Curse Of Chucky

Curse Of Chucky - Cover 03Regie: DON MANCINI
Drehbuch: DON MANCINI
Medium: Blu Ray & DVD
Spielzeit: 97 Minuten
FSK: ab 16 Jahren
Start: 24. Oktober 2013

„Warum betest du nicht für Chucky?"


„Chucky sagt, es gibt keinen Gott."

„Warum?"


„Er sagte, das Leben ist 'ne Schlampe und wenn es zu Ende geht, dann stirbst du blutend wie ein abgestochenes Schwein."



Curse Of Chucky 10Chucky gehört zu jenen Slashern, die mit einem gehörigen Kultstatus die 1980er und die 1990er erfolgreich überlebt haben und heute zu den ganz großen Filmkillern gehören. Die Mörderpuppe darf man an dieser Stelle ruhig in einem Atemzug mit Michael Myers, Jason Vorhees und Freddie Krüger nennen. Wenn man sich diese Liste allerdings etwas genauer ansieht, dann stellt man fest, dass bisher jeder große Name im Slasher-Genre mal mehr, mal weniger stark neu verfilmt worden ist. Und wie man sich an dieser Stelle denken kann, so sollte auch Chucky - Die Mörderpuppe die leidige Prozedur einer Neuverfilmung erfahren. Erst recht, nachdem der bisher letzte Film mit dem Titel Chuckys Baby im Jahr 2004 übel an den Kinokassen floppte. DON MANCINI jedoch, der die Reihe seit dem ersten Teil im Jahr 1988 als Drehbuchautor betreute, wehrte sich fast schon verbissen gegen ein Remake und schmiedete seinerseits Pläne zu einer fünften Fortsetzung, was zu einem schweren Konflikt mit verschiedenen Studios führte. Nach über acht Jahren Argumentations- und Finanzierungsstreitigkeiten wurde jedoch beschlossen, DON MANCINI nachzugeben. Chucky wird (noch) nicht neu verfilmt und der originalen Mörderpuppe stattdessen die Chance eingeräumt, sich in einem weiteren Teil zu bewähren. Leider konnte dieses Ergebnis nur erreicht werden, indem man sich nicht auf einen weiteren Kinofilm, sondern auf einen DTV-Film einigen konnte. Dass heißt, der neue Chucky sollte direkt für die Heimkinos produziert werden.
Nachdem zumindest dieser Kompromiss erreicht war, konnte glücklicherweise die Produktion recht schnell anlaufen, weil DON MANCINI sein Projekt sehr sorgfältig vorbereitet hatte. So war das Drehbuch, was natürlich wieder von ihm selbst stammte, schon lange Zeit vorher bereits komplett geschrieben, wobei MANCINI nach Chuckys Baby abermals die Regie übernahm. Sogar der Titel Curse Of Chucky stand schon lange vor Drehbeginn fest. Seit Chucky im Jahr 1988 lieh Horrorstar BRAD DOURIF (Deadwood, Pulse, Body Parts, Death Machine) der Mörderpuppe die Stimme und selbstverständlich kehrte er auch für den sechsten Teil zurück. Und mit ihm auch gleich seine Tochter FIONA DOURIF (True Blood), die eine der Hauptrollen in Curse Of Chucky übernommen hat. In weiteren Rollen zu sehen sind DANIELLE BISUTTI, A MARTINEZ (Longmire), BRENNAN ELLIOT (Cedar Cove) und MAITLAND McCONNELL.
Im Herbst 2013 wurde Curse Of Chucky schließlich veröffentlicht und entwickelte sich bereits innerhalb kürzester Zeit zu einem absoluten Renner. Die Absatzzahlen der Blu Ray & und der DVD schossen weltweit in die Höhe. Curse Of Chucky ist also ein richtig fetter Hit in den Heimkinos geworden. Ob der Hit nun verdient ist, das wird sich nun in unserer Kritik zeigen.

Curse Of Chucky 07Nica hatte es von Anfang an nicht leicht in ihrem Leben. Schon seit ihrer Geburt sitzt sie im Rollstuhl und musste von ihrer Mutter Sarah umsorgt werden. Gemeinsam bewohnen sie ein hübsches und großes Haus nahe einer kleinen Gemeinde. Eines Abends stirbt Sarah jedoch unerwartet und überraschend. Nica ist am Boden zerstört und hilflos, denn jetzt steht sie quasi ganz alleine dar. Schlimmer noch, denn jetzt ist sie ihrer älteren Schwester Barb und ihrem Schwager Ian ausgeliefert, die nun wegen der Beerdigung anreisen. Barb und Ian empfanden Nica schon immer als lästig, obwohl sie es ihr nie direkt ins Gesicht gesagt haben. Doch nun, da Sarah nicht mehr ist, zeigen sie ihre wahren Gesichter. Das Haus soll verkauft werden, Nica wird ausgezahlt und in ein Pflegeheim abgeschoben. Nica ist geschockt und verärgert und wehrt sich mit aller verbleibender Macht, aber sogar der bekannte Pfarrer versucht die junge Frau zu überreden, das Haus aufzugeben. Unterstützung bekommt Nica jedoch ausgerechnet von Barbs Töchtern, der kleinen Alice und der heranreifenden Sarah, mit denen sich Nica gut versteht. Ausgerechnet in dieser schwierigen Situation sterben plötzlich immer mehr Menschen in ihrem Umfeld einen grausamen Tod. Dem Augenschein nach könnte es sich um schlichte Unfälle handeln. Doch so tödliche Unfälle, so blutige Unfälle und dann noch so viele auf einmal? Natürlich verdächtigt Jeder Jeden, doch nur Nica ahnt, dass keiner von ihnen der Mörder ist, sondern eine merkwürdige Spielzeugpuppe mit roten Haaren, die einige Tage vorher mit der Post an Nica geschickt worden ist.
Curse Of Chucky 12Wahrlich, es hätte hier nur ein wenig mehr Budget gefehlt und Curse Of Chucky hätte ebenso gut in unseren Kinos laufen können. Mit seinem neuesten Horrorabenteuer entfernt sich die Mörderpuppe nämlich vom übertriebenen Humor der Vorgänger und kehrt zurück zu seinen düsteren und spannungsreichen Wurzeln.
Curse Of Chucky 06Dass heißt, hier zählt viel mehr der subtile Grusel, wie er besonders im ersten Teil 1988 wichtig war, und das bedeutet auch, dass es hier gar nicht so viel Chucky zu sehen gibt. Denn während die Mörderpuppe ab dem dritten Teil Stück für Stück in den Mittelpunkt der Erzählung gerückt wurde, so rückt MANCINI hier von dieser Erzählperspektive wieder ab und berichtet wieder aus der Sicht der Opfer Chuckys, die sich der Existenz der besessenen Puppe nicht bewusst sind. Mit anderen Worten: Chucky wird hier wieder zu einer unsichtbaren, unheimlichen und mysteriösen Gefahr, die nach dem 10-Kleine-Negerlein-Prinzip ein Opfer nach dem anderen killt. Auf diese Weise wird der Humor auf ein absolutes Minimum reduziert und stützt sich auf die Situation von Nica, die sich mit ihrer geldgeilen und gar nicht so herzlichen Familie auseinandersetzen muss. Slapstick, wie in den letzten beiden Filmen Chucky und seine Braut und Chuckys Baby, gibt es hier absolut nicht zu sehen. Sondern viel eher sarkastische Kommentare und Wortgefechte zwischen den einzelnen Familienmitgliedern, die zwischen den Zeilen so bitter sind, dass man sich vollends mit Nica identifizieren kann. Aber nicht nur die Beziehung zwischen Nica, sondern auch die Beziehungen der restlichen Familienmitglieder lässt MANCINI nicht unbeobachtet. Das kommt den ohnehin schon zahlreichen Suspense-Szenen sehr zu Gute, die im Laufe des Films immer stärker und stärker ausgebaut werden, denn die Todesszenen wirken auf diese Weise wieder wesentlich effektiver auf den Zuschauer. Nicht zuletzt auch deswegen, weil Chucky hier seine Opfer nicht einfach nur brutal wegkillt, sondern hier erstmals auch zu subtilen Mitteln wie Strom oder Rattengift greift. Auf diese Weise wirkt Chucky noch viel bösartiger als in den Vorgängern. Es schürt Verdachtsmomente und falsche Fährten – auch beim Zuschauer – bevor die Mörderpuppe wieder selbst zum Messer greift. Und dann wird es unter Umständen auch sehr blutig mit vereinzelten Splatterszenen, die zwar immer noch leicht übertrieben sind, jedoch auch endlich wieder ekelhaft und brutal genug, um überzeugen zu können.

Curse Of Chucky 11Einen großen Anteil an der inhaltlichen Spannung von Curse Of Chucky besitzt auch die Frage, was Chucky denn eigentlich mit Nica und ihrer Familie zu schaffen hat. Schon klar, er möchte sie umbringen. Aber warum? Das Motiv liegt lange Zeit im Dunkeln und wird erst zum Schluss vom berühmten Bösewicht selbst gelüftet; fast schon wie in einem klassischen Krimistück. Man darf an dieser Stelle auch nicht unter den Tisch fallen lassen, dass Curse Of Chucky einen weiten Bogen über alle sechs Filme spannt – auch die beiden letzten Teile – wobei er inhaltlich eine neue Storyline verfolgt, bei der sich DON MANCINI als Autor richtig ins Zeug gelegt hat. Tatsächlich erweist sich Curse Of Chucky als recht komplex, fernab von den simplen Horrorgeschichten seiner Vorgänger. Ich würde sogar soweit gehen, dass wohl keiner der Chucky-Filme bisher so ein durchdachtes Drehbuch hatte, was besonders in den spitzen Dialogen deutlich wird. Am Anfang ist das natürlich noch simpel, aber der Film steigert sich in rascher Reihenfolge und legt Wert auf seine Figuren. Da gibt es während des Films immer mal wieder kleinere und größere Überraschungen, bei denen die Todesszenen auch endlich wieder echte Höhepunkte sind. Und das eigentliche Ende erst! . . . Das war ne richtig geile und äußerst angenehme Überraschung, auf die es im Laufe des Horrorfilms nicht den geringsten Hinweis gibt, aber sich dennoch vollkommen in die Geschichte von Curse Of Chucky bzw. der gesamten Franchise einfügt. Doch der hübsche Knall am Ende ist nicht die einzige Überraschung des Horrorfilms. Wartet man den Abspann ab, so erwartet die Zuschauer noch eine weitere und nicht minder coole Überraschung, die direkt an einen siebten Teil verweist, der wegen des immensen Erfolges von Curse Of Chucky bereits bestätigt worden ist.

Curse Of Chucky 13Man muss jedoch auch eindeutig festhalten, dass Curse Of Chucky trotz des versierten Drehbuches und der gelungenen Rückkehr zum reinen Horror nicht perfekt ist. Das fängt schon bei recht durchschnittlichen Kameras an und zieht sich weiter über einen recht unspektakulären Schnitt, bis letztendlich auch die Tricktechnik an sich kein besonderer Hit ist, obwohl die Effekte sogar noch im trashigen Chuckys Baby auf der ganzen Linie überzeugen konnte. Wie es sich im Film darstellt, wurde wie bei modernen Produktionen zweigleisig gearbeitet. Einerseits mit traditioneller Robotik, andererseits mit Computereffekten, die zusammen jedoch kein einheitliches Bild der Mörderpuppe vermitteln können. Das heißt im Klartext, in der einen Szene sieht Chucky noch wirklich wie das unheimliche Killerspielzeug aus, was wir im ersten Teil kennengelernt haben, und später wie die vernarbte Missgestalt aus Chucky und seine Braut. Zwischen drin wirkt Chucky jedoch wie ein kleiner Lausbub, der Nichts weiter als ein paar böse Streiche im Sinn hat. Zwar ausnahmslos tödliche Streiche, doch die optischen Ungereimtheiten lassen sich bei solch starker Diskrepanz leider nicht mehr ignorieren. Wesentlich geschickter arbeitete MANCINI beim Make-up und der Farbgebung, denn das Drehbuch sah vor, dass BRAD DOURIF nicht mehr nur als Stimme von Chucky zu hören ist, sondern zum ersten Mal seit 25 Jahren auch wieder als Serienmörder Charles Lee Ray vor der Kamera zu finden ist. Mit ein wenig Schminke und den langen, versifften Haaren konnte DOURIF schon recht nahe an das Bild aus dem Jahr 1988 angeglichen werden. Für den letzten Schliff setze MANCINI noch auf einen zarten Weichzeichner, mit dem die letzten kleinen Falten optisch getilgt wurden, und um auf Nummer sicher zu gehen, wurden die Rückblenden vollständig in Schwarz/Weiß gehalten. Auf diese Weise ist BRAD DOURIF vor der Kamera kaum gealtert.

Curse Of Chucky 05Auch in seinem Spiel hat sich BRAD DOURIF kaum verändert und spielt in den wenigen Minuten der Rückblenden wieder einen bewusst zwielichtigen Charles Lee Ray, der vor Bösartigkeit kaum zu überbieten ist. Dabei spielt DOURIF genauso energisch und wutentbrannt, wie vor 25 Jahren, und alleine schon sein kleiner Auftritt vor der Kamera macht Curse Of Chucky für Horrorfans sehenswert. Das Drehbuch sah außerdem vor, dass BRAD DOURIF hier auf seine eigene Tochter FIONA trifft, die sich als gebeutelte Nica keine Blöße zu geben braucht. An der Grenze zum Overacting agiert sie als verletzte junge Frau, die sich im ständigen Kampf mit sich selbst und ihrer Familie befindet. Und später auch noch im Kampf gegen eine amoklaufende Killerpuppe. Daneben können aber auch alle Nebendarsteller überzeugen, wie ein sichtlich gealterter A MARTINEZ als zerrissener Pfarrer, der sich nicht entscheiden kann, was denn nun das Beste für Nica ist. Oder auch DANIELLE BISUTTI, der als ältere Schwester Barb der Neid und die Missachtung ins Gesicht geschrieben stehen, obwohl sie sich auch widerwillig um Nica zu sorgen scheint. Davon kann bei ihrem Mann Ian keine Rede sein, der erstens Geldsorgen hat und zweitens ein Auge auf die Babysitterin Jill geworfen hat; gespielt von der attraktiven MAITLAND McCONNEL. Aber das geschickte Skript hat auch ihr eine Rolle mit etwas Substanz eingeräumt, damit die junge Dame nicht nur einen dekorativen Wert hat.

Fazit: Mit der Rückkehr zum reinen Horror macht Drehbuchautor und Regisseur DON MANCINI Alles richtig! Curse Of Chucky ist ein spannender Horrorfilm voll von subtilem Grusel und einem raffinierten Drehbuch, das tief in die Franchise eintaucht, alle Filme der Reihe beachtet und dennoch mit einem neuen Storyansatz überraschen kann. Im Endeffekt hat Curse Of Chucky nur das Problem seiner unausgereiften Spezialeffekte, ansonsten hätte der nun mittlerweile sechste Filme der Horrorreihe das volle Potential gehabt in unseren Kinos zu laufen. Denn mit seiner düsteren und ernsthaften Art, die fast völlig auf Humor verzichtet, gehört Curse Of Chucky auch zu den besten Filmen der Reihe. Wir vergeben 8,5 von 10 Punkten.



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