#9

#9




Regie: Shane Acker
Drehbuch: Pamela Pettler
Produktion: Timur Bekmambetow, Tim Burton
Laufzeit: 79 Minuten
Erscheinungsjahr: 2009
Altersfreigabe: FSK 12



Wohin führt uns Machthunger gepaart mit der immer schneller voranschreitenden Technologisierung? Dieser Frage widmet sich der Kurzfilm #9 des US-amerikanischen Regisseurs und Animators Shane Acker, der maßgeblich für die Animationen in dem Film Herr der Ringe: Rückkehr des Königs verantwortlich war. In seinem oscarnominierten Animationsfilm beschreibt er den Kampf zweiter Puppen in einer postapokalyptischen Welt gegen eine scheinbar übermächtige Macht in Form einer Maschine.
Auf diesen Kurzfilm wurde der Produzent und Regisseur Timothy Burton aufmerksam, welcher schon als Produzent für diverse, meist düstere Animationsfilme in Erscheinung trat (Nightmare before Christmas, Corpse Bride). Gemeinsam mit dem russischen Filmemacher Timur Bekmambetow (Nochnoi Dozor – Wächter der Nacht, Dnevnoi Dozor – Wächter des Tages) übernahm er die Produktion eines abendfüllenden Animationsfilmes. Die Regie übernahm wieder Shane Acker.
Animationsfilme sind heutzutage groß im Kommen und Animationsstudios wie Pixar und Dreamworks haben wirkungsvoll ein buntes, fröhliches und strahlendes Bild in unsere Köpfe gepflanzt, wenn wir an Filme dieser Machart denken.
Umso größer dürfte der Schock ausfallen, den #9 von der ersten Minute an auslöst. Der Zuschauer wird gleich zu Beginn in eine tote, postapokalyptische Welt geworfen, die außer verbrannter Erde nichts mehr zu beherbergen scheint. Wohin das virtuelle Auge blickt, Zerstörung, Tod und Ruinen beherrschen das Bild dieser Dystopie. Die Geschichte erinnert ein wenig an Werke wie Matrix oder Terminator. Die Menschheit, getrieben von Machtgier und technologischer Entwicklung entwickelt mithilfe eines genialen Wissenschaftlers eine selbstständig denkende Künstliche Intelligenz.

Diese, zu Beginn noch hilfreiche Maschine beginnt, wie sollte es auch anders sein, sich nach und nach gegen ihre Erschaffer zu wenden, was zunächst zu einem Krieg der Menschen gegen die Maschinen und letztendlich zur Vernichtung der gesamten Menschheit führt. Einige Jahrzehnte später ist die Erde ein Ort der Zerstörung, die Menschheit hat längst aufgehört zu existieren. Die einzigen Überlebenden scheinen 9 kleine Stoffpuppen zu sein, denen besagter genialer Wissenschaftler vor seinem Tod Leben eingehaucht hat.
Der Hauptcharakter des Filmes ist eine Puppe mit dem Namen „#9“, die sich zunächst mutterseelenallein wiederfindet und erst nach und nach die Hintergründe der Zerstörung und die Existenz anderer Puppen entdeckt. Als einer der Mitstreiter von einem katzenähnlichen Maschinenwesen verschleppt wird, machen sich die Puppen auf den Weg, ihrem Gefährten beizustehen. Bei der Rettungsaktion aktiviert #9 jedoch versehentlich die große Maschine, die für das ganze Dilemma verantwortlich ist.
Diese giert danach, sich die Lebensenergie der Puppen einzuverleiben und hetzt ihnen diverse, von Mal zu Mal ausgefallenere metallische Wesen auf den Hals. Von da an kämpfen die Gefährten um ihr Leben. Ob und wie dies gelingt soll hier allerdings nicht verraten werden.

Sowohl von der Handlung als auch von der durch die für einen Animationsfilm ungewöhnliche Optik wird eine sehr intensive Atmosphäre des Alleineins und der allgegenwärtigen Gefahr vermittelt. Produzent Burton hat überall seine Spuren hinterlassen, die Düsternis des Filmes zieht den Zuschauer immer mehr in seinen Bann. Obwohl es ein Animationsfilm ist, ist dieses Werk sicherlich nichts für Kinder. Allein deshalb gebührt dem Regisseur und den Produzenten schon Respekt, sich an ein solches Projekt heranzuwagen, obwohl fast schon ersichtlich ist, dass er sicherlich kein Kassenschlager werden wird.
Auch solche Mankos wie eine wirklich kurze Laufzeit (nach 79 Minuten erscheint der Abspann) und eine Charakterzeichnung, die über das Mittelmaß nicht hinauskommt (Der Held, der Kämpfer, die Tapfere, der Fiesling etc.) kann man dem Film verzeihen, wenn man sich in diese düstere Welt hineinziehen lässt. Die Animationen sind sehr gut gelungen und auch die Sprecher sind gut gewählt und stimmig. So spricht beispielsweise der Held des Films mit Elijah Woods Stimme, was gepaart mit der Odyssee der Truppe zur großen Fabrik, um das Böse zu vernichten leicht tolkiensche Assoziationen weckt.

Mein Fazit:
Der Film ist in gewisser Weise eine Perle. Auch wenn im Grunde nicht wirklich viel passiert und der Film viel zu kurz ist, erzeugt er doch eine sehr packende Atmosphäre, der Held ist sympathisch und nicht fehlerlos, was einer Identifikation mit dieser Figur sehr entgegenkommt. Die gesamte Story und Hintergrundgeschichte der Katastrophe regt zudem zum Nachdenken an, nicht zuletzt aufgrund diverser Anspielungen im Film (3. Reich).
Sicherlich kein Film für jedermann, aber Fans von Tim Burton, allgemein düsterer Filmatmosphäre oder solche, die mal einen Animationsfilm der anderen Art sehen wollen, werden auf ihre Kosten kommen.

Ich gebe, aufgrund der oben genannten Mankos 7 / 10 Punkte.