MY BLACK LIGHT - Human Maze


My Black Light - Human MazeAlbum: Human Maze von MY BLACK LIGHT

Tracklist:

01. Energy Core
02. Being Human
03. Detriny
04. The Abstainer
05. Noise For Sale
06. Inner World
07. Deadline
08. A Lie For Eternity
09. Ideal
10. Guiding Light
11. Ti Sento
12. Unbreak My Heart

Label: Massacre Records

Vertrieb: Soulfood

Veröffentlichung: 28.10.2011

Review: Die Gothic Metalband MY BLACK LIGHT ist noch eine relativ junge Formation aus dem sonnigen Bella Italia, die sich erst 2008 auf Bestreben von Sängerin MONICA PRIMO und Keyboarder RODOLFO CODA BERTETTO gegründet hat. Durch das Dasein in diversen Coverbands reifte in ihnen nämlich der Gedanke eigene Songs zu schreiben. Rasch wurde das Duo von Bassist MARCO PERALDO, Schlagzeuger EDOARDO GIORDANI und Gitarrist EMANUELE ROSSI ergänzt und MY BLACK LIGHT konnten sich nun voll besetzt ans Werk machen und zunächst wieder als Coverband auf Tour gingen. Raffinierter Weise konnte man sich so schon mal einen kleinen Namen machen und gleichzeitig eine gemeinsame Linie finden, was das Komponieren von eigenem Material erheblich erleichterte. Schon nach wenigen Monaten schließlich standen die ersten Songs und ein Demo wurde aufgenommen, was es in der italienischen Metalzeitschrift Metal Maniacs glatt zur Demo des Monats schaffte. Gestärkt von diesem ersten Etappensieg gingen MY BLACK LIGHT noch im Frühjahr 2010 ins Studio, um ihr Debütalbum Human Maze aufzunehmen, doch die aufgrund der Kreativität wurden die Songs während des Aufnahmeprozesses immer komplexer und ausgereifter, weswegen sich die Aufnahmen ein wenig hinzogen. Allerdings war das Resultat am Ende so gut, dass man im März 2011 einen Vertrag mit Massacre Records unterzeichnen konnte, unter deren Banner Human Maze ab dem 28. Oktober 2011 überall in den Läden stehen wird. Darum wollen wir an dieser Stelle mal gucken, ob Gothic Metal aus dem Italien auch perfekt in unsere dunkle Jahreszeit passt.

 

My Black Light - Monica Primo 01Das Intro „Energy Core" jedenfalls überrascht mit schrägen Elektroklängen, die durch die seltsame Melodie auch weit mehr mit Trance als Metal zu tun haben. Allerdings geht das Intro auch direkt in „Being Human" über, das sofort mit sägenden E-Gitarren und schwerfälligem Takt eine düstere Atmosphäre erzeugt. Die Gesangspassagen sind dabei recht ruhig, wobei die Brücke allzu hektisch ausfällt mit und Growling im Hintergrund leider negativ auffällt. Der Chorus ist zwar wiederum schnell und melodiös, scheint aber kaum zu dem Song dazu zu passen. Ergo; das Stück ist nicht der große Wurf. „Detriny" macht mit der fallenden Melodie, der Schnelligkeit und den barocken Gitarren echt schon weit mehr her, wenn es stellenweise auch ein wenig zu hektisch ist. Dennoch; man steigert sich in großen Schritten und das merkt man auch bei „The Abstainer" merkt. Mit einem hymnischen Intro wird der mittelschnelle und sehr melodiöse Gothic Metalsong eingeleitet, bei dem auch ausgiebiger Gebrauch vom Klavier gemacht wird, mit präsentem Bass gespielt wird und gleichzeitig geht der Song aber auch leicht ins Ohr. Fast könnte man sagen, MY BLACK LIGHT sind endlich im Ohr angekommen, aber eben nur fast. Denn „Noise For Sale" leistet sich abermals einige marginale Fehler wie etwa die ziemlich schrägen und unrunden Elektrotöne, dafür ist der Übergang von hektischem Klanggewitter hin zu einer nahezu arabischen Melodie sehr gut gelungen. Ebenso wie man in dem Stück mit diversen Geschwindigkeiten und artverwandten Genres wie etwa dem Symphonic Metal spielt. „Inner World" dagegen greift geschickt amerikanischen New Metal auf und verwendet ihn als Startschuss für einen schnellen und geradlinigen Gothic Metalsong, der jedoch gegen Ende hin von eintönigen Gitarrensalven und Death Metalgegrowle dominiert wird, wo man schlicht den Bogen zu arg überspannt. Erst mit „Deadline" findet man wieder eine wunderbar melancholische Linie, wenn das Stück noch als Klavier-lastige Ballade beginnt, aber schon sehr bald in einen mittelschnellen Song ausufert, der phasenweise von Sängerin MONICA PRIMO und den tiefen Gitarren von EMANUELE ROSSI beherrscht wird, wobei der Chorus echte Ohrwurmqualitäten aufweist. Ohne nun aber an Qualität einzubüßen geht es mit der metallastigen Halbballade „A Lie For Eternity" weiter, wo nun RODOLFO CODA BERTETTO einen Teil des Gesangs übernimmt; allerdings mit überdeutlichem italienischen Akzent. Dafür macht hier das Zusammenspiel zwischen akustischer Gitarre, Klavier und dem hohen Sopran von MONICA PRIMO echt Laune. „Ideal" ist nur ein kurzes, beruhigendes Intro bestehend aus Piano und MONICA PRIMO, was ganz direkt in „Guiding Light" endet. Nun jedoch wird die Melodie ungleich düsterer, abgehackte Gitarrensalven bauen eine bedrohliche Atmosphäre auf, die aber von einem arg zu verspielten Chorus wieder aufgebrochen wird. Schade, denn aus dem Stück hätte man deutlich mehr herausholen können. An dieser Stelle tun MY BLACK LIGHT allerdings das, auf was die meisten italienischen Gothic Rockbands leider meist verzichten – sie liefern mit „Ti Sento" (deutsch: Du bist) einen Song in der Muttersprache ab! Ein düsterer Metalsong, der mit ätzenden Gitarren gespielt ist und eine hymnische Hookline aufweist, während es im Chorus richtig flott abgeht. Den Abschluss von Human Maze bildet mit „Unbreak My Heart" eine Coversion von TONI BRAXTON, was MY BLACK LIGHT eigentlich nur im Sound und der Geschwindigkeit verändert haben. Ist das Original nur eine weitere 08/15-Divenschnulze, wird bei MY BLACK LIGHT eine schnelle Gothic Metalnummer daraus, wo MONICA PRIMA ihre Lungenflügel auch fordern muss und dem Album so ein passendes Ende gibt.

My Black Light - Band 02

Das Klangbild von Human Maze ist an für sich schon etwas umfangreicher, als bei üblichen Metalbands, sticht aber aus der Masse von Gothic Metalalben der letzten Jahre kaum heraus. Das muss es jedoch auch nicht, um überzeugen zu können. Die Basis bildet natürlich der Metalsound mit den E-Gitarren von EMANUELE ROSSI. Die sind hier ziemlich derb und sehr tief verzerrt; rollen so wie mit Spikes über den Hörer hinweg, während der Bass von MARCO PERALDO die spitzen Nadeln im Klangbild rund schleift und den krätzigen Gitarrensound für den Hörer so erst angenehm macht. Schlagzeuger EDOARDO GIORDANI zeigt sich mit seinen Drums sehr souverän und weiß genau, wann er Percussion einsetzen muss und wann nicht. Besonders bei den überraschenden Tempowechseln macht er einen guten Eindruck. Jedoch wurde der Sound von Human Maze auf technischer Seite ein wenig ausgehöhlt, damit man auch noch genügend Platz für das Keyboard von RODOLFO CODA BERTETTO hat. Das ist manchmal gut – wenn MY BLACK LIGHT auf Klavier bzw. ein Piano setzten, was hier des Öfteren der Fall ist – das kann aber mit den seltsam schrägen Elektrosounds schon mal nach hinten los gehen. Gelegentlich ist auch noch eine akustische Gitarre zu hören. Sängerin MONICA PRIMO hat eine mehr helle, als in die Tiefe gehende Stimme, aus der sie das Beste herausholt und durchaus Klanggewalt zeigt, wie man auch manchmal an dem opernhaften Gesang heraushören kann. Ein Dialekt ist bei ihr nur selten auszumachen. Auch RODOLFO CODA BERTETTO übernimmt einige Gesangspassagen, allerdings mit einem sehr deutlichen italienischen Dialekt. Sängerin MONICA PRIMO hingegen merkt man ihre Herkunft nicht an, was bei dem Growling aus die Hintergrund jedoch nicht sonderlich auffällt und darum nur in vereinzelten Stücken auffällt.

 

Obwohl man bei MY BLACK LIGHT ein großes Potential spürt reicht es noch nicht ganz, um vollends zu überzeugen. Die Band experimentiert deutlich hörbar mit diversen Genres und versucht ihre Linie zu finden, wobei der Gothic Metal einen festen Ausgangspunkt bildet. Da haben wir düstere Melodien, die entweder von den Sängern oder den Keyboards getragen werden und MY BLACK LIGHT setzen auch hier weit mehr auf pure Schwärze als Melancholie, aber hier auch schon teils hymnisch, teils episch. Die Songs von Human Maze sind oft nur in den ersten Minuten simpel gestrickt und haben kompositorisch weit mehr Tiefe. Nicht selten übertreten die Italiener dabei die Grenze hin zum Death und vor allem zum Symphonic Metal. An dieser Stelle hat man nun jedoch zwei Extreme: entweder die Überleitungen sind dermaßen unpassend, weil der Wechsel einfach nicht dazu passen will; oder die Übergänge sind sehr gut konstruiert und bilden einen gemeinsamen Fluss. Insgesamt jedoch muss man sagen, dass die experimentellen Stücke mehr in der ersten Hälfte des Albums zu finden sind. Später steigern sich MY BLACK LIGHT und liefern dank einem großen Einfallsreichtum und etlichen Überraschungen im Songwriting ein gutes Gothic Metalalbum ab, dem es sowohl an schwarzen Gefühlen als auch Melodie nicht mangelt. Hier zeigt sich, dass die experimentelle Spielfreude auch ihre guten Seiten hat, denn auf Human Maze klingt in der Tat kein Song wie der andere. Langeweile kommt so nicht im Ansatz auf und auch im Tempo hinterlässt die Scheibe einen sehr guten Eindruck. Es gibt schnelle Stücke, langsame Stück, den schwerfälligen Song zwischendurch und ein paar Balladen, wobei oft ein oder zwei Tempowechsel inbegriffen sind. Und dass man von einer italienischen Gothic Metalband auch endlich mal einen italienischen Song zu hören bekommt, ist auch nicht zu verachten, wenn man bedenkt, dass die Szene auch nicht unerheblichen von der italienischen Renaissance beeinflusst ist.

 

Fazit: Alles in allem ist Human Maze von MY BLACK LIGHT ein sehr ambitioniertes Gothic Metalalbum, was anfangs unausbalanciert wirkt und sich erst in der zweiten Hälfte steigert. Aber man merkt, dass sich die italienische Band damit auf einem sehr guten Weg befindet, weswegen man hier durchaus wohlwollenden 7 von 10 Punkten geben kann.


Anspieltipps:
The Abstainer
Deadline
A Lie For Eternity
Ti Sento

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