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UNHERZ - Die Wahrheit liegt dazwischen


Unherz - Die Wahrheit liegt DazwischenAlbum: Die Wahrheit liegt dazwischen von UNHERZ

Tracklist:

01. Schmerz neu definiert
02. Mein Weg, mein Wille, mein Leben
03. Seite an Seite
04. Benzin
05. Paranoia
06. Dieser Traum
07. King Kongs Schwester
08. Jag' mich zum Teufel
09. Nur wenn du Träume hast
10. Leuchtfeuer
11. Alles, was ich will (Bonustrack)

Label: Massacre Records

Vertrieb: Soulfood

Veröffentlichung: 24.08.2012

Kritik: Obwohl Heavy Metal aus Deutschland ein echtes Markenprodukt mit zahlreichen Erfolgsbands ist, ist Heavy Metal mit deutschen Texten immer noch eine echt Rarität. Da sticht jede Band ein wenig heraus, die es versucht, und wovon UNHERZ mit Abstand zu den Besten gehören. Bereits letztes Jahr erschien ihr zweites Album Herzschlag, was wir für euch natürlich pflichtbewusst und gründlich unter die Lupe genommen haben. Bereits Herzschlag erwies sich als vielversprechendes Album. Wer sich jedoch auch an unser anschließendes Interview erinnert, der wird bestimmt noch die Worte von Bassist LOCKE vor Augen haben, wie er damals vorsichtig ein weiteres Album ankündigte, was 2012 folgen könnte. Das war zu dem damaligen Zeitpunkt also noch nicht sicher, aber fleißig und ehrlich wie die Band ist, liegt nun tatsächlich ein unherzlicher Longplayer mit 10 neuen Songs vor. Die Wahrheit liegt dazwischen nennt sich der neue Silberling von UNHERZ, der ab dem 24. August 2012 in den Handel kommen wird. Wir durften uns das Album vorab anhören und gehen in den folgenden Zeilen der unherzlichen Wahrheit auf den Grund.

 

„Schmerz neu definiert" vergeudet keine Zeit mit irgendwelchen Intros, progressiver Struktur oder dergleichen. Nein, stattdessen lassen es UNHERZ gleich mit dicken Gitarrenwände und einer Mordsaggression richtig krachen, was mit einer aufpeitschenden Melodie unterstrichen wird. Dass die Jungs aber auch ihren Humor nicht verloren haben, das zeigt das rebellische Stück „Mein Weg, mein Wille, Mein Weg" mit einem Country-lastigen Intro, wobei der Ohrwurmfaktor nun hier wieder vollends zuschlägt. Das liegt einem aufrührerischen Text, dicken Mitbrüll-Chorus und starkem Live-Potential. Durch „Seite an Seite" zeigen sich UNHERZ wesentlich philosophischer, wobei auch die hymnische Hookline recht gut dazu passt, die sich mit ruhigen Strophen abwechselt. Die Arbeit mit zwei Gitarren bei „Benzin" erinnert in den ersten Sekunden stark an IRON MAIDEN, auch der Sound wirkt jetzt ein wenig rauer und kerniger, jedoch ufert die Nummer schnell in einer melodiösen UNHERZ-Hymne aus, die ebenfalls gleich ins Ohr geht. Auch „Paranoia" verweist anfangs auf MAIDEN, allerdings nimmt der Song eine überraschende Wendung Richtung SODOM. Da haben wir den sehr kehligen Gesang, die ungeschönten Riffs, der morbide Text und nicht zuletzt einen sehr ähnlich Sound wie den deutschen Black Metalgroßmeistern. Das klingt ja sogar so verdächtig nach SODOM, dass ich mich fragen muss, ob Onkel TOM ANGELRIPPER hier nicht ein wenig mitgeholfen hat. Da drängt doch schon fast penetrant eine Frage für das nächste Interview auf. „Dieser Traum" ist allerdings wieder eindeutig UNHERZ, wenn nun über weite Strecken hin ein ganzes Stück ruhiger. Der mitreissende Chorus bohrt sich jedoch abermals sehr tief in die Ohrmuschel und bietet hintersinnigen Mitbrüllrock der besseren Sorte. Ohne einen richtigen Gag kam bisher weder Unherzlich Willkommen, das Debütalbum, und Herzschlag aus. Darum kommt an dieser Stelle „King Kongs Schwester", was inhaltlich den ÄRZTE-Klassiker „Elke" sowie eine ordentlich Portion SM- und Tabu-Sex aufgreift. Der Text ist bissig, die Atmo locker und fröhlich und die Komposition erledigt als verunglückte Rockabilly-Nummer den Rest. Nach knappen fünf Minuten werden UNHERZ durch das schnelle „Jag' mich zu Teufel" aber wieder ernst und auch sehr kritisch gegenüber religiösen Fanatikern. Dabei jedoch weniger aggressiv als vielmehr defensiv und hinterfragend, was den Jungs aus der Pfalz ebenfalls gut zu Gesicht steht. „Nur wenn du Träume hast" ist die erste und einzige Ballade von Die Wahrheit liegt dazwischen, auf der sich UNHERZ auch als komplexe Songwriter ihre Grenzen austesten wollen. Das funktioniert in den ersten Minuten recht gut, wenn sanfte Gitarren auf eine traurigen Text treffen. Auch die Streicher und das Klavier verfehlen ihre Wirkung nicht, doch anstatt auf dieser Basis auf- und den Song auszubauen, ziehen UNHERZ die Melodie in den Chorus hinein und dehnen das Stück auf fast sieben Minuten in die Länge, ohne ausgleichende Überraschungen und Abwechslung zu bieten. Wenn man so will das einzige Stück auf Die Wahrheit liegt dazwischen, was Schwächen aufweist. Wie man es richtig macht, das zeigen UNHERZ gleich im Anschluss mit „Leuchtfeuer" mit einer sehnsüchtigen Seemannsmelodie. Da wird Spannung erzeugt, auf Melodie gesetzt und dennoch setzt das Quartett auf stromlose Instrumente. Das kommt auch sehr rund rüber, aber hier ist kein Gleichklang, der kurze Song geht gleich ins Ohr und mit dem Unplugged-Aspekt verschaffen sich UNHERZ nicht nur Respekt, sondern auch Abwechslung und Unterhaltung.

Auch der Bonustrack „Alles, was ich will" kommt gänzlich ohne Strom aus und liefert eine ebenso harmonische Melodie wie wohliges Lagerfeuergefühl. Nur stimmt das nicht ganz mit dem Text überein, in welchem das Rock N´ Roll Gefühl mit Sex, Alkohol und Bands wie AC/DC, MOTÖRHEAD, NIRVANA und OZZY OSBOURNE besungen wird. Da wären fette Gitarren und dreckige Drums eventuell besser gewesen.

Unherz - Band 02Bei Herzschlag waren noch die letzten Reste einer Underdog-Produktion zu spüren, auch wegen der klanggewaltigen Nähe zu den BÖHSEN ONKELZ. Zwei marginale Schwächen, die UNHERZ mit Die Wahrheit liegt dazwischen auf einen Schlag beseitigt haben, wobei es hier gar nicht so einfach ist, das Klangbild konkret zu beschreiben. Das liegt darin, dass Die Wahrheit liegt dazwischen einen extrem umfangreichen Sound hat, der für jeden einzelnen Song neu ausrichtet und manchmal sogar komplett umstrukturiert ist. Songs wie „Schmerz neu definiert" klingen noch sehr nach den ONKELZ, „Paranoia" hingegen wie frostigster Black Metal und mit dem Unplugged-Material erwartet die Hörer von UNHERZ völlig neue Töne. Keinen Zweifel: UNHERZ haben mit dem Erfolg von Herzschlag direkt in Die Wahrheit liegt dazwischen investiert und das spürt man in der hervorragenden Produktion deutlich. Darin inbegriffen ein Keyboard, Streicher, akustische Gitarren und vereinzelt auch ein Klavier. Das ist erstens sehr vielseitig und zweitens räumt es der Band auch viel mehr Möglichkeiten ein, die auch restlos verwertet werden. Generell kann man jedoch festhalten, dass die Gitarren von ANDY ARNOLD und FELIX ORSCHEL richtig stark und meist sehr körnig verzerrt sind, so dass man jeden noch so kleinen Akkord voll in die Fresse bekommt. Auch der Bass von LOCKE HEYLMANN wird dadurch so richtig spürbar und verpasst dem Sound erst recht eine dicke Kraft und Klanggewalt. Das Schlagzeug von CHRISTIAN BOGERT ist mit ordentlich Percussion aufgepeppt, allerdings wird auch hier kräftig am Fell gedreht, der Hall sowie die Amplitude verstärkt und dann wieder zurückgenommen. Einzige Konstante ist der Gesang von FELIX ORSCHEL, der wie gewohnt unterdrückt und kraftvoll seine Vocals herausbrüllt.

 

Auch inhaltlich schaffen es UNHERZ aus den übermächtigen Schatten der ONKELZ herauszutreten, indem sie gänzlich ihren eigenen Stil mit ihrem eigenen Sound liefern. Grundsätzlich ist Die Wahrheit liegt dazwischen immer noch sehr straighter Heavy Metal mit deutschen Texten. Die Riffs sind in kurzen harten Akkorden verpackt, umrahmt mit fetten Gitarrenwänden. Die Melodien gehen oft schon beim ersten Hören ganz leicht ins Ohr und UNHERZ geben auf ihrem dritten Album auch ordentlich Gas, ohne jedoch Abwechslung oder Unterhaltung vermissen zu lassen. Ohne Schwächen kommt Die Wahrheit liegt dazwischen leider nicht vollständig aus, halten sich aber sehr in Grenzen. Man merkt, dass die Pfälzer hier fleißig herumexperimentiert haben, um ihren eigenen Stil zu finden, und meist klappt die Suche auch außergewöhnlich gut, wie etwa der Ausflug in den Black Metal und der humorvolle Rockabilly-Metal von „King Kongs Schwester". Weniger Glück haben die Pfälzer, wenn sie bei der Ballade „Nur wenn du Träume hast" Gleichklang zulassen und das Stück in die Länge ziehen. Strategisch begehen UNHERZ den Fehler und bringen die stromlosen Lieder alle ans Ende von Die Wahrheit liegt dazwischen. Das kann man zwar als wirkliche Reise im musikalischen Format interpretieren, aber das raubt dem Album schon arg die Energie und den Bums. Dabei zeigen sich UNHERZ auf Die Wahrheit liegt dazwischen noch viel aggressiver und energiegeladener als bei den Vorgängeralben, wie man an den acht Songs zuvor hören kann. UNHERZ entwickeln ihren eigene Handschrift mit Mut, Unherz und Elan, und davon proftiert die Band und auch ihre Hörer.

 

Fazit: Man muss UNHERZ wirklich großen Respekt für so eine rasante Entwicklung zollen. Die Wahrheit liegt dazwischen ist ein kraftvolles, starkes und sehr vielseitiges Album mit vielen Ohrwürmern, dickem Metalsound, hervorragender Produktion und sogar einigen Unplugged-Stücken. UNHERZ entwickeln ihre ganz eigene Handschrift mit viel Mut, Unherz und Elan, was uns starke 9 von 10 Punkten wert ist.


Anspieltipps:
Mein Weg, mein Wille, mein Leben
Benzin
Paranoia

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