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TO/DIE/FOR - Samsara


To-Die-For - SamsaraAlbum: Samsara von TO/DIE/FOR

Tracklist:

01. Kissing The Flames
02. Damned Rapture
03. Cry For Love
04. Death Comes In March
05. Folie A Deux
06. Hail Of Bullets
07. Loves A Sickness
08. Raving Hearts
09. Oblivion Vision
10. Someday, Somewhere, Somehow

Label: Massacre Records

Vertrieb: Soulfood

Veröffentlichung: 27.07.2012

Kritik: Im Jahr 1993 schlug die Geburtsstunde von MARY ANN. Sagt euch Nichts? Kein Wunder, denn im Jahr 1999 benannte sich die Band um in TO/DIE/FOR und unter diesem Namen stiegen sie dank solcher Alben wie Jaded und IV zu den führenden Gothic Metalbands Europas. Seitdem aber im Jahr 2006 Wounds Open Wide erschien, herrschte Funkstille um das finnische Quintett, die lediglich durch das Best Of Epilogue From The Past unterbrochen wurde. Nach fast fünf Jahren beschlossen TO/DIE/FOR die selbst auferlegte Grabesruhe zu stören, um von den Toten wieder aufzustehen. Im Jahr 2011 wurden neue Songs geschrieben und das Material auch umgehend aufgenommen. Ende März 2012 wurde ein Vertrag mit Massacre Records geschlossen, die somit das erste Studioalbum von TO/DIE/FOR seit ganzen acht Jahren weltweit vertreiben werden. Es trägt den Titel Samsara und wird am 27. Juli 2012 erscheinen.

 

To-Die-For - Band 04Das erste Stück nennt sich „Kissing The Flames" und erzeugt schon in den ersten Sekunden Spannung durch raffiniertes Gitarrenspiel. Der Song an sich ist recht groovy, düster und mit einer hymnischen Melodie versehen, die schwarze Seelen grinsen lässt. „Damned Rapture" beschwört mit schwerfälligen Riffs die Apokalypse, die sich auch im langgezogenen Chorus fortsetzt. Erst gegen Ende gewinnt der Song wieder an Fahrt und macht den Weg frei für „Cry For Love"; einer schnellen Rocknummer, die mit der schmerzlichen Melodie viel eher in den Gothic Rock als den Metal gehört. Aber eben deswegen ist der Ohrwurmfaktor bei dem Stück elendig hoch. „Death Comes In March" ist nicht nur die erste und einzige Ballade von Samsara, sondern auch ein recht humorvoller Gag. Das Stück ist eine tieftraurige Ballade mit einem arg schmalzigen Text, bei dem TO/DIE/FOR den Witz erlauben und altes Plattenrauschen, Knistern, Hintergrundgeräusche und Tonsprünge einarbeiten. Genauso, wie man es von schwülstigen Schnulzen aus den 1970ern gewohnt ist. Weiter geht es mit „Folie A Deux", der als extrem düsterer Americana eine außergewöhnlich gute Figur abgeben könnte, aber mit über sieben Minuten schlicht und ergreifend viel zu lang ist. Die schwere, aber eben nicht sonderlich umfangreiche Melodie geht zwar in den ersten Minuten leicht ins Ohr, läuft sich aber ebenso schnell tot. Da ist es unnötig den Song mit einem Kinderchor und anschließend noch mit dem Synthesizer auszudehnen. Da kommen die Gitarrensalven von „Hail Of Bullets" nun gerade recht! TO/DIE/FOR ziehen nun damit das Tempo langsam wieder an und setzen auf eine hymnische Hookline, die allerdings von einem nervigen Keyboard angeschnitten wird. An dieser Stelle kommt noch der strategische Fehler hinzu mit „Loves A Sickness" eine Halbballade hinterher zu schicken, wo man wieder verstärkt auf Schnelligkeit setzen sollte. Die theatralische Melodie wird hierbei von einem Klavier umrahmt, später von schweren Gitarren und harten Drums einfangen. Erst mit „Raving Hearts" wird ein angenehm schneller Song abgeliefert, der auch kaum unter den ruhigen Strophen und besonders mit dem schweren Gitarren im Chorus überzeugt sowie den coolen Gitarrensoli. „Oblivion Vision" bedient sich einer frostigen Triangle, die ihre Wirkung auf den Hörer nicht verfehlt. Dabei besteht das Stück im Grunde nur aus dem Gesang, der Triangle und ein wenig Bassgeschrammel, was zwar eine unwohlige Atmosphäre erzeugt, aber aufgrund seiner extremen Überlänge von über sechs Minuten schon arg plattgewalzt und übertrieben wirkt. Mit „Someday, Somewhere, Somehow" kommt (leider) zum Abschluss nochmals eine Ballade, die dank ihres Gitarrenintros an pessimistischen Trash Metal der 1980er erinnert. Die schweren Strophen und die verzerrte Stimme von Sänger JAPE VON CROW täuschen aber nicht darüber hinweg, dass der Song nur in wenigen schnell und damit ein wenig abwechslungsreicher ist, wie es Samsara zunächst versprach.

To-Die-For - Banner 02

Das Klangbild von Samsara erzeugt fast problemlos eine angenehme Gruftkälte auf hohem Niveau. Die Gitarren von ANTTI-MATTI TALALA und JUPPE SUTELA sind ein wenig körniger, aber auch nur in einem relativ kleinen Spektrum verzerrt. Die beiden Gitarren bewegen sich so fast auf einem Level, was von EZA VIRENs Bass unterschwemmt wird. Dadurch entsteht eine dunkle Bedrohung aus dem Hintergrund, die sich mit dem unterschwelligen Grollen in Horrorfilmen vergleichen lässt. Der oberflächlich raue Gitarrensound kontrastiert auf diese Weise hervorragend mit dem starken Hall der derben Drums von MATTI HUOPAINEN, die eine ungleich stärkere Amplitude aufweisen – und das gibt schon ein kühles, und doch kraftvolles Klangbild. Da macht auch Sänger JAPE VON CROW keine Ausnahme, wenn er oft theatralisch und mit Nachdruck seine Vocals herauspresst, aber auf Gegrunze oder Gegrowle vollkommen verzichtet. Bleibt zuletzt noch das Keyboard von JUSKA SALMINEN, was im Grunde nur dazu dient, den Sound ein wenig abzurunden, denn die Melodien werden bei fast allen Songs von den Gitarren getragen. Meist mit simulierten Streichern, des Öfteren auch als Piano, aber manche arg elektronischen Töne wirken doch ein wenig fehl am Platz. Auf diese Weise verweist der Sound von Samsara mehr in den Gothic Rock als den Metal, was jedoch kein Vorteil ist.

 

Denn dies wirkt sich auch nicht unerheblich auf die Komposition aus. TO/DIE/FOR pendeln auf Samsara ein wenig unentschlossen zwischen Gothic Rock und Gothic Metal, was durch die Diskrepanz zwischen Sound und Songwriting entsteht. Viele der schweren Melodien inklusive so manchen Gitarrensalven sowie verspielte Soli gehören zwar eindeutig zum Gothic Metal, werden aber durch das Klangbild von Samsara abgeschwächt und wären somit viel eher dem Gothic Rock zugehörig, was auch ganz direkt mit Songs wie „Cry For Love" unterstrichen wird, Das wirkt also ein wenig unausgereift, was bei einer solch erfahrenen Band wie TO/DIE/FOR schon ein wenig merkwürdig wirkt. Ein weiteres Manko von Samsara lauert in der Geschwindigkeit des Albums, was auf zwei Ursachen zurückzuführen ist. Zum einen handelt es sich bei der Mehrzahl der Songs um recht träge und langsame Stücke; und zweitens ziehen die Finnen diese Songs noch dazu unnötig in die Länge. Da kommt man schon mal schnell auf sechs oder sieben Minuten, in denen nicht einmal die Gitarrensoli ein wenig Abwechslung hineinbringen können. Denn TO/DIE/FOR verzichten innerhalb der Songs auf Tempowechsel. Mit ihren Texten haben die Finnen da schon mehr Glück, wenn sie die Herrlichkeit der Finsternis besingen und sogar noch ganz offen Sinn für Humor zeigen.

 

Fazit: Je länger eine Pause andauert, desto höher sind die Erwartungen und das macht es auch für die Künstler problematischer, diesen Erwartungen gerecht zu werden. Daran haben auch TO/DIE/FOR mit ihrem neuen Album Samsara zu knabbern. Das Album leidet unter mehreren trägen Stücken sowie einem Sound, der die nötige Härte des Gothic Metals vermissen lässt. Dagegen kann die hervorragende Gitarrenarbeit und die düstere Komposition nur schwerlich ankommen. 6 von 10 Punkten.


Anspieltipps:
Cry For Love
Hail Of Bullets
Raving Hearts

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