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CROSSFAITH - Apocalyze (Europäische Edition)

Crossfaith - Apocalyze SpecialAlbum: Apocalyze von CROSSFAITH

Tracklist:

01. Prelude
02. We Are The Future
03. Hounds Of The Apocalypse
04. Eclipse
05. The Evolution
06. Scarlett
07. Gala Hala (Burn Down The Floor)
08. Countdown To Hell
09. Deathwish
10. Counting Stars
11. Burning White
12. Only The Wise Can Control Our Eyes
13. Not Alone
14. Against The Wave
15. Outbreak
16. Jägerbomb

Label: Search And Destry Records

Vertrieb: Sony Music

Veröffentlichung: 24. Januar 2014

Kritik: Europa gilt allgemeinhin als das globale Zentrum für Metalcore. Denn Obwohl der Trend in den USA entstand, finden sich nämlich die meisten Bands des Genres in der alten Welt. Speziell Deutschland und England sind dabei ganz groß. Mit CROSSFAITH findet jedoch eine der allerersten Metalcore-Bands aus Japan den Weg nach Deutschland.
CROSSFAITH wurden 2006 in Osaka gegründet und haben in Japan bereits zwei Alben veröffentlicht. Namentlich das Debütalbum The Artifical Theory For The Dramatic Beauty im Jahr 2009 und den Longplayer The Dream, The Space zwei Jahre später. In Japan selbst konnte die Band damit solche Erfolge feiern, dass es CROSSFAITH mit ihrem dritten Album Apocalyze endlich nach Europa geschafft haben – und waren auch hierzulande erfolgreich! Bereits am 13. September 2013 erschien Apocalyze über das deutsche Label Search And Destroy Records in seiner Standard-Version, die jedoch innerhalb kurzer Zeit weitgehend abgesetzt wurde. Darum wird am 24. Januar 2014 eine erweiterte Version des Albums veröffentlicht, die vier weitere Songs enthält. Darunter auch zwei nagelneue Songs, die deswegen ihre Premiere in Deutschland feiern dürfen. Dabei muss man beachten, dass CROSSFAITH nicht einfach nur den typischen Metalcore spielen, wie er in Europa üblich ist. Im Land des J-Rocks und J-Pops liebt man es natürlich etwas spezieller und deswegen haben CROSSFAITH ihren Sound mehr als üblich mit Electro angereichert. Deswegen bezeichnet die Band ihren Sound als Trancecore. Was dahintersteckt, das finden wir in den folgenden Zeilen heraus.

„Predlude", also das Vorspiel, hält sich wirklich sehr dicht an den Titel, obwohl er der Definition eines Vorspiels mit gerade einmal 28 Sekunden kaum gerecht werden kann. Zu hören sind nämlich ein mysteriöses Keyboard und basslastiges Electro-Geschrammel, wasdirekt in den ersten richtigen Song „We Are The Future" mündet. Dort kommen zum dem Electro-Geschrammel noch dicke BPMs (Beats-Per-Minute) hinzu, bis mit einem Mal die Hölle losbricht. Nun mischen sich in den Sound echte Drums, E-Gitarren und aggressives Core-Geschrei. Da wird gleich klar, dass es bei CROSSFAITH ordentlich scheppert, auch wenn die Gitarren ist im Chorus erst vollends durchbrechen. Auf diese Weise prügelt sich der Song fast schon ins Ohr und besitzt sogar einen exklusiven Headbanger-Part, der sich wunderbar live ausnutzen lässt. Song Nummer Zwei namens „Hounds Of The Apocalypse" verzichtet auf irgendeine Einleitung gibt extremen Instrumentengewitter gleich voll auf die Fresse! Erst der Chorus bringt eine minimale Melodie zustande, die zum Headbangen einlädt. Auf ein wenig Electro können oder wollen CROSSFAITH hier nicht verzichten, aber es passt auch seltsamerweise in den Song, der so abrupt endet, wie „Eclipse" anfängt. „Eclipse" ist das erste Stück von Apocalyze, was auf eine schlüssige und auch verdammt eingängige Melodie setzt und sich damit sogar Charts-tauglich präsentiert, ohne die nötige Authentizität als Core-Song zu verlieren. Auch wenn das Lied manchen Hardcore-Bohrern in der Mitte vielleicht ein wenig zu glatt klingen mag. Mit „The Evolution" drosseln die Japaner erstmals die Geschwindigkeit ein wenig, setzen an dieser Stelle auf dicken Groove und Rhythmus. Aber das passt hier auch perfekt ins Bild von Apocalyze, denn die Japaner vergessen hier abermals nicht die Live-Tauglichkeit des Songs mit diversen Kampschreien anzupreisen. Dabei bleibt die Nummer von Anfang bis Ende tanzbar. „Scarlett" bleibt in etwa auf derselben Geschwindigkeit, jedoch wagen CROSSFAITH hier einen Blick in den Alternative Metal hinein und setzen durchentwegt auf eine abgespacte Melodie, zu dem das Geschrei von Sänger KENTA KOIE hervorragend kontrastiert. Erst ab der Mitte hin verlässt sich die Band eine Spur zur sehr auf Electro drängt die Gitarren in den Hintergrund. „Gala Hala (Burn Down The Floor)" besticht durch ein fettes Nu Metalriff der Marke WES BORLAND, auch wenn der Song im Endeffekt doch bewusst unterkühlt und kaltblütig nach Brandsätzen verlangt. Immerhin zeigen CROSSFAITH dadurch auch eine Bandbreite, die über den Metalcore hinausgeht. War es nämlich nun der Nu Metal, so werfen sie bei „Countdown To Hell" bunt Metalcore, Grindcore und Speed Metal durcheinander. Was bedeutet, dass der Song keine andere Funktion besitzt als voll auf die Fresse zu geben – und zwar von Anfang bis Ende. Das Stück richtet sich somit direkt an die Fanbase und ist in diesem Falle auch nicht verkehrt. Die Fanbase kommt auch bei „Deathwish" voll auf ihre Kosten, denn der Song macht mit seiner simplen Struktur einfach Laune ohne groß darüber nachdenken zu müssen. Da gibt es vergleichsweise ruhige Strophen, einen fetzigen Chorus und in der Mitte ein wenig Keyboard-Geschrammel. „Counting Stars" besitzt auffälligerweise ein sehr ähnliches Songwriting, wo sich relativ sanfte Strophen mit einem fetzigen Chorus abwechselt und sogar das Geschrammel wieder aufgreift. Nur kann diese Kombination nun nicht so zünden, weil man sie ja gerade eben so gehört hat und die Melodie doch etwas zu theatralisch geraten ist. Auch, dass CROSSFAITH den Song langsam auslaufen lassen, dürfte nicht immer auf Gegenliebe treffen. Allerdings ergibt sich dadurch auch eine flüssige Brücke zu „Burning White, wo die Japaner ihr Schema auf Links ziehen. Hier ist eher der Chorus melodiös, während hier sonst ordentlich scheppert und abgeht. Dass die Japaner dabei die Melodie nicht außer Acht lassen, kann man ihnen nur zu Gute halten. Der letzte Song der japanischen Original-Edition nennt sich „Only The Wise Can Control Our Eyes" und verwendet abermals auf geschickte Weise das Spiel mit Breaks, diversen Anleihen an den Nu Metal und jetzt sogar den J-Rock. Hier wird auf die Fresse gegeben, die Energie gesammelt und in einem wilden Chorus losgelassen. Die Wall Of Death lässt grüßen.
Die deutsche Edition von Apocalyze geht an dieser Stelle jedoch weiter und präsentiert vier weitere Songs. Über „Not Alone", „Against The Wave" und „Outbreak" lässt sich an dieser Stelle nicht viel mehr sagen, als dass sie sich auf dieser Edition befinden, denn sie standen nicht zu Rezensionszwecken zu Verfügung. „Jägerbomb" hingegen ist eine Single aus der 2012er EP Zion, die hier zu einem späten Highlight von Apocalyze umfunktioniert wird. Die lässigen E-Gitarren verbreiten von Beginn an schon fette Core-Laune, die sich mit einem Mal in dicken Riffs und einer mitreißenden Melodie entlädt. Jetzt braucht man nur noch fette Gitarrenwände, einen eingängigen Chorus, einen vollen Dancefloor und ein oder zwei Flaschen Jägermeister. Denn die Jägerbombe ist ein recht beliebter Drink, bei dem ein Stamperl Jägermeister in einem Glas Bier oder Red Bull versenkt wird.
Crossfaith - Banner 01Im Klangbild von Apocalyze kann man am ehesten sehen, warum sich CROSSFAITH als Trancecore-Band versteht. Denn anders als beim Metalcore sind hier Keyboards und Synthesizer zwei dominante Instrumente, die man hier eben sehr deutlich heraushören kann. Bei CROSSFAITH ist TERUFUMI TAMANO dafür verantwortlich, der sich einerseits mit schrillen Keyboards und andererseits mit eher grobem Electro-Geschrammel zusammensetzt. Die Funktion wird dabei schon von Beginn an offensichtlich, denn mit den Keyboards lassen sich wunderbar so manche Melodien tragen, während das Electro-Geschrammel viel eher dazu dient, um die E-Gitarre von KAZUKI TAKEMURA zu unterstützen. Ob das unbedingt nötig gewesen wäre, darüber lässt sich streiten. Schließlich offenbaren die Gitarren hier einen kraftvollen und doch runden Sound, der von Bassist HIROKI IKEGAWA perfekt abgerundet und etwas wuchtiger gemacht wird. Da macht auch Schlagzeuger von TATSUYA AMANO keine Ausnahme, der mit hellen Drums ohne starkes Echo gleich auf den Nerv trifft. Sänger KENTA KOIE verlässt sich in seinem Gesang auf typische Core-Tugenden und schreit sich in ausnahmslos jedem Song die Seele aus dem Leib, wobei Aggression, Wut und Verzweiflung direkt spürbar werden. Allerdings greift KENTA oft den gleichen Gag auf und beginnt eine Zeile seines Textes noch klar und harmonisch, schaukelt sich aber innerhalb eines Satzes rauf zum typischen Core-Screaming, was dem Sound von CROSSFAITH doch ein sehr charakteristisches Merkmal beschert.

Inhaltlich verstehen sich CROSSFAITH als ein Bastard von THE PRODIGY und SLIPKNOT, wobei ich von diesen Vergleichen hier weiten Abstand nehmen würde. Denn Apocalyze bietet hier so viel mehr als das dumpfe und ewig gleiche Geschrammel von THE PRODIGY oder dem gewalttätigen Alternative Metal von SLIPKNOT. Die Japaner schaffen nämlich den wichtigen Spagat zwischen dem aggressiven und gnadenlosen Metalcore und bleiben trotzdem bis zu einem gewissen Grad melodiös und mittreißend, ohne die nötige Authentizität zu verlieren. De Facto kann Apocalyze gleich mehrere Songs aufweisen, die man uneingeschränkt als Ohrwürmer werten kann. Etwas, was bei sämtlichen Unterarten des Cores eher selten vorkommt. Viel wichtiger ist, dass der Boden brennt und die Mucke in den Arsch tritt. Aber auch darauf haben die Japaner eine Antwort, die im Songwriting verborgen liegt. Dort beweisen sich COSSFAITH als recht versierte Musiker, denn auch wenn die Songs einzeln striken Regeln unterliegen, wie zum Beispiel der schlichten Struktur von Strophen und Chorus ohne langes Intro oder Outro, so lassen sich CROSSFAITH immer wieder etwas Neues einfallen. Da sind schon mal ein oder zwei Tempowechsel drin, mit denen die Band ihre eigene Wildheit ein wenig zügelt. Denn bei Apocalyze geht es im Großen und Ganzen schon richtig schnell und teilweise fetzig zur Sache. Hier gibt es auf die Fresse, wie es im Metalcore die oberste Pflicht ist. Das heißt aber nicht, dass es hier nicht auch ein paar Momente gibt, wo man nicht auch Headbangen oder eine gepflegte Jägerbombe genießen kann.

Fazit: Da, wo der handelsübliche Metalcore aufhört, da beginnen CROSSFAITH erst! Ihr drittes Album Apocalyze steckt voller Energie und Power und doch vergessen die Japaner niemals auf manche Details wie Melodie oder Abwechslung zu verzichten. Mit elektronischen Sounds ein wenig aufgepimpt rockt sich die Band aus Osaka den Arsch ab und beschert Metalfans ein durch und durch fetziges Core-Album, was auf der ganzen Linie überzeugen kann. Wir werfen 8 von 10 Jägerbomben.

Anspieltipps:
Eclipse
The Evolution
Jägerbomb

Webpräsenz: Homepage (Japanisch und Englisch), Twitter, Facebook, Youtube




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