Bait 3D - Haie im Supermarkt

Bait 3D - Poster 02Regie: KIMBLE RENDALL
Drehbuch: JOHN KIM & RUSSEL MULCAHY mit Ergänzungen von SHAYNE ARMSTRONG, SHANE KRAUSE, DUNCAN KENNEDY und JUSTIN MONJO
Medium: Kino
Spielzeit: 91 Minuten
FSK: ab 16 Jahren
Start: 11. April 2013

„Hör zu, du Arschloch! Ich für meinen Teil glaube, dass diese Viecher Blut geleckt haben. Totes Fleisch interessiert sie nicht mehr. Darum denke ich, wir brauchen einen viel größeren Köder; einen viel lebendigeren Köder!"


Bait 3D - 13Bait 3D – Haie im Supermarkt ist der letzte Film in einer ganzen Reihe von Tierhorrorfilmen, die sich alle rund um das Thema Haie drehen, aber der erste seit Deep Blue Sea im Jahr 1999, der es auch wirklich in unsere Kinos schafft. Denn sowohl der trashige Shark Night 3D als auch der ambitionierte, doch recht träge Dark Tide konnten vorher kaum Zuschauer in die Kinos locken. Auch um Bait 3D war es zunächst nicht gut bestellt, doch schließlich konnte die australische Produktion in den USA und vor Allem in Asien genügend Umsatz und Aufmerksamkeit abwerfen, dass auch wir Deutschen Gelegenheit bekommen den Horrorthriller in unseren Kinos zu sehen. Produziert wurde der Hai-Thriller von Routinier RUSSELL MULCAHY (Highlander, Talos – Die Mumie, Resident Evil: Extinction, Give 'Em Hell Malone), der auch beinahe die Regie übernommen hätte. In letzte Minute jedoch übernahm KIMBLE RENDALL (Cut) das Regiezepter und verfilmte damit ein Skript von MULCAHY selbst und Debütant JOHN KIM. Allerdings wurde das Drehbuch im Nachhinein von DUNCAN KENNEDY (Deep Blue Sea), SHAYNE ARMSTRONG und SHANE KRAUSE (K9) sowie JUSTIN MUNJO (Farscape) ergänzt. Die Hauptrollen spielen XAVIER SAMUEL (Anonymus, The Loved Ones, Twilight Eclipse), SHARNI VINSON (Step Up 3D, You`re Next), ALEX RUSSELL (Chronicle), JULIAN MacMAHON (Charmed, Nip/Tuck) und die äußerst ansehnliche PHOEBE TONKIN (The Secret Circle). In den deutschen Kinos startet Bait 3D – Haie im Supermarkt am 11. April 2013 und unsere Kritik klärt euch darüber auf, ob Horrorthriller euch ködern kann oder wie die zwei vorherigen Hai-Thriller gleich gefressen wird.

Bait 3D - 06Es war damals Liebe auf den ersten Blick, zwischen dem Rettungsschwimmer Josh und Tina. Sie haben sich über ihren Bruder Rory kennengelernt, der ein guter Freund und Kollege von Josh ist. Da war es nur selbstverständlich, dass Rory den Junggesellenabschied von Josh organisierte, bei dem es ordentlich zur Sache ging. Jetzt hat Josh einen dicken Schädel und kann kaum richtig stehen, weswegen Rory seine Schicht als Rettungsschwimmer übernimmt und sich Josh von Tina pflegen lassen kann. Doch so harmonisch und glücklich der Tag auch beginnt, er endet mit einer Tragödie. Rory versucht einen Schwimmer vor einem Hai zu retten und fällt selbst dem Raubfisch zum Opfer.
Ein Jahr später hat sich Josh von dem Unfall kaum erholt. Er macht sich schwere Vorwürfe für den Tod von Rory, er gab seinen Beruf als Rettungsschwimmer auf und seine Beziehung zu Tina ging in die Brüche, die anschließend nach Singapur ging. Josh arbeitet seitdem in einem Supermarkt und lebt mehr oder weniger in den Tag hinein, als er zufällig Tina während seiner Arbeitszeit begegnet – mit ihrem neuen Freund Steven! Doch noch bevor die Drei den peinlichen Moment verdauen können, befinden sie sich schon mitten in einem Raubüberfall. Doch es soll noch viel viel schlimmer kommen. Ein riesiger Tsunami bricht nämlich über die Küstenstadt hinein. Da der Supermarkt unterirdisch angelegt ist, wird er augenblicklich vom Meerwasser überschwemmt und verwüstet. Trümmer und zerstörte Autos blockieren den Laden und die Tiefgarage. Das Wasser sickert unaufhörlich nach und der Supermarkt droht den Überlenden zu einem nassen Grab zu werden. Aber das ist nicht einmal ihr geringstes Problem. Der Tsunami hat mehrere große, hungrige Weiße Haie in den Supermarkt gespült. Das Wasser steigt stetig, die Haie sind hungrig und die Zeit läuft ab!
Bait 3D - Banner 02Über die trashige Konstellation von einem überfluteten Supermarkt und darin gefangenen Menschen, die von Haien bedroht werden, muss man eigentlich nicht groß herumdiskutieren. Die große Frage lautet, ob und wie Bait 3D – Haie im Supermarkt unterhalten kann – und das kann er verdammt gut!
Bait 3D - 08Bait 3D eifert nämlich den großen alten Monsterfilmen nach und setzt in seiner Atmosphäre vollends auf Spannung und packende Hai-Szenen, ohne einen gewissen Humor und auch eine kleine Dosis Action nicht zu vernachlässigen. Dabei trifft Regisseur RENDALL genau den Nerv für den richtigen Moment und weiß ganz genau, wie er seinen Horrorfilm am besten präsentiert. Bait 3D nimmt sich dann Ernst, wenn es grausig wird und es drauf an kommt, und wird dann trashig, wenn es sich der Film leisten kann. Beispielsweise zeigt sich der Horrorthriller in seinen Charakteren wohltuend natürlich und ebenso schonungslos die verheerenden Auswirkungen des Tsunamis, benutzt aber in seiner Erzählung nahezu klassische Spannungsbögen, mitunter bluttriefende Szenen der Haiattacken und vergisst trotzdem niemals, dass es sich nur um einen Popcornfilm handelt. Dabei darf man sich getrost ein Lächeln über manche Ideen wie zum Beispiel eine Rüstung aus Einkaufswagen erlauben, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass dieser Hai-Thriller genau wieder zur rechten Zeit spannend wird und auch vor splattrigen Szenen nicht zurückschreckt. Wenn die Haie hier in Bait 3D attackieren, dann wollen sie damit töten und fressen, was mit jeder Menge Suspense, Schockmomenten und regelrecht zerfetzten Leibern ungesetzt ist. Dabei macht der Horrorthriller auch vor seinen großen Vorbildern wie Der weiße Hai und Deep Blue Sea nicht halt, zitiert sie sogar teilweise und schafft es immer noch dem Thema neue Spannungsbögen abzugewinnen. Aber anders als für unsere moderne Zeit üblich, nehmen sich RUSSELL MULCAHY und KIMBLE RENDALL die gewagte Freiheit heraus ihre Mörderfische zu gnadenlosen Killermaschinen zu dämonisieren. Sie vertrauen auf das Hintergrundwissen und das Verständnis des Zuschauers, dass es sich bei weißen Haien um schlichte Raubtiere handelt, die ihren überlebenswichtigen Trieben nachgehen. Und sofern man sich dessen bewusst ist, kann man sich mit Bait 3D auf einen leicht trashigen, aber auch sehr spannenden Horrortrip einlassen, der in seiner Atmosphäre perfekt ausbalanciert ist.

Bait 3D - 18Der Plot von Bait 3D ist nicht allzu umfangreich, weshalb der Horrorthriller sich schon recht früh in zwei parallele Handlungsstränge aufteilt. Zum einen in den Ladenräumen des Supermarktes und zum Zweiten in der Tiefgarage. In beiden Räumen stützt sich der Hai-Thriller allerdings auf die Not- und Zwangslage seiner Figuren, was das Drehbuch auch vollends ausschöpft, da nicht nur die Haie als potentielle Todesgefahren ausgelotet werden. Auf diese Weise baut Bait 3D immer mehr und mehr Druck auf seine Figuren auf, die sich zwar genretypisch verhalten, aber durch das Skript nicht zu schlichten 08/15-Opfern degradiert werden. Außerdem kann man nicht immer vorhersehen, welcher Charakter nun auf welche Art ums Leben kommt. Überhaupt kann man an dem Drehbuch wenig bemängeln. Das Skript gibt den Charakteren genügend Zeit, es gibt den Haien genügend Zeit und auch die Action kommt nicht zu kurz. Logikfehler vermeiden RUSSEL MULCAHY und JOHN KIM so gut es geht, doch dafür wirken vereinzelte Momente wiederum arg konstruiert. Aber das stört kaum, denn dazu ist Bait 3D viel zu stimmig erzählt. Nämlich grundsätzlich rasch, ohne überflüssige Szenen, aber doch auch mit ruhigeren Momenten, die sich nicht auf zwischenmenschliche Dramen stützen. Überhaupt konzentriert sich der Film wohltuend auf seine Spannungsbögen und nicht, wie manch andere Genrevertreter, auf das Abkratzen seiner Figuren. Darüber hinaus bleibt Bait 3D in sich geschlossen und ergibt ein schön rundes Bild, obwohl ein eigenständiges Sequel bereits bestätigt worden ist, was direkt auf den amerikanischen Markt abzielt. An dieser Stelle soll der Sicherheit halber erwähnt sein, dass es sich ausdrücklich um eine Fortsetzung handelt und kein Remake.

Bait 3D - 11Bait 3D entstand gänzlich in Queensland an der Nordostküste Australiens, wobei es nur wenige Außenaufnahmen von der Goldküste und Surfers Paradise zu sehen gibt. Denn da sich der Hai-Thriller zu circa 85% in den überfluteten Räumen abspielt, wich man auf die neugebauten Movieworld-Studios von Warner Bros. zurück, die zwei riesige Sets zu Verfügung stellen konnten, die eigenes für umfassende Wasserszenen gebaut worden sind. Das nutzte das Filmteam auch ordentlich aus und verwandelte die Sets in ein eindrucksvoll realistisches Tsunami-Szenario. Autos wurden rumgerissen, Häuser und Einrichtungen sind zerstört, das Wasser steigt stetig und überall sind Leichen und Leichenteile zu sehen. Die Zerstörungen des Supermarktes und der Tiefgarage wirken beinahe greifbar und da merkt man auch, dass sich das Filmteam richtig Mühe gab. Das erkennt man auch an den Haien selbst, die keine reinrassigen Weißen Haie darstellen. Wie bereits in der Atmosphäre beschrieben, nehmen sich die Filmemacher die Freiheit heraus die Haie zu dämonisieren; sie zu regelrechten Monstern zu machen. Das geschieht mittels dem groben Look, der zwar Weißen Haien nachempfunden ist, allerdings schnittiger und viel dynamischer ist. In ihren „Fratzen" ähneln die Biester weit mehr einem Mako, der nach Meinung von Regisseur RENDALL einfach viel grausiger und furchteinflößender wirke. Ob das nun wirklich so ist oder nicht, das bleibt dem Zuschauer überlassen, aber blutig morden können diese Viecher auch so. Die Todesszenen in Bait 3D sind teils handgemacht, teils mit dem Computer, aber immer schön gory und dem Gespür für den richtigen Blickwinkel. Manche Details in einigen Szenen zeigt die Kamera nämlich nicht richtig, was gleich umso derber rüberkommt. Die Computereffekte von Bait 3D sind zwar nicht wirklich das Wahre, doch dafür liefert der Hai-Thriller ein umso besseres 3D auf einem hohen Standard, weshalb der Aufpreis durchaus gerechtfertigt ist.

Bait 3D - 16Da das Drehbuch von Bait 3D nicht die Haie zu seinen Hauptdarstellern stilisiert, war hier Trotz der Suspense und Schockmomente doch noch ein wenig Schauspielkunst gefragt. Dieser Aufgabe kann sich das treffend besetzte Ensemble problemlos stellen, dem XAVIER SAMUEL mit stoisch besorgter Mine voranschreitet. Allerdings bleibt er dabei wohltuend natürlich und verzichtet auf allzu große Depressionen, obwohl seine Rolle dafür prädestiniert wäre. SAMUEL weiß, welche Werte in Bait 3D von Belang sind und hält die überzeugende Anspannung und Verzweiflung bis zum Ende durch. SHARNI VINSON fiel die undankbare Aufgabe eine Schlampe zu spielen, ohne wie eine Schlampe zu wirken, wenn man bedenkt, was für ein Gefühlschaos das Skript für sie bereit hält. Also tut VINSON das einzig Richtige und gibt sich in Zurückhaltung, was die Spannung zwischen den Charakteren auf einem natürlichen Level hält. JULIAN MacMAHON kennt man am ehesten als arroganter Schleimbeutel aus Charmed und Nip/Tuck, doch in Bait 3D wirkt er überraschend kühl und distanziert. Auch nicht schlecht, wenn man bedenkt, welche Rolle das Drehbuch für ihn bereit hält. Anders als bei PHOEBE TONKIN, die bewusst als kleines Eyecandy besonders für Goth-, Rock- und Metalfans interessant ist. Auch ihr widmet der Thriller weit mehr Zeit, als man anfangs vermuten möchte, was man auch leicht verkraften kann. ALEX RUSSELL zeigte ja schon in Chronicle eine überraschend gute Leistung, die er in Bait 3D relativ gut halten kann. Denn seine Screentime ist hier ein wenig begrenzt und konzentriert sich auf den Kampf in der Tiefgarage, den eine gute aufgelegte CARIBA HEINE und ein lässiger LINCOLN LEWIS als Proletenpärchen Heather und Kyle mit allerhand Spielspaß und fiesem Humor aufpeppen.

Fazit: Hier ist zwar schlichtes Popcorn-Niveau angesagt, aber Bait 3D – Haie im Supermarkt macht - bis auf den bescheuerten deutschen Zusatztitel - als Unterhaltungsfilm und Horrorthriller Alles richtig. Der Hai-Thriller ist detailreich ausgestattet, mit viel Elan gefilmt und äußerst unterhaltsam umgesetzt. Der Horrorfilm besitzt akzeptable Schauspieler, ein solides Drehbuch mit bissigen Haiattacken, grausigen Todesszenen, liefert Suspense an den richtigen Stellen und räumt nur dann Humor ein, wenn es passt. Wir werfen 8 von 10 Köder ins Wasser.