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Suicide Squad (Kinofassung)

Suicide Squad - Poster 02Regie: DAVID AYER
Drehbuch: DAVID AYER
Medium: Kino
Spielzeit: 126 Minuten
FSK: ab 16 Jahren
Start: 18. August 2016

„Vergesst nicht: wir sind hier die Bösen!“


Die Suicide Squad ist ein ganz perfider Kreis von unfreiwilligen Helden im Universum der DC Comics, denn es handelt sich allesamt um Bösewichte aus verschiedenen Comicserien des Verlages - die Meisten allerdings von Batman - die von der Regierung dazu gezwungen werden selbstmörderische Missionen zu erledigen. Eben Suicide-Missions. Das klingt auf das erste Hören hin recht trashig und das ist es auch wenig, aber keinesfalls neu. Erschien die erste Version der Suicide Squad doch schon 1959 und später noch einmal 1987, aber so richtig zünden wollte die Suicide Squad erst mit der neuen Comicreihe von JOHN OSTRANDER ab dem Jahr 2005. Nun ist die Suicide Squad eine eigene und sehr erfolgreiche Marke, die mit dem gleichnamigen Kinofilm ihren eigenen Live-Actionfilm bekommen hat.
Suicide Squad 01DAVID AYER (Training Day, Fury, Sabotage)  hat das Drehbuch verfasst und übernahm auch die Regie, wobei AYER einen extrem beachtlichen Cast dirigieren konnte. Allen voran JARED LETO (Alexander, Panic Room, The Outsider) in der Rolle des Jokers, der sich regelrecht um die Rolle gerissen hat. Ihm zur Seite steht MARGOT ROBBIE (Whiskey Tango Foxtrott, Z For Zachariah, The Legend Of Tarzan) als Harley Quinn und WILL SMITH (I Am Legend, I, Robot, Independence Day) übernahm die dritte Hauptrolle als Deadshot. Die weiteren unfreiwilligen Helden der Suicide Squad sind JAI COURTNEY (Terminator Genisys, Spartacus, Stirb Langsam 5) als Captain Boomerang, ADEWALE AKINNUOYE-AGBAJE (Lost, Faster, Shootout) als Killer Croc, CARA DELEVIGNE (Pan, Valerian) als Enchantress, ADAM BEACH (Windtalkers) ist Slipknot, KAREN FUKUHARA wird in ihrer ersten Rolle als Katana zu sehen sein, JOEL KINNAMAN (RoboCop, Run All Night, Kind 44) spielt Rick Flag und zu guter Letzt wird JAY HERNANDEZ (The Expanse) als Diablo zu sehen sein. In weiteren Rollen sind auch VIOLA DAVIS (How To Get Away With Murder, Prisoners), COMMON (Wanted, American Gangster, Hell On Wheels) und SCOTT EASTWOOD (Diablo, Fury, Snowden), IKE BARINHOLTZ (The Mindy Project) zu sehen. Und nicht zu vergessen - weil sich die Suicide Squad mit Batman v Superman überlappt - BEN AFFLECK (The Town, Dogma, Argo) auch noch mal kurz als Batman.
Schon am 5. August 2016 kam die Suicide Squad in den USA in die Kinos und sicherte sich sogleich die #1 der Kinocharts! Nach nur wenigen Wochen steht die Comicverfilmung nun schon bei sagenhaften 635 Millionen Dollar auf internationaler Ebene – und dabei startet die Suicide Squad weltweit nun erst richtig! Denn in Deutschland ist der Streifen auch erst seit wenigen Tagen im Kino zu sehen und erfreut auch hierzulande zahllose Besucher. Doch die Freude ist getrübt, da die Kritiken im Querschnitt negativ ausgefallen sind und einige Fans mit dem Ergebnis nicht so ganz zufrieden sein konnten. In den folgenden Zeilen haben wir uns die Suicide Squad nun einmal genauer angesehen und zeigen euch, woran es dem Film trotz seines Box Office Erfolges mangelt.

Suicide Squad - Promo 03Die Auseinandersetzung zwischen Batman und Superman hat die ganze Welt in Atem versetzt und zahllose Menschen das Leben gekostet. Batman war schon immer komplexer Charakter und auf Superman kann man seit der Schlacht auch nicht mehr zählen. Die US-Regierung sucht darum immer nach neuen Wegen sich Vorteile im Kampf gegen diese sogenannten Metawesen zu verschaffen, doch kein Plan ist so riskant und gefährlich, wie der von Geheimdienstchefin Amanda Waller. Sie plant Feuer mit Feuer zu bekämpfen und will gefangene, gemeingefährliche Metawesen und Superschurken gegen andere Metawesen und übermenschliche Unholde einsetzen. Unter der Führung des Elitesoldaten Rick Flag und einer Minibombe im Genick hat sie es nun geschafft Kontrolle über einige von den Schlimmsten der Schlimmen zu bekommen. Allen voran Deadshot, der als eine Art Teamleader fungieren soll. Gar nicht so leicht, wenn man so eine gewaltgeile Braut wie Harley Quinn, den monströsen Killer Croc, den pazifistischen Diablo, die rücksichtslose Katana, den unkooperativen Skipknot und den durchgeknallten Bankräuber Captain Boomerang im Team hat. Doch die größten Probleme macht die mystische Kreatur Enchantress, die im Körper der Archäologin June Moone gefangen ist und sagenhafte Kräfte besitzt. Genau das macht sie so gefährlich wie wertvoll. Genau das weiß Amanda Waller auch und hält sie deswegen von den anderen Mitgliedern ihrer „Spezialeinheit“ geheim. Doch die alte Maya-Göttin ist nicht so kooperativ, wie Amanda Waller glaubt, und arbeitet insgeheim an einem fatalen Racheplan, der die gesamte Menschheit auslöschen soll. Ehe sich die vorher so selbstsicheren Behörden versehen, stehen sie vor dem Abgrund und ihre einzige Chance auf Rettung sind nun sieben gewalttätige Soziopathen und Psychopathen, die sich selbst einen Dreck um Menschenleben scheren.
Suicide Squad - Banner 02Wie man es von der Suicide Squad erwarten konnte, erwartet den Zuschauer ausufernde Actionszenen, viel Witz und bombastische Special Effects. Kurzum: großes, dickes Blockbuster-Kino . . . leider viel zu groß, für die Kinoleinwand.
Suicide Squad 02Die Suicide Squad ist nämlich ein dermaßen chaotischer Film, dass eine nachvollziehbare Handlung oder eine solide Atmosphäre kaum präsent sind. Ohne jeglichen Aufbau wirft uns DAVID AYER gleich hinein ins Geschehen und damit in den Knast, wo er uns gleich einmal seine (Anti)helden mal mit längeren, mal mit kürzeren Montagen um die Ohren knallt. Quasi als ob er uns noch einmal genau erklären wollte, mit welchen Figuren wir es zu tun haben. Dummer Weise handelt es ich bei sämtlichen Charakteren um beliebte Comicfiguren, über die sogar schon lose Fans gut Bescheid wissen. Mal abgesehen davon, dass dieses Schnitt- und Szenengewitter zwar recht liebevoll und detailreich inszeniert worden ist – inklusive einem ganz hervorragenden Soundtrack (!!!) – doch für die narrative Qualität ist dieses chaotische Intro schon fast fatal, weil nun jeder Ansatz zu einer flüssigen Erzählung im Keim erstickt wird. Stattdessen müssen sich die Fans mit dem Auseinandersetzen, was sie schon wissen. Zum Beispiel, dass Deadshot der gefährlichste Scharfschütze des Planeten ist, Killer Croc ein Menschenfleisch fressendes Monster und Harley Quinn die durchgeknallte Freundin des Jokers und Captain Boomerang ein raubeiniger und doch irgendwie sympathischer Bankräuber. Irrsinniger Weise erfährt man aber über die unbekannteren Figuren wie Slipknot oder Katana nur sehr wenig. Auf eine Einleitung von Slipknot wird gar vollständig verzichtet und Katana taucht einfach mal so in einem Helikopter auf, wo es simpel heißt, sie käme zu spät zum Einsatz. Einfach, schnell, aber eben nicht originell oder atmosphärisch. Lediglich Diablo bildet hier eine Ausnahme, da er eine Schlüsselfunktion im (angeblich vorhandenen) Plot von Suicide Squad einnimmt.
Suicide Squad 08Immerhin, und das muss man den Filmemachern und den Schauspielern wirklich zugestehen, haben sie unsere geliebten Unholde fast perfekt getroffen. Also das heißt, soweit wir es in der Kinofassung zu sehen bekommen. Harley Quinn ist eine verrückte Psychopathin, die so umwerfend attraktiv wie völlig durch den Wind geschossen ist. Sexy, total abgedreht und niemals um einen Mord verlegen. Noch irrer ist hier nur der Joker mit seiner Geltungssucht, dem ganzen Glam und seiner immensen Launenhaftigkeit. Nope, freche Sprüche verteilt dieser Joker nicht, stattdessen strahlt er den puren Wahnsinn aus und präsentiert sich selten gefährlich und blutrünstig. Diablo ist sichtlich zwischen seinen Aggressionen und seinem Pazifismus hin- und hergerissen, Killer Croc ist so wortkarg wie bissig und Katana steht ständig Strom und wartet nur darauf, den nächsten Unhold zu zerhacken. Über Slipknot können wir uns jedoch kein Bild machen, da man seinen Auftritt nicht mal als Randfigur werten kann! Auch Deadshot ist leider nicht so gut getroffen, wie es möglich gewesen wäre. Die Rahmenbedingungen als Söldner und bezahlter Todesbote stimmen zwar, doch dieser Deadshot ist eben nicht steif, korrekt und kühl, sondern hip, frech und etwas zu kommunikativ. Außer der Zuneigung zwischen Harley Quinn und Deadshot wäre bei diesem Charakter also wesentlich mehr Nähe zum Comic möglich gewesen und auch über Enchantress erfahren wir nicht allzu viel, aber es reicht, damit wir sie als Figur mit Funktion in Suicide Squad erkennen können. Anders als zum Beispiel mit Slipknot oder dem Charakter von SCOTT EASTWOOD, der im Film nicht einmal namentlich genannt wird.
Suicide Squad 18Nachdem wir also festhalten müssen, dass Suicide Squad im Umgang mit seinen Charakteren kaum die Kurve kriegt, schafft es DAVID AYER zumindest mit seinen Actionszenen für gute Popcorn-Unterhaltung zu sorgen. Mit einem immensen Aufgebot an Special Effects zerstören die Filmemacher genüsslich Gotham City auf einem sehr hohen Niveau, was sich über die ganze zweite Hälfte des Films zieht. Da werden die Helikopter abgeschossen und prallen mit voller Wucht auf die Straßen und es gibt rasante Shootouts. Zu den Highlights zählen an dieser Stelle die völlige Zerstörung einer U-Bahnstation und der finale Kampf der Suicide Squad gegen Enchantress und ihre Handlanger. Als Handlanger wiederum dienen irgendwelche merkwürdigen Zombie-Gestalten, die sie mit ihrer Magie erschaffen hat. Die Dinger sehen ziemlich knubbelig aus, beinahe niedlich gar, sind aber seltsamer Weise mit Maschinengewehren und Messern bewaffnet und verhalten sich wie eine professionelle Armee. Warum? Wieso? Das wird in uns in der Kinofassung zwar nicht erklärt, aber dafür gibt es immer wieder derbe Konfrontationen zwischen der Suicide Squad und den Knubbelviechern. Gedreht wurde aber laut Regisseur DAVID AYER gleich auf PG13-Niveau, um den Erwartungen des Studios gerecht zu werden. So zerfallen die Biester gleich zu Staub und kommen damit einem jüngeren Publikum entgegen. Dennoch finden sich hier und da doch etwaige Gewaltzensuren. Der Tod von Slipknot war vermutlich schon um Einiges expliziter, als wir nun in der Kinofassung sehen bekamen und das Gleiche gilt womöglich auch für die humanen Opfer von Deadshot, Killer Croc, Harley Quinn und des Jokers, die in Flashbacks reihenweise umgelegt werden. Nicht zuletzt sprach JARED LETO bei seinen jüngsten Interviews darin, dass seine Szenen teilweise mit einem R-Rating oder gar einem Rated X belegt hätten werden müssen. Dummer Weise gibt es hier den Joker aber kaum zu sehen imd somit auch nur einen geringen Teil seiner Brutalität. Wir werden also auf eine längere Fassung warten müssen, um zu sehen, wie der Batman dem Joker alle Zähne ausschlägt. Eine erweiterte Fassung ist jedoch (noch) nicht angekündigt.
Suicide Squad 10Wie man sieht, kann Suicide Squad also tatsächlich unterhalten, wenn man sich auf das schon überraschend niedrige Popcorn-Niveau einlässt, was sich gänzlich auf die Präsenz der beliebten Charaktere und den Actionszenen verlässt. Ganz unterhaltsam und rasant, doch für einen so arg gehypten Blockbuster doch zu wenig – und genau deswegen kommen an dieser Stelle die Easter Eggs ins Spiel! DAVID AYER und seine Filmemacher sind unbestritten Comicfans und genau deswegen strotz Suicide Squad nur so vor verstecken Reminiszenzen und Querverweisen, die über den ganzen Film verteilt sind. Manchmal offensichtlich, manchmal dezent versteckt. In einer schrägen Montage tanzen Harley Quinn und der Joker in ihren klassischen Comic-Outfits von Anfang der 1990er und wenig später, als Harley ein Schaufenster einschlägt, um ein Halskette zu klauen, kann man im Hintergrund riesengroß das Smiley-Symbol der Watchmen erkennen. Davor gibt es aber noch einen Mini-Auftritt von Flash, den man bislang gar nicht mit diesem Kinofilm in Verbindung bringen konnte. Im Laufe des Blockbusters wird klar, dass Captain Boomerang ziemlich viel Wert auf sein Plüsch-Einhorn Pinky legt. Es handelt sich um das gleiche Stofftier, was Deadpool für seine sexuellen Vorlieben zweckentfremdet. Am Ende der Suicide Squad begeben sich die Mitglieder auf einen Drink in ein Hochhaus; nämlich in das „John F. Ostrander Federal Building“. JOHN OSTRANDER war eben jener Autor, der den SKWAD-Comics Mitte der 2000er zu ihrem Durchbruch verhalf.
Suicide Squad - Banner 01Suicide Squad 11Wie man nun also schon erahnen kann, so besitzt Suicide Squad so etwas wie eine Handlung gar nicht! Hier in diesem Film werden nämlich lediglich die Charaktere unnötig nochmal eingeführt und im Handumdrehen losgeschickt das Problem um Enchantress und ihren Racheplan zu lösen. Jedoch kann man das in einem einzigen größeren Angriff zusammenfassen, was im Vergleich mit allen anderen großen Comicverfilmungen schon einen neuen Tiefpunkt im Storytelling darstellt. Um wohl noch etwas Finesse zuzulassen, springt DAVID AYER darum in der Zeitlinie vor und zurück, zeigt uns die Vergangenheit, zeigt uns die Gegenwart und jagt von einer Location zur Nächsten. Deswegen fühlt sich Suicide Squad besonders am Anfang noch ungeheuer holprig an und wird erst ab der zweiten Stunde flüssiger, bleibt narrativ jedoch stets heillos überfordert. Dramaturgisch am Arsch; sozusagen. In seiner Erzählung bewahrheiten sich also alle schlechten Meinungen über den Film: man spürt auch als Laie extrem deutlich, dass hier in gefühlt jeder zweiten Szene geschnitten und gekürzt wurde, damit man Suicide Squad auf exakte zwei Stunden Spielzeit kommt. Da kommen schon mal stark gekantete Szenenwechsel vor, abrupt abgebrochene Dialoge und selbstverständlich ziemlich herbe Logiklöcher. Wie zum Beispiel wie Boomerang sich plötzlich ein Bier in die Hand zaubert oder wie Harley Quinn mit einem Aufzug offenbar langsamer in den 10. Stock fährt, als die gesamte Suicide Squad die Treppe raufrennen kann. Warum arbeiten im Hauptquartier von Amanda Waller lauter FBI-Agenten ohne Sicherheitsfreigabe, die sie deswegen auch kaltblütig hinrichten muss? Und in der Kinofassung wird es leider in keinster Weise ersichtlich, warum Enchantress ihren destruktiven Racheplan ausgerechnet jetzt umsetzt, pünktlich zur Gründung der Suicide Squad.
Suicide Squad 20DAVID AYER selbst spricht von circa sechs bis sieben Schnittfassungen. Darunter eine chronologische Version, die jedoch „zu verwirrend“ für das Testpublikum gewesen sei. AYER behauptete, das Publikum hätte sich nicht entscheiden können, welchem Charakter man nun folgen sollte. Dabei liegt der Verdacht doch viel näher, dass diese Version dem Studio schlicht viel zu lang für`s Kino war. Wir wissen ja: bei Blockbustern sind zwei Stunden der höchste Standard und Alles, was drüber geht, wird rücksichtlos gecuttet. Bei der jetzigen Kinofassung der Suicide Squad fehlen also neben zahllosen Dialogfetzen und Gewaltschnitten natürlich auch ganze Szenenblöcke. In der Kinofassung verschwindet der Joker in einer Explosion, doch sogar die Trailer verraten uns, dass er diese Explosion überlebt hat. Von Joker-Darsteller JARED LETO wissen wir, dass sich nicht einmal ein Drittel seiner gedrehten Szenen in Kinofassung wiederfindet. Von der Vorgeschichte in Arkham Asylum sind hier nur noch einige Fetzen übrig geblieben und das schließt die kranke Beziehung zwischen ihm und Harley Quinn leider ebenso mit ein, wie einen spektakulären Ausbruch und den Mord an Jason Todd, was einen starke Verbindung zu den Comics abgegeben hätte. Ebenso fielen die kompletten Hintergrundgeschichten von Slipknot und Killer Croc der Schere zum Opfer. In der jetzigen Kinofassung hält sich das Monster in einem sentimentalen Moment für „wunderschön“, was aber in diesem Augenblick nur lächerlich unkomisch rüberkommt. In der vollständigen Fassung steckt dahinter doch ein viel tieferer Sinn, der durch die ständige Ausgrenzung Killer Crocs zustande kommt. Enchantress zeigt jedem einzelnen Mitglied der Suicide Squad seinen absoluten Wunschtraum, nicht jedoch von Captain Boomerang, was wohl aber DAVID AYER selbst so entschieden hat. Es wäre jetzt spekulativ die exakte Dauer einer vollständigen Version anzugeben, doch rechnet man alle Hinweise zusammen – von den Gewaltzensuren, den Anschlusslücken, den abgebrochenen Dialogen und natürlich die Aussagen von DAVID AYER und JARED LETO – dann fehlt in der Kinofassung von Suicide Squad mindestens eine Stunde Material gegenüber der ursprünglichen Fassung!
Suicide Squad 25Man sollte sich aber an dieser Stelle keine allzu vielen Sorgen machen, denn das Geschäft mit längeren Fassungen ist durch Batman V Superman wieder im Kommen und momentanen Zahlen vom Box Office und den Verkäufen der härteren Ultimate Edition lügen nicht. Und das ist in diesem Falle gleich doppelt wichtig. Einerseits lässt sich die Suicide Squad direkt hinter Batman V Superman einordnen, den er anfangs auch zitiert. Das bedeutet aber auch, dass dieser Film teilweise ganz schön spoilert, falls man den Kampf zwischen Superman und Batman noch nicht gesehen hat. Andererseits ist die Veröffentlichung einer längeren Fassung der Suicide Squad darum nur noch eine reine Formsache. Spätestens in den nächsten Jahren, wenn der geplante Solo-Film um Harley Quinn in die Kinos kommen soll, kann man ernsthaft mit einer Extended Version, einem Director`s Cut oder einer Ultimate Edition rechnen. Der Film soll bislang übrigens als direktes Sequel zur Suicide Squad funktionieren, obwohl derzeit auch ein eigener Film über den Joker im Gespräch ist; wenn er hier nun gar so wenig zu sehen ist. Aber natürlich wird auch Suicide Squad fortgesetzt, doch allen voran rückt hier gegen Ende schon die nächste Comicverfilmung in den Mittelpunkt. Wie für jede große Leinwand-Umsetzung in den 2000ern üblich, sollte man den Abspann über sich ergehen lassen, um noch einen Ausblick auf den nächsten Streifen zu bekommen. Die Suicide Squad verweist jedoch gleich wenig originell auf die Justice League und führt uns noch einmal vor Augen, warum Batman V Superman bei Fans und Kritikern nicht so gut ankam.

Suicide Squad 19Die Dreharbeiten zu dem Blockbuster fanden natürlich weitgehend in großen Studios statt. Genauer gesagt in den Pinewood Studios in Kanada und den Paramount Studios in Los Angeles. Da lag es natürlich nahe für die Aussenaufnahmen auf die nahegelegenen Städte auszuweichen. Besonders Ontario in Kanada musste für etliche Aufnahmen herhalten, doch das Team erlaubte sich auch zwei Ausflüge nach Chicago und Puerto Viejo de Sarapiqui in Costa Rica. Man sieht, die Suicide Squad ist also internationaler als man zunächst annehmen möchte, was man dem Film natürlich in keinster Weise ansieht. Erstens ist der narrative Stil von DAVID AYER dermaßen chaotisch, dass man kaum noch auf die Umgebung achten kann, Zweitens besitzt Suicide Squad natürlich perfekte Special Effects auf einem ungeheuer hohen Niveau. Natürlich zu gefühlten 99,9% aus dem Computer, doch dafür weitestgehend spektakulär und präzise programmiert. Nur in manchen Szenen mit Diablo wirkt das Feuer noch künstlich. Worte zum Kamerastil des Films verkneife ich mir jetzt, da die Kinofassung trotz ihrer zwei Stunden einfach viel zu „zerschnitten“ ist und dass Suicide Squad deswegen chaotisch wirkt, muss hier nicht wiederholt werden. Ein ganz ganz dickes Plus kann die Comicverfilmung jedoch wegen des Soundtracks einheimsen. Zu hören gibt es zwar ein oder zwei neue Songs, womit man der typischen Blockbuster-Werbestrategie entgegenkommt, dominant herauszuhören sind aber vor allem bekannte Klassiker aus allen Genres, die auch stets sehr passend in den Film eingefügt werden. „Bohemian Rhapsody“ von QUEEN und „Ballroom Blitz“ von SWEET, die schon die Trailer aufpeppten, sind auch im Kinofilm zu hören; neben „Without Me“ von EMINEM, CCRs „Fortunate Son“, „House Of The Rising Sun“ von den ANIMALS, „Seven Nation Army“ von den WHITE STRIPES, „Dirty Deeds Done Dirt Cheap“ von ACDC und – mein ganz persönliches Highlight – „Paranoid“ von BLACK SABBATH!
Suicide Squad - Banner 03Suicide Squad 15Die Haupt- und Nebenrollen in Suicide Squad konnte man im Vornherein nicht ganz klar festlegen, was wohl auch auf das Schnittgewitter der Kinofassung zurückzuführen ist. JARED LETO war in der Rolle des Jokers nämlich als Hauptdarsteller ausgewiesen, ist jedoch de facto nicht einmal 10 Minuten zu sehen, was angesichts der Leistung von LETO schon herbe schmerzt. Da gestikuliert der Edelmime wild mit den Händen herum, lacht unverhohlen bösartig, schneidet Grimassen und strahlt mit seinem Blick doch den puren Wahnsinn aus. Die wilden Tattoos harmonieren perfekt auf der bleichen Haut und verleihen dem Joker ein jugendlicheres, energischeres Bild als in den vorherigen Verfilmungen. Dieser Joker von JARED LETO ist als anders, jedoch nicht minder ausgeflippt und brandgefährlich. In der Kinofassung liegt der Fokus aber viel mehr auf Harley Quinn, die von MARGOT ROBBIE gespielt wird und uns eine selten grandiose Umsetzung der berühmten Comicfigur liefert. Da bewegt grinst sie dermaßen naiv, dass man dahinter allerhöchstens ein kleines Mädchen vermutet, und redet dennoch so viel bösartigen Schwachsinn, dass man den Einfluss des Jokers deutlich herauslesen kann. Ganz nebenbei bewegt sich MARGOT ROBBIE so oft es geht dermaßen hirnlos lasziv, dass man auch noch etwas für`s Auge hat. WILL SMITHs Besetzung als Deadshot wurde schon von Beginn an leicht kritisiert, wogegen er aber auch vor der Kamera Nichts unternimmt, um die Kritik zu entkräften. Deadshot ist an sich nämlich ein bitter-ernster Charakter völlig ohne jeden Humor, der auf absolute Korrektheit und seinen eigenen, verzerrten Ehrenkodex setzt. In Suicide Squad haben wir stattdessen `ne typische WILL SMITH Figur vor uns, mal depressiv und melancholisch und trotzdem immer einen flotten Spruch auf den Lippen, womit SMITH mit seinem Deadshot ordentlich danebenschießt. Überraschender Weise ist in Suicide Squad Rick Flag von entscheidender Bedeutung; hier dargestellt von JOEL KINNAMAN. Flag ist an sich ein harter Söldner, der die ganzen Irren im Auftrag von Amanda Waller unter Kontrolle halten soll. Das erfordert an dieser Stelle eine kompromisslose Kaltblütigkeit, nur leider agiert KINNAMAN in manchen Szenen etwas zu soft und persönlich beeinflusst. Hätte man also auch besser umsetzen können. Zum Glück ist Rick Flag auch eine weniger bekannte Figur in den Comics, was dem Schweden entgegenkommt.
Suicide Squad 23Im Kinofilm existiert sogar eine Liebesbeziehung zwischen ihm und der Archäologin June Moone, deren Körper dummerweise die Behausung von Enchantress ist; beide dargestellt von CARA DELEVIGNE, der man ihre Herkunft aus der Modelszene deutlich ansieht. Sobald DELEVIGNE in extrovertierten Klamotten zu sehen ist und sich selbst präsentieren kann, wirkt ihr Spiel gar nicht so übel, wird aber kritisch sobald sentimentalere Momente gefordert sind. Dabei gibt sie sich durchaus Mühe, doch es fehlt einfach etwas an Erfahrung. Ein der größten Profiteure von Suicide Squad ist ganz klar JAY HERNANDEZ in der Rolle von Diablo. HERNANDEZ gehörte bislang zu den weniger beachteten Schauspielern in Hollywood, doch mit seiner melancholisch-passiven Darstellung des Diablo, der von Gewissenbissen geplagt wird, kann er sich eindeutig für größere Rollen empfehlen. JAI COURTNEY ist jedoch durch seine Actionrollen schon längst einem internationalen Publikum bekannt und kann sich mit Captain Boomerang auch mal von einer verrückteren Seite präsentieren und trifft mit seinem dauerhaft zwielichtigen genau den Charakter der Comics, obwohl es möglich gewesen wäre, ihn optisch besser zu transportieren. Das kann man allerdings von ADEWALE AKINNUOYE-AGBAJE  nicht behaupten, der in der Haut von Killer Croc steckt. Und zwar wortwörtlich, denn der Brite trägt eine sogenannte animatronische Maske über dem Kopf, die ihm lediglich seine Augen überlässt. Ab dem Hals wurde Bodypaint verwendet, wodurch sich AGBAJE  allein auf seine physische Präsenz, den behäbigen Gang und seine tiefe Stimmer verlassen muss. Das Ergebnis kann sich aber sehen lassen. VIOLA DAVIS spielt mit der Geheimdienstchefin Amanda Waller den wohl kaltblütigsten und fiesesten Charakter in Suicide Squad, die auch nicht die geringsten Hemmungen besitzt Unschuldige zu opfern. Mit einem eiskalten Blick, steifer Mine und stets korrekter Haltung gehört sie auch zu den am besten getroffenen Figuren aus den Comics.
Suicide Squad 22Geht es rein nach Screentime, kommen an dieser Stelle jedoch nicht ADAM BEACH als Slipknot oder KAREN FUKUHARA als Katana, sondern IKE BARINHOLTZ in der Rolle des Gefängniswärters Griggs, der besonders am Anfang des Films als Verbindung zwischen den Unholden verwendet wird. Er bewacht Harley Quinn, Deadshot, Diablo und Killer Croc und geht dabei so sadistisch wie brutal zu werke. Dank des zynischen Humors in diesen Szenen wird ARINHOLTZ als sympathischer Schläger zu einem eindeutigen Pluspunkt für Suicide Squad, der hoffentlich auch im zweiten Teil mit dabei sein wird. KAREN FUKUHARA taucht als Katana nach einem Drittel des Films einfach mal so auf und wird Teil der Suicide Squad, kämpft ein wenig mit, trinkt ein wenig mit und spricht ansonsten kaum ein Wort. Deswegen ist dieser Charakter in der Verfilmung auch kaum die Rede wert. Fast schlimmer noch als Slipknot, der nach wenigen Dialogzeilen schon das Zeitliche segnen muss. Das kommt schon überraschend und leider schon etwas flach daher. Unsere Hoffnungen richten sich hier also auch wieder auf eine längere Fassung, in der wohl auch SCOTT EASTWOOD und COMMON besser zur Geltung kommen werden. EASTWOOD kann man aufgrund der wenigen Sekunden in der Kinofassung noch als Kamerad von Rick Flag identifizieren, besitzt hier aber weder einen Namen noch eine Sprechrolle. COMMON besitzt eine überaus geringe Sprechrolle als Monster T, wo er übrigens kaum wiederzuerkennen ist. Auch seine Screentime besitzt lediglich den Umfang eines Cameos, allerdings habe ich Zweifel, dass sein Auftritt auch in einer längeren Fassung des Films großzügiger ausfallen wird. Wie angekündigt ist auch BEN AFFLECK noch einmal als Batman zu sehen, jedoch ebenso wiederum nur in Flashbacks präsent. Im Grunde dient sein Auftauchen nur dem Verbinden der Suicide Squad zwischen Batman V Superman und Justice League. Aber es ist auch ein gelungenes Goodie an die Fans, da der Batman hier zwar kurz, aber auch berechtigt erscheinen darf.

Suicide Squad 16Fazit: Die Comicverfilmung Suicide Squad gehörte zu den meisterwartesten Filmen des Jahres, kann aber den Erwartungen nur unzureichend gerecht werden. Trotz der hervorragenden Special Effects, der rasanten Inszenierung, den solide umgesetzten Actionszenen, liebevollen Easter Eggs und des fabelhaften Soundtracks machen sich hier extrem viele und teilweise auch äußerst umfangreiche Schnitte bemerkbar, die sich deutlich auf die Atmosphäre und die Handlung des Films auswirken. Suicide Squad strotzt nämlich nur so vor Lücken in der Story sowie einigen herbe Logiklöcher, obwohl sich die Handlung des Streifens in gerade mal einem Satz zusammenfassen lässt. Noch dazu hätte man einige der Charaktere in dieser Comicverfilmung etwas besser treffen können und wiederum andere Figuren kommen viel zu kurz! Andererseits kommen so manche der Darsteller nur umso besser heraus, wie zum Beispiel MARGOT ROBBIE als Harley Quinn und JARED LETO als Joker, von dem es leider nicht allzu viel zu sehen gibt, da die meisten seiner Szenen für die Kinofassung geschnitten werden mussten. Und diese Schnitte sind es auch, weshalb Suicide Squad leider lange nicht so gut und mitreißend geworden ist, wie er hätte werden können. Eine längere Fassung sollte darum schon in absehbarer Zeit zumindest angekündigt werden, denn die Kinofassung erreicht von uns gerade einmal 5 von 10 Punkten.
Suicide Squad ist also insgesamt recht unterhaltsam, aber nicht darüber hinaus. Jedenfalls bleibt für mich Deadpool immer noch der Film des Jahres 2016.