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ENFEEBLE - Encapsulate This Moment

Enfeeble - Encapsulate This MomentAlbum: Encapsulate This Moment von ENFEEBLE

Tracklist:

01. Intro
02. Shock Me
03. Personage Collapse
04. Flashedever
05. Cavity Door
06. Cries
07. The Last Night Before
08. Reality Loss
09. Agony Revenge
10. The Creation
11. A Million Voices
12. False Faith
13. As We Were Like Shadows

Label: Source Of Deluge

Vertrieb: Collectors Mine

Veröffentlichung: 7. März 2014

Kritik: Hm, was könnten wir euch an dieser Stelle über ENFEEBLE berichten? . . . Leider nicht viel, so viel steht schon mal fest. Wir wissen gerade einmal so viel, dass sich die Band 2005 gegründet und sich einem vielschichtigen Metal-Mix bestehend aus Melodic Thrash Metal, Death Metal und einer kleine Prise Emo bzw. Screamo und Spuren von Metalcore verschrieben hat. Zumindest steht es so in der Pressemitteilung. Da steht auch drin, dass es sich bei Encapsulate This Moment schon um das zweite Album von ENFEEBLE handelt, doch weder wie diese Scheibe heißen soll, wann sie erschienen ist, noch ob sie überhaupt erhältlich ist. Hm, wie es scheint machen ENFEEBLE ein ganz schönes Mysterium um ihre Existenz. Fest steht allerdings, dass Encapsulate This Moment auf jeden Fall am 7. März 2014 in den Handel kommen wird. Und immerhin haben wir hier ein schickes Rezensionsexemplar von Encapsulate This Moment vor uns liegen, damit wir ENFEEBLE mal gründlich auf den Zahn fühlen können, ob das nun Core, Melodic Thrash oder Death Metal ist.

Wie es sich für ein anständiges und rundes Album auch gehört, liefern ENFEEBLE mit „Intro" eine saubere Einleitung in den Kanon von Encapsulate This Moment ab. Die abenteuerlustige Hymne kommt zwar vollständig aus dem Keyboard und die Orgel wirkt ein wenig seltsam, ist jedoch ganz in Ordnung. Das intro geht auch direkt in „Shock Me" über, was sich genauso anhört, wie es der Titel verrät. Mit permanentem Drumgewitter, Geschrei und schnellen E-Gitarren. Der Tempowechsel im Chorus sowie die eingängige Melodie gehören eindeutig zum Core und gestalten sich für den Song optimal. Nur, dass sich manche Textzeilen ewig wiederholen, wirkt etwas eintönig. „Personage Collapse" macht mit seiner flotten und eingängigen Melodie zunächst Alles richtig, doch ENFEEBLE ziehen es vor sich in den Strophen auf allzu viel Geprügel zu verlassen. Dauernde Drums und Geschrei kennt man sowohl vom Death als auch vom Core schon genügend und die depressive Melodie wird darunter auch fast luftdicht begraben. Mit dem trägen Mittelpart schaffen es ENFEEBLE jedoch noch dem Song etwas Spezielles abzugewinnen. Das heißt, der Song ist doch vielseitiger, als es zunächst den Anschein hat. Nur nicht genügend, um vollends zu überzeugen. Diese Probleme hat „Flashedever", denn der Song beginnt überraschend als melancholische sowie düstere Ballade, bis die Fassade durch kurze, harte Riffs zum Einsturz gebracht wird und schließlich in einem schnellen und doch ungewöhnlich eingängigen Song endet, bei dem die Tempowechsel genauso präzise sitzen, wie der plakative Growl und die Headbanger-Riffs. Mit „Cavity Door" verfallen ENFEEBLE jedoch in typische Core-Laster und prügeln und kreischen jede Hookline tot. Das wirkt chaotisch, planlos und kontraproduktiv. Zwar gibt es da zwischendrin schon noch irgendwo einen Chorus, doch der interessiert nach zwei Minuten Geprügel eigentlich kaum noch. Zeit also, sich dem erfolgreichen Prinzip von „Cries" zu bedienen und mit sanften E-Gitarren zu beginnen, in derbe Riffs überzogenen und harte Gitarren mit einer ansprechenden Melodie zu kreuzen. So weit, so gut. Nur übertreiben es die Mannen hier stellenweise und je nachdem, ob man mehr im Metal oder im Core zuhause ist, entscheidet sich, um man sich damit zufriden geben kann oder nicht. „The Last Night Before" setzt im Grunde voll auf den WTF-Effekt, wenn man plötzlich irgendein unterkühltes Electro-Geschrammel mit dezentem Groove aus den Boxen dröhnt, was wohl einmal als Intro zu „Reality Loss" gedacht war. Nach nicht allzu reiflicher Überlegung haben sich die Jungs wohl zu Recht dagegen entschieden beide Stücke unter einem Titel laufen zu lassen, denn „Reality Loss" hat in der Tat viel mehr zu bieten. Zwar wird der Song mit einem absoluten Instrumenten-Chaos eingeläutet, doch die fallenden Riffs und die aggressive Melodie machen hier echt Laune. ENFEEBLE schaffen es auch tatsächlich den rebellischen Unterton den ganzen Song aufrecht zu erhalten. Im anschließenden „Agony Revenge" bekommen wir letztendlich auch den sogenannten Melodic Thrash Metal zu hören, den ENFEEBLE in der Pressemitteilung angekündigt haben;.mit einer fast schon keltischen Melodie und einer immensen Power. Gut, die verliert sich zwar in den Strophen in einen recht sinnlosen Pressluft-Dampf, aber dafür macht hier der Chorus echt Laune. Und für Headbanger hat das Stück etwas zu bieten, sofern man ein wenig Geduld aufwenden kann. „The Creation" schielt jedoch übermächtig in den Core, wenn hier groovige Riffs mit einer äußerst eingängigen Melodie gekreuzt werden, die sofort ins Ohr geht. Wer sich den Chorus auch einmal genauer anhört, der erkennt sofort die Live-Qualitäten darin. Die müssen die Jungs nun nur noch umsetzen und man kann zufrieden von nem Konzert nach Hause gehen. „A Million Voices" klingt zunächst etwas ähnlich, zumindest in der Melodie. Denn mit dem Intro wird ein flüssiger Übergang zu einem rasant-fetzigen Song geschaffen, der aber leider nicht besonders überzeugen kann, da sich die Melodie im Kreis dreht und ENFEEBLE mir persönlich viel zu lang und penetrant darauf rumreiten, bevor sie im Chorus das Tempo wieder drosseln. Bei „False Faith" ist es prinzipiell genau umgekehrt. Da macht das Intro eine recht solide Figur, die Strophen mit dem monotonen Drums und den abgehackten Hazard-Riffs wirken insgesamt brutal-stupide und haben auch mit dem bisherigen Kanon von Encapsulate This Moment kaum irgendetwas zu tun. Dennoch trägt der Song teilweise balladeske Züge, was hier absolut nicht zusammen passen will. Anders ausgedrückt haben sich ENFEEBLE hier in ihrer Experimentierfreudigkeit zu sehr verloren. Eine letzte Überraschung gelingt den Jungs aus dem hohen Norden trotzdem doch noch, da mit „As We Were Like Shadows" tatsächlich eine reine Ballade aus den Boxen tönt. Für männliche Hörer sicherlich eine Spur zu zerbrechlich, doch mit einer hymnischen Melodie gut abgerundet und mit den Keyboard-Streichern auch ebenso gut arrangiert. Als letzten Feinschliff hätte man auch die Monologe eliminieren können, die sich über die Atmosphäre legen, aber im Endeffekt rundum gelungen.
Enfeeble - Band 01Obwohl ENFEEBLE großzügig mit anderen Spielweisen des Metals experimentieren, ist das Klangbild von Encapsulate This Moment am ehesten dem Metalcore zugehörig. Die Gitarren sind zwar sehr dick verzerrt, jedoch ähnlich dem Death Metal bewusst tief gestimmt. Das erlaubt zwangsläufig einen übermächtigen Bass, der fast den gesamten Sound dominiert bzw. sowohl Drums als auch Gesang beinahe unter sich begräbt. Die Drums haben kein sonderliches Echo, weshalb der Schlagzeuger hier eben noch einmal mehr Gewalt aus sich herausholen muss. Wenn es sein muss auch mit Doppel-, Dreifach-, Vierfach- und weiß der Geier wie vielen Basstrommeln. Im Gesang ist Alles Vorhanden, was es im Metal so gibt. Da gibt es klare Linien, Scream und Growl ohne dass man ein Gesangsweise hervorheben könnte. Allerdings muss man dieser Stelle auch festhalten, dass es im harmonischen bzw. im klaren Gesang noch einen deutlich hörbaren Nachholbedarf gibt. Alles in Allem aber akzeptabel und für eine noch ziemlich unbekannte Band solide produziert.

Inhaltlich machen es ENFEEBLE dem Hörer gar nicht so leicht eine klare Aussage treffen zu können, denn die Band zeigt sich auf Encapsulate This Moment recht experimentierfreudig. Man kann sich sogar direkt vorstellen, wie sich diverse Rock- und Metalfans das Maul zerreißen, wo man die Scheibe am Ehesten einordnen kann. In meinen Ohren gehört Encapsulate This Moment allerdings uneingeschränkt zum Metalcore. Das wird durch die schweren und doch kurzen Gitarrenriffs deutlich sowie den rasanten Drums und dem einschlägigen Gesang, der fast allen Songs in den Strophen und/oder dem Chorus spürbar wird. Was aber Encapsulate This Moment von anderen Core-Alben unterscheidet, sind die Specials, die sich ENFEEBLE für ihre Songs einfallen lassen. Denn fast jeder Song des Albums – sogar die schwachen und eher monotonen Stücke – haben entweder ein sehr schickes Gitarrensolo und meist sogar ein oder zwei Tempowechsel, die sich recht harmonisch anhören lassen, was man am ehesten dem Melodic Death Metal zurechnen kann. Das macht die einzelenen Songs von Encapsulate This Moment schon wesentlich länger und unterhaltsamer als bei reinen Core-Bands. Mit Thrash Metal, wie es in der Pressemittelung heißt, hat Encapsulate This Moment jedoch fast gar Nichts gemein, allerhöchstens in einem Song ist noch eine komplexe Riffstruktur deutlich. Für Enttäuschung besteht jedoch an dieser Stelle kaum ein Grund, denn der Genre-Mix reicht aus, um das Album wesentlich abwechslungsreicher und unterhaltsamer zu machen, als es der beschränkte Core-Kubus möglich macht. Encapsulate This Moment bietet teils wuchtige, teils schnelle Songs, ohne dass ein Stück dem anderen gleicht. Und genau bei den schnellen Stücken liegt auch eine Schwäche der Scheibe verborgen, denn gelegentlich verirren sich ENFEEBLE zur sehr in Monotonie und Geprügel. Encapsulate This Moment ist also grundsätzlich ganz in Ordnung, es gibt jedoch noch Luft nach Oben.

Fazit: Das Album Encapsulate This Moment von ENFEEBLE ist eine experimentierfreudige Core-Scheibe mit Spuren des Death und Melodic Death Metals, was sich einen großzügigen Blick über den begrenzten Core-Rand hinaus erlaubt. Genau deswegen wirkt Encapsulate This Moment gleichzeitig etwas chaotisch und doch vielversprechend. Eine mutige Produktion von ENFEEBLE, doch es gibt definitiv noch Luft nach Oben. Wir vergeben 7 von 10 Punkten.

Anspieltipps:
Flashedever
Reality Loss
The Creation

Webpräsenz: Homepage, Myspace, Facebook, Youtube