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GUN BARREL - Damage Dancer

Gun Barrel - Damage Dancer

Album: Damage Dancer von GUN BARREL

 

Tracklist:

 

01. Intro
02. Damage Dancer
03. Bashing Thru
04. Judgement Day
05. Passion Rules
06. Building A Monster
07. Heading For Disaster
08. Ride The Dragon
09. Whiteout
10. Black Alley Ruler
11. Vultures Are Waiting
12. Raise Up To The Storm

 

Label: Massacre Records

 

Vertrieb: Souldfood

 

Veröffentlichung: 21. März 2014

 

Kritik: GUN BARREL sind aus der deutschen Rock- und Metalszene kaum noch wegzudenken. Seit 1998 macht die Band aus Köln schon die Sleaze-Szene in Deutschland unsicher und haben sich innerhalb Europas schon fast einen legendären Ruf erspielt. Angesichts des 10-jährigen Jubiläums zogen sich GUN BARREL für ein paar Jahre aus dem Musikgeschäft zurück, um neue Kraft zu tanken. Brace For Impact hieß schließlich das fabelhafte Comeback im Jahr 2012, bei dem PATRICK SÜHL sein Banddebüt am Mikrophon gab. Das Album wurde von der Presse als auch vom Publikum sehr wohlwollend aufgenommen, was die anschließende Tour eindrucksvoll bestätigte. Mit ordentlich Rückenwind also gingen GUN BARREL wieder ins Studio, um den Nachfolger Damage Dancer aufzunehmen, der seit dem 21. März 2014 im deutschen Handel erhältlich ist.

 

Das „Intro" wird seiner Funktion auch ordentlich gerecht, wenn die Kölner weniger mit Gitarren als beständigen Drums ersten Rhythmus erzeugen. Allerdings fällt das „Intro" für meinen Geschmack doch ein wenig zu kurz und einfallslos. Es hätte sich hier darum angeboten dieses Intro dem Titelsong „Damage Dancer" direkt vorangehen zu lassen, anstatt einen eigenen Track draus zu machen. Der Titelsong beginnt mit einem kaltschneuzigen Hardrock-Riff, das man ohne Umschweife den 1980ern zuordnen könnte. Natürlich ist „Damage Dancer" auch ebenso klassisch aufgebaut, mit Strophen, Brücke und dickem Chorus. Die Coolness verliert der Song jedoch in keiner Sekunde, nicht mal im rasanten Gitarrensolo. Mit „Bashing Thru" machen GUN BARREL ihrem sogenannten Dirty Rock & Roll alle Ehre, denn der Song klingt als hätten MOTÖRHEAD und MÖTLEY CRÜE einen illegitimen Bastard gezeugt, der die ungezügelte Energie von MOTÖRHEAD mit der rotzig-frechen Attitüde von MÖTLEY CRÜE kreuzt. Dagegen wirkt „Judgement Day" nur ein wenig melancholischer, allerdings gleichzeitig auch melodischer und in den Lyrics auch etwas aggressiver. Besonders das bullige Riff in Kombination mit den simplen Strophen macht hier echt Laune. Überraschenderweise fackeln GUN BARREL mit „Passion Rules" keine Städte ab, sondern bleiben Anfang nur ziemlich ruhig, indem sie mit flachen Gitarren den Blues durchblicken lassen. Auch wenn der Song immer mehr an Energie und Rhythmus gewinnt, so bleibt der Blues hier auch das dominante Medium, was die Kölner hier in harte Gitarren. Dafür sprechen auch der ehrliche Text und die melancholisch-zynische Melodie. Mit „Building A Monster" beweisen die Hardrocker abermals ihr Geschick in der Tracklist, denn der Übergang von „Passion Rules" in „Building A Monster" ist dermaßen flüssig, dass sich hier ein sehr angenehmer Flow ergibt. Erst recht, wenn es hier wieder wesentlich schneller und trotzdem sehr melodiös zur Sache geht. Dagegen präsentiert sich „Heading For Desaster" als grundsolide Hardrock-Festung, mit ein Stein gemeißelten Rhythmus und klassischem Riff. Wer sich hierbei abermals an die 1980er erinnert fühlt, der irrt keineswegs. „Ride The Dragon" bringt wieder etwas mehr Rock & Roll in den Sleaze und somit auch wieder mehr Sahne in den Sack. Sänger SÜHL gibt sich Mühe etwas mehr zu krächzen, die Gitarren johlen und dazwischen ist noch Platz für ein oder lieber zwei Gläser Whiskey. „Whiteout" räumt das Feld von Hinten auf und überzeugt besonders mit seinen flüssig konstruierten Tempowechseln, die auf Damage Dancer übrigens die Ausnahme bilden. Ansonsten bleibt der Song im Chorus hinter seinen Möglichkeiten zurück und präsentiert sich etwas zu dezent für meinen Geschmack, denn erst im Gitarrensolo lassen GUN BARREL ihrer Energie freien Lauf. Immerhin nehmen sie die Energie gleich mit und stopfen sie in „Black Alley Ruler" mit hinein, was ebenso mit einem gut platzierten Tempowechsel punkten kann. Außerdem drehen die Kölner hier die Zeit noch ein wenig weiter zurück und lassen die späten 1970er wiederaufleben. Als der Rock & Roll eine Rückkehr in den Metal feiern durfte. Und das können GUN BARREL echt gut. So ein Bisschen Metal darf es aber dann schon sein und am besten in Form von „Vultures Are Waiting". Schon das Intro wirkt schön fies, wie auch ebenso die geradlinigen Gitarren und der mahnende Chorus. Nur das seltsame Geschrei zwischendrin wirkt irritierend und somit deplatziert. Finales Stück von „Damage Dancer" ist „Raise Up The Storm", bei dem vor allem der Rhythmus so richtig Laune macht und wahrscheinlich so sehr Rock & Roll ist, wie kaum ein anderer Song von Damage Dancer, während die Band nochmal Alles aus sich herausholt.

Gun Barrel - Schriftzug 01

Obwohl GUN BARREL also inhaltlich mehr in die Vergangenheit blicken, als nach vorn, wirkt der Sound von Damage Dancer überraschend modern. Sänger PATRICK SÜHL weitgehend klar und unverzerrt mit sauberen Linien, obwohl ein wenig Gekrächze und Geschrei nicht verkehrt gewesen wäre; wenn GUN BARREL ihren Sound als Dirty Rock & Roll bezeichnen. Immerhin bleibt TONI PINCIROLI mit seinen Drums wortwörtlich sehr solide. Die Gitarren ROLF TANZIUS sind schwer verzerrt und in jeder Faser elektrisierend, womit sich auch bluesige Akkorde als auch dicke Metalriffs aus dem Ärmel schütteln lassen. Allerdings sind die Gitarren dermaßen dominant, dass dem Bass von TOMCAT KINTGEN nicht di geringste Chance eingeräumt wird, etwas mehr Präsenz zu zeigen. Jedoch ist das ein Problem, was schon seit einigen Jahren in der Sleaze-Szene immer wieder negativ auffällt und leider keine Seltenheit mehr darstellt. Ein moderner Sound ist also nicht immer von Vorteil.

 

Aber genau deswegen liefern GUN BARREL mit Damage Dancer ihre bewerte Mischung aus klassischem Hardrock, Hair Metal und ein wenig Sleaze Metal ab, die man von den Kölnern gewohnt ist. Da geht es ohne Kompromisse in einer Tour straight zur Sache. Ohne große Tempowechsel ziehen die Jungs ihr Programm durch und überzeugen mit Eingängigkeit und Rhythmus. Fast alle Songs sind klassisch aufgebaut mit Strophen, Brücke, Chorus und einem Gitarrensolo dazwischen. Dabei wissen GUN BARREL allerdings genau, wo sie welchen Song auf der Tracklist platzieren, um zu verhindern, dass sich ihr Damage Dancer nicht in der Einöde verirrt. Nur so richtig dirty ist das nicht, denn dafür vermisse ich Schimpfwörter, sexuelle Anspielungen und den egoistischen Mittelfinger in die Fresse. Damage Dancer wird vielmehr von persönlichen Themen und dem Drang nach persönlicher Freiheit dominiert, der in den Texten deutlich wird. Mitunter auch mit einer kleinen Dosis Sozialkritik und Optimismus. Damage Dancer ist somit zwar nicht dirty, wie es wohl in vergangenen Zeiten mal gewesen ist, aber GUN BARREL können auf diese Weise ihrer Musik noch ein paar Facetten mehr abgewinnen, die ein Reinhören in Damage Dancer in jedem Fall rechtfertigen.

 

Fazit: Die Kölner Jungs von GUN BARREL liefern auch mit ihrem sechsten Album Damage Dancer Qualitätsware für den Sleaze-Rocker und Hardrock-Fan ab. Mit modernem Sound lassen GUN BARREL den Geist der 1980er wieder aufleben und überzeugen mit einem Hauch Sozialkritik in ihren Texten. Weil dabei allerdings ausgerechnet das Dirty in Dirty Rock & Roll verloren geht, vergeben wir 8 von 10 Punkten.

 

Anspieltipps:


Bashing Thru
Passion Rules
Black Alley Ruler

 

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