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Assassin's Creed

Assasssins Creed - Poster 02Regie: JUSTIN KURZEL
Drehbuch: MICHAEL LESSLIE, ADAM COOPER & BILL COLLAGE
Medium: Kino
Spielzeit: 116 Minuten
FSK: ab 16 Jahren
Start: 27. Dezember 2016

 

„Nichts ist wahr, Alles ist erlaubt."

 

Videospielverfilmungen haben im Kino einen schweren Stand, der allerdings auch nicht von ungefähr kommt. Fast alle Exemplare werden von Publikum, Kritikern und ganz besonders den Gamern als so ziemlich beschissen empfunden und wir hatte ja erst im letzten Jahr mit Hitman: Agent 47 wieder ein ganz besonders abschreckendes Beispiel. Doch solange es da draußen Videospiele gibt, die sich in zweistelliger Millionenhöhe verkaufen, solange wird es auch diverse Studios und Produzenten geben, die in deren Verfilmungen den großen Profit wittern – so, wie nun bei Assassin's Creed.

 

SPOILER:


Assasssins Creed 09Die Assassin's Creed Reihe von UbiSoft gehört seit fast 10 Jahren zu den erfolgreichsten Franchises in der gesamten Branche. Inzwischen zählt die Reihe insgesamt über 17 Spiele auf verschiedenen Plattformen und verkauften sich weit über 80 Millionen Mal! Diesen Erfolg verdanken die Assassinen aber nicht nur den innovativen Spielen an, wo man gleich mehrere Zeitalter hindurch erleben kann, sondern auch der raffinierten Werbekampagne von UbiSoft, die ihre Franchise auch mit den obligatorischen Comics und Romanen unterstützten. Schon früh aber reifte in dem eigentlich französischen Unternehmen der Gedanke, ihre Franchise auch mit filmischen Produkten zu unterstützen. So kam es schon 2009 zu einer Zusammenarbeit mit Sony Pictures, mit denen die drei Kurzfilme Assassin's Creed: Lineage gedreht worden sind, die dem hochgelobten Assassin's Creed II von 2009 vorangingen. Diese Maßnahme fand auch durchaus Anklang in der Gamer-Szene, wodurch nun in den nächsten zwei Jahren jeweils der AAA-Titel durch einen Kurzfilm eingeläutet wurde; wenn auch mit geringerem Aufwand. War Lineage noch als Realfilm gedreht worden, so glich Assassin's Creed: Ascendance weit mehr einem aufwendigen Motion-Comic und Embers führte im Jahr 2011 die Geschichte von Ezio Auditore zu einem animierten Ende. Nichts desto trotz hatten diverse Studios schon nach Assassin's Creed II Interesse an dem Videospiel gezeigt und unterbreiteten UbiSoft etliche Angebote, die aber ausnahmslos alle abgeschmettert wurden.
Assasssins Creed 03UbiSoft gehörte nämlich schon damals zu den größten Entwicklern und Publishern in der Videospielszene und als solche kannten sie natürlich die bisherigen Ergebnisse einer Videospielverfilmung. Die Franzosen befürchteten völlig zu Recht, sie könnten ihr wertvollstes Produkt durch eine mangelhafte Umsetzung ruinieren und sträubten sich deswegen gegen jede Offerte – bis es Ende 2011 doch noch zu einem überraschenden Deal mit Sony Pictures kam; jenem Studio, mit dem man schon für Lineage zusammengearbeitet hatte. Insofern keine Überraschung, doch die Bedingungen des Deals sorgten damals für hohe Wellen und wurden in Gamer-Kreisen gar als revolutionär beschrieben. UbiSoft konnte sich beinahe die völlige künstlerische Kontrolle über das Projekt sichern, bekam die Übersicht über das Drehbuch, konnte über das Personal des Films frei entscheiden und auch den Stil des Films bestimmen. Im Gegenzug verpflichtete sich das inzwischen multinationale Unternehmen einen großen Teil des nahezu 200 Millionen Dollar teuren Budgets zu tragen und die Werbekampagne mit zu finanzieren sowie durch eigene Produkte zu subventionieren. Gleichzeitig stellten UbiSoft auch Designer und Historiker zu Verfügung, die inzwischen zum festen Personal von UbiSoft gehören. Auf diese Weise sollte sichergestellt werden, dass sich die kommende Videospielverfilmung exakt an die Vorlage hält. Eine solche Abmachung hatte es bis dato nicht gegeben und stellt immer noch eine extreme Ausnahme dar, geben doch große Filmstudios nicht so einfach die Kontrolle über ein Blockbuster-Projekt ab.
Assasssins Creed 04Zu aller erst wurde im Sommer 2012 der deutsch-Ire MICHAEL FASSBENDER (Alien: Covenant, 300, The Snowman) bestätigt und damit hatte man nicht nur einen Hauptdarsteller, sondern auch gleich einen der Produzenten gefunden. Über FASSBENDER wurde auch rasch der junge Theater-Autor MICHAEL LESSLIE als Drehbuchautor verpflichtet, den der Schauspieler bei der Arbeit an seiner eigenproduzierten Verfilmung von MacBeth kennengelernt hatte. Gerade MacBeth sollte sich für FASSBENDER als äußerst fruchtbar erweisen, denn er war von der Zusammenarbeit mit Regisseur JUSTIN KURZEL (Snowtown, Our Kind Of Traitor) und seiner Hauptdarstellerin MARION COTILLARD (La Vie En Rose, Contagion, The Dark Knight Rises) dermaßen begeistert, dass er strebte die Beiden auch für Assassin's Creed zu gewinnen. Schließlich wurden sowohl COTILLARD als auch KURZEL nur wenig später für den Blockbuster bestätigt. Zwischenzeitlich wurden ADAM COOPER & BILL COLLAGE (Exodus, The Transporter Refueled) als weitere Autoren zu dem Projekt hinzugezogen und der Cast mit ARIANE LABED (Before Midnight, The Lobster), JEREMY IRONS (Lolita, Stirb Langsam 3, High Rise), BRENDAN GLEESON (Lake Placid, Eliza Graves, Am Sonntag bist du tot), CHARLOTTE RAMPLING (Die Verdammten, Melancholia, Swimming Pool) und MICHAEL KENNETH WILLIAMS (Boardwalk Empire) komplettiert. Ohne weitere Schwierigkeiten konnte man im Herbst 2015 in die Dreharbeiten gehen, die trotz gelegentlicher Photos und Hinweise weitgehend abgeschottet umgesetzt wurden.

 

Lange Zeit wurde gemunkelt, dass der Kinofilm zur Videospiel-Reihe schlicht eine Nacherzählung darstellen würde, obwohl keine Informationen nach außen drangen. Tatsächlich wurde erst zum ersten Trailer bekannt gegeben, dass Assassin's Creed nun eine neue Geschichte erzählen würde. Damit hatte man sich auch schon die ersten Lorbeeren verdient, die wie der Film nun beim Publikum abschneidet, wird sich international ab dem 27. Dezember 2016 zeigen. Somit nur etwa zwei Wochen nach dem hochgelobten Star Wars: Rogue One; also einem sehr großen Konkurrenten, der seine Gewinnphase sicherlich noch in die Weihnachtsfeiertage mitnehmen wird. Ein sehr mutiges Datum also, aber es zeugt auch von einem immensen Selbstvertrauen von Sony Pictures und UbiSoft und dem festen Glauben an ihre Arbeit. Doch ist diese Zuversicht auch berechtigt?

 

Seit Jahrhunderten tobt schon ein verborgener Krieg zwischen den Templern und den Assassinen. Die Templer wollen Ordnung und Frieden schaffen, doch dafür streben sie Kontrolle an und die Eliminierung des freien Willens. Der Schlüssel dazu ist ein Artefakt, der sogenannte Apfel von Eden, der von einer uralten Zivilisation zurückgelassen wurde und große Macht birgt. Doch die Assassinen versteckten den Apfel und verteidigen verbissen jede Spur, die zu ihm führt.
Assasssins Creed 06Nun aber haben die Templer eine neue Technologie entwickelt, die ihre Suche endlich zu einem Ende führen wird. Mit dem Animus ist es möglich, die Erinnerungen eines Menschen direkt aus der DNA herauslesen, auch wenn diese Person schon seit Jahrhunderten tot ist – sofern man einen lebendigen Nachfahren hat. Das ehrgeizige Projekt wird von der Wissenschaftlerin Sofia und ihrem ehrgeizigen Vater Joseph Rikkin geleitet, die mit dem Schwerverbrecher Callum Lnych ein neues Testobjekt gefunden haben. Im Namen ihrer Scheinfirma Abstergo bestechen die das Gefängnis und retten Callum vor dem Tod durch die Giftspritze. Callum zeigt sich zwar widerwillig, betritt aber letztendlich den Animus und erlebt so hautnah die Erinnerungen seines Vorfahren Aguilar, der im 15. Jahrhundert in Spanien gegen die Assassinen kämpfte. Stück für Stück nähert sich Callum der Wahrheit über den Apfel von Eden, seinem alten Orden und den Templern. Er verschmilzt regelrecht mit Aguilar und kann sich tatsächlich einige seiner Fähigkeiten aneignen. Doch der Animus birgt auch Gefahren. Schon rasch beginnt ihn Aguilar in Visionen zu verfolgen und zu attackieren, wodurch Callum Probleme bekommt Wahn und Wirklichkeit auseinanderzuhalten. Seine Probleme werden nur umso größer, als er von Joseph gegen den Willen Sofia sogar noch unter Druck gesetzt und manipuliert wird, um endlich zu erfahren, was mit dem Apfel von Eden geschehen ist. Gleichzeitig können sich seine Mitgefangenen überhaupt nicht sicher, ob sie Callum trauen können oder nicht – denn es handelt es sich dabei allesamt um ausgebildete, kaltblütige Assassinen, die jedes Leben opfern würden, um ihr Geheimnis zu bewahren.

Assasssins Creed - Banner 02

Die Einigung zwischen UbiSoft und Sony Pictures für die Verfilmung wurde zwar heftig diskutiert, doch zumindest auf künstlerischer Seite hat sich dieses Experiment vollends gelohnt. Denn mit einer bisher nie gekannten Treue zur Vorlage erweist sich Assassin's Creed als bislang beste Videospielverfilmung überhaupt!
Assasssins Creed 13Assassin's Creed ist nämlich tatsächlich in der Lage die Videospiele in erfrischender Art und Weise wieder zu spiegeln, ohne die Franchise auch nur in irgendeiner Art und Weise zu verzerren. Das gelingt der Verfilmung auf zweierlei Arten und in erster Linie natürlich durch etliche Wiedererkennungsmomente aus der Videospielreihe. Wie sein Vorbild Desmond hat sich Callum schon vor langer Zeit dem Orden entsagt und steigt darum nur widerwillig in den Animus. Das berühmte Luftattentat ist nur einer von zahllosen Augenblicken, den wir Gamer nun in vollster Kinopracht erleben können und darf selbstverständlich ebenso wenig fehlen, wie die beliebten Handklingen, der nicht weniger berühmte Todessprung und natürlich der Falke, der sowohl Aguilar als auch Callum begleitet. Was diesen Kinofilm aber so erfrischend macht, auch wenn man die Spiele kennt, ist der verschobene Fokus und der Blick auf manche Aspekte, die man in den Videospielen bisher vernachlässigt hatte. Unter anderem erlauben sich die Filmemacher die Assassinen nun weitgehend als aggressive Gewalttäter und kaltblütige Killer dastehen zu lassen, während man die Ziele des Templer-Ordens durchaus als ehrenhaft und lohnenswert interpretieren kann. Die Bösewichte sind hier also wesentlich sympathischer als die Testobjekte, die man aus aller Welt entführt hat. Und diese Vorgehensweise hat durchaus seine Berechtigung, besteht die dominante Strategie der Assassinen doch in erster Linie aus Gewalt, Mord und verheerenden Überraschungsangriffen. Die klare Abgrenzung zwischen Gut und Böse wird somit verwischt und es wird dem Zuschauer überlassen die Argumente beider Seiten gegeneinander aufzuwiegen. Gleichwohl haben die Autoren im Kinofilm nun den Fokus der Handlung verlagert. Befand man sich in den Videospielen zu einem überbordenden Anteil in der Vergangenheit, also in der jeweiligen Epoche des Vorfahren, so spielen sich circa zwei Drittel von Assassin's Creed in der Gegenwart ab und nur lediglich ein Drittel in der Vergangenheit. Und in genau diesen Szenen geht es eben nicht um die Handlung, sondern ausschließlich um richtig fetzige, ausladende und hervorragend gefilmte Actionszenen, bei denen es so fetzig wie akrobatisch zur Sache geht.
Assasssins Creed 02Und dort kann Assassin's Creed abermals mit einer unglaublichen Treue zur Vorlage auftrumpfen. Aguilar und seine Assassinen klettern was das Zeug hält, sie jagen leichtfüßig über Dächer, kürzen ihre Fluchtwege durch Wohnungen und Lagerhäuser ab, halten mehrere Feinde in Schach und stürzen sich furchtlos in den nächsten Abgrund. Dynamik und Akrobatik zählen hierbei viel mehr als physische Kraft und Brutalität, was der Film auf atemberaubende Art und Weise zur Schau stellt. Übrigens wurde der Todessprung nicht einfach mit dem Computer getrickst, sondern von Stuntman DAMIAN WALTERS wirklich ausgeführt – und zwar mit einer rekordverdächtigen Höhe von 38 Metern, was sich seit 35 Jahren kein Stuntman mehr getraut hat. Spieler der Reihe wissen natürlich, dass es in den Zweikämpfen teilweise recht hart zur Sache geht. Gerade der alternde Ezio hatte so einige gar sadistisch-brutale Momente zu bieten, um die sich auch die Verfilmung bemüht. Es gibt einige brutale Attacken zu sehen sowie etliche derbe Zweikämpfe und zahllose Filmtote, die auf jede erdenkliche Art und Weise gekillt werden. Natürlich mit der Handklinge, aber auch mit Äxten, Schwertern, Messern – Wurfmessern (!) – Pfeilen, bloßen Fäusten oder auch schon mal die eine oder andere Granate. Nur Blut fließt dabei eher wenig, da Assassin's Creed gleich mit einer PG-13 gedreht worden ist. Zwar reizt KURZEL die Freigabe in einigen Momenten aus, wenn er Scheiterhaufen aus der Entfernung zeigt, manchmal half er aber auch mit raffinierten Kamerawinkeln aus und in manchen Szenen sind einige Zooms erkennbar, damit man nicht mehr direkt sehen kann, was sich auf der Leinwand abspielt. Gelegentlich sind dennoch Gewaltschnitte erkennbar, aber Alles in Allem orientiert sich der Gewaltgrad aber an den Videospielen und erweist sich darum als zufriedenstellend. In Deutschland wurde Assassin's Creed mit einer FSK 16 bewertet und das kann man auch so stehen lassen, wobei mit einem blauen Auge auch noch eine FSK 12 möglich gewesen wäre.

 

Assasssins Creed 08Erfreulicher Weise gibt sich auch die Handlung Mühe sich an den Videospiel zu orientieren, ohne die altbekannten Motive der Vorlage endlos wiederzukäuen. Assassin's Creed bietet also neben der Action auch einen soliden Plot, der sich weniger auf den epischen Kampf zwischen Templern und Assassinen konzentriert, als vielmehr der angespannten Situation von Callum Lynch, dem von allen Seiten Gefahr droht. Als zum Tode verurteilter Mörder hatte er den Tod bereits vor Augen und bekam von den Templern alias Abstergo eine zweite Chance, was durchaus sein Gewissen affektiert, der Zuschauer aber nicht sicher sein kann, auf wessen Seite er letztendlich steht. Genau das macht ihn auch für seine Mitgefangenen zu einem Risiko, das sie nicht einschätzen können und er deswegen unweigerlich auf der Abschussliste landet. Noch dazu hat jedes der Testobjekte – genau wie in den Videospielen – die unliebsame Erfahrung gemacht, dass die erlebten Erinnerungen auch auf ihre Gegenwart abfärben; sie die Fähigkeiten und das Wissen ihrer Ahnen erlernen können. Sicker-Effekt wird das genannt, doch der Kinofilm Assassin's Creed geht sogar noch einen Schritt weiter und entwirft den Bleeding-Effekt, bei dem die Charaktere eines Probanden und seines Vorahnen miteinander verschmelzen. So, dass man als Zuschauer nicht wissen kann, mit welcher Person man es nun zu tun hat. Da spielt es eigentlich kaum noch eine Rolle, dass die Templer im Hintergrund rücksichtslos mit allen Tricks arbeiten und ihren Opfern Güte vorgaukeln, wo eigentlich keine Gnade zu finden ist. Ganz nebenbei tauchen sogar noch weitere Fragen auf, wie etwa, ob Joseph Rikkin seiner Tochter wirklich die volle Wahrheit über den Tod ihrer Mutter erzählt hat und welche Geheimnisse noch in der Assassinen-DNA verborgen sind. Man sieht: der Kinofilm kann auch abseits der Spiele viel Unterhaltung und Action bieten, ohne die Franchise zu wiederholen.
Assasssins Creed 11So superb die Umsetzung von Assassin's Creed auch auf der großen Leinwand gelungen ist, aber ohne Schwächen und Ungereimtheiten kommt dieser Film leider nicht aus. Unter anderem gibt es eine gravierende Diskrepanz in der Zeitlinie. So wirkt der Animus im Film viel primitiver als das Pendant in den Videospielen. Musste sich Desmond lediglich auf den Animus legen, so wird Callum hier an einen aufwendigen Kran geschnallt, seine Wirbelsäule muss direkt mit dem Animus verbunden sein und seine Erinnerungen werden mittels Laser-Projektion in den Raum geworfen, damit man sie überhaupt aufzeichnen kann. Wie kann der Animus im Jahr 2016 also viel grobschlächtiger und aufwendiger sein als das Gerät im Jahr 2012, wann das erste Spiel angesiedelt war? Außerdem leidet Assassin's Creed unter einigen Anschlusslücken, was man an abrupt abgebrochenen Dialogen oder schon allzu auffälligen Schnitten erkennen kann. Diese Lücken halten sich zwar die längste Zeit in Grenzen, weil man der Handlung dennoch nahtlos folgen kann, werden aber ausgerechnet in den letzten 20 bis 30 Minuten zu einem lästigen Problem. De Facto war Assassin's Creed in der ersten Schnittfassung auch 140 Minuten lang, wurde aber für die Kinofassung auf 116 Minuten gekürzt. Viele der geschnittenen Szenen gingen wohl direkt dem Finale voran, doch man munkelt auch von einem Cameo Ezio Auditores; dem nach wie vor beliebtesten Assassinen der Videospiele. Man hat einfach das unbequeme Gefühl, dass man die Geschichte von Callum mit Gewalt in einen Film pressen wollte, wobei das Finale dieses ersten Kinofilms so herrlich als Ausgangslage eines zweiten Kinofilms dienen könnte. Ich für meinen Teil hätte mir hier noch etwas mehr Atmosphäre und Charakterstärke gewünscht, anstatt den Film nach dem eigentlichen Zenit noch unnötig in die Länge zu ziehen. Man möchte doch bei einer solchen Franchise ohnehin eine Fortsetzung anschließen, was hier ebenfalls deutlich spürbar wird. Da muss man doch nicht dermaßen auf ein ungehobeltes Ende beharren, wenn man sowieso ein Sequel plant. Ironischer Weise wurde exakt dieses Verhalten auch bei den jüngsten Teilen der Videospielreihe zu einem lästigen Ärgernis.

Assasssins Creed - Banner 01

Assasssins Creed 12Wenn man sich Assassin's Creed so im Kino ansieht bekommt man das Gefühl, als wäre hier Etliches vor dem Green-Screen gedreht worden, aber tatsächlich wurde die meisten Szenen an realen Schauplätzen eingefangen und auch ganz direkt in Andalusien, im Süden Spaniens, wo auch der Kinofilm teilweise angesiedelt ist. Der Großteil der Außenaufnahmen fand allerdings auf Malta statt, wo man sogar im bekannten Fort Minella drehen durfte. Für die Studioaufnahmen blieb man letztendlich auch in Europa und verließ sich auf die altehrwürdigen Pinewood Studios in England, wo das aufwendige designte Hauptquartier von Abstergo nachgebildet wurde. Hier merkt man also abermals die routinierte Handschrift von UbiSoft und ihren Designern und davon kann dieser Kinofilm nur profitieren. Ein weiterer wichtiger Aspekt auf technischer Seite sind natürlich die hervorragenden Special Effects, mit denen man vor allem die alten Städte Spaniens wieder zum Leben erwecken wollte; ein ganz gewichtiges Merkmal der Videospielreihe! Immerhin ist dies den Filmemachern recht geglückt, denn einerseits gibt es nur relativ wenige Panoramaszenen zu sehen und außerdem orientierte man sich bei der Produktion am ersten Assassin's Creed aus dem Jahr 2007, wo man in den Rückblenden einen anderen Farbfilter verwendete. Sind die Farben in der Gegenwart vor allem blass, blau und kalt, so sind sie in den Rückblenden sonnig warm und leicht rötlich. Selbstredend ist Assassin's Creed natürlich hervorragend geschnitten und setzt eher auf rasante Szenenwechsel, damit KURZEL kleinere Kürzungen sowie Zensurschnitte leichter kaschieren konnte. Auch der Soundtrack ist leider nicht so ganz perfekt, werden wir doch am Anfang mit einem lästig-poppigen Song von THE BLACK ANGELS empfangen, bevor endlich die durchentwegt düstere Score von JED KURZEL einsetzt; übrigens der jüngere Bruder von JUSTIN KURZEL und eigentlich professioneller Blues Rocker bei seiner Band THE MESS HALL. Klingt zwar nun etwas nach Vetternwirtschaft, aber diese Kombination aus düster-elektronischen Sounds und Orchester kommt durchaus an.

 

Assasssins Creed 07Also dafür, dass MICHAEL FASSBENDER nach eigener Aussage keine Ahnung von der Videospielreihe hatte, bevor er ein Angebot von UbiSoft erhielt, spielt der Edelmime dermaßen natürlich und überzeugend, dass man von dieser Ahnungslosigkeit ja gleich so gar Nichts spürt. FASSBENDER grinst undurchsichtig in die Kamera, kämpft verstört gegen das Trugbild seines Vorfahren Aguilar und offenbart in manchen Szenen doch sehr glaubwürdig die Angst und das Entsetzen vor dem eigenen Tod. An diesem Punkt gibt es wohl kaum einen Darsteller, der besser zur Franchise gepasst hätte. Immerhin führte der deutsch-Ire die meisten seiner Kampfszenen auch selbst aus, womit er sich mit ARIANE LABED auf Augenhöhe befindet. Die Griechin spielt Aguilars Gefährtin Maria im 15. Jahrhundert und weil diese Szenen besonders Action-intensiv sind, kann man hier auch kaum große Schauspielkunst erwarten. Stattdessen musste LABED fleißig trainieren, um auch mit dem soliden Kostüm kämpfen zu können. Auch in der Gegenwart gibt es mit MARION COTILLARD eine überaus hübsche Frau zu bestaunen, die hier als Wissenschaftlerin Sofia Rikkin zu sehen ist. Dabei bleibt die Französin aber weitgehend freundlich, zuversichtlich, gutmütig und versucht ihre Testobjekte vor Schaden zu beschützen. COTILLARD bleibt dabei wie FASSBENDER in jeder einzelnen Szene souverän; selbst wenn sie neben solchen Kalibern wie JEREMY IRONS steht. Er spielt Sofias Vater Joseph, der von seinem Templer-Orden unter Druck gesetzt wird die Arbeiten im Animus um jeden Preis voranzutreiben. IRONS spielt dabei stets ernsthaft, besorgt und dennoch mit dem festen Glauben das Richtige zu tun. . . . Obwohl die Anordnungen seines Charakters sowie die manipulative Strategie eine andere Sprache sprechen.
Assasssins Creed 16In den Nebenrollen tut sich vor allem die ehrwürdige CHARLOTTE RAMPLING als oberste Meisterin des Templer-Ordens hervor, die sich zwar stets höflich und sachlich gibt, aber auch ebenso kaltblütig mit Menschenleben umgeht. Unter anderem droht sie Joseph rücksichtslos mit der Streichung sämtlicher Subventionen und dem Beseitigen aller Spuren, die zu ihren eigentlichen Absichten führen könnten. Und BRENDAN GLEESON . . . tja . . . der Schotte gehört simpel auch zur ersten Liga britischer Schauspieler und besitzt an sich schon eine irre Ausstrahlung, mit der er Callums Vater Joseph verkörpert; einen gebrochenen Mann, der seine Fehler auf seinen Sohn vererbt und darunter leidet. Nur wirkt das mit dem sympathischen Bierbauch alles andere als glaubwürdig. Ein schlankerer, drahtigerer Schauspieler hätte hier die bessere Wahl dargestellt. Viel passender und an dieser Stelle sogar wesentlich interessanter ist an dieser Stelle MICHAEL KENNETH WILLIAMS als Moussa. Moussa ist so etwas wie der Anführer der Gefangenen und es gibt ganz deutliche Anzeichen, dass er bereits fest mit seinem Vorfahren verschmolzen ist. Unter anderem nennt er sich selbst Baptiste und verhält sich äußerst zwielichtig, auf dass man als Zuschauer recht verunsichert ist, mit wem wir es hier zu tun haben. Moussa wird aber erst dann richtig interessant, wenn man den Vita-Ableger Assassin's Creed III: Liberation gezockt hat. Genau dort kommt nämlich ein gewisser Baptiste vor und der war als Voodoo-Priester in Louisiana des 18. Jahrhunderts selbst recht opportunistisch und versuchte als ehemaliger Assassine seinen eigenen Orden aufzubauen, mit dem er gleichermaßen alte Freunde und alte Feinde gnadenlos töten wollte.

 

Assasssins Creed 05Fazit: Dass sich ein Videospielhersteller die volle Kontrolle über eine Verfilmung sichert, das gab es bisher noch nie und wurde zu recht heiß diskutiert, erweist sich aber nun als die vollkommen richtige Entscheidung! Aufgrund der unglaublichen Dichte zu den Spielen – sowohl im Look, der Atmosphäre als auch in der Handlung – einem erheblichen Aufwand und fabelhaften Schauspielern darf sich Assassin's Creed als eine der besten, wenn nicht sogar die beste Videospielverfilmung werten lassen. Anstatt dem Wiederkauen altbekannter Motive konzentrieren sich JUSTIN KURZEL und MICHAEL FASSBENDER auf die von allen Seiten tödliche Lage ihrer Hauptfigur und verändern deswegen ganz bewusst die Wahrnehmung von Templern und Assassinen, was quasi den Zuschauer in die Pflicht nimmt sich für eine Seite zu entscheiden. Gleichzeitig liefert uns die Verfilmung zahllose Momente und Zitate aus den Videospielen, die mit etlichen Querverweisen verbunden sind, was mit prächtigen, real gefilmten Actionszenen untermalt wird. Assassin's Creed kann der bekannten Franchise also tatsächlich neue Aspekte abgewinnen, ohne die Vorlage zu verraten und ihre Spieler vor dem Kopf zu stoßen. Ganz im Gegenteil! Gamer, Zocker und Assassinen da draußen haben mit Assassin's Creed also genau den Kinofilm bekommen, den sie als zahlende Fans auch verdient haben und Cineasten dürfen sich auf einen Blockbuster der unterhaltsameren Sorte freuen. Lediglich die Anschlusslücken, die besonders gegen Ende hin recht lästig werden, und der teilweise zu poppige Soundtrack stören das Gesamtbild ein wenig, weshalb wir hier durchaus noch 8 von 10 Punkten vergeben können.