mythologie für Gods Of Egypt schon extrem verzerrt worden ist. Hm, wie war das nochmal? Gods Of Egypt sei Fantasy, nicht History? . . . In diesem Sinne hätte doch wirklich rein gar Nichts dagegen gesprochen eine eigene Götterwelt zu entwickeln; mit unbekannten Kreaturen und eigener Hierarchie, was man lediglich ganz grob an der ägyptischen Mythologie anlehnt. Das Resultat auf der Leinwand wäre das Gleiche geblieben, doch es hätte sich kaum Jemand über die offen rassistische Besetzung beschweren können und man hätte die ägyptische Mythologie nicht derart zu verzerren brauchen Aber nein, so schlau war man bei Thunder Road Pictures eben nicht und genau dieses merkwürdige Gefühl, dass hier Etwas nicht stimmt, liegt wie einer Gewitterwolke über den ganzen Film.

 

Gods Of Egypt 09Immerhin präsentiert sich Gods Of Egypt in seiner Handlung als solide aufgebaut, da ALEX PROYAS seine Geschichte trotz aller Action und Farbenpracht nicht außer Acht lässt. Hierfür nimmt sich ALEX PROYAS auch Zeit und präsentiert uns weniger eine actionorientierte als vielmehr abenteuerliche Geschichte, die unsere Helden ganz Ägypten und darüber hinaus bereisen lässt. Um der Dramaturgie etwas Nachdruck zu geben, hat man mit der Göttin Hathor einen zwielichtige Figur eingebaut, von der man nicht recht weiß, auf wessen Seite sie eigentlich steht, und außerdem streuen SAZAMA und SHARPLESS Zweifel und Misstrauen zwischen unsere beiden Helden Horus und Bek, da der Mensch für den Gott nur ein besseres Tier ist; ein Diener und Mittel zum Zweck, während der Mensch sich die berechtigte Frage stellt, ob es dieser Gott wirklich gut mit den Menschen meinen würde. Eine wirklich interessante Idee, die hier wegen der Blockbuster-Inszenierung leider nur ansatzweise erkennbar ist und mit Humor eingerahmt wird. Immerhin findet sich in Set eine ehrliche Antwort, der seine Macht rücksichtlos ausübt und gnadenlos vergrößert. Er kann es, also macht er es! Da ist es klar, dass uns Gods Of Egypt noch ein paar lehrreiche Lektionen mitgeben will, mit denen man vor allem ein jüngeres Publikum ansprechen will. Aber das war es dann auch schon mit der erzählerischen Finesse, denn im Großen und Ganzen folgt der Blockbuster allen Regeln des Genres und darum endet Gods Of Egypt erwartungsgemäß auch völlig rund und abgeschlossen ohne jede Überraschung, wobei das Happy End jedoch schon viel zu Happy ausgefallen ist. Warum, das soll hier nicht gespoilert werden, aber die Fragezeichen sind doch groß. Eine Fortsetzung wird es dem aktuellen Stand nach nicht geben, obwohl sie bei solch großen Produktionen immer im Raum schwebt. Letztendlich hält sich Gods Of Egypt auch eine Tür zu einem Sequel offen, doch die Box-Office-Performance ist für eine Fortsetzung international einfach zu schwach. Nicht einmal der chinesische Markt konnte da noch helfen.

 

Gods Of Egypt 06Derjenigen, die sich am Meisten mit Gods Of Egypt profilieren können, sind dennoch ALEX PROYAS und seine Tricktechniker! Waren seine vorherigen Filme einfach nur finster, teilweise auch extrem düster, so schafft es der Grieche dieses Bild nun vollends auf Links zu ziehen. Dort präsentiert er uns seine Fantasywelt in fantastischen Farben und in zahllosen, wunderbaren Panoramaszenen inklusive umfassender Kamerafahrten, damit man auch die volle Pracht der Pixelpower erkennen kann. Die hervorragende Tricktechnik merkt man auch in zahlreichen kleineren Szenen, da die Götte circa ein Drittel bis doppelt so groß wie Menschen dargestellt werden. Dabei kam natürlich weitgehend die gleiche Technik zum Einsatz, wie beim Herr der Ringe, die man hier lediglich verfeinert hat, obwohl das Augenmerkt natürlich auf der prachtvollen Szenerie liegt. Außerdem gibt es gleich so einige hübsche Kämpfe zwischen den Göttern und darunter sogar Schlachtszenen, bei denen die Tricktechniker ihr volles Geschick auffahren und uns spektakuläre Szenen um die Ohren hauen. Einerseits perfekt ausgeführt und andererseits auch sehr umfangreich. Beim Dreh von Gods Of Egypt kamen ironischer Weise brandneue 70mm-Linsen von Panavision zum Einsatz, mit denen die Filmemacher uns eine solide 3D-Technik präsentieren können, wodurch auch der Aufpreis vollends gerechtfertigt ist. Zumindest aus technischer Sicht erleben wir hier mit Gods Of Egypt ein perfektes und äußerst gelungenes Kinoabenteuer. Tatsächlich handelt es sich um eines der aufwendigsten Werke der letzten Jahre, da es fast völlig in den Fox Studios in Australien entstand. Nur wenige Szenen wurden noch vor einem realen Hintergrund aufgenommen, wie zum Beispiel im Centennial Park in Sydney oder in der australischen Wüste.

 

Gods Of Egypt 10Da es sich bei Gods Of Egypt um einen Blockbuster handelt, der vor allem mit seiner Tricktechnik glänzt, sollte man von den Schauspielern auch nicht allzu viel erwarten können. Leider betrifft das schon in erster Linie die beiden Hauptdarsteller NIKOLAJ COSTER-WALDAU und BRENTON THWAITES, die hier leider einen recht gelangweilten Eindruck machen. Klar, COSTER-WALDAU kann es sich als oberster Macho Horus auch gut gehen lassen und seine Arroganz vollends zum Ausdruck bringen, die er bis zum Ende des Films nicht ablegen kann. Hierbei macht sich jedoch wieder eine der spürbaren Lektionen von Gods Of Egypt bemerkbar; hätte man aber auch besser spielen können. BRENTON THWAITES, eigentlich ein hervorragender Jungdarsteller, grinst als Bek selbst in den unpassendsten Momenten pausenlos spitzbübisch in die Kamera. Er wird versklavt – egal! Er soll eine Selbstmordmission nach der anderen bewältigen – egal! Freundin stirbt – egal! Set will die ganze Welt vernichten – scheißegal! Da ist weder Emotion noch Spielfreude erkennbar. Ein ähnliches Bild vermittelt auch COURTNEY EATON als Beks Freundin Zaya, die verzweifelt gegen ihr Schicksal kämpft in der Unterwelt in der Schlange zu stehen. Auch CHADWICK BOSEMAN gibt sich alle Mühe gegen seinen Part als Thoth anzukämpfen, der in Gods Of Egypt Wissen und Weisheit repräsentieren soll, aber weder in der Lage ist die Gefahr durch Set zu begreifen noch wie notwendig es ist, Horus und Bek zu unterstützen. Gleichzeitig wirkt BOSEMAN in vereinzelten Szenen sogar unnötig arrogant und desinteressiert.
Gods Of Egypt 03Aber das bedeutet nicht, dass man in Gods Of Egypt nicht auch noch echte Schauspielkunst zu sehen bekommen kann. Zu unserem Glück geht GERARD BUTLER in seiner Rolle als Set vollends auf. Der Brite lässt uns jedenfalls nicht an den Gefühlen und Emotionen zweifeln, die in dem Gott der Wüste und des Chaos lauern. Das gezwungene Lächeln bei der Krönung von Horus, die Melancholie beim Mord an Nephthys, die Wut über sein Schicksal mit der er seinen Vater Ra konfrontiert und der Wahnsinn, als er das Chaos über der Welt entfesselt. Ra wird übrigens nicht minder überzeugend von GEOFFREY RUSH gespielt, der sich selbst vormacht ein gerechter Gott zu sein, der sich viel lieber dem Kampf gegen Apophis widmet, als sich sein eigenes Versagen in der Erziehung seiner göttlichen Söhne einzugestehen. Wieder zeigt sich also, dass auf manche Routiniers mehr Verlass ist, als auf andere Schauspieler, obwohl auch ÉLODIE YUNG als Liebesgöttin Hathor eine angenehme Leistung zeigt. Hathor ist nämlich eine der interessantesten Figuren in Gods Of Egypt, da sie sich oft wie ein Fähnchen im Wind dreht und sich so als reinrassige Opportunistin präsentiert, doch auch insgeheim zu Horus und Bek hilft. Man will doch nicht das schöne Happy End und die Möglichkeit eines Sequels ruinieren. RUFUS SEWELL ist leider, wie schon viel zu oft, als Bösewicht Urshu zu sehen und das auch souverän, doch mit der Zeit nutzt sich das Schema ab. Er wäre nett so einen guten Mimen doch auch einmal in einer anderen Rolle zu erleben. ABBEY LEE und EMMA BOOTH werden jedoch in Gods Of Egypt gnadenlos verheizt und sind nach nur wenigen Szenen schon wieder weg vom Fenster und GORAN D. KLEUT ist als Anubis gänzlich hinter einer (zugegeben) äußerst gelungenen CGI-Maske verborgen.

 

Gods Of Egypt 07Fazit: Wie man sich an dieser Stelle denken kann, ist Gods Of Egypt ein recht oberflächliches Abenteuer, bei dem mehr Schein als Sein an der Tagesordnung ist. Mit einem bombastischen CGI-Gerüst lässt ALEX PROYAS nämlich nicht wirklich das alte Ägypten aufleben, sondern viel eher eine traumhaft schöne sowie umfangreich Fantasy-Welt, mit der er eine typische Blockbuster-Geschichte erzählt, was auch größtenteils gelingt. Es gibt zwar weder viel noch zündenden Humor, doch dafür überzeugen die umfassenden sowie tricktechnisch überwältigenden Actionszenen in einem soliden 3D.
Auf der anderen Seite führt uns Gods Of Egypt wieder überdeutlich die typischen Blockbuster-Schwächen vor Augen, die dafür sorgen, dass solche Großproduktionen in den letzten 10 Jahren immer öfter floppen. Dazu gehören größtenteils lustlose Schauspieler in einer durchgehend rassistischen Besetzung, eine Geschichte ohne jeden Tiefgang und die brutale Arroganz von Hollywood, dass man mit Effekten, großen Namen und einer PG13 jede Menge Geld machen kann. Doch dafür müsste man erst einmal lernen, dass man die Erwartungshaltung der Zuschauer auch erfüllen muss, sich bei einem Titel wie Gods Of Egypt auch an der ägyptische Götterwelt orientiert anstatt dem Publikum ein äußerst verzerrtes Bild zu präsentieren, wobei man sich auch noch an dem Konsolenkracher God Of War vergreift, was aber inhaltlich und atmosphärisch um Lichtjahre besser umgesetzt ist.
Im Endeffekt hängt es davon ab, was man sich von Gods Of Egypt erwartet. Wer auf einen völlig hirnlosen Popcorn-Film sehen möchte und atemberaubende Effekte genießen will, der ist hier genau richtig. Wer es allerdings nur ein wenig anspruchsvoller liebt, der sollte hier besser wegsehen. Wir vergeben 5 von 10 Punkten