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CANDLEMASS - Psalms For The Dead


Candlemass - Psalms For The DeadAlbum: Psalms For The Dead von CANDLEMASS

Tracklist:

01. Prophet
02. The Sound Of Dying Demons
03. Dancing In The Temple (Of The Mad Queen Bee)
04. Waterwitch
05. The Lights Of The Thebe
06. Psalms For The Dead
07. The Killing Of The Sun
08. Siren Song
09. Black As Time

Label: Napalm Records

Vertrieb: Edel

Veröffentlichung: 08.06.2012

Kritik: Über CANDLEMASS sollte man an dieser Stelle eigentlich noch kaum ein Wort verlieren müssen. Gegründet 1984 im schwedischen Stockholm stieg die Band Ende der 1980er durch Alben wie Nightfall, Ancient Dreams und Tales Of Creation zu den führenden Größen in Sachen Doom Metal auf. Nach 1990 wurde es jedoch turbulent innerhalb von CANDLEMASS und die Band verschliss mehr Musiker als die US Army Söldner im Irak. Ein Prozess, der bis heute andauert und dessen jüngstes Opfer der Amerikaner ROBERT LOWE ist, der von 2006 bis 2012 für CANDLEMASS am Mikro stand. Nur sechs Tage vor der Veröffentlichung ihres neuesten Albums Psalms For The Dead strich er die Segel und verkündete im selben Atemzug, dass er nun für das neue Projekt von LYRAKA als Sänger engagieren werden. Inzwischen haben CANDLEMASS mit MATS LEVÉN einen Ersatz gefunden wurden. Auf Psalms For The Dead ist jedoch noch gänzlich mit ROBERT LOWE aufgenommen, abgemischt und veröffentlich worden.

 

Ohne Zeit für irgendein Intro zu verplempern legt die Schweden mit „Prophet" gleich mal sehr ordentlich los. Zwei diverse Riffs, schwere E-Gitarren und eine finstere Orgel sorgen für eine einsame Eiseskälte. Noch dazu ist der Songs teilweise langsam, Nackenbrecher und dann wieder angenehmen schnell mit einer hymnischen Hookline. Nach dem sehr gelungenen Einstand liefern CANDLEMASS mit „The Sound Of Dying Demons" einen klassischen Doom Metalsong auf höchstem Niveau ab. Das Stück ist recht schwerfällig, steigert sich aber durch immer fiesere E-Gitarren, apokalyptische Lyrics und wächst zu einem Marschlied für das Ton gewordene Verderben. Erst recht, wenn der Song an Fahrt gewinnt. „Dancing In The Temple (Of The Mad Queen Bee)" hat dafür mit Doom Metal nur noch wenig gemeinsam, dafür viel eher mit epischen Heavy Metal der Marke DIO – und also solches überzeugt der Song auf der ganzen Linie! Das merkt man an dem beständigen Keyboard und einer wirklich hymnischen Melodie präsentiert von harten E-Gitarren. Nach dem kurzen Hoffnungsschimmer des klassischen Schwermetalls stürzen CANDLEMASS ihre Hörer mit „Waterwitch" jedoch wieder ins Verderben – und das wollen wir bei einem Doom Metalalbum ja auch schließlich haben. Die Struktur ebenso klassisch mit sehr ruhigen Strophen, mächtigen Gitarrenwänden als Zwischenspiel und eine perfekte Brücke hin zu den mitreissenden Gitarrensoli. „The Lights Of The Thebe" spannt den Hörer zwar mit dem Synthesizer ein wenig auf die Folter, aber das düstere Metal-Ungetüm entschädigt für Manches, wenn der ewig stampfende Takt rücksichtslos voranpusht. Jedoch hat sich in die leicht arabische Melodie eine gewisse Dosis Eintönigkeit eingeschlichen, die man leider nicht ohne Weiteres ignorieren kann. An dieser Stelle folgt nun der Titeltrack „Psalms For The Dead", eine sehr unheimliche, aber auch recht melodiöse Halbballade, die das Doomsiegel Sarg-A redlich verdient hat. Nicht zuletzt, da der Song stellenweise zu einem echt Groove-Monster ausufert. Bei „The Killing Of The Sun" verlassen CANDLEMASS abermals den finsteren Pfad und begeben sich auf eine weit phantastischere Reise zu einer Kreuzung zwischen BLACK SABBATH und DIO. Der träge, aber beständige Takt, das Drum-Intro, die dicken Soli und das simple Riff machen hier einfach Laune. „Siren Song" hat das arg merkwürdige Intro nicht nötig, was eigentlich und Platz und Zeit raubt. Warum denn nicht gleich zu dem Stück an sich springen und sich darüber freuen, wie CANDLEMASS „The Killing Of The Sun" nochmal aufgreifen, an den Akkorden minimal herumbasteln und dem Stück einfach einen anderen Titel geben. Ergo ist das hier doppelt gemoppelt und eben deswegen schlicht unnötig. Wer sich den Monolog von „Black As Time" anhören wird, für den wird der Titel schon hier wesentlich greifbarer finden. Der Song selbst startet erst nach circa zwei Minuten so richtig durch, wobei sich CANDLEMASS den Kniff erlauben und das Schema einmal umdrehen. Während alle Songs von Psalms For The Dead nämlich im Chorus aufbrausen, so lassen es die Schweden gleich richtig krachen und setzen im Chorus auf ruhigere Töne.

Candlemass - Band 01Der Sound von Psalms For The Dead rockt natürlich was Pest und Pestilenz hergeben. Die Gitarren von LASSE JOHANSSON und MAPPE BJÖRKMAN sind tief verzerrt, aber eben nicht besonders schwer, damit der Bass von LEIF EDLING viel besser greifen kann. Das Klangbild bekommt so eine recht Wucht aus dem Untergrund. Fast könnte man sogar sagen aus dem Grab heraus, wenn man bei Schlagzeuger JAN LINDH ein mordsmäßiges Echo bemerkt, über welches auch eine gewisse Kälte entsteht. Nicht zuletzt auch der reichhaltigen Percussion, die sich wie ein frostiger Wind auf den Sound legt und Psalms For The Dead erst so richtig kalt rüberkommen lässt. Für die feinen Nuancen zwischendrin sorgt das Keyboard von PER WIBERG, was fast bei allen Songs deutlich hörbar mitmischt und in seinem Klang an eine Orgel angepasst worden ist. Bis hier hin noch ein typischer Doom Metalsound, der erst über Sänger ROBERT LOWE das gewisse Etwas bekommt. Denn während sich in der Szene ja über die Jahre Geschrei, Growl und Gekrächze breit gemacht haben blieben CANDLEMASS ihrem Stil treu und setzen auf einen klaren Gesang, der auf jegliche Form von gegrunzter Artikulation verzichtet. Aber das ist nicht das Einzige, was CANDLEMASS vom Gros der Doom Metalbands abhebt.

 

Denn mit dem Growl haben sich auch eine immense Eintönigkeit und Langeweile in den Doom Metal geschlichen – auf die CANDLEMASS als eine der ganz wenigen Bands absolut keine Rücksicht nehmen. Ihre Psalmen für die Toten werden allen Erwartungen der Band und dem Genre gerecht, und doch ist das Album abwechslungsreich, gut komponiert und sehr unterhaltsam. Das fängt alleine schon im Tempo an, denn eines der größten Probleme des modernen Doom Metals liegt in der Tatsache, dass die Songs einfach nicht vom Fleck kommen. CANDLEMASS schieben dem jedoch schon im ersten Stück einen Riegel vor und rocken auf Psalms For The Dead zum Teil richtig schnell, gelegentlich mit einem mittleren Tempo und nur in wenigen Songs wirklich langsam. Aus diesem Grund kann man hier auch kein einheitliches Urteil treffen, dass Psalms For The Dead entweder langsam oder schnell sei; denn hier ist simpel Alles vertreten. Oder anders ausgedrückt: alleine schon durch diese Vielfalt heben sich die Schweden ab und nutzen dabei auch ein wenig den klassischen Heavy Metal, was man an einigen hymnischen Melodien feststellen kann. Den authentischen Eishauch von Pestilenz, Tod und Verderben verlieren CANDLEMASS jedoch nie und liefern auch noch die passenden Architektur obendrauf, sowie das Verwenden von mehreren Riffs in einem Song und überraschende Tempowechsel. Da kommt eben keine Langeweile auf, da sich kaum Song wie der andere anhört. Da wird auch nicht jeder Song unnötig und elendig in die Länge gezogen, sondern die Kapazität des Materials perfekt ausgereizt. Manche der Songs kommen deswegen auch auf ihre typischen Doom-Minuten, manche der Songs dauern aber gerade eben auch nur mal drei bis vier Minuten.

 

Fazit: Mit Psalms For The Dead unterstreichen CANDLEMASS wieder einmal, warum sie zu den besten Doom Metalbands weltweit gehören. Das Album ist abwechslungsreich, kompositorisch ausgefeilt und weist einen wuchtigen Sound auf. CANDLEMASS schaffen es auf diese Weise problemlos Metalfans über den Doom hinaus zu begeistern; und hierfür vergeben wir sehr starke 9 von 10 Punkten.


Anspieltipps:
Prophet
Dancing In The Temple (Of The Mad Queen Bee)
Waterwitch
The Killing Of The Sun

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