Tunnel Rats - Abstieg in die Hölle



Regie: UWE BOLL
Drehbuch: UWE BOLL & DAN CLARKE
Medium: DVD
Laufzeit: 92 Minuten
FSK: ab 16 Jahren
Start: 29.05.2009

Jeder gute Regisseur hat in seinem Leben gefälligst einen Kriegsfilm über Vietnam zu drehen, Punkt! Leider neigen schlechte Regisseure dazu, es den guten Regisseuren nachzumachen. Da war es doch nur eine Frage der Zeit, bis sich UWE BOLL (Seed, Bloodrayne Teil 1 und 2, FarCry, Alone In The Dark) – (inoffizieller) Ziehsohn von ED WOOD und Schrecken aller Gamer – sich auch an diesem Thema versuchen würde.
Immerhin greift BOLL bei seinem Film auf ein Thema zurück, was bisher eher vernachlässigt wurde. Die titelgebenden Tunnel Rats waren spezielle Einheiten der US-Armee, die eingesetzt wurden, um die zahlreichen unterhöhlten Tunnel vom Vietkong zu säubern. Eine Lektion, die man durch die überaus grausame Schlacht um Hügel 937 im A-Shau-Tal sehr schmerzlich gelernt hatte. Der Hügel war strategisch unbedeutend und wurde im nach gewonnener Schlacht schon ein paar Tage später wieder aufgegeben. Der Hügel war dicht bewaldet und von Schützengräben und Tunneln durchzogen. Dem Vietkong fiel es dementsprechend leicht den Hügel zu verteidigen und den US-Truppen im Gegenzug ziemlich schwer ihn zu erobern. Die Verluste waren riesig und die Männer nannten den Hügel nur noch „Hamburger Hill“ (zu deutsch „Hackfleisch Hügel“), weil er aus den Männern Hackfleisch macht. Da gibt es übrigens unter diesem Titel - Hamburger Hill – auch eine hervorragende und detailgetreue Verfilmung dieser Schlacht. Jedenfalls beschloß die US-Armee ganz nach dem Motto „hinterher ist man immer schlauer“ zuerst in die Tunnel zu gehen. Und genau hier haben wir auch schon den ersten Schnitzer. Die Schlacht um Hamburger Hill fand 1969 statt. Jedoch lautet der Original US-Titel 1968 Tunnel Rats. In allen anderen Ländern strich man klugerweise die Jahreszahl aus dem Titel. Dumm nur, dass man die Jahreszahl auf den meisten Postern immer noch lesen kann.

Jetzt wäre der richtige Zeitpunkt, um ein paar Worte über die Handlung zu verlieren: Der junge Corporal Dan Green wird in ein Camp im Dschungel geschickt. Explizite Aufgabe dieser Division ist die Säuberung der feindlichen Tunnel. Eine gefährliche Aktion . . . wie man sich wohl denken kann. Ende der Story.

Gemäß dem Budget ist das Setting des Films nicht allzu groß. Jedoch gut ausgestattet und (wieder mal) bis auf ein paar kleinere Fehler authentisch. Gedreht wurde im südafrikanischen Dschungel. Schauspielerisch hat UWE BOLL eigentliche eine gute Auswahl getroffen . . . eigentlich. Denn BOLL schafft es bekanntlich ja (fast) immer Talent geschickt ins Verderben umzuleiten. Dieses Mal hat er sich wenigstens halbwegs angestrengt und das merkt man auch. Die jungen Schauspieler geben sich alle Mühe, eine anständige Leistung zu zeigen. Als einzigen größeren Namen konnte MICHAEL PARÉ (Das Philadephia-Experiment, Moon 44, The Closer, Das Dorf der Verdammten Remake, Red Serpent) verpflichtet werden. Er spielt den fiesen und psychopathischen Lieutenant Vic Hollowborn, obwohl dieser laut Abspann eigentlich Sergeant ist . . . mal wieder typisch BOLL. Dabei ist der Charakter Lieutenant-Sergeant-Was-Auch-Immer-Psychotah Vic Hollowborn eigentlich nur ein blasses Plagiat zu Sergeant Barnes aus OLIVER STONE`s Meisterwerk Platoon. Überhaupt wirken Teile des Filmes wie Versatzstücke aus anderen Vietnam-Kriegsfilmen. Auch der Überfall des Vietkong auf das Camp der Amerikaner erinnert an eine Passage aus Platoon. Und da hätten wir noch Corporal Dan Green, ebenfalls nur ein Plagiat von PFC Eriksson aus Die Verdammten des Krieges von BRIAN DE PALMA. Das Verhalten der jungen GIs am Anfang des Filmes lässt durchaus mit einigen Szenen aus Hamburger Hill und Apocalypse Now identifizieren. Und die kurzen Konversationen zwischen den Soldaten über Freundinnen, Zukunftspläne, die bescheuerten Vorgesetzten und natürlich Scheiße (das Lieblingswort jedes US-Soldaten) kennt man sowieso aus jedem Film, der über den Vietnam-Krieg gedreht wurde.

Aber soviel wird hier eigentlich nicht gesprochen. Genauer gesagt beträgt der Handlungsanteil so ungefähr 30 bis 35 Minuten, in denen BOLL von den Soldaten erzählt, ihre Charaktere darstellt, ihre Beziehungen untereinander klar stellt und wen man mögen und wen man hassen soll. Die restliche Zeit gibt es Action zu bewundern; Geballer und Explosionen. Was hier aber dargeboten wird, hätte man durchaus mit mehr Feuer und härter inszenieren können. Ehrlicherweise ist das Niveau dieser Actionszenen auch alles Andere als schlecht, so dass man als Zuschauer hier dennoch nicht übers Ohr gehauen wird. Aber für was ist denn BOLL so richtig bekannt; ich meine jetzt nicht sein bescheidenes Regietalent? >> Rischtisch; S-P-L-A-T-T-E-R !!! Anhänger dieses Genres kommen auch hier auf seine Kosten, denn Dank dem deutschem SplatterGOTT OLAF ITTENBACH (Premutos, Burning Moon, Legion Of The Dead, Dark Divorce) kriegen wir beispielsweise einen Bambusspeer quer durch den Hals, drastische Kopfschüsse und eine misslungene Hinrichtung zu sehen, wo dann der Kopf nur halb am Galgen baumelt und die rote Soße hintern am Genick heraussprudelt. Die Effekte sind allesamt von hoher Qualität und sehen sich richtig schön ekelhaft aus. Genauso soll es sein! Eine andere Stärke BOLL`s kann man in den Tunnelszenen bewundern. Dort merk man, dass BOLL eigentlich im Horror heimisch ist. Dunkelheit, Stille, tiefes Grollen, flackerndes Taschenlampenlicht und diese gnadenlose Enge sorgen für eine tüchtig unwohlige Atmosphäre und auch saftig Suspense. Da macht das Zuschauen sogar regelrecht Spaß. . . . Und DAS bei einem BOLL!!!

Fazit: Gemischt mit klaustrophobischer Atmosphäre der Tunnel und Splattereffekten hat man einen netten Actionfilm vor dem Vietnam-Hintergrund vor sich, der zwar stellenweise vor etlichen kleineren Fehlern strotzt, aber dennoch gute Unterhaltung bietet. Für BOLL-Fans ein Meisterwerk, für normale Actionfans wenigstens keine vergeudete Zeit.




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