MtP Artcorner


SOD1Kalender
Die Kalender und Artbooks von MtP Art (Mario Heyer),
die in Zusammenarbeit mit dem CALVENDO Verlag
entstanden,
sind im Handel erschienen. Nähere infos bekommt ihr
hier -->

Follow us on Facebook

Ghost In The Shell (2017)

GITS US - Poster 01Regie: RUPERT SANDERS
Drehbuch: JAMIE MOSS, basierend auf dem Manga von MASAMUNE SHIROW
Medium: Kino
Spielzeit: 106 Minuten
FSK: ab 16 Jahren
Start: 30. März 2017

 

„Jeder um mich herum fühlt sich mit Etwas verbunden. Etwas, was ich nicht bin.“

 

Ghost In The Shell aus dem Jahr 1995 gehört zu den berühmtesten und bekannten Animes, die dieses Medium überhaupt zu bieten hat! Nur dem Klassiker Akira wird eine vergleichbare Bedeutung für das Anime-Universum und gleichzeitig sogar für den Zeichentrickfilm allgemein eingeräumt. MAMORU OSHII verfilmte damals ein Skript von KAZUNORI ITÔ basierend auf dem gleichnamigen Manga von MASAMUNE SHIROW, denen es sogar gelang die Vorlage zu übertreffen! Wie wir alle wissen, sind solche Klassiker derzeit bei amerikanischen Produzenten extrem beliebt, die eine Live-Action draus basteln wollen. Braucht zwar absolut kein Schwein und immerhin beißen sich Warner Bros. an Akira schon seit einem Jahrzehnt die Zähne aus. Doch auch die Realverfilmung von Ghost In The Shell ließ wegen zahlreicher Rückschläge und dreier Neuanfänge fast eine Dekade auf sich warten.

 

SPOILER:


GITS US - 02Letztendlich konnte das Projekt auch nur Dank eines Zusammenschlusses verschiedener Studios auf die Beine gestellt werden. Das sind in erster Linie die zwei Großstudios Paramount Pictures und DreamWorks, der Firma von STEVEN SPIELBERG, sowie die kleineren Arad Productions, Steven Paul Production, Grovenor Park Productions, Seaside Entertainment und Relaince Entertainment. Viele Köche verderben zwar bekanntlich den Brei, doch auf diese Weise konnte man sich die immensen Produktionskosten von 153 Millionen Dollar unter sich aufteilen und einen namhaftes Team zusammentrommeln. Aber schon alleine beim Abnehmen des Drehbuches kam es zu etlichen Scherereien, was grundsätzlich nie ein gutes Zeichen ist. Zunächst sollte der ebenso unerfahrene wie unbekannte JAMIE MOSS (Street Kings) das Drehbuch verfassen, der eine erste Version noch 2008 vorlegte. Doch diese Version traf überhaupt nicht die Vorstellungen der Produzenten, weshalb MOSS rücksichtslos von LAETA KALOGRIDIS (Avatar, Shutter Island, Terminator: Genisys) ersetzt wurde. Aber auch deren Fassung stieß nicht gerade auf Gegenliebe, weshalb man WILLIAM WHEELER (The Hoax, The Reluctant Fundamentalist) zu Rate zog. WHEELER aber gefiel die Version von JAMIE MOSS und baute seine Ideen in das vorhandene Skript ein, schrieb jedoch auch einige Stellen um. Aber – wir ahnen es schon – nicht einmal diese dritte Version schien den Produzenten zu gefallen und orderten JONATHAN HERMAN (Straight Outta Compton) an eine vierte Fassung zu schreiben. Doch – Surprise, Surprise – natürlich wurde diese Version wieder nicht abgenommen. Noch während man sich aber nach einem weiteren Drehbuchautor umsah, konnte man mit RUPERT SANDERS (Snow White And The Huntsman) den Regisseur des Films vorweisen.


GITS US - 22SANDERS, zwar noch relativ jung, ließ sich aber vertraglich ein Mitspracherecht am Drehbuch zusichern und bat als erstes die Produzenten endlich mit dem endlosen Schreiben und Ablehen aufzuhören. Als Regisseur sollte er nämlich noch am Genauesten wissen, wie er welche Version am Besten umsetzen konnte. Er entschied sich daraufhin für die dritte Fassung von MOSS und WHEELER, womit sich wiederum die Produzenten nicht zufrieden geben wollten. Also einigte man sich darauf, dass EHREN KRUGER (Transformers 4, The Ring, Arlington Road) einen allerletzten Blick auf das Skript werfen sollte, wobei er nur einige marginale Änderungen vornahm und diese Version letztendlich abgenommen werden musste. So richtig zufrieden war zwar damit Niemand, aber nun konnte man endlich in den Dreh gehen. Den Cast hatte man ja schon Ende 2014 weitgehend komplett. Die Hauptrolle als Major Kusanagi übernahm SCARLETT JOHANSSON (Lucy, The Avengers, Die Insel). Weiterhin zu sehen sein werden TAKESHI KITANO (Hana-Bi, Battle Royal, Zatoichi, Sonatine) als Chief Aramaki, der Däne PILOU ASBÆK (A War, Lucy, 1864) als Batou und CHIN HAN (Marco Polo) als Togusa. In neuen Rollen zu sehen sein werden MICHAEL PITT (Bully, Boardwalk Empire, Silk) als Kuze, die Französin JULIETTE BINOCHE (Chocolat, Der englische Patient, Cosmopolis) als Doctor Ouelet und der Brite PETER FERDINANDO (Lost In London, Hyena, A Field In England) als zwielichtiger Konzernboss Cutter, den RUPERT SANDERS gleich von Snow White And The Huntsman mitnahm.


GITS US - 31Wenn man sich die Besetzung so ansieht, fallen besonders die vielen kaukasischen Akteure ins Gewicht, was in den USA und Europa zu schweren Vorwürfen führte. Da war von Rassismus und sogenanntem „Whitewashing“ die Rede. Also dem Anpassen an ein westliches Publikum mit westlichen Wertvorstellungen, was man aufgrund der bisherigen Erfahrungen mit US-Remakes jeglicher Art auch dringend in Betracht ziehen musste. Es kam zu regelrechten Protesten in der Fan-Base des Originals, doch ironischer Weise war ausgerechnet in Japan der Widerstand geringer als im internationalen Vergleich. Nicht umsonst heißt es sowohl im Manga als auch im Anime, dass Ethnie und Religion noch nicht vollständig ausgelöscht seien, wodurch die Charaktere auch verschiedensten Menschenrassen angehören könnten. Das bekräftige sogar noch einmal GITS-Regisseur MAMORU OSHII, indem er sich selbst für JOHANSSON stark machte. Mit einem Cyborg-Körper könne man Makoto Kusanagi jeglicher Ethnie zuweisen und er glaube, dass sich hinter den Gegnern politische Motive verbergen und dass künstlerischer Ausdruck frei von Politik sein sollte. . . . Tjoar . . . Das ist ein dieser Stelle ein recht weltoffener und humaner Gedanke. Und wir wissen ja, wie höflich Japaner allgemein sind. Aber die sorgsamen Fans auf internationaler Ebene gleich als Oppositionelle zu bezeichnen ist auch nicht gerade die feine japanische Art, während OSHII zuletzt mit der remasterten Version namens Ghost In The Shell 2.0 ebenfalls ordentlich danebengriff. Außerdem kann der Begriff „Whitewashing“ sehr wohl auch für eine gewisse Form der inhaltlichen und atmosphärischen Abänderung stehen, die man in Deutschland als „Amerikanisierung“ kennt, was besonders in den letzten Jahren zu immer größeren Flops geführt hat. Das war den amerikanischen Produzenten wohl bewusst, doch nachdem man für viel Geld die Rechte erworben hatte, war ein Rückzug keine Option.

 

Am 30. März 2017 startet Ghost In The Shell in den internationalen Kinos und das betrifft natürlich auch Deutschland, wo sich der Science-Fiction-Thriller mit der neuesten 3D-Technologie präsentieren will. Doch bei einer solch umfangreichen und teuren Produktion wollten die Produzenten kein Risiko eingehen und realisierten das Remake gleich mit einer PG-13-Freigabe, was die Möglichkeiten des Films schon von Beginn an stark einschränkt. Hatten die Skeptiker nun also doch recht, die gegen eine Amerikanisierung demonstriert hatten? Was aber die Studios und Produzenten jedoch immer verneint hatten. Doch lest nun selbst, wie sich die US-Version von Ghost In The Shell ansehen lässt . . .

 

GITS US - 04Im Jahr 2029 hat die technologische Vernetzung endgültig vom menschlichen Körper Besitz ergriffen. Implantate sind so alltäglich wie einfach zu haben. Schon für wenig Geld kann man sich elektronische Augen einsetzen lassen, schicke Leistungsprothesen maßschneidern lassen oder eine mechanische Leber leisten, während man mit Gehirnimplantaten quasi permanent mit der gesamten Welt voll vernetzt ist. Marktführer in dieser mechatronischen Branche ist Hanka Robotics unter der Aufsicht von Mr. Cutter, der nun ein neues Monopol auf dem militärischen Sektor erschaffen will. Das Werkzeug dazu soll ein Cyborg der neuesten Generation sein, der vollständig für militärische Zwecke konzipiert worden ist. Die Steuerung jedoch soll von einem menschlichen Gehirn ausgehen, was in den künstlichen Schädel eingepflanzt wird. Der perfekte Soldat; durch modernste Technik und Robotik nahezu unbesiegbar, aber gelenkt von einem menschlichen Verstand. Für Cutter stellt dieser Cyborg eine revolutionäre Waffe dar, für seine Chefingenieurin Dr. Ouelet die Zukunft der Menschheit. Da es sich aber um einen sehr drastischen Einschnitt handelt, setzen Hanka Robotics vollständig auf die Zusammenarbeit mit den Behörden, freiwilligen Spendern oder Unfallopfern – und just kommt ihnen das Schicksal entgegen. Das Flüchtlingsboot der jungen Migrantin Mira Killian sinkt im Hafen, ihre Eltern kommen ums Leben und auch ihr droht der Tod. Aber Hanka Robotics biedern sich den Behörden an, ihr mit dem Cyborg das Leben zu retten. Als Mira erwacht, erlebt sie einen Schock. Weil ihr aber durch den Unfall die meisten Erinnerungen fehlen, gewöhnt sie sich schnell an ihr neues Leben. Auch dank der aufopfernden Hilfe von Dr. Ouelet. Doch Cutter will Resultate sehen und beschafft ihr einen Posten bei Sektion 9.
GITS US - 11Sektion 9 ist eine spezielle Einheit der japanischen Polizei, die alle Verbrechen aufklären sollen, die mit dem Missbrauch von moderner Technologie zu tun haben. Chief Aramaki ist zwar streng, unterstützt aber seine Polizisten in jeglicher Hinsicht. Dank des politischen Drucks von Cutter ist Mira bereits nach einem Jahr zum Major aufgestiegen und bildet mit ihrem Partner Batou ein hervorragendes Team, wobei sie ihre Fähigkeiten immer stärker ausreizt. Doch ihr neuester Fall bringt nicht nur den Major, sondern auch die gesamte Sektion 9 an ihre Grenzen. Mira und Batou sollen ein Treffen zwischen Geschäftsleuten und Diplomaten überwachen, weil der Verdacht des Datenschmuggels und der Korruption besteht, was aber in einer Katastrophe endet. Die Service-Roboter drehen unvermittelt durch, Gangster stürmen den Saal und töten zahlreiche Teilnehmer. Mira und Batou greifen schnell und hart durch, was keiner der Gangster überlebt. Aus dem einfachen Korruptionsskandal ist eine komplexe Mordermittlung geworden, die Sektion 9 schon rasch auf die Spur eines unheimlichen Hackers namens Kuze führt. Kuze ist so rücksichtlos wie gewissenlos und er hat es offenbar auf ranghohe Wissenschaftler von Hanka Robotics abgesehen, was auch Mira direkt betrifft. Denn je energischer sie gegen Kuze ermittelt, desto stärker gerät sie ins Visier des genialen Hackers, der sie letztendlich zu seiner Zielscheibe macht. Doch Mira muss entsetzt feststellen, dass er nicht ihren Tod wünscht, sondern Erkenntnis über eine ganz unbequeme Wahrheit . . .

GITS US - Banner 02

Als eigenständiger Film oder von mir aus auch als eigene Geschichte im Universum von Ghost In The Shell hätte man dieses Machwerk noch mit einer knapp überdurchschnittlichen Wertung durchgehen lassen können. Aber nachdem sich DreamWorks direkt mit dem Original anlegen, indem sie die gleichen Charaktere in der gleichen Stadt mit einer ähnlichen und doch ziemlich flachen Geschichte konfrontieren, müssen sie sich einem direkten Vergleich stellen. Und seien wir ehrlich: sie haben`s verkackt!
GITS US - 08Zunächst fangen wir aber einmal mit der guten Nachricht an und beschäftigen uns mit der Welt, in der sich Ghost In The Shell bewegt, denn diese konnten DreamWorks und Co. immerhin verblüffend genau rekonstruieren. Die großen Außenaufnahmen fanden letztendlich auch in Hongkong und Shanghai statt, was mit moderner CGI-Technik fabelhaft aufgepimpt worden ist. Es gibt zahlreiche Straßen und Gassen vollgestopft mit neonfarbenen Werbebannern und Hologrammen, die sich in jeder Ecke penetrant anbiedern. Der Betondschungel wirkt sogar noch komplexer und undurchschaubarer als im Anime und doch erkennt man deutlich ebenso den Dreck und den Rost, der bereits unterschwellig zu gären beginnt. Gleichzeitig verheimlich auch dieser Ghost In The Shell nicht den immensen technischen Fortschritt mit zahlreichen Details, Schlagwörtern und Anekdoten. Nun wird zum Beispiel gezeigt, wie schnell sich mit gewissen Upgrades Sprachen in Sekundenschnelle lernen lassen. Darum redet Chief Aramaki selbstverständlich noch auf Japanisch und auf dem Markt hört man etwas Chinesisch, während die anderen Charaktere natürlich fließend Englisch bzw. Deutsch sprechen dürfen, ohne dass es dabei zu Verständigungsproblemen kommt. Es gibt zweckhafte Prothesen wohin man sieht, Implantate bei nahezu jeder einzelnen Figur und die Kommunikation zwischen zwei oder mehreren Charakteren kann natürlich ebenso quasi direkt vom Gehirn ausgehen. Der Wiedererkennungseffekt ist also alleine schon in der Umgebung, dem Look und dem Feeling verblüffend hoch – auch wenn er sonst überall fehlt!


GITS US - 14Denn wo das Original immens kritische Fragen zur immer perverser auftretenden Mensch-Maschine stellte und wo der Titel – Ghost In The Shell – auch noch tatsächlich einen Sinn und einen Wert hatte, da geht es in der US-Version nur darum, wie man den Major als Waffe im großen Stil einsetzen kann. Ihre Zeit bei Sektion 9, im Manga und Anime sind es mehrere Jahre, ist im neuen Kinofilm gerade mal auf einen 12 monatigen Testlauf begrenzt, der mit Verbrechensbekämpfung eigentlich Nichts am Hut hat! Sondern es geht rein darum, dass Hanka Robotics nun eben einen nagelneuen Cyborg entworfen haben, der auf seine Zweckmäßigkeit hin getestet wird. Dass es sich aber bei dem Major, der hier bewusst Killian heißt, eigentlich um einen Menschen bzw. um einen echten Ghost handelt, geht anscheinend nicht nur Hanka Robotics, sondern auch den Filmemachern am Arsch vorbei. Denn die Konstruktion und die einschlägige Konzeption des Majors ist das Einzige, was in diesem Film zu interessieren scheint. Darin inbegriffen ist die schon auffallende Identitätskrise von Mira, die uns Ghost In The Shell schon penetrant auf`s Auge drücken will. Warum wohl; fragen wir uns und kommen schon recht schnell zu der Antwort, dass genau die Herkunft des Majors das große Thema des Kinofilms ist. Dumm nur, dass sich Ghost In The Shell auf diese Weise als vollkommen stumpfsinniger Blockbuster entpuppt, der sein gesamtes Unterhaltungspotential auf dem Kultstatus des Originals aufbaut und dabei vollends versagt, weil er absolut keine Fragen mehr stellt, sondern eine völlig kritikfreie und überaus simple Geschichte erzählt.


GITS US - 32Im Original ging es noch darum, was einen Menschen zu einem Menschen macht und wie ein Lebewesen zu definieren ist. Dabei legten MASAMUNE SHIROW und MAMORU OSHII ein gewaltiges Konfliktpotential zwischen Biologie und Technologie frei. Geist und Charakter drohten zwischen realer Existenz und der vernetzen, digitalen Welt zerrieben zu werden. Im Original wurde dieses zwiespältige Verhältnis zwischen moderner Technologie und biologischer Existenz durch die drei Hauptcharaktere Major Makoto Kusanagi und ihren Kollegen Batou und Tugusa repräsentiert. Kusanagi`s Gehirn steckt, wie hier auch, in einem völlig künstlichen Körper und muss sich ständig fragen, was von ihrer Seele noch echt ist und was nicht; denn sie kann im Grunde nicht wissen, wie es sich anfühlt wirklich am Leben zu sein. Batou hingegen ist zwar noch ein echter Mann, ist sich aber der Vor- und Nachteile der modernen Technologie bewusst und achtet genau darauf, dass sämtliche seiner Implantate zu seinem Vorteil sind. Zu guter Letzt ist da noch Togusa, der beinahe jede Form von technologischer Verbesserung ablehnt und natürliches Leben in seiner reinsten Form am meisten schätzt. So viel zum Original. In der Live-Action aus den USA gibt es diese Konstellation natürlich nicht, denn dort ist Batou der Unterschied zwischen echt oder unecht größtenteils wurscht und Togusa wurde zu einer nichtssagenden Randfigur degradiert, die außer planlose Phrasen dreschen nicht den geringsten Wert besitzt! Auf dass man sich also vollends auf die flache Identitätskrise von Major Kusana. . . äh . . . Killian konzentrieren kann, die mit dem Original ebenfalls ja so gut wie gar Nix zu tun hat und noch dazu elendig abgenutzt und berechenbar erzählt ist. Anders ausgedrückt: Epic Fail!!!

GITS US - Banner 01

GITS US - 16Im neuen Ghost In Shell gibt es für die US-Produzenten also nur noch eine Sorge: nämlich, wie kann man Jemanden möglichst beeindruckend um die Ecke bringen. Natürlich mit so einem fett geilen fake-weiblichen Cyborg ohne Nippel, aber dafür mit Arschfalte und Hartplastik-Panzer. SCARLETT JOHANSSON ließ sich wegen der Casting-Debatte sogar dazu hinreißen und betonte, dass Abwechslung bzw. Vielfalt eine große Rolle in Hollywood spielen würden. Aber nach dieser miesen und überdeutlich amerikanisierten Vorstellungen ist dieser Kommentar eine reine Verarsche. Jene Skeptiker, die sich Sorgen um ein mögliches „Whitewashing“ gemacht hatten und deswegen von MAMORU OSHII als politische Gegner gescholten wurden, lagen mit ihrer Einschätzung aber völlig richtig! Der neue Ghost In The Shell ist nach außen hin zwar ein groß budgierter Blockbuster, aber im Inneren selbst eine ziemlich substanzlose Scheinwelt. So rücksichtlos ironisch sich das nun auch anhört, doch das Remake verkörpert ganz genau diese verlogene und künstliche Scheinwelt, die das Original vehement kritisierte. Brutal ausgedrückt: der neue Ghost In The Shell ist dermaßen hohl, dass er fast schon wieder raffiniert er rüberkommt, sobald man bestens mit Manga und dem Anime vertraut ist. Mehr Epic in einem Fail geht ja wohl kaum! Denn ich denke nicht, dass die US-Studios so weit gedacht haben, denn dafür ist der neue Ghost In Shell einfach zu stupide und zu berechenbar aufgebaut. Ironischer Weise – und ich meine das nun wirklich ernst (!) – gehört die Verpflichtung von SCARLETT JOHANSSON und MICHAEL PITT noch zu den besten Coups der Live-Action, weil hier die wirtschaftlichen Interessen von Hanka Robotics im Vordergrund stehen. Auch die Umbenennung von Makoto Kusanagi zu Mira Killian ergibt hier durchaus Sinn, weil dieser Namenswechsel zu einem Bestandteil der Handlung gemacht wurde.


GITS US - 24Doch der originale Ghost In The Shell hatte neben all der tiefen Philosophie und der intelligenten Konfrontation mit moderner Technik ja noch andere „klassischere Güter“ zu bieten: nämlich derbe Schauwerte in Sachen Sex und Gewalt, die im Anime aber durchaus ihren Sinn hatten. All das Blutvergießen und die nackte Haut dienten nämlich als sehr auffälliger Gegensatz zu der vernetzten, weitgehend digitalen Welt, um zu zeigen, dass sich die menschliche Sexualität weder auslöschen noch dominieren lässt, und dass der Tod von Nichts und Niemandem besiegen lässt; der endgültige Exitus unvermeidbar ist. Sex als Ursprung des Lebens und der Tod als das unweigerliche Ende des Lebens sind die zwei unerschütterlichen Instanzen, die sich also trotz aller Fortschritts nicht beherrschen lassen. Im Remake aber – wir ahnen es schon – sind solche intelligenten Überlegungen vollkommen irrelevant, weil es gleich mit einer PG-13 gedreht worden ist. Zunächst einmal werden hauptsächlich etwaige Roboter zerstört, die wenigen Schusswunden bei Menschen enden in einem dünnen Furzwind und SCARLETT JOHANSSON wurde lediglich in einen engen Anzug gesteckt, der auch nicht wirklich hauteng wirkt und darüber hinaus den Sexappeal von JOHANSSON vollständig auffrisst. Nippel sind nämlich grundsätzlich tabu, aber die  künstliche Arschfalte ist noch deutlich sichtbar. Widersinnig ohne Ende! Aber die FSK schafft es sogar noch einen Facepalm draufzusetzen, denn die Altersfreigabe ab 16 Jahren ist ein einziger beschissener, unkomischer Witz. Es wird genau ein einziges Mal zaghaft Blut angedeutet, der Bodycount ist enorm begrenzt und es gibt noch einmal wenig nackte Haut zu sehen, sondern gar keine! Also gibt es hier im Endeffekt zwei Möglichkeiten: entweder die FSK war mal wieder mit völliger Blindheit geschlagen oder der Verleih wollte Ghost In The Shell viel rauer darstellen, als er Wirklichkeit ist. Anders ausgedrückt: Epic Fail!!!


GITS US - 28Die Live-Action von Ghost In The Shell wird durch die PG-13 leider ganz erheblich ausgebremst, was sich hier als Realfilm gleich doppelt so schlimm auswirkt. In der fast schon totalitär vernetzten Welt des Manga und des Animes sind nämlich Sex und Tod die zwei fundamentalen Gegensätze zu der künstlichen Welt. Dieser Gegensatz war im Manga und Anime sehr wichtig; diente ja sogar dazu, die kritische Haltung von MASAMUNE SHIROW und MAMORU OSHII zu verdeutlichen. Aber weil genau diese zwei Instanzen fehlen, geht natürlich auch die intelligente Botschaft des Anime auf einen Schlag vollends verloren! Darum ist Ghost In The Shell schon einmal grundsätzlich schlimm, aber doppelt schlimm wird es dann, wenn die US-Produzenten versuchen diese Lücke mit den handelsüblichen und ewig ausgelutschten Blockbuster-Zutaten zu füllen. Nämlich seichten Humor, etwas Action und ein Hauch Mystery, der sich um die Herkunft von Major Killian dreht. Den Humor kann man ja gerade noch so durchgehen lassen, weil er zwar nicht im Anime vorkommt, aber im Manga sehr wohl präsent ist. Doch schon mit den Actionszenen wird es kritisch, denn diese orientieren sich meist am Anime und genau deswegen weiß man ja auch schon, was in den nächsten Sekunden geschehen wird. Aber nicht einmal in den neu entworfenen Szenen kann so etwas wie Nervenkitzel oder Aufregung aufkeimen, weil der Streifen mit seiner PG-13 erstens viel zu lasch und zweitens viel zu steril gefilmt worden ist. Aber auch sonst verhält sich dieser Ghost In The Shell ziemlich berechenbar, was sich in der mehr schlecht als halbwegs recht umgesetzten Herkunftsgeschichte des Majors äußert. Natürlich wissen wir, was diese Halluzinationen zu bedeuten haben. Natürlich wird schon in den ersten 30 Minuten klar gemacht, was Cutter für ein mieser Konzernboss ist. Natürlich hat Dr. Ouelet nicht ohne Grund ein permanent schlechtes Gewissen und spätestens wenn ein sichtlich kaukasischer MICHAEL PITT auftaucht und sich mit japanischen Namen Kuze anreden lässt, wissen wir, wie der Hase läuft. Anders ausgedrückt: Epic Fail!!!

GITS US - Banner 03

GITS US - 15Nachdem also Ghost In The Shell weder mit einer vernünftigen Story oder etwas Erwachsenen-Würze punkten kann, sind es einzig und allein die zahlreichen Zitate, die Fan des Animes als Anreiz dienen können; auch wenn sie konfus in die eigene, flache Story eingebunden worden sind. Dafür hat RUPERT SANDERS ja auch teilweise ganze Szenenblöcke inklusive den Dialogen 1:1 kopiert. Allen voran aus dem ersten Animationsfilm aus dem Jahr 1995, aber teilweise auch aus dem Manga und Ghost In The Shell 2: Innocence. Da fällt uns gleich zu Beginn schon die Firma Hanka auf, die zwar im Manga etwas anders heißt, aber nicht weniger zwielichtige Machenschaften verfolgt. Dann ist da natürlich der an sich geniale Beginn des Animes, der die Konstruktion bzw. die „Geburt“ des Majors darstellt, und natürlich der weltberühmte Sprung in die Tiefe, bei dem der Major ihre Tarntechnik aktiviert. Selbstverständlich dürfen die Programmierer-Prothesen ebenso wenig fehlen wie die trockene Gerichtsmedizinerin Dr. Dahlin mit ihrer visuellen Erweiterung. Sehr schön gemacht ist auch der Kampf im Kanal sowie Kusanagis Tauchgang im Meer und dem anschließenden Gespräch mit Batou. Eben dieser Batou darf hier auch streunende Hunde füttern und adoptiert letztendlich ebenso einen reinrassigen Basset Hound. Der Bösewicht des Films mit dem Namen Kuze ist zwar ein eigenständiger Charakter, trägt aber deutlich sichtbare Elemente des Puppetmasters und des Laughing Man in sich. Unter anderem betreibt Kuze rücksichtloses Ghost-Hacking, um seine Ziele zu eliminieren, nutzt aber auch kriminellen Netzwerke, hinterlässt ominöse Warnungen an seine Verfolger und trägt eine Kutte, um seine wahre Gestalt zu verbergen. Sogar das Finale des US-Films kann nicht für sich alleine stehen und verlässt sich ebenfalls fast 1:1 auf den Kampf zwischen dem Major und dem Spinnenpanzer. Anders ausgedrückt: Epic Copycat!!!

 

GITS US - 09Da ist es an dieser Stelle kein Wunder, dass die Handlung der US-Version zumindest in ihren Grundzügen etwas an den ersten Anime erinnert. Allerdings ist die Story dieses Remakes eigenständig aufgebaut und hat – wie wir bereits gesehen haben – ganz andere Schwerpunkte. Ging es im Anime noch fast ausschließlich um die Philosophie und latenten Gefahren dieser finsteren Zukunftsvision, so war die Handlung damals tatsächlich sekundär, was Ghost In The Shell im Jahr 2017 wieder vollkommen umdreht. Existenzielle Grundfragen werden hier kaum noch beantwortet, damit sich Film nun vollends seiner Geschichte widmen kann, die nun weit mehr wie eine gewöhnliche Kriminalgeschichte aufgebaut ist. Immerhin, das muss man hier fairer Weise erwähnen, ist die Geschichte des neuen Ghost In The Shell wesentlich umfangreicher und auch viel detailreicher erzählt. RUPERT SANDERS gibt sich ja auch immerhin Mühe den Plot bis zum Ende zu dehnen, was aber auf die Dauer mehr Langeweile als Spannung erzeugt. Denn, so breit und ausführlich sie nun auch sein mag, desto berechenbarer ist sie auch. Da ist Nichts, was man nicht schon in den letzten 20 Jahren gesehen hätte. Da ist Nichts, was man auch nur halbwegs als neue Denkanstöße interpretieren könnte. Und da ist rein gar Nichts, was auch nur ansatzweise zum Nachdenken anregen würde! Aus dem elendig smarten und intelligenten Anime wird im Remake also total berechenbares Actionkino, von dem sich nun schon Teenies sanft berieseln lassen können. Logiklöcher gibt es deswegen natürlich auch und manche sind schon ziemlich auffällig. Da richtet Batou einen Attentäter hin, der bereits schon von zwei Kugeln niedergestreckt worden ist. Als er aber eben jenes Opfer in der Gerichtsmedizin begutachtet, kann man fast an die 10 Einschusslöcher erkennen. Yepp, auch hier wieder ein Epic Fail!!!
GITS US - 19Solche Logikfehler sind natürlich meistens Anzeichen einer zwanghaften Selbstzensur – damit man auf Gedeih und Verderb und ums Verrecken noch die pseudo-lukrative PG-13 garantieren kann – aber über Gewaltschnitte wurde Vorfeld des Films kaum berichtet und über eine eventuell längere Fassung wurde auch kein Wort verloren. Der Verdacht liegt also nahe, dass es sich hier also um echte Logiklöcher handelt. Unnötig die Peinlichkeit gegenüber dem Anime zu erwähnen, bei dem jede noch so kleine Szenen bis zum Letzten durchdacht ist. Immerhin ist Ghost In The Shell auch bis zum völlig überflüssigen und sowas von ausgelutschtem Hollywood-Happy-End in sich stimmig und endet vollkommen abgeschlossen ohne die kleineste offene Frage, damit man auf dem gleichen Misthaufen vielleicht nochmal ein faules Ei legen kann. Darüber entscheidet aber letztendlich das Box Office, was sich derzeit nur schwer vorhersehen lässt. Das Interesse am asiatischen Markt ist derzeit zwar riesig, aber die Proteste gegen Ghost In The Shell in Europa und den USA sprechen ebenfalls eine deutliche Sprache. In den USA erreichte der Blockbuster gerade einmal 19 Millionen Dollar am ersten Wochenende; in Europa noch einmal 40 Millionen. Ein ziemlich dürftiges Ergebnis, wofür der Verleih Paramount das Casting und die Whitewashing-Debatte verantwortlich machen, die sie aber selbst angestossen hatten! Uff, Epic Liars!!!

GITS US - Banner 04

GITS US - 20RUPERT SANDERS gibt sich mit seiner Regie zwar alle Mühe den „Geist“ des Originals einzufangen, doch gerade in den visuellen Zitaten von Ghost In The Shell werden die gravierenden Unterschiede in der japanischen und amerikanischen Bildsprache überdeutlich. MAMORU OSHII setzte 1995 auf einfache Einstellung mit einer ungeheuren Symbolkraft, in denen es eine zahllose Menge von Details zu entdecken gab. SANDERS hingegen rückt das eigentliche Geschehen in den Mittelpunkt und verzichtet dabei auf jede Form von Finesse und Symbolik. Typisch amerikanischer Blockbuster-Style eben, der weder außergewöhnlich noch anspruchsvoll oder gar aufregend wäre. Gerade während den visuellen Zitaten des Animes gibt es eine extrem sichtbare Kante in der Kameraführung, was ebenfalls nicht für das Remake spricht. Überhaupt tue ich mir schwer, mich mit der Technik hinter den Kulissen von Ghost In The Shell anzufreunden. Die Tricktechnik macht hier zwar einen gewohnt guten Eindruck, was man von einer 150 Millionen Dollar teuren Produktion wohl erwarten könnte, aber keinen Deut darüber hinaus. Höchstens in manchen Szenen wirken die Spezialeffekte noch spektakulär, doch der Wow-Faktor geht in der Masse der Blockbuster unter, die wir in den letzten fünf Jahren schon im Kino erleben konnten. Das schließt natürlich auch das 3D mit ein, was bei Ghost In The Shell ungewöhnlich flach bleibt und dem Aufpreis kaum gerecht werden kann. Als Grund für die standardisierte Blockbuster-Produktion kann man an dieser Stelle ruhig die Gier und den Geiz der Produzenten vermuten, weil Ghost In The Shell wirklich alle Zutaten der typischen Rezeptur enthält.


GITS US - 29Zuerst verpflichtet man einen teuren A-Liga-Star, der als Publikumsmagnet dienen soll. Dann engagiert man einen einheimischen Kultstar, um die Fans des Originals zu beruhigen und die „Whitewashing“-Vorwürfe zu entkräften. Rassistische Vorwürfe sind ja schlecht für die Kinokasse und auf Kasse machen kommt es ja an. Warum sonst den Film jeglicher kontroverser Inhalte entschärfen und alle Elemente eliminieren, die nur auch nur halbwegs zum Nachdenken anregen könnten. Dass außerdem eine solide Live-Action von Ghost In The Shell teuer werden würde, das wusste man von Anfang an. Und für dieses Projekt wirken 150 Millionen Dollar doch schon etwas knapp bemessen. Rechnet man all diese Faktoren zusammen, dann kommt man zu dem unweigerlichen Schluss, dass die Studios mit einem möglichst breiten Publikum den maximalen Gewinn herausschlagen wollte, ohne zu viel Geld ausgeben zu müssen. Wir müssen DreamWorks also an dieser Stelle gratulieren; ihr habt schon wieder eine Franchise schändlich korrumpiert! Wie krankhaft die Studios um Zuschauer werben kann man schon daran erkennen, dass man in Japan haargenau die gleichen Synchronsprecher wie beim Original-Anime verpflichtet. Der technische Aufwand für das Dreh-Team gerät dabei fast ins Hintertreffen. Gedreht wurden die Außenaufnahmen in China, genauer gesagt in Shanghai und Hongkong, was dem Manga und dem Anime entgegenkommt. So war es bereits MASAMUNE SHIROW, der eine verwinkelte Großstadt im Sinn hatte und sich bereits am chinesischen Städtebau orientierte. Die restlichen Außenaufnahmen fanden in der neuseeländischen Städten Wellington sowie Lower Hutt statt und wurden auch in den örtlichen Avalon Studios vollendet. Ein kleines Schmankerl gibt es dann doch noch wenigstens im Soundtrack. Denn auch wenn die Score von CLINT MANSELL und LORNE BALFE generell recht überhör bar ist, weil man vergleichbare Electro-Sounds zu häufig gehört hat, so gibt es gegen Hin den atmosphärischen Soundtrack des Originals von KENJI KAWAI zu hören. Film aus, coole Mucke: Epic Relief!

GITS US - Banner 05

GITS US - 21Die mehrfach ausgezeichnete SCARLETT JOHANSSON setzt natürlich ein gewisses Grundniveau voraus, was man natürlich auch hier zu sehen bekommt. Besonders in den etwas ruhigeren und gefühlvolleren Szenen. Nanu? Der Major gefühlvoll? Hier jedenfalls schon und deswegen haben wir schon ein weiteres Merkmal entdeckt, warum der neue Ghost In The Shell einfach nicht mit dem Original mithalten kann. Während man 1995 den Major nur daran „enttarnen“ konnte, dass sie den ganzen Film über nicht blinzelt, da bewegt sich JOHANSSON schon arg mechanisch und monoton. Schon witzig, dass diese grandiose Waffe Probleme mit einem flüssigen Gang hat. Der Däne PILOU ASBÆK kommt schon einigermaßen an den „echten“ Batou heran, sieht jedoch um mehrere Jahre zu jung aus, reißt gelegentlich flache Witze und lässt überdies eine Augenprothesen vermissen, die er erst im Laufe des Films bekommt. Und dann ist Batou auch auf einmal nüchtern, kontrolliert und wortkarg. Der Batou im Manga trifft quasi auf den Batou im Anime und das wirkt im Realfilm doch arg seltsam. Verlass ist an dieser Stelle eher auf die Nebendarsteller wie JULIETTE BINOCHE und PETER FERDINANDO, die man zwar auf recht eindimensionale Rollen reduziert hat, die aber nicht um Manga oder dem Anime auftauchen und sich darum vollends entfalten können. Die aber wahrhaft größte und beste Show liefert mit Abstand MICHAEL PITT, der sich trotz der auffallenden Ähnlichkeiten mit dem Puppetmaster und dem Laughing Man als eigenständiger Charakter behaupten kann. Hatten die beiden Hacker eher politische und existenzielle Motive, so wird Kuze von blankem Hass und einer schier gnadenlosen Wut geleitet, die sich in seinen Gewaltakten manifestiert. Da rollt PITT mit den Augen, schreit seine Wut hinaus und gestikuliert wild mit seinen Prothesen herum. Fehlt nun nur noch die grandiose Maske, die PITT als etwas verwilderten und verwirrten Terminator dastehen lässt, und fertig hat man die tragische Figur, die Ghost In The Shell braucht, um dennoch zumindest am Rande etwas unterhalten zu können.
GITS US - 26TAKESHI KITANO in der Rolle des Chief Aramaki zu besetzen wirkt auf den ersten Blick hin natürlich wie ein Geniestreich. Der 70-jährige Japaner ist einer der größten Kultstars, den das Land der aufgehenden Sonne je hervorgebracht hat und sowohl bei jungen als auch alten Fans beliebt. Doch bei näherem Hinsehen entpuppt sich auch dieses Casting als mehr oder wenig unpassend, da KITANO auch hier sein typisch nüchternes Spiel beibehält. Soll heißen, er sieht mehr oder weniger gelangweilt aus. Kein Vergleich zum „echten“ Aramaki , von dem man ständig den Eindruck hatte, er würde ganz genau und angestrengt seine nächsten Schritte planen. Außerdem wirken diese hintergeschleckten Haare doch irgendwie seltsam, wo das Anime-Pendant bereits eine Halbglatze hatte. Damit aber KITANOS Beteiligung an Ghost In The Shell nicht zum Totalausfall wird, wärmt er gegen Ende hin noch einmal seine berühmten Yakuza-Figuren auf, die er beispielsweise in Outrage, Sonatine, Violent Cop und Boiling Point zum Kult gemacht hat. Dafür bolzt er seine Gegner sogar mit einem klassischen Revolver um. . . . Also Chief Aramaki. Und nicht Togusa. Obwohl das im Manga und im Anime so ein wichtiger Charakterzug des jungen Polizisten war, der sich gegen mechatronische Implantate entschieden zur Wehr setzt. Sagte ich gerade „jung“? Oh ja, tut mir leid, das gilt ja auch nur wieder für das Original, wo Togusa eigentlich der jüngste Hauptcharakter ist, der noch nicht mal die 30 erreicht hat. Hier im US-Remake wird er von dem sichtlich 20 Jahre älterem CHIN HAN gespielt und zu einer mickrigen Randfigur degradiert. Und diese zwei oder drei Dialoge hätte man sich auch sparen können. Also nun zum achten und wirklich letzten Male: Epic fucking Fail!!!

 

GITS US - 07Fazit: Trotz allen Aufwandes und dem sichtbaren Trend zum Original merkt man bei Ghost In The Shell wieder überdeutlich, warum US-Remakes in den letzten Jahren immer wieder so arg gefloppt sind. Denn wie sich nun herausgestellt hat, hatten die Skeptiker und Gegner der Live-Action von Anfang an recht! Der Kultanime wurde enorm amerikanisiert, in seinen Schauwerten heftig zensiert und seiner Komplexität fast vollkommen beraubt. Der stark philosophische Ansatz wurde vollständig gestrichen und durch eine ziemlich flache Actiongeschichte ersetzt, die wegen ihrer extremen Berechenbarkeit weder unterhalten noch zum Nachdenken anregen kann; wenn sie durch das typische Hollywood-Happy-End nicht gar zu einem enormen Ärgernis für viele Fans wird. Dafür fehlt es dem Remake einfach viel zu sehr an Grips, Kritik und Eigenständigkeit. Die US-Version von Ghost In The Shell ist also kein kritisches, spannendes oder gar intelligentes Kino mehr, sondern ein stumpfsinniger Blockbuster, der wegen seiner PG-13 noch nicht einmal mit Sex und Gewalt locken kann. Zu allem Überfluss ging das Casting teilweise völlig daneben, wobei manche wichtigen Charaktere zu blassen Randgestalten degradiert worden ist. Die Spezialeffekte sind zwar fabelhaft, bleiben aber hinter den Erwartungen zurück und selbst das 3D wirkt ungewöhnlich flach.
Als eigene Geschichte, die in der gleichen Welt von Ghost In The Shell angesiedelt ist, wäre uns dieser Flm noch 5 bis 6 von 10 Punkten wert; als aber direkte Version des genialen Manga und selten revolutionären Animes fällt diese US-Version gnadenlos durch. Wir vergeben gerade noch so 3,5 von 10 Punkten für die gelungen Kulissen, die zahlreichen Zitate und MICHAEL PITT als tragischem Bösewicht.