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Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt


Alien - Poster 01Regie: RIDLEY SCOTT
Drehbuch: DAN O'BANNON & RONALD SHUSETT
Medium: Blu Ray & DVD
Spielzeit: 117 Minuten
FSK: ab 16 Jahren
Start: 25. Oktober 1979

„Im Weltall hört dich Niemand schreien!"


Der Brite Sir RIDLEY SCOTT, geboren 1937 in South Shields an der Nordost-Küste Englands, gehört zu den bedeutendsten Filmemachern unserer Zeit. Solche Meisterwerke wie Thelma & Louise, Gladiator und Black Rain haben es geschafft innerhalb von nur sehr wenigen Jahren Klassiker genannt zu werden und darüber hinaus gelang es SCOTT mit lediglich zwei Science-Fiction-Filmen das Genre neu zu definieren und für alle Zeit zu prägen. Einer davon ist der geniale Kultfilm Blade Runner aus dem Jahr 1982; der Andere ist Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt, der 1979 zu einem Meilenstein des Horror- und Science-Fiction-Kinos wurde. Da die Entstehungsgeschichte des Drehbuchs an sich ebenfalls recht interessant ist, habe ich sie in diesen Spoiler gesetzt.

 

SPOILER:

Alien 31Die Geschichte von Alien beginnt bereits im Frühjahr 1974, als Drehbuchautor und Special-Effect-Artist DAN O'BANNON (Heavy Metal, Total Recall, The Return Of The Living Dead, Lifeforce - Die tödliche Bedrohung) gerade mit JOHN CARPENTER (Halloween, The Fog, The Ward, Vampires, Das Ding aus einer anderen Welt) den Sci-Fi-Klassiker Dark Star abgedreht hatte. Dort kam ein Alien vor, was O'BANNON als viel zu künstlich empfand. Für Dark Star zwar richtig, aber eben unrealistisch, weswegen er diese Idee in einem weiteren Skript mit dem Titel Memory verfolgen wollte. Kurz nach der Veröffentlichung von Dark Star nahm jedoch der noch unerfahrene Drehbuchautor RONALD SHUSETT (Total Recall, Hämoglobin, King Kong lebt, Tot & Begraben) mit O'BANNON Kontakt auf und schlug ihm vor in Zukunft zusammenzuarbeiten. O'BANNON gefiel die Idee und er akzeptierte den Vorschlag. Noch bevor es aber zu einer direkten Kollaboration kommen sollte, ging O'BANNON nach Paris, wo er sechs Monate lang die Special Effects zu einer Verfilmung von FRANK HERBERTs brilliantem Klassiker Dune betreuen sollte. Mittendrin jedoch wurde das Projekt fallen gelassen und O'BANNON musste nach Los Angeles zurückkehren. Mit im Gepäck hatte er jedoch sehr verstörende Eindrücke von den Gemälden des Schweizers H.R. GIGER, den er bei den Arbeiten an dem Projekt kennen gelernt hatte. Tatsächlich gab O'BANNON später an, dass die Zeichnungen so einen großen Einfluss auf seine Vorstellungen hatten, dass er beschloss ein Skript über ein GIGER-Monster zu schreiben. Zurück in L.A. begaben sich SHUSETT und O'BANNON gleich an die Arbeit und aus Memory wurde allmählich das Star Beast, wo die beiden Autoren noch weitere Ideen verarbeiteten, aus denen ursprüngliche separate Drehbücher hätten werden sollen. Nachdem das Skript jedoch 1976 fertig gestellt war, fand O'BANNON den Titel aber doch zu reißerisch und änderte ihn in Alien ab. Eine Verfilmung war aber deswegen noch lange nicht in Sicht.

Alien 05SHUSETT und O'BANNON machten sich natürlich gleich daran ihr Skript diversen Studios anzubieten, wurden aber fast überall abgewiesen. Lediglich die kleinere Produktionsfirma Brandywine unter der Schirmherrschaft des späteren Actionexperten WALTER HILL (Driver, Red Heat, Nur 48 Stunden, Ausgelöscht, Last Man Standing) und DAVID GILER (Das Geld liegt auf der Strasse, The Black Bird, Dick And Jane) zeigte Interesse, weshalb es nicht lange dauern sollte, bis SHUSETT und O'BANNON einem Deal zustimmten. Das Angebot erschien deswegen attraktiv, da Brandywine vertraglich an das große Studio 20th Century Fox gebunden war, die ungleich mehr Geld zu Verfügung stellen konnten. Allerdings hatten GILER und HILL einige Einwände gegen das Skript und schrieben es eigenwillig um, so dass es zu heftigen Spannung zwischen den Autorenduos kam. Unter anderem wird die Nebenhandlung um den Androiden Ash HILL und GILER zugeschrieben. O'BANNON hielt diese Änderung bis zu seinem Tod für unnötig; SHUSETT bezeichnete sie später jedoch als eine der besten Ergänzungen zu ihrer Arbeit. Wie dem auch sei; die Verfilmung konnte nun endlich ganz direkt in Angriff genommen werden, wobei es jedoch abermals zu etlichen Schwierigkeiten kam. Denn 20th Century Fox zeigte zwar ebenfalls Interesse an dem Projekt, wollte aber nicht genügend Geld für die Produktion locker machen, weswegen sich die Verhandlungen über 18 Monate lang hinzogen und zwischenzeitlich stand Alien sogar auf der Kippe. Doch dann passierte Etwas, womit Niemand gerechnet hatte: Star Wars! Das beispiellos erfolgreiche Science-Fiction-Märchen schlug an den Kinokassen weltweit ein wie eine Bombe, das Publikum war definitiv offen für Science-Fiction-Filme. Der Druck auf 20th Century Fox war also hoch und Alien war das einzige Sci-Fi-Projekt, was man relativ schnell auf die Leinwand bringen konnte. 20th Century Fox stockte das Budget darum ein wenig auf und im Nu konnte die Produktion effektiv anlaufen.

Alien 18Trotz der Anfangs ungewissen Finanzierung wurde Alien von WALTER HILL, DAN O'BANNON, DAVID GILER und RONALD SHUSETT von Beginn an sehr sorgfältig geplant und man hielt schon sehr früh nach geeigneten Regisseuren und Schauspielern Ausschau, nachdem HILL wegen diverser anderer Projekte absagte und O'BANNON von Seiten des Studios nicht durfte. Der Wunschkandidat für die Rolle des Captain Dallas war von Anfang an TOM SKERRITT (M*A*S*H, Poltergeist III, Whiteout, Knight Moves), der jedoch zuerst ablehnte, da ihm das Budget zum Zeitpunkt der ersten Anfrage noch zu gering schien und das Projekt noch ohne einen Regisseur dastand. Allerdings fiel durch ihn mehr oder weniger zufällig der Name RIDLEY SCOTT, der gerade eben seinen Debütfilm Die Duellisten vorgelegt hatte. Grund genug für HILL und GILER sich diesen Film einmal anzusehen. Am Ende waren sie ebenso wie SKERRITT von SCOTTs erstem Spielfilm so begeistert, dass er sämtliche Konkurrenten hinter sich lassen konnte. SCOTT akzeptierte das Angebot Alien zu inszenieren und damit hatte man quasi auch schon TOM SKERRITT verpflichtet. Für den Film aber wollte SCOTT gänzlich einen erfahrenen Cast haben, der sich zum Glück recht schnell durch gleichzeitige Castings in New York und London finden konnte. Als weitere Darsteller wurden IAN HOLM (Der Herr der Ringe, Lebe lieber ungewöhnlich, Im Westen nichts Neues), JOHN HURT (Dame, König, As, Spion, Outlander, Rob Roy, The Oxford Murders), VERONICA CARTWRIGHT (Die Hexen von Eastwick, Die Körperfresser kommen), YAPHET KOTO (James Bond 007 – Leben und Sterben lassen, Ein Richter sieht Rot, Running Man) und HARRY DEAN STANTON (Twin Peaks, Red Dawn, Powerplay, Wild At Heart) engagiert. Fehlte eigentlich nur noch ein Hauptdarsteller, der sich aber in den Castings nicht finden lassen wollte. HILL und GILER gefiel die Idee, in einem männlichen dominierten Genre den Part des Helden mit einer Frau zu besetzen, aber es fand sich eben keine geeignete Schauspielerin. Da erinnerte sich RIDLEY SCOTT an eine junge Schauspielerin mit dem Namen SIGOURNEY WEAVER (Die Waffen der Frauen, Ghostbusters, Gorillas im Nebel, Copykill), die er am Broadway gesehen hatte und für passend hielt. Auf SCOTTs Bestreben hin wurde WEAVER zum Vorsprechen eingeladen und überzeugte postwendend auch HILL und GILER.

Alien 03Die ersten Storyboards von RIDLEY SCOTT waren so überzeugend, dass 20th Century Fox das ursprünglich angesetzte Budget für Alien von 4,2 Millionen Dollar verdoppelte. Jetzt fehlte nur noch ein passender Designer, wobei sich nun O'BANNON wieder zu Wort meldete und RIDLEY SCOTT auf H.R. GIGER aufmerksam machte. Am Ende war SCOTT sogar so neugierig, dass er GIGER zusammen mit O'BANNON in der Schweiz aufsuchte. Als dieser seinen beiden Gästen als erste Geste Opium anbieten wollte, wegen der Alpträume, die den Künstler plagten, war SCOTT im ersten Moment schockiert, fasste es aber im Endeffekt als gutes Omen für den Film auf und betrachtete die Werke des Künstlers. Nach diesem Besuch war klar, dass RIDLEY SCOTT seinen Designer gefunden hatte. Die Dreharbeiten nahmen über drei Monate in Anspruch, die Nachbearbeitung nochmal weitere 4½ Monate, bevor man endlich eine erste Fassung vorlegen konnte. Mit satten 192 Minuten allerdings viel zu lange für das Kino, weswegen RIDLEY SCOTT und sein Editor TERRY RAWLINGS nochmals die Schere ansetzen mussten. Derweil wurde bereits die Werbetrommel gerührt, wobei man das Augenmerk besonders auf den heute berühmten Trailer lenkte, bei dem kein einziges Wort gesprochen wurde. Die Zuschauer sollten mit Unklarheit, düsteren Bildern und Neugier gelockt werden. Diese Form der Werbung war innerhalb von 20th Century Fox nicht unumstritten, aber sie sollte sich auszahlen.


Alien startete von Mai bis Oktober 1979 in den Kinos weltweit und spielte dort – trotz des R-Ratings – über 105 Millionen Dollar ein. Alien stieß mit einer Mischung aus Horror und Science Fiction das Tor zu einer ganz neue Ära des Kinos auf und etablierte sich sofort als Klassiker, der Fans beider Genres sofort in den Bann schlug.

 

Alien 14Einige Jahrhunderte in der Zukunft hat die Menschheit die Raumfahrt gemeistert und importiert inzwischen sogar Rohstoffe aus der ganzen Galaxie. Der interstellare Raumfrachter Nostromo ist eines dieser Frachtschiffe und befindet sich gerade mit einer riesigen Ladung Mineralerz auf dem Heimflug zur Erde. Die Mannschaft befindet sich in Stasis, der Bordcomputer „Mutter" überwacht die Instrumente und so zieht die Nostromo ihre einsame Bahn durchs All – bis sie zufällig den Weg eines unbedeutenden Planeten kreuzt, von dem eine Art Signal ausgeht. „Mutter" reagiert umgehend und erweckt die Crew. Während sich die Mechaniker und Navigatoren wundern, wo die Erde geblieben ist, wird Captain Dallas über die Situation informiert und gibt die Befehle an seine Mannschaft weiter. Die Nostromo hat von dem Planeten ein Signal unbekannter Herkunft aufgefangen und ihre Gesellschaft verlangt nun, dass dem Signal nachgegangen wird. Ihnen bleibt also keine andere Wahl, als die Nostromo von den Frachträumen abzukoppeln und auf dem Planeten zu landen. Dort angekommen begeben sich Captain Dallas, Navigatorin Lambert und der erste Offizier Kane mit ihren Raumanzügen auf die Quelle des Signals zu untersuchen. Ihnen stockt der Atem, als sie tatsächlich auf ein abgestürztes außerirdisches Raumschiff stossen. Durch einen Riss gelangen sie hinein und erforschen mit Ehrfurcht das Innere des Raumschiffes. Kane entdeckt einen riesigen Lagerraum, indem sich eine Unmenge von seltsamen Eiern befindet. Doch weder Kane noch die anderen Crewmitglieder können ahnen, dass darin ein mörderischer und wahrhaft bestialischer Alptraum lauert, der nur auf einen unbedarften Besucher gewartet hat.

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Es war mutig, was RIDLEY SCOTT mit Alien gewagt hat, einen Horrorfilm im Gewand eines Science-Fiction-Films zu drehen. Aber das wahrhaft furchteinflößende Suspense-Erlebnis, der Erfolg an den Kinokassen, der immense Kultstatus und die Bedeutung als Meilenstein in der Kinogeschichte geben ihm zweifellos recht.

Alien 29Was RIDLEY SCOTT hier sehr geschickt macht, ist eine an für sich simple Horrorgeschichte zu erzählen. Nur zwei Dinge sind hierbei wichtig. Erstens findet diese Horrorgeschichte im Weltall statt, also vor einem Science-Fiction-Hintergrund, aber zweitens sollte sich Alien trotz dem Monster- und Außerirdischenaspekt möglichst realistisch anfühlen. Das fängt schon beim Szenario an, in welchem Alien spielt. Man kann zwar durch den Weltraum reisen, aber eben nicht schnell oder wenigstens komfortabel, wie es in den meisten damaligen Science-Fiction-Werken der Fall war. Die Schiffe sind auf ihre Funktionalität ausgerichtet und eben nicht stylisch oder aerodynamisch. Die Gänge sind eng, die Beleuchtung spärlich und zweckmäßig, Rohre liegen offen herum, Ventile sind zu sehen, Dampf und dunkles Grollen der Maschinen aus dem Bauch der Nostromo. Nur die Wohnräume sind halbwegs hell und heimelig. Die Nostromo sieht weit mehr aus, und fühlt sich auch genauso an, wie die weiterentwickelte Form einer Ölplattform, was das Schiff im Endeffekt auch darstellen soll. Schließlich handelt es sich ja auch um ein Frachtschiff, dass von einer Gesellschaft betrieben wird und eine Firma handelt eben meist profitorientiert ohne Rücksicht auf Menschenleben, wie manche Befehle der ungenannten Gesellschaft kaltblütig unterstreichen. Die Mannschaft der Nostromo ist darum auch keine auf Hochglanz gebügelte Idealistentruppe, sondern Arbeiter, Handwerker, Männer und Frauen, die zupacken können. Es gibt eine strikte Arbeitsteilung, jeder hat sein Fachgebiet und die Mannschaft funktioniert als eingespieltes Team. Es gibt Konflikte, Freundschaften und den entsprechenden Umgangston. Die Menschen der Nostromo arbeiten auf dem Schiff, weil sie es müssen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, und nicht, weil sie es wollen. Die Charaktere wirken darum sehr lebensnah und für den Zuschauer sehr greifbar. Und damit hat RIDLEY SCOTT bereits die perfekte Grundlage geschaffen, den Zuschauer auf seine Seite zu ziehen und sie mitfiebern und mitzittern zu lassen.

Alien 39Denn durch diesen Realismus kann die horrorlastige Monstergeschichte viel effektiver auf den Zuschauer wirken. Das karge und zweckmäßige Raumschiff Nostromo wirkt bereits in den ersten Minuten unheimlich und kalt. Diese Stimmung verstärkt SCOTT noch mit dem düsteren Planeten, auf welchem die Nostromo landen muss, der im großen und ganzen nichts weiter ist als eine riesige Kugel aus Fels und Gestein, giftigen Gasen und stürmischen Winden ist. Doch bereits vorab zieht RIDLEY SCOTT die Spannungsschraube an, indem er dem Zuschauer sehr wenig über das Szenario erzählt. Nur zwei oder drei Zeilen nach dem Vorspann, wo in Star Trek oder Star Wars eine dicke Einleitung erfolgt wäre. Der Zuschauer weiß also nicht, was auf ihn zukommt und muss sich deswegen auf die Situation einlassen. Nur das Unbekannte schürt Spannung und das nutzt SCOTT auch vollends aus. Erst recht, wenn die Crew der Nostromo auf das abgestürzte Raumschiff trifft. Hautnah dringt der Zuschauer mit den drei Eindringlingen in das Raumschiff ein und wird hilflos Zeuge, wie das Unheil über die Besatzung der Nostromo hereinbricht. Ab diesem Moment beginnt der ohnehin schon düstere Film sich gänzlich auf den Horror festzulegen und das unterstreicht RIDLEY SCOTT auch mit derbsten Spannungsbögen, äußerst präzisen Schockeffekten und zum Teil auch blutigen Bildern, wenn das kleine Alien durch die Brust bricht oder die berühmt-berüchtigte Gebisszunge sich durch Köpfe bohrt. Die kleine Zwischenepisode mit dem Facehugger verunsichert auf sehr geschickte Weise und wägt den Zuschauer in Sicherheit, bevor unversehens der nächste große Schock auf den Betrachter zurollt. Stück für Stück legt das unbekannte Wesen immer eine neue Gefahr frei, zeigt Intelligenz, ist lernfähig neugierig und dennoch kompromisslos. Dabei verließ sich RIDLEY SCOTT ausschließlich auf die klassische Methode, sein Monster nur teilweise oder schattenhaft zu zeigen. Mal abgesehen davon, dass es stets nur sehr kurz im Bild ist. Bis zum Ende hin unterhält Alien von der ersten bis zur letzten Sekunde problemlos und bleibt dem Zuschauer auch nach dem Abspann im Gedächtnis. Man muss aber festhalten, dass Alien deswegen so gut funktioniert, weil er von Anfang an bereits sehr düster und spannend inszeniert ist - und recht provokativ obendrein.

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Alien 19Interessant sind auch die sexuellen Anspielungen, die DAN O'BANNON und RONALD SHUSETT bereits in das Drehbuch eingearbeitet hatten. Alien ist nämlich nicht nur ein Horrorfilm, sondern eine bösartige Metapher auf die Fortpflanzung an für sich. Das ganze Übel beginnt mit einem mysteriösen Ei, dem sich ein unbedarfter Mann nähert und seiner Neugier zum Opfer fällt, als ob sein Instinkt ihm keine andere Wahl ließ. Der berüchtigte Facehugger wiederum, der im Ei verborgen ist, wurde als urmännliche Angst vor der eigenen Penetration interpretiert, nicht selten auch als orale Vergewaltigung im homosexuellen Sinn. O'BANNON räumte einige Jahre später sogar selbst ein, dass diese Metapher genau so geplant war. Dazu gehört natürlich ebenso die übertragene Schwangerschaft, wie die berühmte Chestbuster-Szene als überaus brutale Geburtsszene, wobei der Film auch mit der weiblichen Seite spielt und sie dabei voll auskostet, wenn sich das Baby blutig seinen Weg in das Leben bahnt. Der Film sollte eine Retourkutsche sein, für das Leid, dass Frauen oft in diversen Horrorfilmen erleiden mussten. Dabei war O'BANNON von Anfang an klar, dass er mit den sexuellen Aspekten die Zuschauer tief in ihrem Innersten treffen konnte. RIDLEY SCOTT erkannte dies und verstärkte diese Eindrücke mit seiner Inszenierung sogar noch um ein Vielfaches. Alien 43Das Innere des außerirdischen Raumschiffes sieht aus wie eine abgestorbene Gebärmutter und das Alien bewegt sich recht androgyn, obwohl sein Design schon fast an ein Gebilde mehrerer Phalli erinnert. Im Französischen wird der Orgasmus oft als „La petite mort" bezeichnet wird; der kleine Tod. Das Wortspiel spiegelt die Verbindung zwischen Sex und Tod wieder, was RIDLEY SCOTT in Alien bis zum Letzten ausreizt und die Tode seiner Figuren fast orgiastisch erscheinen lässt. Ganz besonders natürlich durch die Zunge des Aliens, was ein zweites Gebiss hat. Irritierender Weise ist es ausgerechnet diese Zunge, mit dem das Ungeheuer seine Opfer tötet, indem es sie damit regelrecht penetriert und dem Film so zwischendurch immer einen weiteren Höhepunkt beschert. TOM SKERRITT ließ sich später sogar zu der Aussage hinreißen, dass das Alien dich ebenso ficken wie umzubringen könnte. Diese sexuellen Inhalte so offen zu präsentieren und sie dennoch so subtil zu verpacken, dass sie den Zuschauer instinktiv direkt ansprechen, das ist einer der größten Raffinessen in der Regie von Alien und bis heute unerreicht in ihrer Intensität. Gleichwohl besitzt Alien sogar noch weitere Blickwinkel, die erst später hinzu kamen. Das Alien selbst ist ein Parasit; ein tödlicher Erreger, der im eigenen Körper lauert und unweigerlich zum Tod führt. Damit war Alien dem Zeitgeist einige Jahre voraus und nahm die Furcht vor der Immunschwäche AIDS vorweg. Eine traurige Tatsache, die in den 1980ern sicherlich dazu beitrug den Kultstatus des Klassikers zu festigen.

 

Alien 13Die Handlung von Alien nimmt sich viel Zeit heraus; und das war auch die Absicht von RIDLEY SCOTT und seinem Editor TERRY RAWLINGS. RAWLINGS sagte später, dass man eben mit dieser langsamen Art den Zuschauer auf die unheimlichen Augenblicke vorbereiten wollte; und das trifft auf Alien zu hundert Prozent zu! Es geht schlicht darum, die Schockeffekte und die Spannung des Films bis zum geht-nicht-mehr auszureizen, was SCOTT in Alien auf die Spitze treibt. Es braucht alleine schon 23 Minuten, bis die Mannschaft der Nostromo das außerirdische Raumschiff betritt, und weitere 30 Minuten, bis die Besatzung effektiv von der Bestie gejagt wird. Im Gegensatz zu der Zeit, die währenddessen verstreicht, ist der Inhalt des Films vergleichsweise einfach. Es geht schlicht um eine Schiffsmannschaft, die sich einer kaltblütigen und mordlüsternen Bestie gegenübersieht und von dieser Einem nach dem Anderen aufgerieben wird. Wenn man so will das klassische 10-kleine-Negerlein-Prinzip, nur eben handwerklich auf einem unglaublich hohen Niveau präsentiert. Aber das ist auch die einzige kleine Schwäche in der Handlung, denn Alien überzeugt fast alleine durch seinen genialen Mix aus Horror und Science Fiction – und diesen Kniff erst einmal nachzumachen, daran ist bis heute jeder Nachahmer gescheitert. Außerdem ist Alien der erste Film, der nach dem augenscheinlichen Zenit noch einmal zu einem Höhepunkt kommt. Besser geht es eben nicht, auch wenn Alien gelegentlich durch einige Anschlussfehler leidet. Wie zum Beispiel, woher die Mannschaft weiß, dass sich das Wesen durch die Luftschächte bewegt. Diese Ungereimtheiten gehen jedoch vermutlich auf den zweiten Schneideprozess zurück, um Alien auf ein kinotaugliches Format von zwei Stunden zu bringen.

Alien 36Im Jahre 2003 fertige RIDLEY SCOTT sogar einen Director's Cut an, der auch in den Kinos zu sehen war. Allerdings lief der Film trotz etlicher Änderungen von über fünf Minuten eine ganze Minute kürzer als die Kinofassung. Grund dafür war, dass SCOTT etliche Szenen entfernte, die er nicht mehr in Alien haben wollte, aber als Gegenzug einige Szenen wieder in den Film aufnahm, die 1979 der Schere zum Opfer fielen. So erfährt der Zuschauer zum Beispiel, was mit Captain Dallas passiert ist, manche Konflikte zwischen den Crewmitgliedern bekommen mehr Tiefe und ein paar Anschlussungereimtheiten werden beseitigt. Die bessere Version, wie es in der Regel der Fall ist, ist dieser DC jedoch beileibe nicht. Denn viele dieser Szenen wirken abrupt und schnell in den Film eingefügt. Die Handlung des Films wird nun minimal schneller erzählt, jedoch verliert Alien ebenso ein wenig an Atmosphäre und vor allem an Spannung. Andererseits harmonieren die beiden Fassungen zusammengenommen, da sich erst nach dem Blick auf beide Versionen ein detaillierteres Gesamtbild ergibt. Das heißt, man ist als Fan quasi dazu verdammt beide Fassungen zu sehen, um sich einen vollständigen Überblick zu verschaffen. Im direkten Vergleich ist jedoch uneingeschränkt der Kinofassung von 1979 der Vorzug zu geben, da diese Version schlicht viel flüssiger und stimmiger erzählt ist. Ob die 192-Minuten lange Rohfassung jemals veröffentlicht wird, das steht natürlich in den Sternen.

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Alien 27Die Dreharbeiten fanden gänzlich in Studios statt, zum Einen in den damals schon bekannten Shepperton Studios und zum zweiten in den Bray Studios, dem Traditionsstudio von Hammer Film Productions, wo die Raumschiffaufnahmen gedreht wurden. Insgesamt waren über 200 Künstler an der Entstehung des Films beteiligt, von denen RON COBB die Nostromo mit allen drei Decks entwarf. Allein für die kurzen Szenen im Bauch des Alien-Schiffes wurden 130 einzelne Eier angefertigt. Richtig berühmt ist Alien – oder besser gesagt DAS Alien – wegen dem morbiden und dennoch unglaublich versierten Design von H.R. GIGER. Das schließt das Alien an sich, das abgestürzte Raumschiff sowie natürlich den Facehugger mit ein, der darüber hinaus als Erstes entstand. Besonders in manchen Panoramaansichten des außerirdischen Raumschiffes merkt man in jedem Detail die unheimliche und furchteinflößende die Handschrift H.R. GIGERs. Bei der Kamera verzichtete SCOTT auf schnelle Zooms, rückte dafür aber langsamere Kamerafahrten in den Mittelpunkt. Die Kamera passt sich dabei perfekt der Stimmung an und bleibt in fast allen Szenen ruhig, außer wenn es hektisch wird und SCOTT mehr und mehr auf die Handkamera zurückgriff, die er in Alien gänzlich sogar selbst führte. SCOTT arbeitete bei der Inszenierung oft auch mit psychologischen Tricks und erklärte den Schauspielern die Szenen nur grob, so dass sie zwar wussten, was sie zu tun hatten, aber keine Ahnung davon, was wirklich auf sie zukam. Ein perfektes Beispiel wäre die Chestbuster-Szene, wahrscheinlich die wohl berühmteste Szene im ganzen Film, die gleich mit dem ersten Take im Kasten war. Nur JOHN HURT, der die zentrale Rolle der Szene spielt, war vollständig eingeweiht. Der Schock und die Überraschung seiner Kollegen sind also weit mehr echt, als nur gespielt.

Alien 28Obwohl im fertigen Film nur sehr wenig davon zu spüren ist, wurde von Oscar-Preisträger JERRY GOLDSMITH (Das Omen, Star Trek, Rambo, L.A. Confidential, Poltergeist) ein recht imposanter Soundtrack komponiert und eingespielt. RIDLEY SCOTT und TERRY RAWLINGS waren aber der Ansicht, dass karge, düstere und vor allem minimalistische Geigenpartien viel eher zu dem Film passen würden und griffen darum zum Teil auf SMITHs Filmmusik von Freud aus dem Jahr 1962 zurück. JERRY GOLDSMITH war daraufhin so erbost, dass er einen unerbittlichen Streit mit SCOTT und RAWLINGS heraufbeschwor. Die Auseinandersetzung wurde so schlimm, dass fast der gesamte Soundtrack des Films gestrichen wurde. So musste die Endsequenz völlig neu eingespielt werden, wobei man sich bei „Symphony No 2 (Romantic)" von HOWARD HANSON bediente. Bis zu seinem Tod war GOLDSMITH so verbittert über diese Entscheidung, dass er sich schwor nie wieder für RIDLEY SCOTT zu arbeiten, was ihm auch fast gelang. 1985 komponierte GOLDSMITH dennoch eine etwas kleinere Score für SCOTTs Fantasyklassiker Legende. Der US-Verleih fürchtete nämlich, die ursprüngliche Filmmusik würde für ein vergleichsweise junges Publikum nicht anziehend genug wirken. Bis auf diese Ausnahme aber gelang es JERRY GOLDSMITH seinen Schwur bis zu seinem Tod im Jahre 2004 einzuhalten. Außerdem ist in einer kurzen Szene „Eine kleine Nachtmusik" von WOLFGANG AMADEUS MOZART zu hören.

 

Alien 41Alien lebt davon, dass man als Zuschauer nicht ahnen kann, was als Nächstes geschieht. Und dazu gehört auch, dass man zunächst keinen Hauptdarsteller ausmachen kann. Tatsächlich erscheint es so, als ob jeder Charakter von Anfang an gleichberechtigt betrachtet wird und sogar das Alien wird im Laufe des Films immer mehr zu einem Charakter als nur bloße Bestie. Nicht umsonst führt Alien in etlichen Ländern den Untertitel  Der 8. Passagier. Als einfacher Zuschauer neigt man darum instinktiv sich an die übliche Schiffshierarchie zu halten und im Kapitän die wichtigste Filmfigur zu sehen, der von TOM SKERRITT gespielt wird. Er spielt zurückhaltend, ruhig, zeigt aber dennoch Autorität. Er ist der freundliche Nachbar, der verlässliche Kumpel und gleichzeitig der unumschränkte Führer des Schiffes, der seine Crew kennt und genau weiß, was jeder kann. Der wissenschaftliche Offizier und Schiffsarzt Ash wird von IAN HOLM verkörpert, der ihn auch ebenso kühl und teils auch so steril darstellt, als ob er die personifizierte Wissenschaft selbst wäre. Die Mimik  ist spärlich und Gestik gerade noch so, dass HOLM in seiner Rolle als Mensch durchgeht. Das wirkt anfangs noch befremdlich, allerdings auch mit einem sehr guten Grund, und kontrastiert bewusst mit dem Rest der Crew. Ganz besonders mit den Technikern Parker und Brett alias YAPHET KOTO und HARRY DEAN STANTON, die als lässiges Duo mit herbem Charakter etwas Leben in den tristen Alltag der Nostromo bringen. KOTO gibt dabei den etwas kernigeren Typen mit rauem Charme und STANTON den flapsigen Hawaiihemd-Träger. Alien 40JOHN HURT stand schon kurz nach Beginn der Castings als erster Offizier Kane fest, der für seine Rolle für den BAFTA-Award nominiert wurde. Dermaßen natürlich spielt der Brite die Rolle des seriösen Offiziers, der seine Pflichten ernst und das Leben locker nimmt - besonders, wenn es ihm entrissen wird. VERONICA CARTWRIGHT war zunächst als Unteroffizierin Ripley vorgesehen und erfuhr erst bei der Kostümprobe, dass sie nun doch die Rolle der Navigatorin Lambert bekam. Zuerst verärgert akzeptierte sie schließlich, als man ihr sagte, dass sie die Angst und die Panik des Publikums verkörpern sollte; und das tut sie auch mit Bravour. Man spürt die Angst, die Wut, die pure Panik zusehends. Schließlich gewann CARTWRIGHT auch den Saturn Award für ihre Rolle. Alien war für SIGOURNEY WEAVER erst der zweite Kinofilm und damit schon der Durchbruch zu einer steilen Karriere, obwohl es zu Beginn des Films überhaupt nicht danach aussieht. Zuerst ist sie nur ein unscheinbares Crewmitglied, von dem man nicht sonderlich viel zu sehen bekommt. Jedoch rückt sie ab der Hälfte von Alien immer mehr in den Mittelpunkt und muss quasi ihre Kollegen ersetzen. Die Vernunft, die Befehlsgewalt, die Angst, die Panik und auch den Überlebenswillen, der sich in einer zähen Widerstandskraft äußerst. Das mehr oder wenige burschikose Spiel von WEAVER trägt dabei sehr viel zu ihrer Überzeugungskraft bei und half unbestritten mit, heldenhafte Rollen auch in männlich dominierten Genres mit starken Frauen zu besetzen. Nicht umsonst gilt Ripley als erste Heldin des Actionkinos, auch wenn man in Alien – dem ersten Film – noch nicht direkt davon sprechen kann, sondern erst ab der Fortsetzung Aliens – Die Rückkehr.

 

Fazit: Auch noch nach über 30 Jahren sorgt der oft kopierte, doch noch immer unerreichte Klassiker Alien durch seine extrem dichte Mischung aus Horror und Science-Fiction für extreme Hochspannung, wobei die sexuellen Anspielungen den Zuschauer direkt instinktiv und intensiv ansprechen. Alien ist ein hintersinniges Angsterlebnis, was man bis dato so im Kino noch nie erlebt hat. Durch die geniale Regie von RIDLEY SCOTT, dem grandiosen Drehbuch, das zeitlose Design von H.R. GIGER, den hervorragenden Special Effects und den superben Schauspielern verdient es Alien wahrhaftig auf jeder Ebene Meilenstein genannt zu werden.

Darüber hinaus war dieser Meilenstein der Grundstein für eine der erfolgreichsten Franchises der Welt, die mit Aliens – Die Rückkehr, Alien³ und Alien Resurrection sowie die beiden Crossover Alien Vs. Predator und Alien Vs. Predator: Requiem weitergeführt wurde. Und auch wenn einige Fortsetzungen ihre Sache wirklich großartig gemacht haben. Alien von 1979 ist bisher auch innerhalb der Franchise das unübertroffene Meisterwerk. Wie erfolgreich und beliebt die Franchise nach über 30 Jahren ist, das zeigt das Prequel mit dem Titel Prometheus – Dunkle Zeichen, bei dem Sir RIDLEY SCOTT wieder Regie geführt hat und damit eine triumphale Rückkehr zum Science-Fiction-Genre feiern konnte.

 


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