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NEON GENESIS EVANGELION - The End Of Evangelion

End Of Evangelion - Cover 01Regie: HIDEAKI ANNO & KAZUYA TSURUMAKI
Drehbuch: HIDEAKI ANNO, SHINJI HIGUCHI & KAZUYA TSURUMAKI
Medium: DVD
Laufzeit: 87 Minuten
FSK: ab 16 Jahren
Release: 19.07.1997

 

„Der Mensch fürchtet die Dunkelheit. Und darum versucht er den Rand der Finsternis mit Feuer zu vertreiben.“


Zuweilen muss ich mich echt fragen, welche komischen Mythen durch die Animewelt geistern. So auch mit diesem Film, den Viele für ein alternatives Ende der Serie halten. Doch dabei ist es unmissverständlich klar, dass erst dieser großartige Film das brilliante Finale von Neon Genesis Evangelion darstellt. Ich kann nur vermuten, dass dieses Missverständnis auf einen sehr kurzen Kommentar von HIDEAKI ANNO zurückgeht, in welchem er den Leuten dankt, die ihn zu dem „neuen“ Ende inspiriert haben. Recherchen ergaben allerdings, dass jenes „neue“ Ende auch das wirklich zuerst geplante Ende der Neon Genesis Evangelion-Saga war. Nur konnte HIDEAKI ANNO seine Vorstellungen damals nicht in der einer Serie verwirklichen, weswegen er einen anderen Ausgang der Geschichte vorzog. Aber glücklicherweise war die Serie so erfolgreich, dass man sich von Seiten der Produzenten aus entschied, tatsächlich noch einen Kinofilm zu produzieren, wo HIDEAKI ANNO nun auch seine ursprünglichen Visionen Anime-Wirklichkeit werden lassen konnte. Und schließlich bekam dann der Film auch den bezeichnenden Titel The End Of Evangelion. Aus vertraglichen Gründen wurden dann aber trotzdem noch zwei Folgen produziert, um die Staffel komplett zu machen, was allerdings die miese Qualität dieser beiden letzten Episoden der Serie nicht entschuldigt. Näheres hierzu aber in meiner Review zur Serie.
Um die Zeit bis zum Release von Neon Genesis Evangelion –The End Of Evangelion ein wenig zu überbrücken, kam mit dem ersten Film Neon Genesis Evangelion –Death & Rebirth ein eher unbedeutender Zusammenschnitt der Serie heraus, lediglich für`s Kino aufbereitet. Deswegen möchte ich an dieser Stelle bitten zu verzeihen, denn ich erspare mir deswegen eine Review hierzu. Stattdessen möchte ich gleich zum grandiosen Höhepunkt der Franchise zu kommen.

NERV, das ausführende Organ hinter SEELE, einer Organisation die die Menschen zu ihrer nächsten evolutionären Stufe zu führen will, haben durch den aufopferungsvollen Einsatz eines Doppelagenten die wahren Pläne von SEELE erfahren. Diese Pläne würden jedoch den Tod der gesamten Menschheit zur Folge haben, weswegen sich NERV unter der Leitung von Misato Katsuragi gegen ihren obersten Chef Gendo Ikari und SEELE stellt. SEELE verliert keine Zeit und schickt das japanische Militär. Eine heftige Schlacht entbrennt, bei der es schlecht um NERV bestellt ist. Gerade noch rechtzeitig erwacht Asuka aus ihrer Lethargie, steigt in ihren EVA-02 und reißt dem japanischen Militär mächtig den Arsch auf. Leider war SEELE im Geheimen auch nicht untätig und entwickelte eine Serie von 9 unbemannten EVAs, die sie nun auf NERV loslässt. Damit entbrennt auch für Asuka ein höllischer und blutiger Kampf, bei dem es fraglich ist, ob sie ihn gewinnen kann.
Währenddessen sucht Misato verzweifelt im NERV-Komplex nach Shinji, der sich seinem Minderwertigkeitskomplex hingibt und von Depressionen geplagt dort versteckt hält. Dabei ist er zusammen mit seinem EVA-01 der Einzige, der die Katastrophe abwenden könnte, da Rei verletzt ist. Misato muss Shinji darum unbedingt finden und überreden NERV zu verteidigen, denn dies ist nun die letzte endscheidende Schlacht, deren Ausgang das Schicksal der Menschheit besiegeln wird.
End Of Evangelion - Banner 01
Schon bei der Story merkt man, dass es sich eigentlich um Zwei Folgen der Serie handelt, denn die Handlung des Films setzt genau ab Ende der 24. Episode der Serie an. Die ganzen Fäden die in der Serie gelegt wurde laufen hier kunstvoll und teilweise besonders actionreich zusammen und fast alle offenen Fragen werden endlich beantwortet. Dass es sich eigentlich um Zwei Folgen der Serie handelt, kann man auch sehr schön daran sehen, dass jede dieser Folgen innerhalb des Filmes einen eigenen Abspann hat, die sich auch in der Optik unterscheiden. Es gibt jedoch keine Openings, sondern immer nur ein (sehr) kurzes Intro. Und schließlich ist in der Kapitelwahl der DVD auch von den Episoden 25 (Air) und 26 (Sincerely Yours) zu lesen.
Auch inhaltlich sind diese beide Episoden deutlich getrennt, denn während die erste Hälfte des Film bzw. zuerst laufende Folge noch verhältnismäßig irdisch und bodenständig ist, ist der nachfolgende Rest von ziemlich mythologischer und theologischer Bedeutung. Wer nun also glaubt, dass es hier durchgehend frei von symbolisierten und frei interpretierbaren Bildern bleibt, der täuscht sich natürlich. Aber mehr sei hier nicht verraten. Dabei sei aber betont, dass es im Gegensatz zur Serie hier doch schon den ganzen Film hindurch ziemlich flott und ohne Kompromisse zugeht, was den Streifen doch sehr unterhaltsam und spannend macht. Unterbrochen wird das Ganze nur eben vom jeweiligen Abspann. Das kann man durchaus zwiespältig auffassen. Natürlich es auf der einen Seite störend, wenn der Film plötzlich davon unterbrochen wird, andererseits macht dies aufgrund der inhaltlichen und atmosphärischen Trennung durchaus Sinn. Es muss nun also jeder für sich selbst herausfinden, ob das nun gut oder schlecht ist.

Auch bei den Charakteren gibt es keine Kompromisse mehr. Jeder der Protagonisten hat einen psychischen Schaden, der in der Serie ausführlich dargestellt wurde. Auffällig ist hierbei, dass es sich um schwere Probleme handelt, die aus unserer realen Welt leider allzugut bekannt sind. Was die Lage für unsere Charaktere nun ein wenig aussergewöhnlich macht und verschlimmert, sind die äußeren Umstände eines göttlichen Konfliktes. Und wo hingegen die Serie die Analyse psychischer Probleme war, fungiert der Film als gnadenlose Schocktherapie, denn hier müssen sich die Charaktere ihren Problemen stellen. Ob sie wollen oder nicht! Sie werden also dazu gezwungen. Und da der Film in dieser Hinsicht auf Realismus setzt sind ihre Reaktionen sind unter diesem Druck sehr menschlich und von keiner übertriebenen Bösartigkeit bzw. keinem plakativen Heroismus geprägt. Einige machen Fehler, Manche brechen zusammen, Andere stellen sich ihrer Angst und überwinden sich, doch ihre Aufgaben zu erfüllen, während ein Teil wiederum stur seiner Pflicht nachkommt. Wie sich welcher Charakter aber verhalten wird, bleibt dem Zuschauer zunächst ebenso verborgen, was zusätzlich noch Spannung erzeugt.

Auch in der Atmosphäre lässt sich eine durchgehende Trennung beobachten, obwohl wie gesagt der Film durchgehend schnell voranschreitet. Jeder der die Serie gesehen hat, weiß dass gegen Ende der Selbigen eine Konfrontation unausweichlich ist und unmittelbar bevorsteht. Und genau diese Konfrontation zeigt der Film. Action ist also angesagt und die hat es hier wahrlich in sich. Hier scheppert es zunächst an allen Ecken und Ende. Feuer und Explosionen sind dank exzessivem Waffeneinsatz dabei ebenso präsent, wie die Fights zwischen den gigantischen EVAs. Das Maß an Zerstörung ist im wahrsten Sinne des Wortes apokalyptisch. Und tatsächlich kommt auch so Etwas wie Endzeitstimmung auf, wobei das hier Gezeigte mehr dem Ragnarök entspricht; der Götterdämmerung. Das ist die letzte Schlacht der Götter, bei dem Alles ein Ende hat oder von Neuem beginnen kann. Nicht zuletzt erinnert der brutal-fetzige Kampf der EVAs tatsächlich an den Kampf der Asen gegen die Riesen. Und klar, das geht auch nicht ohne Verluste. Beim Ragnarök nicht, wie auch in diesem Film nicht. In diesem Sinne wird es stellenweise traurig, aber eben auch blutig. Darum spiegelt der Film auch einen unwiderlegbaren Vergleich zwischen den Endzeitgeschichten der verschiedensten Religionen wieder, ohne sich dabei aber eindeutig auf eine konkrete Version festzulegen. Die zweite Hälfte des Films sprüht deswegen nur so vor lauter Mystik und ergießt sich in atemberaubenden Bildern, wobei es nicht weniger actionreich zur Sache geht. Allerdings ohne Zerstörung und Gewalt, dafür sehr vielschichtig und im wahrsten Sinne des Wortes sehr bunt.

Die Animationen unterstreichen die vorangegangen Aspekte mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln. Und das schließt natürlich den bereits beschrieben Trick ein, schlichte und einfache Charakterzeichnung zu zeigen, während ein aussergewöhnlich dichter Detailreichtum in den EVA- und Actionszenen zu bewundern ist. Was zur Folge hat, dass dem Zuschauer die Größenverhältnisse zwischen EVA, Engel und Mensch viel besser zugänglich sind. Was hier den großen Unterschied zur Serie markiert, ist die kinogerechte Umsetzung. Die Hintergründe sind noch um ein Vielfaches besser und während die Movements in der Serie anfangs noch ein wenig gestockt haben, fließen sie hier wie Öl. Das Charakterdesign wurde natürlich nicht verändert, sondern ist lediglich ein wenig differenzierter; ebenso wie Mimik und Gestik der Protagonisten. Neu jedoch ist der zahlreiche Einsatz moderner Computertechnik, die sich Cel-Shading sei Dank problemlos in die Animationen einfügt und in der ersten Hälfte des Filmes nur schwerlich auszumachen ist, was schon allein für das hohe technische Niveau spricht. In der zweiten Hälfte dagegen schon mehr. Stören tut dies allerdings auch nicht. Viel mehr entfesseln sie zusammen mit der gewöhnlichen Animationstechnik einen einzigartigen Bilderrausch, den man so im Kino bisher noch nie gesehen hatte und bis heute nicht übertroffen wurde. Gegen Ende des Films wurden sogar Realaufnahmen eingebaut.

Der Sound dröhnt entsprechend dem Kampfgetöse auch mit voller Wucht aus den Boxen, was natürlich gegen eine große Geräuschvielfalt auswirkt. Ehrlich gesagt ist das hier aber auch nicht nötig und die Vertonungen die man zu hören kriegt sind allesamt auf sehr hohem Niveau.
Die Musik ist nun wesentlich einseitiger als in der Serie. Beispielsweise wurden die Pop-Elemente rigoros gestrichen. Lediglich das Ending der beiden Folgen – zwar ein anderes Lied als in der Serie, aber trotzdem Jazz – wurde gegenüber der Serie ein wenig mit Orgelsounds und sanften Snaredrums aufgepeppt, damit es ein Bißchen poppiger klingt. Den Großteil der Score machen klassische Arrangements aus, die fast gänzlich auf das Konto von SHIROU SAGISU gehen. Manchmal bestehend aus großmütigen Trompeten und starker Posaune und an einigen Stellen gezeichnet nur von wunderschön solistischen Klavierklängen. Wie vielseitig diese Mann auch ist, beweist er auch mit dem Titeltrack Komm, süßer Tod, der hier von ARIANNE gesungen wird. Ehrlichweiße hört sich die Melodie aber auch teilweise verdächtig stark nach Knockin` on heaven`s door an. Unterstützt wird die großartige Filmmusik von SHIROU SAGISU ausserdem noch von JOHANN SEBASTIAN BACH und seinem Choral Jesu, bleibet meine Freunde, der auch in die Thematik des Films passt.
Zu guter Letzt wurden noch für die Synchronisation die selben Sprecher engagiert wie in der Serie, so dass auch hier ein einheitliches Audiobild bestehen bleibt.

Fazit: Für jeden Fan der Serie ist dieser Film Pflicht, bekam doch erst hier die Saga ihr krönendes Finale. Hier wird dem Zuschauer ein sehr spannender und actionreicher Film auch auf hohem technischen Niveau dar geboten, ohne dass jedoch die Mysthik der Franchise weder untergraben noch überboten wird. Inklusive neuer Fragen und gewaltiger Bildsymbolik. Mussten sich die Fans früher noch gedulden, so können es wir uns im Blue-Ray-Zeitalter leicht machen und nach Ende von Folge 24 der Serie gleich zum Kinofilm Neon Genesis Evangelion –The End Of Evangelion übergehen, was ich nur wärmstens empfehlen kann. Und das macht auch wesentlich mehr Sinn, wenn man sich den Handlungsverlauf betrachtet.
Wer sich jedoch wirklich für eine alternative Version der Serie bzw. der beiden Kinofilme interessiert – jedenfalls war es so angekündigt – für den gibt es eine 4-teilige Kinoreihe, deren erster Film Rebuild Of Evangelion 1.01 – Your Are [Not] Alone im Jahre 2007 erschien und deren 2. Teil Rebuild Of Evangelion 2.0 – Your Can [Not] Advance erst im Juli 2009 in den japanischen Kinos anlief.